Jakob Lorber - Das Wesen des Menschen - Der Prophet Jakob Lorber und seine Verkündungen ... Jakob Lorber

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Jakob Lorber - Das Wesen des Menschen

Themen > Der Mensch und seine Bestimmung

„Verstehst du dein eigenes Wesen, so wirst du auch alles andere verstehen und
ergründen können. Aber solange du dir selbst nicht zur vollsten Klarheit geworden
bist, kann auch alles andere in dir zu keiner Klarheit werden.“
                                                          RB 02_151,10
                                                                                                                                                                                            
Gott hat den Menschen äußerlich wie innerlich als ein vollkommenes Ebenbild aus Sich nach Seiner Liebe geformt (BM.01_163,03; HGt.01_036,03; GEJ.08_024,06; GEJ.09_022, 05-06). Als Sein Ebenmaß besteht er daher ebenfalls wie Gott aus einer Dreiheit von einem Leib, der seine äußere Form ausmacht, einer Seele, die diese Form und deren Organismus belebt, und in der Seele einem göttlichen Geist, welcher der Seele den Verstand, den Willen und jegliche Kraft gibt (RB.02_270,08-09; GEJ.08_024,12-14). Wie nun aber entsteht überhaupt der Mensch?

1. Von der Zeugung bis zur Geburt
Durch die Zeugung wird das Wesen des Leibes konstruiert (HiG.03_40.06.17,03; HGt.02_133,08), der zum Aufenthalt der Seele auf der Erde notwendig ist und beim Sterben abgelegt wird. Der Seele gegenüber dient er als Läuterungsmaschine und ermöglicht ihr, durch die äußeren Sinne gute und wahre sowie falsche und schlechte Eindrücke aus der Außenwelt aufzunehmen (GEJ.02_210,02+04; GEJ.02_210,01; GEJ.08_129,05).
Die Seele, zunächst ein Knäuel substanzieller Spezifika (Er.01_050,02-11+52,04-05), umgibt bereits lange vor ihrer Inkarnierung die Eltern und wartet darauf, in den Leib der Mutter aufgenommen zu werden, was der ihr dazugehörige jenseitige Geist besorgt (GEJ.10_185,04). Beim Akt der Zeugung wird sie durch den Strom des Mannes in das Ei gelegt (GEJ.02_216,04; Er.01_050,02-05) und bildet sich mit Hilfe ihrer Schutzgeister aus. (Er.01_050,02-11). Sie befindet sich in der Gegend der Magengrube in einem vom Zeuger herrührendem Bläschen, das im 7. Monat geöffnet wird und sich dann dem ganzen Organismus durch die Verbindung der Nerven mitteilt. Sodann füllt sich das Herz mit der Seelensubstanz und wenn es voll geworden ist, entlädt es sich durch eine obere Kammer in die Adern (HiG.03_40.06.17,03-04; 3.Mo 17,11; 5.Mo 12,23; s. auch hier).
Ungefähr drei Tage vor der Geburt wird aus der allerfeinsten und zugleich solidesten Substanz der Seele in der Gegend des Herzens ein weiteres unendlich feines Bläschen gebildet, in das dann der Geist eingelegt wird, der zunächst ohne geschlechtlichen Unterschied ist und erst mit der Zeit etwas Geschlechtliches annimmt, welches sich durch die Begierlichkeit kundgibt (HiG.03_40.06.17,06). Die Einlegung des Geistes in das Herz der Seele geschieht individuell verschieden früher oder später (Er.01_051,07; GEJ.02_217,05; RB.02_214,04).

2. Der Leib
Der Leib ist tote Materie, kann ohne eine lebendige Seele nichts wahrnehmen und tun. Er ist ein notdürftiges Werkzeug der Seele, damit sich die Seele seiner für die Außenwelt bedienen und beim rechten Gebrauch desselben die volle Lebensfreiheit und Selbständigkeit für ewig hin bereiten und sichern kann (GEJ.07_058,03; GEJ.08_012,05; GEJ.09_167,06). Er ist des Menschen äußere Form und hat nur so lange einen Wert, solange er von der allein lebendigen Seele bewohnt wird. Wenn die Seele den Leib verlässt, wird das noch vorhandene Substantielle und der Seele Angehörige ihr wiedergegeben, alles andere geht als Nährstoff in andere geschöpfliche Lebensformen über (GEJ.06_053,11).
Der Leib ist nicht die Hauptsache des Menschen, sondern nur ein werkzeugliches Mittel zur Erreichung des ewigen heiligen Zweckes, der im Grunde der ewigen, göttlichen Ordnung steht (HGt.03_043,12). Als ein Tempel des Geistes Gottes kann er durch die Seele zum ewigen Leben, so sie sich von der Welt ganz abwendet und nach der werktätigen Ausübung der Lehre Jesu ihre Sinne allein dem Innersten, Geistigen, zuwendet, verkehrt werden, doch für sich allein kann er den Geist nicht fassen, da er nur ein zeitweiliges Mitleben aus der Lebenskraft der Seele besitzt (GEJ.06_013,08; HGt.02_250,18; RB.02_152,06).
Der Leib des Menschen ist ein Gemenge von allen möglichen Leidenschaften der Hölle, die in eine gerichtete Form zusammengefasst sind, denn er beherbergt in seinem Fleisch alle weltlichen Wünsche, Begierden und Leidenschaften als gerichtete Teile seines ganzen Naturwesens (RB.02_155,08+14). Aus diesem Grund ist der Leib bzw. das Fleisch eine Sünde in sich, ist unter der Sünde Sold, weshalb es der Sünde nach sterben muss. Da jedoch diese Sünde keine freiwillige, sondern nur eine gerichtete ist, steht sie für den freien Geist in keiner Rechnung, so dass eines jeden Wert nicht nach seinem Fleisch, sondern lediglich nach seiner freien Liebe bestimmt wird. Vor Gott wird es demnach nicht heißen: Wie war dein Leib, sondern: wie war deine Liebe? (JJ.01_220,13-17).
Damit das Fleisch zu einem wahrhaft festen, lebendigen Kleid der Seele wird, müssen wir es - gleichsam wie es Jesus uns vorgemacht hat - von allen weltlichen Wünschen, Begierden und Leidenschaften reinigen, denn wer wahrhaft Sein Kind sein will, der muss Ihm in allem gleichen und alles das tun, was Er getan hat (RB.02_155,11-12;14-15; Ste.01_004).
Lässt sich die Seele von den Reizungen ihres Fleisches betören und gibt ihnen nach, versenkt sich in dasselbe mit aller ihrer Liebe, Denken und Wollen, so ist sie in das Gericht ihres eigenen Fürsten der Lüge und Finsternis eingegangen, aus dem sie höchst schwer zu erlösen sein wird (GEJ.08_012,06; GEJ.02_210,11-12; GEJ.01_081,11). Es ist daher notwendig sich von den Leidenschaften des Fleisches abzuwenden, es Jesus zu übergeben und im selben Seinen Willen zu tun, damit es kraftlos werde, wodurch wir im Geist allzeit in dem Grad wachsen und zunehmen können, in welchem unser Tod abnimmt, welcher da die Sünde oder das Fleisch ist (HGt.02_089,07-08; RB.02_152,06-07).

