Jakob Lorber - Himmelfahrt - Der Prophet Jakob Lorber und seine Verkündungen ... Jakob Lorber

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Jakob Lorber - Himmelfahrt

Feste im Jahr
Die Himmelfahrt Christi


empfangen durch Jakob Lorber am 24.05.1843

Hört ein nicht bekanntes Evangelium über die Himmelfahrt des Herrn, die da stattfand in Bethanien auf einem Berg, welcher aber zuvor keinen Namen hatte und darum erst nach der Auffahrt des Herrn den Namen bekam: die „Höhe des Herrn“, auch „Höhe der Auffahrt“, nach einigen auch „der Weg in die Höhe Gottes“. Wie lautete aber dieses freilich wohl nur kurze Evangelium? – Also lautete es damals allgemein, erzählt von allen Augenzeugen:
„Nach dem Erscheinen des Herrn am See, da Seine Brüder einen Fischfang taten, verweilte der Herr noch etliche Tage unter ihnen und enthüllte ihnen tiefe Geheimnisse des inneren Lebens. Was Er aber in dieser Zeit zu ihnen redete, durfte nicht aufgezeichnet werden, der Menge wegen und um des Unverstandes der Welt willen. Es waren aber da nicht alle Seine Brüder und Jünger zugegen, sondern nur vorzüglich Seine Lieblinge. Solche aber waren: Petrus, Jakobus, Philippus, Jakobus der kleinere, Andreas, Matthäus und Johannes. Zwei Tage aber vor einem Sabbate sprach der Herr zum Petrus: „Simon, da du Mir dreimal in deinem Herzen geschworen hast, dass du Mich liebest, auf dass du weidest Meine Schafe, so gehe denn hin und verkündige es den andern Brüdern, dass der Herr ihrer harret!“ Und der Simon Petrus ging und tat, was ihm der Herr geboten hatte. Als aber die andern Brüder solches erfuhren, da verließen sie sobald Jerusalem und zogen hinaus gen Bethanien und viel Volkes mit ihnen, das da auch glaubte an das Wort des Herrn. Da sie aber an die Stelle kamen, da der Herr weilte mit den sechsten, glaubten viele, dass es der Herr sei, der da gekreuzigt worden war. – Aber es waren auch viele unter dem Volke, welche nicht glaubten und den Herrn für einen verkleideten Jünger hielten, der dem Herrn ähnlich wäre von Gesicht und Person.
Der Herr aber öffnete Seinen Mund und sprach zu Seinen Aposteln: „Verwahret euch noch zehn Tage lang, dann werde Ich euch den Heiligen Geist senden und geben. Nicht einen fremden Geist werde Ich euch senden und geben, sondern Meinen Geist der Liebe und aller Weisheit werde Ich euch senden und geben, auf dass ihr mächtig werdet durch ihn, wie Ich mächtig war unter euch durch den Vater, der Mich gesandt hat in Seiner Fülle zu euch aus der Höhe aller Heiligkeit Gottes. Wie aber der Vater in Mir ist und Ich in Ihm und wir eines sind gewesen von Ewigkeit, also werdet auch ihr und Mein Geist in euch eins sein bis ans Ende der Welt. Ich zwar werde euch jetzt sichtbarlich verlassen, und ihr werdet Mich hinfort mit den Augen eures Fleisches nicht mehr sehen. – Aber in Meinem Geiste werde Ich bei euch verbleiben bis ans Ende der Welt. Und dieser Mein Geist wird euch in alle Weisheit leiten und wird euch alles geben, was ihr erbittet in Meinem Namen. Ich aber kann also hinfort nicht unter euch verweilen, sondern um eures ewigen Heilens willen muss Ich auffahren in die Höhe Meiner ewigen Herrschaft, auf dass Ich euch bereite eine bleibende Wohnstätte im Reiche der Himmel. Jetzt könnet ihr zwar noch nicht dahin, wohin ihr Mich werdet ziehen sehen; wenn aber eure Stunde kommen wird, da werdet ihr auch dahin ziehen können, wohin Ich nun ziehen werde. Wenn ihr aber den Geist aus Mir werdet überkommen haben, dann ziehet aus nach allen Landen der Erde und lehret alle Völker, was Ich euch gelehret habe und was ihr gesehen habt, und taufet sie dann im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes in euch. Und welche da eure Lehre annehmen werden und werden von euch getauft werden, wie Ich getaufet ward im Flusse Jordan von Johannes, über die wird auch sobald der Heilige Geist aus Mir kommen und wird in ihren Herzen zeugen von Mir vor euren Augen.“
Nach diesen Worten hauchte der Herr alle Seine Apostel an und sagte darnach zu ihnen: „Dies ist Mein Geist! Wie Ich einst dem Adam eine lebendige Seele in seine Nüstern hauchte, also hauche Ich in euch nun Meinen lebendigen Geist zum Voraus, auf dass ihr auch nicht einen Augenblick als Waisen dastehen sollet! Nehmet also hin diesen Meinen Geist, auf das ihr wissen möget, wer da ist ein Sünder! Dem Reuigen wird dieser Mein Geist die Sünden erlassen in Meinem Namen; dem Verstockten aber wird Mein Geist in euch die Sünde vorenthalten. Desgleichen tuet auch ihr in Meinem Namen! Löset also und bindet auf Erden – und es wird desgleichen auch im Himmel gelöset oder gebunden sein! Richtet aber niemanden und verdammet keine Seele, wollet ihr der Rache der Welt nicht zu früh in den Rachen fallen!“
Nach diesen Worten bestieg der Herr den kleinen Berg, und eine lichte Wolke nahm Ihn auf. Und Er ward sobald unsichtbar vor den Augen aller Anwesenden. Und viele Ungläubige wurden dadurch bekehrt.
Es kamen aber bald zwei lichte Männer von oben, gaben Zeugnis vom Herrn, verhießen Seine einstige Wiederkunft, verschwanden dann. Und die Brüder und das Volk kehrten frohlockend wieder nach Jerusalem.

