Jakob Lorber - Nachfolge Jesu und Selbstbeschau - Der Prophet Jakob Lorber und seine Verkündungen ... Jakob Lorber

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Jakob Lorber - Nachfolge Jesu und Selbstbeschau

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-  Gewissenserforschung -


Gott in Emanuel: „Läutere dein Herz, damit Ich dir dann helfen kann“ (HGt.01_140,15)


Was die Selbstbeschau ist und worin sie besteht
Die Selbstbeschau stellt die wahre Sabbatfeier in Gott dar (GEJ.02_166,18) und besteht darin, sein Gewissen zu erforschen, d.h. in der Stille und in der Ruhe in Gott lebendig über sein Tun und Lassen und über den bekannten Willen Gottes (s.o. unter ‚Die zwölf Hauptgrundsätze der Lehre Jesu‘ wie auch GS.02_073-104) nachzudenken und zu prüfen, ob man letzterem zu den verschiedenen Zeiten seines Lebens nachgekommen ist (GEJ.01_220,10-11; GEJ.01_224,10; GEJ.03_060,21).
Nichts ist heilsamer als eine zeitweilige innere Selbstbeschauung. Wer sich und seine Kräfte erforschen will, der muss sich öfters selbst erforschen und innerlich beschauen. Dadurch gelangt er zur Erkenntnis seiner Schwächen, Neigungen und Begierden, da er durch einige Übung in der Beschauung seines Inneren leicht und bald finden wird, wessen Geistes sein Herz voll ist. Er kann dann alles Unordentliche aus sich herausschaffen, um es ganz rein zu fegen (GEJ.03_061,01-03; HiG.02_47.03.28,04-05). Dies ist die Bedingung und die Voraussetzung für das Arbeiten an der eigenen Vollendung (GEJ.04_063,10-11), weil das Herz dann zur Aufnahme der Liebe und so des Lebens aus Gott fähig geworden ist (HGt.01_048,13).
Darüber hinaus können durch dieses Beschauen auch die Fallen erkannt werden, die der Satan in einen hinein gelegt hat, und man wird fähig, diese zu zerstören und aller künftigen Arglist dieses Feindes vorzubauen, was sein Eindringen erheblich erschwert (GEJ.02_008,08; GEJ.01_224,08-12). Aus diesem Grund versucht Satan nichts emsiger, als den Menschen durch allerlei äußere, nichtssagende und die Seele nach außen ziehende Spektakel und Gaukeleien an seiner inneren Selbstbeschauung zu hindern, um so unbemerkt allerlei Fallen aufzurichten, auf die man dann in seiner Blindheit wieder reinfällt. Auch verstrickt sich die Seele am Ende in diese äußeren Erscheinlichkeiten derart, dass sie zu gar keiner Selbstbeschauung mehr gelangen kann, was dazu führt, dass sie dann zunehmend von ihrem Geist getrennt wird, bis sie denselben nicht mehr zu erwecken vermag, was schon der Beginn des zweiten Todes im Menschen ausmacht (GEJ.01_224,08-12). Es ist daher sehr wichtig, sich in keinster Weise von den bösen Vorkommnissen und Ablenkungsversuchen Satans beirren und abziehen zu lassen, auch wenn sie einen in Furcht und Schrecken versetzen. Ist dies der Fall, so soll man sich auf Gott vertrauend wieder in die Ruhe begeben und sich mit Ihm verbinden, und man wird ein voller Meister über diese Vorkommnisse werden. Erst mit der geistigen Wiedergeburt wird der Satan alle Macht über uns verlieren – bis dahin wird er alles versuchen, um uns zu beunruhigen und uns von Gott und unserem Weg zu Ihm abzuziehen (GEJ.01_226,02-04).
Wer sich zuvor nicht selbst erkannt hat, der wird auch nicht seinen Nächsten erkennen und ihm helfen können, und endlich auch nicht Gott erkennen, denn erst die Selbsterkenntnis führt zur Gotteserkenntnis (GEJ.01_220,05; GEJ.04_063,10-11; GEJ.08_194,08). Ein jeder Mensch muss sich zuerst vollkommen selbst finden, bevor Gott mit Seiner alles Leben vollendenden Hand an ihm wirken und mit Seinem Licht im Herzen Wohnung nehmen kann. Aus diesem Grund sagt Gott auch niemandem direkt die Fehler seines Lebens vor, sondern bloß indirekt durch gewisse Rüttler, durch die Er dann die Seele dazu führt, sich selbst näher zu beschauen, ihre Fehler an Seinem Licht zu erkennen, sie von sich zu bannen und dadurch dann völlig in die Ordnung Gottes einzugehen (GEJ.02_188,15-16).
Der Unterschied zwischen der Selbstbeschau (Sich-selbst-beschauen) und der Meditation besteht darin, dass man bei der Selbstbeschau in sich geht und sein Tun und Lassen mit den Geboten Gottes vergleicht, woraus erkannt werden kann, wo noch gefehlt wird. Meditation (lat. meditatio = Ausrichtung zur Mitte) ist die Ruhe in Gott, sich vom göttlichen Geist durchdringen zu lassen, den Gottesfunken in sich erwecken.