3. Die Seele
Die Seele ist wie ein Hauch aus dem Schöpfungsurgrund hervorgegangen und dient als Aufnahmeorgan für alle endlos daraus hervorgehenden Ideen. Sie ist Trägerin der Formen, der Verhältnisse und der Handlungsweisen, die in ihr in kleinsten Umhüllungen niedergelegt sind. Ein gerechtes Maß von allem dem in ein Wesen zusammengefasst bildet eine vollkommene Menschenseele. Weil die Seele nun ein Kompendium von einer zahllosen Menge verschiedenartiger substanzieller Intelligenzpartikel ist, kann sie als ein Zusammengesetztes auch wieder in ihren Teilen getrennt werden (Er.01_052,04-5; Er.01_053,01-04, GEJ.04_151,07). Sie ist ein substantiell ätherisches Organ (GS.02_079,12-14; GEJ.07_066,05+07; GEJ.04_090,06), demnach ein substantielles Leibmenschwesen (GEJ.08_024,11), das aus verschiedenen Vorexistenzen im Naturreich zusammengesetzt ist (GEJ.02_169,03; GEJ.10_180,15; GEJ.10_185,01ff; GEJ.04_106,06-07; GEJ.08_029,11; GS.02_066,07), jedoch bis zu ihrer Vollendung über keine Rückerinnerung an ihre Präexistenzen verfügt (GEJ.08_029,1, GEJ.04_120,19; GEJ.10_021,06; GEJ.01_214,09).
Ist eine Seele, was ihr jenseitiger Geist aus Gott gar hell sieht, einmal in einem Leib, sei es der einer Pflanze oder der eines Tieres, durch die erforderliche Ausreifung fähig, in eine höhere Lebensstufe aufzusteigen, so veranlasst ihr sie stets fortbildender jenseitiger Geist, dass ihr der für fernerhin unbrauchbare Leib abgenommen wird, damit sie dann, als schon mit höheren Intelligenzen begabt, sich einen andern Leib bilden kann, in welchem sie eine kürzere oder auch längere Zeit hindurch sich wieder zu einer größeren Lebens- und Tätigkeitsintelligenz emporarbeiten kann, und das so fort bis zum Menschen hinauf, wo sie, als schon völlig frei, dann als im letzten Leib zum vollen Selbstbewusstsein, zur Erkenntnis Gottes, zur Liebe zu Ihm und dadurch zur vollen Vereinigung mit ihrem jenseitigen Geist gelangen wird, welche Vereinigung die Neu- oder Wiedergeburt im Geiste genannt wird. Hat eine Menschenseele diesen Lebensgrad erreicht, so ist sie vollendet und kann alsdann als ein vollkommen selbständiges Sein und Leben nicht mehr von dem allgemeinsten göttlichen All-Sein und All-Leben zerstört und verschlungen werden. Das sicherste Zeichen der schon erlangten Lebensselbständigkeit einer Menschenseele ist und besteht darin, dass sie Gott erkennt und Ihn sogar aus allen ihren Kräften liebt. Denn solange eine Seele Gott nicht erkennt als ein Wesen wie außer ihr seiend, ist sie noch wie blind und stumm, und von der Gewalt der göttlichen Allmacht nicht ledig, muss sie dann noch gar gewaltig kämpfen, um sich aus solchen Fesseln loszumachen. Aber sowie eine Seele anfängt, den wahren Gott wie außer ihr seiend zu erkennen und durch das Gefühl ihrer Liebe zu Ihm Ihn ordentlich wesenhaft wahrzunehmen, dann ist sie schon von den Banden der göttlichen Allmacht frei und gehört dann auch schon stets mehr und mehr sich selbst an und ist sonach Selbstschöpferin ihres eigenen Seins und Lebens und dadurch eine selbständige Freundin Gottes für alle Ewigkeiten der Ewigkeiten (GEJ.06_133,04-06).
Wenn eine einmal ganz beisammen seiende Seele die gehörige planmäßige Konsistenz in der Luft erreicht hat, so steigt sie tiefer und tiefer bis zu den Wohnungen der Menschen herab, bekommt dann aus dem Außenlebensätherkreis, den ein jeder Mensch um sich hat, eine gewisse Nahrung und bleibt, wo sie durch die Homogenität (Gleichartigkeit) ihres Wesens angezogen wird. Wenn dann irgend Gatten sich durch den Naturtrieb genötigt fühlen, eine Begattung zu begehen, so erhält eine solche vollreife und dem Gattenpaar zunächst stehende freie Naturseele aus dem Außenlebensäther eine momentane Kunde, oder sie wird durch die vermehrte Kraft des Außenlebenskreises der Gatten als homogen angezogen, tritt mit einem gewissen Zwang während der Begattungshandlung in den Strom des Mannes und wird durch diesen in ein kleines Ei gelegt, was man die Befruchtung nennt. Und siehe, von da an gleicht die Lebensseele dann schon dem Samenkorn, das ins Erdreich gelegt war, und macht im Mutterleibe alle die Stadien entsprechend bis zur Ausgeburt in die Welt durch, die das Samenkorn in der Erde durchgemacht hat, bis es den Keim über den Erdboden treibt (GEJ.02_216,03-04). Ihren Leib erbaut sie sich nach der Ordnung, in der sie geschaffen ist (GEJ.01_214,10), und hat dieselbe Gestalt wie ihr Fleischleib (GEJ.07_209,19; GEJ.04_051,03; GEJ.06_218,01). Sie ist zum Teil aus der Seele der Eltern genommen, was ihre physiognomische Ähnlichkeit mit ihnen beweist. Was darin fremdartig ist, das bleibt fremdartig und physiognomisch unähnlich den Zeugern, was aber aus den Zeugern ist, das spricht sich ebenbildlich durch das Ebenbildliche mit den Zeugern sympathetisch aus, und die Eltern erkennen daran ihre Kinder (Er.01_053,04). Die Seelen der Menschen unterscheiden sich in Farbe und Gestalt. Die Seelen von vergeistigten oder vollkommenen Menschen sind hell und frisch und von einer lieblichen Gestalt, die viel reiner menschlich aussieht als ihr Leib. Die Seelen von weltlichen oder unvollkommenen Menschen sind jedoch dunkler als ihr Leib und zeigen deutliche Spuren irgendeiner Tiergestalt (GEJ.03_024,04).
Auf dieser Erde kann nur eine solche Seele eingefleischt werden, die entweder aus einer Sonne stammt, in der noch alle Urelemente beisammen sind und dort schon einen Fleischweg durchgemacht hat, und somit alle jene Seelenintelligenzspezifika in sich fasst, die für die Vollendung eines höchsten Geisteslebens nötig sind, oder eine Seele stammt unmittelbar von dieser Erde und hat zuvor alle drei Naturreiche durchgemacht von der Steinmaterie durch alle Mineralschichten, von da durch die gesamte Pflanzenwelt und zuletzt durch die ganze Tierwelt im Wasser, auf der Erde und in der Luft (GEJ.04_106,05). Aus diesem Grund gibt es zweierlei Arten von Menschen. Die eine, bessere Art stammt ursprünglich schon von oben, die andere und eigentlich schlimme Art aber stammt pur von dieser Erde ab, ihre Seele ist gewisserart eine Zusammensetzung von einzelnen Lebensteilchen, die, vom Satan genommen, in der Masse des Erdkörpers als Materie gefangen gehalten werden, von dieser dann durch die Pflanzenwelt in die Tierwelt übergehen, sich durch die vielen Stufen der Tierwelt endlich dann als eine Potenz, bestehend aus zahllosen Urseelenteilchen, zu einer Weltmenschenseele ausbilden und bei besonders ungesegneten Zeugungen in den Leibern der Weiber Fleisch annehmen und, gleich wie die Kinder des Lichtes aus der geistigen Sphäre der Himmel, in diese Welt geboren werden (GEJ.02_169,03; GEJ.04_034,08; RB.02_153,05). Eine „von unten“ stammende Seele ist mit Satan gefallen und hat die Aufgabe, sich mit ihrem Geist zu vereinen (GS.02_066,05), wobei sie anfangs nicht viel reiner als ihr Leib ist, da sie eben auch der unreinen Urseele des gefallenen Satans entstammt (GEJ.02_210,02). Alle Seelen auf dieser Erde haben aber auch etwas aus allen Sternen in sich. Vorherrschend bleibt jedoch nur das, was sie aus der Natur jener Erdenwelt haben, auf der sie zuerst als vollständige Menschenseelen ausgebildet wurden (RB.02_265,04, Weiteres dazu Ziff.I.5).
Der Mensch beginnt aus dem Samenkeim im Mutterleib zu werden und zu wachsen. Sind nach Verlauf der ordnungsmäßigen Zeit alle Bedingungen erfüllt, so wird der gewordene Mensch von den Banden seiner engen Werdenswelt gelöst und in die große Außenwelt ausgeboren. In diesem Augenblick verändern sich auch alle früheren Lebensverhältnisse. Der Mensch fängt an, von der Außenwelt Nahrung zu sich zu nehmen, und das doppelt: für das Wachsen und Gedeihen des Leibes und dessen zum Gebrauch notwendigen Naturleben durch den Magen, und für das Wachstum und das Gedeihen der Seele durch alle die am Leib befindlichen Sinnesorgane, die ihre ihnen zusagende Kost aus dem od-psycho-ätherischen Außenlebenskreise nehmen. Anfangs wird freilich das meiste zum Gedeihen des Leibes und dessen Naturleben verwendet, das hauptsächlich im fleischlichen Herzen seinen od-elektromagnetischen Sitz hat und so lange fortdauert, als die kleine od-elektromagnetische Lebensbatterie die gerechte und hinreichende Nahrung hat. Ist der Leib einmal ausgebildet, dann erst wird die Seele freitätiger und verwendet den Außenlebensätherkreis zu ihrer eigenen freien Ausbildung.Geht nun die Seele nicht in eine gewisse träge Genusssucht über, sondern arbeitet tätigst an ihrer inneren Ausbildung, so belebt sie den Keim des Atma (den Gottesfunken) in sich, und dieser wächst dann schnell, wird endlich in der Seele selbst ausgeboren und nimmt sodann die ganze Seele in sich auf und wird eins mit ihr. Die also veredelte und vergöttlichte Seele wirkt dann auf den Leib zurück, veredelt dessen ätherische Lebensteile und macht sie zu den ihrigen, was dann eine wahre Auferstehung des Fleisches ist. Ein solcher Leib, der schon bis auf seine allergröbsten Materieteile mit der Seele vollends unsterblich ist, veredelt und vergöttlicht dann aber auch den jeden Menschen von außen her umgebenden Lebensätherkreis, wodurch dieser dann zum intelligenten Leben wird und sich, wie die Fäden einer Spinne, nach allen Richtungen als intellektuell-lebendig fühlend ausdehnt. Durch diesen Lebenskreis kann dann die Seele sich in die weitesten Fernen hin gewisserart intellektuell ausdehnen und alles fühlen, hören und sogar schauen, was selbst die entferntesten Schöpfungsräume für sie vordem verborgen hielten. Menschen, die noch ein sehr einfaches Naturleben führen und bei denen der besprochene Außenlebenskreis aus ganz natürlichen Gründen eine große Ausdehnung erhalten hat, fühlen die Annäherung irgendeines Feindes auf viele Meilen Entfernung, ebenso einen herannahenden Sturm und können aus der Erfahrung Tag und Stunde bestimmen, wann er eintreffen wird (HiG.03_54.02.24,12-17).