Quelle: Jakob Lorber, Himmelsgaben Band 2, S.208.


"Und es soll geschehen,
wer des Herrn Namen anrufen wird,
der soll errettet werden.
Denn auf dem Berge Zion und zu Jerusalem
wird eine Errettung sein, wie der Herr verheißen hat,
auch bei den andern übrigen, die der Herr berufen wird."

Joel 3,5


" Und ich sende die Verheißung meines Vaters auf euch..."

empfangen durch Jakob Lorber am 12.02.1844

„Und ich sende die Verheißung meines Vaters auf euch.
Bleibet aber in der Stadt, bis ihr angetan werdet
mit Kraft aus der Höhe!“
Lukas 24,49

Dieser Vers hat schon offenkundig in seinem Buchstabensinn, was er innerlich in sich trägt, und gleicht in dieser Hinsicht einem freundlichen Menschen, der sozusagen sein Herz auf der offenen Hand seinen Freunden entgegenträgt, darum ihn auch nicht leichtlich jemand verkennen kann und jedermann auf den ersten Blick errät, was dieser freundliche Mann im Schilde führt.
Der gleiche Fall ist es, wie gesagt, mit diesem Text. Denn wenn der Sohn auffährt, so kommt in Fülle die Verheißung des Vaters zu denen, die in der wahren Hoffnung aus der Liebe auf solche Verheißung harrten.
Was besagt aber die Auffahrt des Sohnes, damit dadurch den Harrenden und den Zeugen die Verheißung des Vaters zugesandt werde? – Ihr wisset, was unter ‚Sohn‘ zu verstehen ist, die Weisheit des Vaters nämlich. Dem Sohne entspricht hernach auch alles in einem jeden Menschen, was da ein Angehör der Weisheit ist. Dergleichen Angehör ist der Verstand, die Vernunft, allerlei Wissenschaft und Erkenntnis.
Dieses Angehör der Weisheit muss aber zugleich auch in einem jeden Menschen diejenige Demütigung, gleichsam die Kreuzigung durchmachen, muss dann wie getötet in ein neues Grab im Herzen gelegt werden, von da wieder auferstehen und sich dann, dem Vater gänzlich hingebend und aufopfernd, in die Höhe begeben, um eins zu werden mit dem Vater. Ist solches geschehen, dann erst wird die Verheißung des Vaters, welche ist das ewige Leben, in des Menschen Leben offenbar werden. Das ist der Akt der Wiedergeburt.
Aber nicht zugleich mit diesem Akt erfolgt die Taufe mit dem Geiste der Kraft, wie auch niemand alsogleich ein Kind nach der Geburt taufen soll, sondern wenigstens einige Tage danach, – wie solches bei den Juden auch ehestens erst am achten, zehnten oder zwölften Tage üblich war. Manchmal aber erfolgte die Beschneidungs-Taufe auch um vieles später; und so wird es denn hier auch zu den Aposteln und Jüngern gesagt, dass sie nach Meiner Auffahrt eine Zeitlang in der Stadt beisammenbleiben sollen, bis die Kraft aus der Höhe über sie kommen wird. Diesen Zustand soll auch ein jeder Mensch beachten und sich nicht eher hinauswagen, als bis er die Taufe des Geistes empfangen hat! Denn ohne diese gleicht der wiedergeborene Geist einem schwachen Kinde, das wohl in jeder Hinsicht rein wie ein Engel da ist, aber Mangel habend an der wirkenden Kraft und an der dazu erforderlichen freien Einsicht.
Ihr wisst es, dass die Darniederkunft der Kraft aus der Höhe über die Jünger und Apostel am zehnten Tag nach der Auffahrt erfolgt ist. Was besagt solches wohl? Solches besagt und bezeugt die vollkommene Unterjochung des mosaischen Zehngesetzes im freigewordenen Leben des Geistes. Also muss ja der Geist zuvor von allen Fesseln und Banden freigemacht werden, als bis er das Gewand der göttlichen Kraft aus der Höhe anziehen kann.
