Jakob Lorber - Maria, die Leibesmutter Jesu - Der Prophet Jakob Lorber

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Bibel und NO > Biblische Personen und Orte

Maria – Jesus Leibesmutter

1. Über ihre Herkunft

1.1. Maria stammt, wie Joseph, aus dem Stamm Davids

„Der Hohepriester aber erinnerte sich, dass die dem Joseph erst vor wenigen Wochen zur Obhut übergebene Maria ebenfalls aus dem Stamm Davids sei.“ [JJ.01_002,07]


1.2. Maria ist die Frucht einer himmlischen Zeugung

Jesus: „Ich [bin geboren worden] vor nahe dreiunddreißig Jahren zu Bethlehem in einem Schafstall von einer reinsten und frömmsten Jungfrau namens Maria, einer einzigen Tochter des Joachim und der alten Anna, die stets im Tempel zu des frommen Simeon Zeiten zu tun hatten.“ [GEJ.10_146,01]

Der zwölfjährige Jesus zu den Pharisäern im Tempel: „[…] sowie dessen [Josephs] Weib, das eine Jerusalemerin ist und bis zu ihrem vierzehnten Jahr im Tempel erzogen wurde? Ist sie nicht eine Tochter der Anna und des Joachim, die nach euren chronischen Aufzeichnungen wunderbarerweise zur Welt kam? Anna war schon hohen Alters, und ohne ein Wunder wäre da an eine Befruchtung wohl nie zu gedenken gewesen!“ [DTT.01_003,06]

„Dem Abraham ist ein rechter Nachkomme erweckt worden geistig ohne sinnlichen Beischlaf, desgleichen ward Johannes [der Täufer] gezeugt, die Maria, und in der Urzeit geschahen solche Zeugungen häufig, und so manche Propheten wurden auf diese Art gezeugt.“ [HiG.03_47.05.29,01]


1.3. Maria ist im Tempel von Engeln erzogen worden

Ein Jüngling zu Maria: „Maria, du Gebenedeite unter den Weibern der Erde! Erinnerst du dich meiner nicht mehr? Bin ich nicht der, welcher im Tempel so oft mit dir gespielt hat und hat dir allzeit eine gute Speise und einen süßen Trank gebracht?“ Hier schmuste die Maria und sprach: „Ja, ich erkenne dich, du bist Zuriel, ein Erzengel! Du hast mich aber manchmal auch sehr geneckt, da du mit mir sprachst, aber dich nicht sehen ließest; und ich musste dich oft stundenlang bitten, bis du dich bewegen ließest dazu, dass ich dich ersah!“ Und der Jüngling sprach: „Sieh, du gebenedeite Mutter, so war es des Herrn Wille, der dich überlieb hatte. Wie aber das Herz in dir, als der Sitz der Liebe, fortwährend pocht und dein ganzes Wesen stupft und neckt, so ist das auch die Art der Liebe des Herrn, dass sie ihre Lieblinge fortwährend stupft, zupft und neckt, aber auch eben dadurch das Leben bildet und dauerhaft macht für die Ewigkeit!“ [JJ.01_114,01-07]

Joseph zu Maria: „Maria, Kind Gottes, das Er Selbst in Seine Obhut genommen, […] die du auferzogen wardst im Allerheiligsten und hast deine Speise empfangen aus der Hand der Engel und hast diese glänzenden Diener Gottes allzeit gehabt zu deinen Mitgespielen!“ [JJ.01_006,20-21; s.a. JJ.01_011,11-12]


1.4. Maria ist eine Nachkommin von Ghemela, und der Geist Pura ist in ihr

Der hohe Abedam zu Ghemela, eine reine Jungfrau aus der Urzeit, die mit Lamech eine vorbildliche, himmlische Ehe geführt hat: „Ich will dich segnen für alle Zeit! Sieh, du herrliche Ghemela, wie Ich, dein Schöpfer, dein ewiger, heiliger Vater, dich jetzt trage auf Meinem Herzen, welches ist das ewige Fundament alles Lebens und alles Seins der ganzen Unendlichkeit, so soll dereinst eine dir völlig ähnliche Tochter aus deinem Blut – höre! – Mich Selbst, Mich, den ewigen, unendlichen Gott, das ewige Leben, den allmächtigen Schöpfer aller Kreatur vom Atom bis zum allerhöchsten Engelsgeist, Mich, den alleinigen Herrn aller Macht und Kraft, unter ihrem Herzen tragen!“ [HGt.01_185,16]