Die Seele ist in eine vollkommene Freischwebe zwischen Geist und Materie gestellt.

Je nachdem, wohin sie ihren Willen und ihre Liebe ausrichtet, kann sie sich vollkommen in ihr Fleisch, die Materie, vergraben, sich also in ihre eigene Hölle und in ihren eigenen Tod begeben, oder aber sich ins Geistige erheben, wo das Geistige ein mächtiges Übergewicht bekommt, und sie mit großer Leichtigkeit in das Leben des Geistes in ihr eindringt und zur möglich höchsten Lebensvollendung gelangt (GEJ.02_210,11-12; GEJ.09_181,09-10; RB.02_152,05-07).
Sie ist ein Gefäß des Lebens aus Gott, aber noch lange nicht das Leben selbst (GEJ.03_042,05), und hat die Möglichkeit, mit Jesus anhand der von Ihm gegebenen Lehre und dem neuen Gottgeist aus Ihm (Hl. Geist) in kürzester Zeit vollkommen eins zu werden (GEJ.04_246,06; RB.02_155,12+15).
Über die Sinne des Leibes bekommt die Seele gute und wahre, schlechte und falsche Kenntnis von der Außenwelt, und fühlt aus dem Urteil des in ihr wohnenden Geistes alsbald, was da gut und was schlecht ist. Andererseits macht sie durch die äußeren Sinne ihres Leibes Erfahrungen von guten und schlechten, wohltuenden, schmerzlichen und anderen Eindrücken, wobei ihr von Gott, auf dem Wege der außerordentlichen Offenbarung von innen und von außen her, durchs Wort, der Weg der Ordnung Gottes gezeigt wird, so dass sie nach der leicht zu erkennenden göttlichen Ordnung sich frei selbst zu bestimmen imstande ist (GEJ.02_210,04-06).
Je mehr sie sich nun von den Reizungen ihres Leibes betören lässt und sich in ihn mit ihrer Liebe, Denken und Wollen versenkt, desto mehr verkümmert die Ausbildung des Geistes Gottes in ihr, und umso mehr verliert sie dann auch das Bewusstsein und die Erkenntnis des ewigen, unverwüstbaren Lebens in ihr. Je mehr sie sich jedoch durch ein Gott zugewandtes Leben von der Materie ablöst, desto freier wird sie in allem, und je mehr sie sich dadurch mit dem göttlichen Geist in ihr verbindet, desto lebendiger und heller wird darauf die Erkenntnis und das Bewusstsein ihres ewigen Lebens (GEJ.02_226,01; HGt.01_001,10).
Ist die Seele durch Selbstverleugnung stark geworden und somit in ein rechtes Licht eingegangen, so wird durch solches immer stärker werdendes Licht die Wärme des geistigen Lebens erzeugt, und sie fängt an, sich mit ihrem Geist zu einen, so dass nach und nach ihr ganzes Leben zur Liebe wird. Ist die Liebe dann zur nötigen Kraft und Stärke gediehen und in die wahre, innere Lebensflamme übergegangen, so wird es dann in der Seele von innen aus licht und hell (GEJ.02_140,05-06).
Die Seele selbst, als die äußere substantielle Form des Menschen, hat in sich eigentlich gar kein Licht außer dem, das von außen von anderen Wesen in sie eindringt, die schon lange ein eigenes inneres Licht haben. Daher ist ihr Erkennen auch nur ein stückweises, denn welche Teile des seelischen Weltbildes in ihr gerade unter den Brennpunkt eines von außen dringenden Strahles zu stehen kommen, die werden dann von der Seele auch in ihrer Einzelheit erkannt und beurteilt, wie sie sich der Seele vorstellen. Fällt das Licht aber von irgendeinem Teil auf einen anderen, so tritt dadurch ein volles Vergessen des früher Gesehenen ein. Etwas ganz anderes taucht dann wie ein Meteor in der Seele auf und wird von ihr nur so lange erkannt und beurteilt, als es sich im Licht befindet. Weicht durch eine Wendung das von außen eindringende Licht auch wieder vom zweiten, erleuchtet gewesenen Teil, dann ist es auch mit dem Verständnis der Seele über den zweiten erleuchteten Teil aus. Und so könnte die Seele eine Ewigkeit um die andere sich von außen her erleuchten lassen und würde doch immer nur auf demselben Erkenntnispunkt stehen. Aber etwas anderes ist es, wenn in der Seele der eigentliche, lebendige Geist vollkommen auftaucht und die ganze Seele von innen heraus aufs hellste erleuchtet. Das ist dann ein ewiges Licht, das nimmer erlischt und alle Teile in der Seele durch und durch erleuchtet, ernährt und vollkommen sich entfalten macht. Wird das in der Seele bewerkstelligt, braucht sie nicht mehr einzelne Teile zu lernen, sondern dann ist alles auf einmal in der Seele zur vollen Klarheit gediehen. Und der völlig wiedergeborene Geistmensch braucht dann nicht mehr zu fragen: „Herr, was ist dieses und jenes?“ denn der Wiedergeborene dringt dann selbst in alle Tiefen der göttlichen Weisheit (RB.02_151,11-12). Solange jedoch in der Seele noch irgendeine Art von Eigennutz herrscht, wird dadurch eine, wenn auch noch so dünne, aber dennoch das geistige Licht nicht durchlassende Scheidewand zwischen sich und Gott gesetzt, wodurch sie nicht völlig eins werden kann mit dem Geist Gottes. Solange aber diese Einung nicht vor sich geht, kann von der völligen Wiedergeburt keine Rede sein (GEJ.05_106,05-07). Aus der Seele muss alles hinaussterben, was nicht des Geistes ist. Solange irgendeine äußere Nötigung die Seele noch in einigen Lebensfibern gefangen hält, kann sich der freie Gottesgeist in ihr nicht völlig ausbreiten und die Seele von jeglichem Gericht frei machen (RB.02_210,03). Neigt sich eine von ihrem Geist hervorgerufene und aus der Materie gebildete Seele der Materie wieder zu, so reißt sie ihr urgöttlicher Geist unter den größten Schmerzen aus dem Leib und bildet sie dann jenseits - also im Reich der Seelen - für sich aus. Dies geschieht aber stets so unvermerkt als möglich, denn jede unfreie und gerichtete Ausbildung einer Seele wäre schlechter als gar keine (GEJ.05_184,07). Aber es kann auch sein, dass in dem Fall, wenn die Seele am Ende zu viel Materielles aus ihrem Leib in sich aufgenommen hat, auch sie der Leibestod erreicht, und sie muss dann mit dem Leib verwesen und erst nach mehreren Erdenjahren als natürlich höchst unvollendet erwachen, wo es ihr dann sehr schwer wird, sich in ein höheres Licht emporzuschwingen, weil ihr alles ein finsteres Erdending ist, in dem wenig Leben und viel Finsternis in allen Winkeln rastet (GEJ.04_090,07).
Solange der Mensch Geschöpf ist, ist er zeitlich, vergänglich und kann nicht bestehen, denn ein jeder Mensch, wie er naturmäßig geschaffen ist, ist nichts als nur ein taugliches Gefäß, in dem sich erst ein rechter Mensch durch beständige göttliche Mitwirkung entwickeln kann. Wenn das äußere Gefäß den hinreichenden Grad der Ausbildung gewonnen hat, wozu Gott das Gefäß mit allen nötigen Bestandteilen und Eigenschaften zur Übergenüge wohl eingerichtet hat, dann erweckt oder vielmehr entwickelt Er Seinen ungeschaffenen ewigen Geist im Menschenherzen, und dieser Geist ist nach dem Maß seiner Auswirkung das, was Moses unter den zwei großen Lichtern, die an die Feste des Himmels gestellt werden, versteht und verstanden haben will, wie es auch alle Patriarchen und Propheten also und nie anders verstanden haben. Dieses ewige, ungeschaffene, vollauf für ewig lebendige Licht an der Himmelsfeste im Menschen ist dann erst der vollwahre Dirigent des wahren Tages im Menschen und lehrt das frühere Gefäß, sich völlig in sein ewig ungeschaffenes Gottwesen umzugestalten und also den ganzen Menschen zu einem wahren Gotteskind zu machen. Ein jeder geschaffene Mensch hat eine lebendige Seele, die da auch wohl ein Geist ist und die notwendige Fähigkeit hat, Gutes und Wahres und Böses und Falsches zu erkennen, das Gute und Wahre sich anzueignen und das Böse und Falsche aus sich zu verbannen, aber sie ist dessen ungeachtet kein ungeschaffener, sondern ein geschaffener Geist und kann als solcher für sich nie die Kindschaft Gottes erreichen. Wenn sie aber nach dem ihr gegebenen Gesetz das Gute und Wahre in aller Demut und Bescheidenheit ihres Herzens und ihres ihr von Gott eingepflanzten freien Willens angenommen hat, dann ist solcher demütige, bescheidene und gehorsame Wille zu einer rechten Himmelsfeste geworden, weil er sich eben nach dem in die Seele des Menschen gelegten Himmlischen gebildet hat, und ist also ganz geeignet, das rein ungeschaffene Göttliche in sich aufzunehmen. Das rein Göttliche, oder der ungeschaffene Geist Gottes, der nun für ewig an solche Himmelsfeste gestellt wird, ist das große Licht, die Seele des Menschen aber, die durch das große Licht denn auch zu einem nahezu gleich großen Licht umgestaltet wird, ist das zweite, kleinere Licht, das aber nun gleich dem ungeschaffenen großen Licht an dieselbe Himmelsfeste gestellt und vom ungeschaffenen Licht zum mitungeschaffenen Licht umgestaltet wird, ohne an seiner naturmäßigen Beschaffenheit etwas zu verlieren, sondern in einem vollends geistig geläuterten Sinn unendlich vieles zu gewinnen. Denn die Seele des Menschen für sich könnte ewig nie Gott in Seinem reinsten Geistwesen erschauen, und umgekehrt könnte der reinste ungeschaffene Gottesgeist nie das Naturmäßige erschauen, da es für ihn keine materielle Naturmäßigkeit gibt. Aber in oben besagter voller Verbindung des reinsten Geistes mit der Seele kann nun die Seele durch den ihr zugekommenen neuen Geist Gott in Seinem urgeistigen reinsten Wesen, und der Geist durch die Seele das Naturmäßige erschauen (GEJ.01_161,01-06).