Wenn diese über ihn gekommen ist, so ist er dann vollkommen eine neue Kreatur aus dem Geist der Liebe und aller Kraft aus ihr und kann dann erst wirken in der Vollkraft der göttlichen Liebe und Erbarmung. Denn durch solch eine Taufe des Heiligen Geistes aus der Höhe erst wird der Mensch von allen Banden des Todes gelöst und wird eins mit und in Christo und kann dann auch sagen: „Nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir! Nicht mehr ich bin nun mein Ich, sondern Christus Selbst ist das Ich in mir!“
Darum aber muss auch zuvor – wie schon früher gezeigt wurde – alles dem Sohn Entsprechende im Menschen den Weg des Menschensohnes gehen, und für jeden heißt es unwiderruflich: „Nimm dein Kreuz und folge Mir nach, sonst kannst du nicht zur Auferstehung und zur Auffahrt zum Vater gelangen!“
Und hierher passt auch wieder unsere Sache auf ein Haar, dass nämlich kein Mensch durch die vielseitige Ausbildung seines Verstandes mit Hilfe wohlgenährter Bibliotheken und hochtrabender Universitätsprofessoren zur Wiedergeburt und zur Taufe des Heiligen Geistes gelangen kann, sondern lediglich nur durch die Demut und große Liebe seines Herzens.
Er muss alles, was er von der Welt hat, bis auf den letzten Heller der Welt zurückgeben, also auch die hochmütig machenden Wissenschaften seines Kopfes, sonst wird es mit der Wiedergeburt und Krafttaufe seines Geistes ganz entsetzlich schmal aussehen.
Glaubt ja nicht, dass jemand schon dadurch sogleich ins Himmelreich eingehen wird, so er auch sein ganzes Vermögen an die Armen verabreicht hätte, und würde aber dennoch bei sich gedenken und sagen: „Herr! Wie ich barmherzig war, also sei auch Du barmherzig gegen mich!“ Wer also spricht, dem fehlt noch ziemlich viel vom Reich Gottes; denn da sind er und Christus noch nicht eins, sondern offenbar zwei, wo der eine dem andern gewisserart billige Bedingungen vorschreibt.
Der Ärmste unter euch Menschen bin immer Ich, oder auf Deutsch gesprochen: Am dürftigsten und am ärmsten ist bei jedem Menschen die eigentliche Lebenskraft seines Herzens. Diese muss zuerst gehörig reichlich dotiert werden, wenn eine andere Dotation nach außen einen Wert haben soll; oder euer Herz muss vollends lebendig werden aus der Liebe zu Mir. Ich Selbst muss eure ganze Liebe ausmachen; dann erst könnet ihr aus dieser Liebe wahrhaft Verdienstliches zum ewigen Leben wirken, und das darum, weil da das Verdienstliche allein Mir zukommt. Ihr aber bleibt bloße reine Konsumenten Meiner Liebe, Gnade und Erbarmung.
Denn sobald noch jemand sagt: „Ich habe getan, und ich habe gegeben!“, da ist er noch fern von dem, der da spricht: „Ich bin allzeit ein fauler und unnützer Knecht gewesen!“ und ist somit auch noch fern von Meinem Reich. Nur wenn er in sich lebendig bekennt und spricht: „Herr, mein Gott und Vater! Ich bin in allem nichts, wie auch alle Menschen vor Dir gar nichts sind, sondern Du allein bist alles in allem!“, dann ist er Meinem Reich nahe, und Mein Reich ist nahe zu ihm gekommen.
Desgleichen aber beachtet auch ihr alles, was euch da gesagt wird, so werdet auch ihr zur Auffahrt und zur Taufe mit der Kraft Meines Geistes gelangen; denn auch zu euch wird soeben des Vaters Verheißung gesandt. Amen.

