Wie wir gratulieren sollen - Der Prophet Jakob Lorber

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Geburtstagsgratulation
- Wie wir gratulieren sollen -


Das Folgende lasse Ich durch den Knecht dir, Meinem sehr willigen Freund, An. sagen, da Ich deinen Willen als bewährt gefunden habe.
Die Menschen wünschen sich zwar gegenseitig vielfach allerlei Glück, aber es bleibt auch gewöhnlich bei dem Wunsch nach der Weltmode, weil ihm kein wahres Wollen der Liebe, sondern nur eine blinde, weltliche Gewohnheit zugrunde liegt.
Da wünscht oft einer dem anderen alles ordentliche „Beste“ in der sicheren Überzeugung, dass von all dem Gewunschenen nichts in Erfüllung gehen wird. Und es ist bei all seinen Wünschereien oft auch nicht ein Sonnenstäubchen ernster, der wahren Liebe entstiegener Wille derjenigen hofsittlichen Gratulationen nicht zu gedenken, die vermittelst der gedruckten Papierchen, die ihr Visitenkarten nennt, geschehen.
Fragst du, warum bei solchen Wünschen nie etwas Erfolgliches herauskommt, so sage Ich: Darum, weil der willenlose Wunsch nichts als eine heuchelnde, schmeichelnde Höflichkeit des kalten Weltverstands und somit eine bare Lüge und absurde Narrheit ist.
Wie ist doch der Mensch ein großer Tor, der da zu einem Stein spricht: Werde Gold! Und sieh, doch wäre ein solcher Tor nur klein zu nennen gegen einen Gratulanten, der seinem Wünschling tausend Lebensjahre wünscht, während er ihm das Leben auch nicht für eine Terzie verlängern kann und, fürs zweite, ihn oft schon am nächsten Tag unter der Erde wissen möchte, um dadurch etwas zu gewinnen. Und so ist mancher, der da wünscht Glück und Segen, und in seinem Herzen ist er voll Ärgers, oder der da wünscht Gesundheit und heitere Lebenstage, und kennt oft den alleinigen Geber solcher Dinge kaum dem Namen nach. Oder ist da endlich noch einer, der spricht: Ich wünsche Ihnen, was Sie sich selbst wünschen! Weiß dieser Gratulant denn auch, ob das alles gut ist, was sich die Menschen in ihrer Eigenliebe wünschen? – Und so gratuliert die Welt sich dann beständig Unsinniges in ihrer finsteren Leerheit.
Aber hör, nicht so soll es bei euch sein. – Statt solcher Tollheit sollen Meine Freunde sich gegenseitig in Meinem Namen voll Liebe im Herzen fragen: Bruder, bedarfst du in irgendetwas meines Beistandes, so sage es mir offen, und ich will dich nach Möglichkeit meiner Kraft und meines Vermögens wohl unterstützen! Sag nicht: wenn du solches wünschst!, sondern sag, dass du dessen benötigst zur Ehre Gottes und zur Wohlfahrt deines Geistes!
Und hat dir der Bruder solches gestanden, so sei liebewillig und tu es unverzüglich, so wirst du das Herz deines Bruders erquicken. Und Ich, dein Vater, werde Freude haben ob solcher werktätigen Gratulation.
Und so du gratulierst, da gratuliere armen Hilfsbedürftigen, so werde Ich auch deine anderen Gratulationen, die du verrichten musst um der Welt kein Ärgernis zu geben, mit gnädigen, nachsichtigen Augen ansehen.
Und so trete also anstatt des leeren Wunsches der volle, kräftige Wille auf im Herzen und anstatt der Gratulation die reine, uneigennützige Liebe, so wirst du erst ganz sein ein Mann nach Meinem Willen, welcher ist Meine unendliche Liebe zu euch.
Sieh, du hast schon so manches getan, was Mir wohlgefiel, und daher habe Ich dir auch schon einen neuen Namen gegeben, der da aufgezeichnet ist im großen Buch des Lebens. Und dieser Name sei dir am Tag deiner Eingeburt  ein Geschenk als Name deiner Neugeburt . Aber tu das Gesagte alles, so wirst du bald die große Freude der Wiedergeburt erleben!
Sieh, so ist Meine Gratulation geartet! Ich wünsche nichts, sondern was Ich will oder liebe, das gebe Ich oder lasse es zu, dass es geschieht. Was würde wohl daraus werden, so Ich euch das Leben wünschen möchte und ließe es beim Wunsch!? Allein Ich wünsche nicht, sondern Ich will, und so lebt ihr!
Es heißt ja aber, dass ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Nun denn, so tut auch ihr, wie Ich, euer Vater, es will und selbst tue. Könnt ihr auch nicht tun, was Ich tue im Unendlichen, so tut es doch im Kleinen. Dann werdet ihr sein gleich einem kleinen Kreis, der ja in all seiner Geringfügigkeit doch vollkommen gleich ist dem großen Kreis Meines unendlichen Wesens. Amen.


Jakob Lorber am 30. November 1840, Himmelsgaben, Bd.1, S.229.


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