4. Der Geist
In jedem von Gott geschaffenen Menschen wohnt ein ungeschaffener, ewiger Geist aus Gott (GEJ.02_041,04-05; GEJ.03_048,07; GEJ.05_236,10; GEJ.07_150,14; GEJ.09_025,01 GEJ.09_058,06; GEJ.10_069,09). Er ist ein wesenhafter Teil des ewigen wahrhaftigen Geistes Gottes, im Herzen Gottes wohnend und kommend aus demselben (HGt.03_054,11, GEJ.10_200,04; GEJ.03_053,07; GEJ.05_062,07; GEJ.05_184,03; GEJ.07_223,09-10). Er ist ganz das, was Gott Selbst ist (GEJ.01_214,10; RB.01_146,09), daher Sein Ebenbild (GEJ.04_110,10; GEJ.04_228,04; GEJ.02_150,08). Und da Gott Selbst in Sich die allerhöchste und reinste Liebe ist, also ist es auch der jedem Menschen zukommende Geist aus Gott (GEJ.07_223,11; GEJ.08_150,15; GEJ.09_108,09; GEJ.10_144,11), Seine ewige Liebe im Menschen (GEJ.02_041,04; GEJ.03_048,07; RB.01_146,09; RB.02_255,02; RB.02_279,05). Sonach ist die Mutter des Geistes die Liebe (HiG.03_40.06.17,02; GEJ.10_021,06), und der Geist im Menschen - völlig aus dem Herzen Gottes - eigentlich nichts als ein Gott im kleinsten Maß (GEJ.01_214,10), ein vollkommen lebendiges Abbild des Herrn, das in sich den Funken oder Brennpunkt des göttlichen Wesens hat (GS.02_010,14; GS.02_011,18, was als ein Funken Seiner Vaterliebe im Herz der Seele wohnt (GEJ.04_220,08; GEJ.07_150,14). Als ein reiner Geist aus Gott (GEJ.10_016,07; RB.01_052,02) ist er das eigentlichste Leben, der Lebensgeist bzw. die eigentliche Lebensflamme aus Gott im wahren Herzen des Menschen (GEJ.02_041,04-05; GEJ.04_052,12).
Des Menschen Geist hat keine Form und ist dasjenige Wesen, das die Formen schafft. Und wenn sie geschaffen sind, kann er in diesen geschaffenen Formen selbst als Form wirkend auftreten. Er ist gleich dem Licht, welches bemerkbar nur in den Dingen erscheint, die es erleuchtet (Er.01_052,09-11). In sich als Stoff und Element ist er ein Feuer und ein Licht oder die Liebe und die Weisheit selbst, worunter kein Materiefeuer, keine sinnliche Liebe und auch kein Licht wie etwa das der irdischen Sonne oder einer brennenden Lampe zu verstehen ist, denn das Feuer des Geistes ist pur Leben und dessen Licht seine Weisheit (GEJ.07_071,11), die alles schafft, ordnet und erhält, der eigentliche wahre und in sich schon ewige Mensch im Menschen, der sich aber nach Gottes ewigen Ordnung in ihm erst mit der Zeit, der Selbständigwerdung und Festigung des Geistes halber, mit Seele und Leib umkleidet und so in eine äußerlich beschauliche Form tritt (GEJ.09_085,10; RB.02_284,07).
Dem Geist oder der ewigen Essenz wohnt die Liebe inne (sein Herz ist reine Liebe (HGt.02_228,17)) als die alles bewirkende Kraft, die höchste Intelligenz und der lebendig feste Wille. Alles das zusammen erzeugt die Substanz der Seele und gibt ihr die Form oder das Wesen des Leibes (GEJ.08_025,07; GEJ.07_015,07; GEJ.08,150,15), wobei sich das Wesen der Seele zum Geist genauso verhält wie der materielle Leib zur Seele (GEJ.04_054,08).
Als jenseitiger Geist des Menschen ist er von Anfang an der eigentliche Erwecker, Fortführer, Bildner und Erhalter der Seele bis hin zur Menschenseele, die dann erst in ihre volle Freiheitssphäre tritt und sich selbst in der moralischen Hinsicht weiter fortzubilden imstande ist (GEJ.10_184,05; GEJ.09_080,05). Er wird als ein Fünklein des reinsten Gottesgeistes in das Herz der Seele eingelegt, was bei einigen Kindern früher, bei anderen später geschieht, bei vielen drei Tage vor der Geburt (Er.01_051,07; GEJ.02_217,05; RB.02_214,04), wobei die Seele der substantielle Leib des Geistes ist, gleich wie der Fleischleib der Behälter der Seele ist (GEJ.05_211,04), und der unteilbare Geist (Er.01_053,10) das eigentliche Lebensprinzip der Seele ausmacht (GS.02_079,12).
Er ist ein rein essentiell geistiger dritter Mensch im Menschen, durch den die Seele Wahres vom Falschen und Gutes vom Bösen unterscheiden und frei nach allen erdenklichen Richtungen hin denken kann. Durch dieses völlig freie Wollen kann sie sich, wenn sie sich für das reine Wahre und Gute bestimmt, dem Geist nach und nach völlig ähnlich machen (GEJ.08_024,11-14 + 25,11; GEJ.07_223,09-10), denn wie sich die Materie aus der Materie ernährt, die Seele aus der Seele, die Liebe aus der Liebe, so auch der Geist aus dem Geist. Und da die Liebe des Geistes Grund und des inneren Menschen allereigentlichstes Wesen ist, kann dem inneren Menschen keine bessere Nahrung verschafft werden, als wenn er mit der Liebe zu Gott gesättigt wird. Durch diese Liebe wird er kräftig und mächtig und wird ein Herr in diesem seinem Haus werden, das die unsterbliche Seele und der sterbliche Leib ist (HGt.03_043,17-18; GEJ.07_223,10; RB.02_279,05; Ste.01_008,20-21).
Der Geist im Menschen ist aufgrund seiner demütigen und liebevollen Beschaffenheit völlig zum Herrn gewendet, und somit ist seine ganze Bestimmung in und für den Herrn. Wenn er frei geworden ist und sich beim Herrn befindet, hat die Welt alles scheinbare Recht und alle Macht auf ihn verloren (Ste.01_015,05).