Quelle: Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen Kap. 30.



Schiffspredigt des Herrn und Bericht von Seiner Himmelfahrt

empfangen durch Jakob Lorber am 16.05.1843

Diese Predigt, aus 64 Versen bestehend, ging bei der ersten großen Kirchenversammlung verloren. Hier aber wird sie von Wort zu Wort wiedergegeben zum Frommen der gläubigen Liebhaber des Herrn. – Die Predigt aber lautete mit den drei vorhergehenden Versen also:
„Es begab sich aber, dass sich das Volk zu Ihm drang, zu hören das Wort Gottes aus Seinem Munde, da Er am See Genezareth war und vor dem großen Andrange des Volkes nicht Platz hatte, am Ufer zu stehen. Er sah aber zwei Schiffe am See(-Ufer) liegen, aus denen die Fischer ausgestiegen waren, ihre Netze zu waschen. Da trat Er sobald in eines der beiden Schiffe, welches da des Simon war, und bat ihn, dass er es ein wenig vom Lande führte. Als solches der Simon voll Ehrfurcht und geheimer Liebe getan, da setzte Sich der Herr alsbald und begann aus dem Schiffe das Volk zu lehren.“
Und Er tat Seinen Mund auf und sprach laut zum Volke: „Der Geist des Herrn ist über Mir, darum hat Mich der Herr gesalbet. Er hat Mich gesandt, den Elenden zu predigen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu predigen den Gefangenen eine Eröffnung und den Gebundenen eine Erledigung, wie es der Prophet Jesaja gesagt hat. So höret denn ihr Elenden und jauchzet! Denn euer Licht geht auf wie die Sonne aus dem Meere, und eure Herzen werden hell leuchten wie die Wogen des Meeres im Lichte der aufgegangenen Sonne. Denn siehe, Finsternis bedecket das Erdreich und ein großes Dunkel all die Völker; aber über dir gehet auf der Herr, und Seine Herrlichkeit erscheinet über dir! Und die Heiden werden in deinem Lichte wandeln und die Könige im hellen Glanze, der nun über dir aufgeht. Freue dich, Zion, deinen Kindern und allen denen, die sich bekehren werden von der Sünde, ist ein Erlöser gekommen! Höre, also spricht nun der Herr: Wie lange ist es wohl, dass ihr gebunden seid?! Und wer aus euch mag die Jahre zählen, die ihr schon von Uranbeginn her schmachtet?! Eure Väter weinten, als sie Knechte wurden zu Babel; und Mütter herzten ihre Kinder und wehklagten. Aber hier ist mehr als Babylon! – Ich habe die Kinder auferzogen; aber sie haben ihre Heimat vergessen; ihren Vater kennen sie nicht mehr. Wehe euch, die ihr euch frei zu sein dünket! Denn ihr seid des Tempels Knechte geworden. Das ganze Haupt ist krank, und das Herz ist matt geworden. Was soll Mir die große Menge eurer blinden Opfer? Solches spricht doch der Herr: „Ich bin satt geworden der Brandopfer von Widdern und des Fetten vom Gemästeten. Ich habe keine Lust zum Blute des Farren, der Lämmer und Böcke. Wenn ihr aber hereinkommet, zu erscheinen vor Mir, saget, wer fordert solches von euren Händen, so ihr in Meinen Vorhof tretet? – Ich sage euch: Nicht Ich, nicht Der, der Mich gesalbt hat von Ewigkeit, sondern die Habsucht der Diener des Tempels und des Vorhofes.