„Also aber ist der Weg, und das ist das alleinige Weckmittel des Geistes, dass ihr alle euch im Herzen, das heißt in der allervollkommensten Liebe, an den allerheiligsten Vater wendet voll Vertrauen und voll gerechter, uneigennütziger Treue. Wenn ihr aber gewahren werdet, dass es da in eurem Herzen heißer und heißer wird, dann achtet auf euer Herz; denn dann ist die Entzündungs- und Lichtzeit auch schon da. Und so dann eure Herzen alle erbrennen werden zu Gott, dem allerheiligsten, liebevollsten Vater, da schauet in euch, und ihr werdet die Wunder des ewigen Lebens in euch erschauen!“ (HGt.02_056,05-12)


Wie die Selbstbeschau und Ruhe in Gott in der Praxis umgesetzt werden kann

Sich ins Herz versenken
Jesus ruft uns auf: „Widmet Mir an Stelle eurer gewissen Weltgedanken und an Stelle eurer so manchen Welterheiterungen [z.B. Fernsehen] nur eine volle Stunde am Tage; heiliget sie dazu, dass ihr euch in derselben mit nichts als nur mit Mir in euerm Herzen abgebet!“ (Ste.01_005,15-17) und empfiehlt uns, dabei unser Herz zu fragen, ob es Gott über alles ohne Interesse außer dem süßesten der Liebe selbst, ob es um Gottes Willen den Bruder mehr als sich selbst und ob es wahrhaft und völlig rein lieben kann. Wenn es Gott darum lieben kann, weil Gott Gott ist, und den Bruder wie aus Gott heraus wegen Gott und aus purer Liebe zu Ihm lieben, so steht der Mensch vollendet vor Gott, seinem Herrn, Vater und Bruder (RB.02_157,06).
Um eine solche Liebe zu erreichen sollen wir sorgfältig prüfen, ob nicht noch irgend starke weltliche Vorteilsgedanken unser Herz beschleichen, ob nicht zeitweiliger Hochmut, eine gewisse, zu überspannte Sparsamkeit (die eine jüngste Schwester des Geizes ist), Ehrsucht, richterlicher Sinn, Rechthabelust, fleischlicher Wolllustsinn und dergleichen mehr unser Herz und somit auch unsere Seele gefangen halten, weil solange das bei dem einen oder dem anderen der Fall ist, er zu der Verheißung des ewigen Lebens nicht gelangen wird (GEJ.05_125,02+04). Haben wir solches in uns erkannt, sollen wir Acht haben auf unser Gemüt sowie auf die in uns oft schlummernden bösen Leidenschaften, die sich in Trägheit, Arbeitsscheu, Wollust, Eigenliebe, Starrsinn, Hochmut, Neid, Geiz und Herrschsucht klar kundgeben. Dieser sind dann durch die Macht der Liebe zu Gott und durch die Liebe zum Nächsten, durch Geduld, Demut und Sanftmut zu begegnen (GEJ.06_225,19).
Und wenn wir erfahren wollen, ob wir uns in der reinen Liebe nach der göttlichen Ordnung ganz getreulich befinden, sollen wir uns prüfen, ob wir in unserem Herzen unser selbst ganz vergessend ganz offenliebig, freudigst und maßlos zum Geben bereit sind, so wir einen armen Bruder oder eine arme Schwester sehen oder diese gar zu uns um einen Beistand kommen. Denn die Nächstenliebe ist die Tür in die heilige Wohnstube unseres Geistes. Sie muss ganz geöffnet sein, damit Gottes Lebensfülle in solche Stube einziehen kann, und Demut, Sanftmut und Geduld sind die drei weit geöffneten Fenster, durch die vom mächtigsten Licht aus den Himmeln die heilige Wohnstube Gottes im Menschenherzen erleuchtet und mit aller Lebensfülle aus den Himmeln durchwärmt wird. Alles liegt demnach an der freien und freudigst offensten Nächstenliebe, die nur durch die höchstmögliche Selbstverleugnung erreicht werden kann. (GEJ.03_241,05-10).
Durch die Selbstbeschau wachsen wir in der Selbsterkenntnis und gleichzeitig auch im Mitgefühl und der Nächstenliebe stets mehr und mehr, da, je deutlicher wir uns selbst erkennen, es desto schwieriger für uns wird, die Schwächen anderer zu verurteilen, weil wir auch die Ursachen, Umstände und Folgen des menschlichen Handelns genauer verstehen. Eine fortwährende Übung der Versenkung im Geist führt dazu, dass sich immer mehr das Auge des Geistes öffnet und sich das geistige Gehör schärft, wodurch alsbald der Zugang zur geistigen Welt und allerlei Offenbarung ermöglicht wird (HGt.01_001,01-02; HGt.01_006,13-14; HGt.01_080,04)