Ein jeder Mensch bekommt einen Geist und hat die Möglichkeit, nach der vorgeschriebenen Ordnung die vollkommene Kindschaft Gottes zu erhalten (Er.01_053,12). Er unterliegt hierbei keinerlei Beschränkungen, sondern kann sich völligst frei für die Welt oder Gott entscheiden (RB.01_027,02-3). Er kann somit aufsteigen bis in die Wohnung Gottes oder so tief fallen wie der Satan selbst (GEJ.02_060,05). Das alleinige Weckmittel des Geistes besteht darin, sich im Herzen, das heißt in der allervollkommensten Liebe, an den allerheiligsten Vater voll Vertrauen und voll gerechter, uneigennütziger Treue zu wenden (HGt.02_056,11), nach den uns gegebenen Geboten leben (GEJ.05_184,03, GEJ.07_054,12-13; GEJ.03_232,13; GEJ.08_150,15 Ste.01_008,20-21; RB.01_035,03-04), und sich Seinen Willen zu seinem eigenen zu machen (GEJ.04_121,09; GEJ.09_025,02).
Der Geist des Menschen ist erst dann vollendet, wenn er durch seine eigene Kraft, die in der ihm von Gott gegebenen inneren Lebensmacht besteht, in die erkannte Gottesordnung eintritt und sich in dieser wie in seinem höchsteigenen Lebenselement tatkräftig fortbewegt (RB.01_121,05).
Durch den lebendigen, demnach werktätigen, Glauben wird der Geist erweckt, der wie ein mächtiges Licht aus Gott die Seele durchdringt und in ihr alles ins Licht umwandelt (RB.01_035,04; GEJ.07_223,10). Durch das Sündigen verschmilzt er mit der Seele und vergräbt sich in die Materie, fällt damit in die Hölle (GS.02_107,10), und so kann ein Geist mit einer von der Welt stark beschädigten Seele nichts Erhebliches mehr für das ewige Leben wirken, da er seine Kraft dahin verwenden muss, die Lücken der Seele zu ergänzen (Ste.01_025,12).
Naturmäßige Geister, zumeist der sinnlichen Fleischliebe entstammend, umlagern stets am hartnäckigsten den wahren Geist und wollen ihn in ihre Sphäre herauslocken. Sie sind am schwersten von dieser Wohnung des Lebens wegzubringen, da sie, wie keine andere Art der Naturgeister, nur zu sehr am Leben hängen. Ihre größte Furcht ist es, das Leben zu verlieren, das ihnen so viele süße Genüsse darreicht (RB.01_061,09). Wer sein Leben sinnlich-materiell ausrichtet, zieht seinen Geist zur Materie, und damit in das Gericht und den Tod (HGt.03_047,10-13).
Als unser Licht und Leben ist unser Geist das Fünklein im Zentrum der Seele, also ihr eigentliches Leben. Durch das reine Wort Gottes wird es größer und mächtiger, zieht endlich selbst die Menschengestalt der Seele an, durchdringt die Seele ganz und umwandelt sie in ihr Wesen, wird dadurch zu einem neuen Menschen (HGt.03_047,13; GEJ.03_042,06; GEJ.07_223,10; RB.01_146,01+07+09). Er ist der Seele innerste Sehe, deren Licht alles durchdringt, weil es ein innerstes und somit reinstes Licht ist. Wird er im Menschen wach, so kann er seine Stimme wie lichte Gedanken in seinem Herzen vernehmen. Diese muss er gut anhören und sich danach in seiner ganzen Lebenssphäre richten, so wird er ihm dadurch einen stets größeren Wirkungsraum verschaffen, wodurch er bis zur männlichen Größe wachsen und die ganze Seele und mit ihr sein ganzes materielles Wesen durchdringen wird (GEJ.04_076,09-10).
Davor muss jedoch der in die Seele gestellte Geist die Seele durch die Haltung der ihm äußerlich gegebenen Gesetze bilden. Hat die Seele dadurch den rechten Grad der Reife und Ausbildung erreicht, so tritt er dann völlig in die ganze Seele über, und der ganze Mensch ist dadurch vollendet, ein neues Geschöpf, zwar im Grunde des Grundes immer aus Gott, da der Geist im Menschen, völlig aus dem Herzen Gottes, eigentlich nichts als ein Gott im kleinsten Maße ist. Doch ist der Mensch das nicht durch die Tat Gottes, sondern aus seiner höchst eigenen Werktätigkeit, und eben darum ein vollwahres Gotteskind (GEJ.01_214,10).
Zu einem stark verlorenen Sohn - einem Grafen - im Jenseits, der aufgrund langen Elends zu Gott zurückgewandt wurde, sagte Jesus, als dessen Geist alle Bande zerrissen hatte und sich in seiner ganzen ihm umfassenden Seele ausbreitete: “Ich bin wohl Gott, als das urewigste Wesen voll Weisheit, Macht und Kraft – und du nur ein Geschöpf Meiner Willenskraft. Aber dein Geist ist dennoch ganz das, was Ich Selbst bin. Somit bleibt zwischen uns fortan das völlig gleiche Verhältnis wie zwischen Vater und Sohn oder wie zwischen Bruder und Bruder. Denn deiner Seele nach, die nun dein äußeres Wesen ist, bist du Mir ein Sohn und deinem Geiste nach ein Bruder! – Die Seele ging hervor aus dem Urlicht Meiner Weisheit und ist um endlos vieles minder als das erschaffende Urlicht. Darum ist die Seele ein Sohn zu Mir, der Ich im Grunde des Grundes pur Liebe bin. Aber dein Geist, der da Meine Liebe Selbst in dir und somit Mein höchsteigener Geist ist, ist demnach Mein Bruder durch und durch!“ (RB.01_146,01+07+09).