Bringet daher nicht mehr Speiseopfer so vergeblich! Das Rauchwerk ist Mir ein Greuel und der Neumond und der Sabbat, da ihr zusammenkommet und habet nichts davon denn leere Mühe und tote Angst. Meine Seele ist feind geworden allen euren Neumonden, Jahreszeiten, Festen und Jubeljahren! Ich bin ihrer Leerheit überdrüssig und bin müde geworden, noch länger zu schauen eure Torheit. Denn so ihr Gott nicht liebet, was sollen da eure toten Opfer Mir, dem Lebendigen!“ (Jes. 1,11-14) Also sprach und spricht auch nun der Herr: „So ihr aber den Vater von Herzen lieb habet, wozu dann des Tierblutes und des Rauchwerkes?“
Und Er sagte ihnen darauf dieses Gleichnis: „Es war eine Witwe, die hatte zwei Söhne. Der eine hieß Levi und der andere Josua. Die Witwe aber war krank und ächzte und stöhnte auf ihrem Lager, und ihr Angesicht ward blass, und ihre Augen fingen an sich zu verdunkeln. Da rief sie ihre Söhne zu sich und sprach zu ihnen: „Meine geliebten Söhne, höret mich, eure hinscheidende Mutter! Meine letzte Stunde ist gekommen. Gehet aber hin und betet, ob der Herr Sich etwa meiner erbarmen möchte oder möchte zu Sich nehmen meine Seele im Frieden.“ Da gingen die Söhne hinaus und weinten. – Und der Levi sprach: „Wer wird sich unser erbarmen und uns versorgen, wenn die Mutter von uns genommen wird?“ Aber Josua sagte: „Möchte ich doch lieber nichts haben als Brot und Wasser, wenn ich nur das Grab meiner Mutter nicht sehen müsste! Lieber Bruder, lass uns hingehen und beten, ob der Herr Sich unser erbarme und sende Seinen Engel, dass Er die Mutter stärke und ihr Rettung bringe von oben!“ Und Levi, der Erstgeborene, ging hierauf in den Tempel und sprach bei sich selbst: Ich will dem Herrn ein Brandopfer tun zum süßen Geruche, zwei junge Farren, einen Widder, sieben jährige Lämmer. Dazu als Speiseopfer drei Zehnten Semmelmehl mit Öl gemengt zu einem Farren, zwei Zehnten zu dem Widder. Und je einen Zehnten zu einem der sieben Lämmer. Aber Josua ging hinaus unter die Palmen, kniete dort nieder, faltete seine Hände und betete also: „Ach! Der Du hörest das Seufzen der Betrübten und das Weheklagen des zerbrochenen Herzens, siehe an meine Tränen und mein verfallenes Angesicht und hilf mir, Du lieber, heiliger Vater im Himmel! Auf Dich allein hofft meine Seele! Erbarme Dich, du Trost der Elenden, erbarme Dich unser, o du lieber, guter, heiliger Vater! Ich kann Dir ja nichts geben als nur dies mein armes, zerbrochenes Herz, aber ich will Dich lieben mit unendlicher Liebe und auf dem Wege der Gerechtigkeit wandeln mein Leben lang!“ Und sehet, ein heller Glanz verbreitete sich unter den Palmen und eine Stimme sprach aus der strahlenden Wolke: „Sie lebet! – Dein Bruder hat Mir Brandopfer gelobt; aber keine Träne hat seine Augen befeuchtet. Du aber hast vor Mir gebetet und geweint und hast Mir dein Herz gegeben. Darum gehe aber auch hin im Frieden!“ Und als er heimkam, da trat schon seine Mutter aus der Hütte ihm entgegen, schloss ihn in ihre Arme und segnete ihn. Was meinet ihr, welcher Sohn da ein rechtes Opfer dem Herrn gebracht hat? – Ihr sprechet: „Josua!