Hilfen für die meditative Ruhe in Gott
Es gibt verschiedene Meditationshaltungen, von denen die beiden nachfolgenden die geeignetsten zu sein scheinen: Bei der einen befindet man sich im Sitzen, wobei man sich aufrecht auf einen Stuhl mit aufrechter Lehne setzt und die Augen schließt, die Hände und die Füße berühren sich nicht. Bei der anderen liegt man in behaglicher Rückenlage bei leicht erhöhtem Kopf. Die Ellenbogen sind etwas angewinkelt, die Handflächen liegen neben den Oberschenkeln, die Füße zeigen geringfügig nach außen bei ausgestreckten, sich nicht berührenden Beinen.
Bevor man mit der Übung beginnt sollten alle Störquellen (z.B. Telefon) abgestellt werden. Nach dem Einnehmen der Meditationshaltung können Entspannungsübungen vorgenommen werden, bei denen bewusst ruhig ein- und ausgeatmet, aller Stress nach außen abgegeben, alle Probleme und Gedanken losgelassen werden und man sich ganz allein auf Jesus konzentriert.
Die Meditation sollte dann mit einem Gebet an Jesus beginnen. Falls Konzentrationsstörungen wie z.B. sich dazwischen drängende Bilder und Gedanken auftauchen, sollten diese nicht festgehalten, sondern einfach vorüberziehen gelassen bzw. in Liebe und Ruhe weggeschickt werden. Dafür kann man auch Jesus um Hilfe bitten. Ganz besonders wichtig ist der starke Wille, mit der Welt vollkommen zu brechen und Jesus über alles zu setzen, denn im Kampf mit den Ablenkungsmanövern Satans braucht es Geduld, Ausdauer und eine gewisse Anstrengungen um durchzuhalten.
Wenn nun aber aus dem Innersten Bilder und Eindrücke aufsteigen, dann sind sie nicht wegzuschicken, sondern bewusst anzusehen, indem man sich dabei führen lässt, ohne selbst mit seinem eigenen Willen eingreifen oder Einfluss nehmen zu wollen, sondern vielmehr sich Jesus anzuvertrauen und Ihn an uns wirken zu lassen. Den Unterschied zwischen von außen kommenden Einflüssen oder von innen her aufsteigenden Eindrücken machen zu können, wird sich alsbald nach einiger Übung mit der Meditation einstellen (man fühlt es, ob die Eindrücke gewissermaßen im Kopf oder wie außerhalb von einem selbst wirken oder aber aus der eigenen Tiefe (des Herzens) aufsteigen).