Seele und Geist
„Die Seele des Menschen ist eine rein ätherische Substanz, also aus sehr vielen Lichtatomen oder möglich kleinsten Teilchen zu einer vollkommenen Menschenform zusammengesetzt durch die Weisheit und durch den allmächtigen Willen Gottes, und der reine Geist ist eben der von Gott ausgehende Wille, der da ist das Feuer der reinsten Liebe in Gott. Der reine Geist ist ein Gedanke Gottes, hervorgehend aus Seiner Liebe und Weisheit, und wird zum wahren Sein durch den Willen Gottes. Da aber Gott in Sich ein Feuer aus Seiner Liebe und Weisheit ist, so ist das gleiche auch der in ein eigenes Sein realisierte und gewisserart aus Gott getretene Gedanke. Wie aber das Feuer eine Kraft ist, so ist dann solch ein Gedanke aus Gott auch eine Kraft in sich, ist seiner selbst bewusst und kann für sich wirken in eben jener Klarheit, aus der er hervorgegangen ist. Als eine Reinkraft durchdringt er alles, was du Materie nennst, kann aber von der Materie nicht durchdrungen werden, weil die Materie im weiteren Verlaufe nichts ist als eine Außenäußerung des Geistes aus Gott. Die Seele ist gewisserart durch die Kraft des Geistes wieder aufgelöste Materie, die in des Geistes eigene Urform, durch seine Kraft genötigt, übergeht und sodann, mit ihrem Geiste vereint, gleichsam seinen lichtätherisch-substantiellen Leib ausmacht, so wie die Seele aus der sie umgebenden Fleischmaterie, wenn diese völlig verwest und aufgelöst worden ist, sich durch ihren rein geistkräftigen Willen ihr einstiges Kleid formt und bildet. Da hast du nun eine ganz kurze und vollwahre Darstellung dessen, was die Seele für sich ist, und was der reine Geist für sich ist.“ (GEJ.07_066,05-08)


5. Inkarnation von "unten" oder von "oben"
Auf der Erde können nur solche Seelen eingefleischt werden, die entweder aus einer Sonne herstammen, in der noch alle Urelemente beisammen sind, und sie dort schon einen Fleischweg durchgemacht haben und somit alle Seelenintelligenzspezifika in sich fassen, die für die Vollendung eines höchsten Geisteslebens nötig sind, oder aber sie stammen unmittelbar von dieser Erde ab und haben zuvor alle die drei sogenannten Naturreiche von der Steinmaterie durch alle Mineralschichten, die gesamte Pflanzen- und Tierwelt in Wasser, Erde und Luft durchgemacht (GEJ.04_106,05). Demnach gibt es also zweierlei Menschen auf der Erde, wobei die meisten der Seele und dem Leib nach pur von dieser Erde abstammen (sog. Kinder der Welt), ein viel geringerer Teil ist nur dem Leib nach von dieser Erde, der Seele nach aus einer Sternenwelt. Am seltensten inkarnieren sich reinste Engelsgeister aus den reinen Geisterhimmeln (sog. Gotteskinder) (GEJ.05_225,03-05; GEJ.05_113,05; GEJ.04_034,08-09; GS.02_015,27; Er.01_053,13). Unter hundert Erdenseelen befinden sich ein bis zwei starke Seelen von oben (GEJ.04_035,03; GEJ.04_035,03), wobei alle Seelen auf dieser Erde etwas aus allen Sternen in sich haben. Vorherrschend aber bleibt nur das, was sie aus der Natur jener Erdenwelt haben, auf der sie zuerst als vollständige Menschenseelen ausgebildet wurden (RB.02_265,04). Eine „von unten“ stammende Seele ist mit Satan gefallen (GS.02_066,05), und anfangs nicht viel reiner als ihr Leib, da sie eben auch der unreinen Urseele des gefallenen Satans entstammt (GEJ.02_210,02). Der Herr: „Und so denn hatte sich durch solchen Fall fürs erste der Hauptgeist [Luzifer] und mit ihm alle seine verwandten Untergeister selbst auf das hartnäckigste und bitterste gefangengenommen […] Aber das ist gewiss, dass nun aus diesem verlorenen Sohne des Lichtes die Sondergeister durch die Macht Gottes wieder erweckt und ins Fleisch als Kinder der Welt gesetzt werden, und es ist ihnen, gleich wie den Kindern von oben, die Gelegenheit gegeben, sich zur höchsten Vollendung der Kinder Gottes emporzuheben. Alle Materie ist darum Sondergeist, der als Seele in jedem einzelnen Menschen in ihrem Geiste zum ewigen Leben wiedergeboren werden kann. Wenn aber aus der Materie einer Welt alle Sondergeister herausgehoben sein werden, dann ist auch das volle Ende einer solchen Welt ins Dasein getreten“ (GEJ.02_231,07-09).