“ Ich aber sage euch: Eben darum hänget auch ihr euer Herz nicht an den leeren Tempel und pochet nicht darauf! Denn er ist von Menschenhänden gemacht und wird bald verwittern, da seine Zeit kommen wird, und seine Priester werden sterben. Was dünket euch? – der Tempel ist groß zu Jerusalem und das Herz ist klein in der Brust. Aber dieses kleine Herz kann den großen, lebendigen Gott lieben. Ist es darum nicht ein schöneres und herrlicheres Werk als das, welches Salamo baute? Habt ihr gelesen, was der Prophet Jesaja spricht? – Das ist sein Wort: „Ich will Gold anstatt des Erzes und Silber anstatt des Eisens bringen und Erz anstatt des Holzes und Eisen anstatt der Steine und will machen, dass deine Vorsteher den Frieden lehren sollen und deine Pfleger Gerechtigkeit predigen.“ (Jes.60,17)
Aber wo ist der Friede auf Erden? Und wo hauset die Ruhe unter den Menschen? Sehet, das Leben gleichet dem Schifflein im Meere, das stets hin und her wanket und immerdar geschlagen wird von den zornigen Wellen. Sie fahren stolz einher und bäumen sich hoch auf. Aber bald fallen sie zurück ins Meer und werden da zu nichtigem Schaume. Ich bin von Gott gesandt, um Frieden zu bringen den Menschenkindern vom Aufgange bis zum Untergange; aber dem ungeachtet ruhet der Arge nicht, und der Teufel hat seine Apostel bis zu seiner Zeit. Ich bin der Stein des Anstoßes und ein Fels der Ärgernis dem Hause Israel, zum Strick und Falle all den Heuchlern auf Erden, dass ihrer viele sich daran stoßen, fallen, zerbrechen, verstricken und gefangen werden. Wehe euch Pharisäern und Sadduzäern, das Licht ist schon vormals dem Moses erschienen, als der Busch brannte im Feuer; aber ihr verbindet euch selber die Augen! Das Gesetz des Herrn ist ewig und steht in eines jeden Menschen Herzen geschrieben; aber ihr, die ihr den Frieden predigen sollet, entzweiet die Menschen und verdammet da, wo ihr mit aller Liebe suchen sollet. Ihr seid verkehrte Leiter und Führer des Volkes, und eure Kinder und Kindeskinder werden es noch ärger machen! Ihr schlaget den Fels; aber er bleibet verschlossen. Ihr küsset noch die Rute Arons; aber sie grünet nicht mehr. Höret, die ihr pflanzet die Zeder unter dem Felsen und bindet die Rebe an einen morschen Pfahl! Die Zeder wird dennoch grünen, und die Rebe wird sich an dem Felsen hinauf ranken. Hebet eure Augen auf und schauet ins Meer! Meinet ihr oft nicht: Die bergehohen Wogen wollen die Sonne verschlingen? Ich aber sage euch: Es ist nur der Sonne Bild, das sie brechen; aber die Sonne waltet ganz unbekümmert um dieses Meeres Wogen am hohen Himmel und freut sich ihres ewigen Tages. Darum sollet ihr die Herzen nicht binden und plagen mit vergeblichen Worten und nicht schreien: „Hier ist eine Schlange und dort ist eine!“ – da ihr doch selbst keine sehet und je gesehen habt. Höret daher auf zu lehren das Volk, ihr Heuchler, Hurer und Ehebrecher, sondern lernet selbst von denen, die den Weg des Herrn suchen in der Liebe und Einfalt ihres Herzens!“