Bei fortgeschritteneren Selbstbetrachtungen wird die Seele in aller Stille in das Reich des Geistes versetzt, wo sie alsbald die heilige Ruhe des göttlichen Geistes fühlt, sich mit selbem verbindet und so in eine enge Verbindung mit Jesus tritt. Ist diese Verbindung erfolgt, beginnt das Herzensgespräch mit Ihm, worauf das Einfließen Seiner Stimme klar und deutlich vernommen werden kann, und zwar von einem jeden, der sich ernstlich bemüht, die Tätigkeit der Seele auf einige Zeit zu unterdrücken, und dem Wirken des Geistes in ihm lauscht und Gehör schenkt. Wer es einmal so weit gebracht hat, dass er die Stimme des Geistes durch treue Übung in der Stille vernimmt, soll sich nicht damit begnügen, sondern fleißig an der weiteren Ausbildung seiner noch im ersten Stadium des Erwachsens liegenden Seele arbeiten, denn da ist ein stetiges und unaufhörliches Arbeiten vonnöten, d.h. ein beständiges Wachhalten der noch immer zur Trägheit geneigten Seele von Seiten des Geistes, welchem durch den Verkehr mit Jesus die nötige Kraft zufließen wird (GS.02_044,16-17).

Hier ein Gebetsvorschlag, den Jesus für das Sich-zur-Ruhe-begeben anempfohlen hat:
"Herr! Hier bin ich, ich ließ dich, o liebevollster heiliger Vater, lange warten, da du mir schon seit meiner Kindheit unablässig zugerufen hast: „Komm zu Mir! Ich will dich erquicken!“
Nun Vater, ist die Zeit gekommen, dass sich mein Ohr geöffnet und mein sonst starrer Wille sich ganz in den Deinen ergeben hat voll Demut und Gehorsam vor Dir, wie auch nach Deinem Willen zu allen meinen besseren Brüdern und Schwestern.
Daher komme Du, mein allerliebster Jesu, zu mir, und erquicke meine kranke Seele mit dem Balsam Deiner unendlichen Liebe, lass mich finden meine große Schlechtigkeit in Deinem bitteren Leiden und Sterben, lass mich sehen die heiligen fünf Wundmale, und erkennen darin meine große Missetat.
O Jesus, Du Überwinder des Todes und der Hölle, komme zu mir und lehre mich Deinen Willen recht verstehen, lehre mich erkennen mein völliges Nichts und Dein Alles!
O Du liebevollster Jesus, Du Herr aller Heerscharen, komme zu mir Armen, Schwachem, Blindem, Tauben, Aussätzigen, Gichtbrüchigen, Lahmen, Krummen, Besessenen, ja mein allerliebster Jesus komme zur mit Toten, und lass mich nur anrühren Dein heiliges Kleid, so werde ich leben!
Herr! Lass Dir nicht Zeit, denn ich habe Deiner unendlich nötig, ich kann nicht mehr ohne Dich sein, da du mir alles, und alles andere aus Liebe zu Dir zunichte geworden ist.
Ohne Dich kann ich nicht mehr leben, daher, o mein liebster Jesus, komme bald zu mir. Doch wie allezeit, so geschehe auch diesmal Dein heiliger Wille. Amen" (HiG.03_40.08.18,42)


Ausarbeitung 02/2005



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