Gefallener Geist - dem Wesen nach ein Funke der göttlichen Liebe
Der gefallene Geist entstammt den einst mit Luzifer gefallenen Geistern (HGt.01_005,14; GEJ.01_165,08-09), wodurch er durch den Missbrauch seiner Willensfreiheit ins Gericht (= Trennung von Gott) verfallen ist, und wird als ein einst böse gewordener Geist, der dem Wesen nach ein Funke der göttlichen Liebe ist, aus dem die Seele in der Stimme des Gewissens ein rechtes Bewusstsein ihrer selbst und der göttlichen Ordnung überkommt (GEJ.02_210,03), in den Menschen hineingelegt (HiG.03_40.06.17,06). Dadurch ist ihm die Möglichkeit der Umkehr und Rückkehr zu Gott gegeben: durch das Gesetz zur Freiheit, und damit zum ewigen Leben (GEJ.01_165,08-10; RB.01_029,05; RB.01_027,05).
Da allein hier auf Erden die wahre und einzige Kindschaft Gottes zu erreichen ist, was alle reinen Urgeister in der ganzen Unendlichkeit gar wohl wissen und tiefst erkennen, so kommen gar viele Geister mit Seelen aus anderen Weltkörpern auf die Erde um eine fremdweltliche Seele auch in der Materie dieser Erde durchgären zu lassen. Vielen gelingt es beim ersten Versuch, und gar vielen nicht. So die fremde Seele in dem Leib aus dieser Erde dann schon gleich zu Anfang ihres Eintritts in dieser sie sehr drückenden Materie nicht bestehen kann, so wird sie von ihrem Geist gleich wieder dahin gebracht, von wo sie gekommen ist (GEJ.05_188,14; s.a. GEJ.08_016,02).

Engelsgeist
Zu öfteren Malen geschieht es, dass gar viele Engel den Weg des Fleisches genauso durchmachen wie Jesus Selbst als der höchste Geist Gottes ihn durchmachte, auf dass sie dann Gottes wahre Kinder werden können. Aber diese erwählen sich selbst eine rechte, noch nie in einem Fleisch gewesene Seele, geben sie in das Fleisch einer reinen Mutter, und sorgen dann für das Weitergedeihen und für die rechte Lebensbildung nach ihrem Licht und nach ihrer Kraft, auf dass eine solche Seele erstarke für die ewige Einigung mit ihnen (GEJ.05_267,08-09).
Grundsätzlich sind Seelen von oben her kräftiger, und die argen Geister dieser Erde können ihnen weniger oder auch nichts anhaben. Solche Seelen können auch eine stärkere Fleischlebensprobe aushalten ohne irgendeinen bedeutenden Schaden zu erleiden. Wird bei denen der Geist, der verborgene Urlebenskeim, erweckt, und durchdringt er dann mit seinen ewigen Lebenswurzeln die Seele durch und durch, so wird das nur wenig Verdorbene an solch einer Seele sogleich ausgeheilt, und der ganze Mensch steht vollendet da, wie solches z.B. Mathael und Philopold. Und bei Seelen, die zuvor Engel der Himmel waren, kann leichtlich nichts verdorben werden, wozu z.B. Johannes der Täufer, mehrere Propheten wie Moses, Elias, Jesaja u.a. gehören, und es gab zur Erdenzeit Jesu mehrere solcher auf der Erde, die aus den Himmeln gekommen waren, um mit Jesus den schmalsten Weg des Fleisches durchzumachen. Solche Menschen sind einer schon gar starken Fleischlebensprobe fähig und ertragen sie auch stets mit der größten Aufopferung. Daneben gibt es auch noch Unterschiede der von oben herkommenden Seelen in der Art, dass da einige aus den vollkommenen Sonnenwelten stammen. Diese sind kräftiger als solche, die aus den kleinen, dieser Erde ähnlichen Planeten hierherkommen, um auf dieser Erde die Kindschaft Gottes zu erreichen. Je unvollkommener aber irgend ein Planet ist, desto schwächer sind auch seine Auswanderer. Diese haben zwar eine geringere Lebensprobe zu bestehen, können aber an der Seele schon einen größeren Schaden bekommen. Sie haben aber dennoch einen kräftigen Urlebenskeim in sich. Wird er in rechter Art erweckt, so sind die Seelen dann auch bald wieder in der vollen Lebensordnung (GEJ.04_034,08-09+035,01-02).

Es inkarnieren sich aber auch Seelen dieser Sonne, denen es obliegt, ganze Hülsengloben zu beherrschen und zu leiten und in der besten Ordnung als gerichtet zu erhalten. Auch aus der Zentralsonne dieses Systems, zu dem auch diese Sonne gehört, können Seelen auf die Erde zur Erreichung der Kindschaft Gottes übersetzet werden, ebenso aus der weiteren Sonnengebiets- und Sonnenallzentralsonne. Aber nur aus dem Bereich desselben Sonnenalls, in dem sich diese Erde befindet, können auch noch Seelen hierher kommen, aber aus der allgemeinen Urzentralsonne nicht leichtlich mehr, weil jener notwendig allerriesenhaftesten Menschen Seelen schon zu ungeheuer viel Substanz in sich enthalten, als dass sie von dem kleinen Leibe eines diesirdischen Menschen könnte aufgenommen werden (GEJ.05_113,04-05).
Manche Seelen aus Sonnenwelten werden bald sehr vollkommen, manche aber bekommen oft auch einen großen Zorn auf alles, was nur auf dieser Erde vorkommt. Daraus werden für diese Erde gewöhnlich sehr böse Individuen, die rauben, morden und stehlen, was ihnen nur unterkommt. Auch haben sie gewöhnlich keine Liebe zu den Menschen dieser Erde und suchen ihnen nur auf alle mögliche Weise zu schaden. Solche entgehen hier nur selten der gerechten Strafe für ihre Vergehen wider die erdbürgerlichen Ordnungsgesetze. Sie kehren dann oft wohl auch in ihre alte Heimat zurück, wo es ihnen dann auch nicht am allerbesten geht, denn ihr Geist fängt dann mit ihnen oft eine ganz entsetzlich scharfe und sehr schmerzliche Disziplin an, die, je nachdem eine Seele für sich stolzer, verhärteter und selbstsüchtig, eigensinniger ist, oft ganz entsetzlich lange dauert (GEJ.05_188,16).

Diejenigen Seelen, die von Uranbeginn aus dieser Erde abstammen sind am eigentlichsten zur Kindschaft Gottes berufen, sind die Schwächsten und könnten für sich am ehesten total verdorben werden (GEJ.04_035,03).

Ausnahmezustand: Fehlen des Geistes beim Menschen
Eine Seele ohne den Geist ist nur eine bloß stumme polarische Kraft, die den stumpfen Sinn nach Sättigung (Begierde) in sich trägt und selbst keine Urteilskraft besitzt, sodass sie mit einem Erzkretin verglichen werden kann, der in das rein Tierische versunken ist (GS.02_079,13).