Und Er sagte ihnen abermals ein Gleichnis: „Nathan, der Alte, war gestorben und hatte zwei Söhne hinterlassen und Malkah, seine Tochter. Diese Kinder befragten sich untereinander und sprachen: „Was meinte doch unser Vater, als er starb und vor seinem Hinscheiden sagte, wir sollen sein Gedächtnis im Segen erhalten?“ Und die Söhne stritten und zankten darüber miteinander von der Frühe bis zum Untergange der Sonne. Sie wollten ein Denkmal setzen – der eine von Holz, der andere von Marmor. Der eine wollte, dass die Überschrift lang, der andere aber, dass sie kurz sein sollte. Der eine wollte dieses Denkmal in den Garten, der andere aber an der Wegscheide setzen. Am nächsten Tage kamen sie wieder zusammen und fingen von neuem an, miteinander zu hadern. Um die elfte Stunde aber, als es Abend ward und die Sonne sich neigte, ging Malkah allein zum Grabe und kniete da nieder, pflanzte einen Rosenstock auf das Grab des Vaters und benetzte denselben mit den Tränen ihrer Liebe. Wahrlich, Ich sage euch: Sie hat das beste Denkmal dem Vater gesetzt und hat allein seinen Willen vollkommen erfüllet! Ihr (Pharisäer und Sadduzäer) seid gleich den beiden Söhnen! Mit Holz und Steinen, mit Blut und Rauchwerk wollt auch ihr den Vater im Himmel ehren; aber eure Herzen sind ferne von Ihm! Ihr könnet lange Gebete auswendig und noch längere traget ihr auf langen Streifen bei euch, damit die Menschen von euch glauben sollen, als wäret ihr groß, mächtig und angenehm vor Gott. Aber das lebendige kurze Gebet im Herzen ist euch fremd, da ihr den Vater nicht kennet und Ihn noch nie erkannt habt. Ihr saget gleichwohl: Wenn ein „ungereinigter“ Sünder vor Gott betet, so sündiget er noch ärger! – O ihr habsüchtigen, mörderischen Betrüger des Volkes! Was sollen demnach eure Gebete sein, da ihr doch stets vom Anbeginne schon voll Greueltaten, voll Hurerei und Ehebruches waret! Propheten habt ihr gemordet und getötet alle, die euch nicht opferten in großen Massen, und ihr saget noch: „Wir sind Kinder Abrahams, Isaaks und Jakobs!“- Abraham, Isaak und Jakob erkannten aber den Vater, als Er zu ihnen kam. Was ist's denn, dass ihr Ihn nicht erkennet, da Er zu euch gekommen ist? – Weil ihr Kinder des Teufels, aber nicht Kinder Abrahams seid! Ich aber sage euch: Diesmal wird es der Vater mit euren „Sündern“ halten und wohnen in ihren Häusern und wird Kost nehmen bei den Zöllnern. Euch aber wird Er schlagen mit der äußersten Finsternis, damit an euch erfüllet werde, was der Prophet Jesaja spricht, indem er sagt: „Wer hat den Gerechten vom Aufgange erweckt, wer rief ihn, dass er ging? Wer gab die Heiden und Könige vor ihm hin, dass er ihrer mächtig ward, und gab sie seinem Schwerte wie Staub und seinem Bogen wie zerstreute Stoppeln?“ (Jes.41,2)
Viele bekehrten sich durch diese Rede. Als aber darunter mehrere Pharisäer und Sadduzäer gewaltig zu schmähen anfingen und Er darum auch aufgehört hatte zu reden, da sprach Er zu Simon: „Fahret auf die Höhe und werfet eure Netze aus, auf dass ihr einen guten Zug tuet!“ Das Fernere ist zu ersehen im Evangelium des Lukas, 5. Kapitel.

Diese Rede aber haben von Mir auch bekommen: Geiring, Tauler, Tersteegen, Lavater, Stilling und einige andere euch weniger Bekannte; darunter euch nur der Witschel bekannt ist. – Rom und andere Höfe haben sie wohl auch; aber sehr entstellt.

Quelle: Festgarten, Sammlung neu-theosophischer Schriften Nr. 17 C.


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