Ein jeder geschaffener Mensch hat eine lebendige Seele, die auch wohl ein Geist ist (da geistiger Natur) und die notwendige Fähigkeit hat, Gutes und Wahres und Böses und Falsches zu erkennen, das Gute und Wahre sich anzueignen und das Böse und Falsche aus sich zu verbannen, aber sie ist dessen ungeachtet kein ungeschaffener, sondern ein geschaffener Geist und kann als solcher für sich nie die Kindschaft Gottes erreichen (GEJ.01_161,04). Sie ist beim Menschen ein geistiges Produkt aus der Materie, weil in der Materie nur ein gerichtetes Geistiges für die Löse rastet, der reine Geist aber ist niemals gerichtet gewesen (außer ein aus dem Gericht gehobener Geist, s. GEJ.01_165,08-10), und es hat ein jeder Mensch seinen von Gott ihm zugeteilten Geist, der alles beim werdenden Menschen besorgt, tut und leitet, aber mit der eigentlichen Seele sich erst dann in eines verbindet, so diese aus ihrem eigenen Wollen vollkommen in die erkannte Ordnung Gottes übergegangen und somit vollends rein geistig geworden ist (DTT.01_021,19).

6. Die Sinne
Der Mensch verfügt zur Ausbildung der Seele über fünf naturmäßige äußere Sinne, um über sie die Sinnenwelt bzw. die verschiedenen Substanzen des Lichts, des Schalls, des Geschmacks, des Geruchs und des allgemeinen Gefühls aufzunehmen (HiG.03_40.06.17,05). Die Sinne des Leibes sind die Leitzügel in den Händen der Seele zur Beherrschung ihres Leibes für die Außenwelt. Hätte der Leib solche Sinne nicht, so wäre er gänzlich unbrauchbar und der Seele eine unerträgliche Last. Es würden ihr aber die schärfsten Sinne des Leibes nichts nützen, so sie nicht selbst in ihrem ätherischen Leib ganz dieselben Sinne besäße. Da aber auch die Seele dieselben Sinne besitzt wie der Leib, so nimmt sie auch leicht und bestimmt mit ihren feinen Sinnen wahr, was vorausgehend die Sinne des Leibes von der Außenwelt wahr- und aufgenommen haben (GEJ.04_051,04+06). Der Geist ist die innerste Sehe der Seele, deren Licht alles durchdringt, weil es ein innerstes und somit reinstes Licht ist (GEJ.04_076,09). Wie die Sinnenwahrnehmung hinsichtlich des Leibes, der Seele und des Geistes erfolgt, soll anhand folgender Zuordnungstabelle aufgezeigt werden:



Alles, was der Mensch aus der Außenwelt aufnimmt, dient seiner Ernährung, sei es körperlicher, seelischer oder geistiger Art. Wie dies geschieht, soll nachstehend näher betrachtet werden.

7. Natürliche, seelische und geistige Ernährung und Sättigung
Das lebendig wahre, rechte Wort aus dem Grund unseres Herzens ist alles in allem, es durchdringt die Materie, löst sie auf in Geistiges und nährt dann mit der Auflösung der Materie den Geist. Und so nährt der Geist nur den Geist, die Seele die Seele und die Materie die Materie. Denn das Wort in uns, als der sich hell aussprechende Gedanke im Herzen, ergreift die Materie, teilt sie und beschaut sie in ihrem Wunderbau. In dieser Beschauung sättigt sich schon die Seele, denn das entzückende Gefühl der Seele an der Beschauung wunderbar schöner Formen ist ihre Sättigung.
Es ist aber vom Schöpfer der Mensch durchaus so eingerichtet, dass da die Sättigung des einen Teiles allzeit die sichere Erhungerung des andern mit sich bringt. Um solches aber so recht in der Tiefe zu fassen, soll uns ein Beispiel recht wohl behilflich sein, und so habt denn guten Herzens acht. Wenn ihr dem Leibe nach hungrig seid, da lechzt ihr alle nach einer guten Mahlzeit, und befindet ihr euch dann bei einer gut besetzten Tafel, da seid ihr dann auch voll Lust, denn ihr könnt euch nun den quälenden Hunger stillen. Wenn es aber hieße: Ihr müsst volle acht Tage an der Tafel sitzen bleiben, oder einen Monat, oder gar ein Jahr, – sagt, würde euch dabei nicht die entsetzlichste Langweile verzehren? Ja, ihr würdet in solch einem Fall sicher zu verzweifeln anfangen. Weil denn aber solches doch sicher der Fall sein würde, so die Frage: Warum da die Langweile, die Verzweiflung, da der Leib gesättigt wird? Weil die Sättigung des Leibes die sichere Erhungerung der Seele bewirkt, welche sich allzeit in der bitter empfundenen verzweifelten Langweile ausspricht.
Was wird man denn aber anstellen müssen, um nach der Sättigung des Leibes auch die Seele zu sättigen? Man steht von der Tafel auf und begibt sich ins Freie, zum Beispiel auf einen kleinen Berg, oder in einen schönen Garten, wo sich dann die Seele an den schönen Formen, an dem Gesang der Vögel und an den ätherischen, also seelischen Wohlgerüchen der Blumen und an mehr derlei Annehmlichkeiten für die Seele sättigt. Wenn jemand aber dergleichen lange genug betrachtet hat und hat dadurch seine ehedem hungrige Seele hinreichend gesättigt, da werden ihn alsbald auch diese herrlichen Speisen wieder für die Seele zu langweilen anfangen, und er wird sich bald entweder nach Hause zu sehnen anfangen, um seinem durch die Sättigung der Seele hungrig gewordenen Leib wieder eine neue Stärkung durch einen guten Bissen zu verschaffen, oder es wird sich im bessern Fall der Geist zu rühren anfangen und wird durch die Seele dem Leib sagen: ,Mich hungert es gewaltig!‘
Wie aber wird sich dieser Hunger aussprechen? – Durch eine stets mehr und mehr brennende Wissbegierde. Er wird die Materie und ihre schönen Formen begreifen wollen, denn sie sind so für ihn nicht genießbar, – sie müssen aufgelöst werden durchs Feuer, Licht und genügende Wahrheit. Was aber ist das Feuer? Es ist die begierliche Liebe. Was ist das Licht? Es ist der sich im Herzen klar aussprechende Gedanke. Was ist die Wahrheit? Sie ist das aus dem Feuer und dem Licht hervorgehende und ausgesprochene Wort. Durch dieses Wort ergreifen wir denn dann diese feste Materie und ihre liebliche Form, lösen die Materie auf und finden in der aufgelösten Materie die Bedeutung und den geistigen Sinn der Form. Dadurch wird unser Geist dann entzückt, und diese zufriedene, selige Entzückung ist dann aber schon auch die stärkende Sättigung für den Geist, denn er findet darin seine Heimat, seine Ruhe, seinen Stoff, seinen Ursprung und in diesem seine wahre Liebe zu Gott und die allmächtige Liebe Gottes zu ihm. Da fällt der Geist dann in aller Liebe und Demut vor der unendlichen Liebe Gottes, nieder, dankt Gott und betet wahrhaftig zu Gott, und Gott ist dann seine Hauptsättigung zum ewigen Leben (HGt.03_044,02-20).
Es geht demnach das innere lebendige Wort der Liebe aus dem Herzen, welches sich zuerst in klaren Gedanken oder seelischen Formen ausspricht in die Sprache des Gesichtes über, und dann erst, wenn es aufgrund der Schwäche der Menschen nottut, von bloß groben Sinnen in die Mundsprache, damit die groben Sinne solch schwacher Menschen aus der öfteren Sättigung des Geistes in ihnen verfeinert werden möchten und sie dann mit solchen verfeinerteren, also lebendigeren Sinnen die Dinge in ihrer Wahrheit beschauen möchten und dadurch stets mehr und mehr ihren Geist sättigen, damit er als das eigentliche Leben im Menschen erstehe und ein vollkommener Herr in seinem Haus sei (HGt.03_045,12).


Ausarbeitung 11/2013



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