Der hohe Abedam zu Pura, einem Waisenkind, das auf der Höhe aufgenommen wurde: „Du, Mein Kindlein, aber sollst fürder nimmerdar weichen von Meiner Brust; du allein wirst Mich allzeit durch dein ganzes Erdenleben schauen und haben wie jetzt! Du sollst keines Mannes Weib werden eher, als bis in der Zeit der Zeiten, da du erfüllt wirst mit aller Fülle der Macht der Liebe Meines unendlichen Geistes!“ [HGt.02_122,24-25] und weiter: „Dir, Pura, gebe Ich Mein lebendiges Wort! So wirst du bestehen im Geist ein lebendiges Fleisch und wirst in der Zeit der Zeiten im Fleisch nicht mehr gezeugt werden, sondern hervorgehen aus einem gezeugten Fleisch ein ungezeugtes Fleisch [s.u. 1.2. „Frucht einer himmlischen Zeugung“] und aus dir ein lebendiges Fleisch [Jesus Christus], das da sein soll ein künftiger Grund alles Lebens. Daher sei ruhig und heiter; denn Ich habe dich endlich und unendlich lieb, da außer Mir wohl weder im Himmel noch irgend auf Erden jemand herrlicher und schöner ist als du!“ [HGt.03_011,11]


2. Über ihr Wesen

2.1. Aussehen

2.1.1. Maria ist recht leibeskräftig

„Da aber der Nährvater Joseph bei einem Zeugschmied aus Damaskus sich einige Werkzeuge neu anfertigen ließ und schon vorauswusste, dass er nicht so bald fertig werde und wegen des Tragens ihn auch Meine recht leibeskräftige Mutter dahin begleitete…“ [DTT.01_031,10]


2.1.2. Maria hat eine weiße Haut

Das Jesus-Kindlein zu Maria: „Ich sehe es dir recht gut an, wenn du so recht ernst schlimm bist, denn da siehst du ganz rot aus im Gesicht; jetzt aber bist du schön weiß, wie Ich, und da bist du nie schlimm.“ [JJ.01_230,28]


2.1.3. Maria trägt eine einfache Kleidung

Jesus: „Sieh an die Maria, die Mutter Meines Fleisches! Sie ist rein mit weißer Wäsche angetan und trägt darüber eine ganz ordinäre  blaue Schürze, und sie ist gut genug bekleidet! Am Haupt trägt sie gewöhnlich einen viereckigen Sonnenschirm, so wie alle anderen Weiber, die Mir aus Galiläa und Judäa gefolgt sind, und sie taugen so gerade am besten für unsere Gesellschaft.“ [GEJ.01_052,06]

Maria zu Cyrenius: „O sieh, du lieber Herr, ich habe ja gar ärmliche Kleider; wie werden sich diese an deiner so glänzenden Seite ausnehmen?“ Cyrenius aber sprach: „O du liebe Mutter! So dich meine goldenen Kleider, die für mich gar keinen Wert haben, beirren sollten, da möchte ich sie sogleich von mir werfen und dafür einen allergemeinsten Matrosenrock anziehen, um dich nur bei meiner Tafel nicht zu missen!“ [JJ.01_055,07-08]


2.2. Eigenschaften

2.2.1. Maria ist sehr geschickt in Handarbeiten

„Zuerst kam die Arbeit [für den Vorhang im Tempel] an dem Scharlach, der da mit großer Aufmerksamkeit musste gesponnen werden, um den Faden ja nicht hier und da dicker oder dünner zu machen. Mit großer Meisterschaft wurde der Scharlachfaden von der Maria gesponnen, so dass sich alles, was nur ins Haus Josephs kam, höchlichst verwunderte über die außerordentliche Geschicklichkeit Mariens. In kurzer Frist von drei Tagen ward Maria mit dem Scharlach zu Ende und machte sich sodann sogleich über den Purpur. […] In wenigen Tagen ward Maria auch mit dem Purpur fertig, ordnete ihn dann und nahm den Scharlach und legte ihn zum Purpur. Darauf dankte sie Gott für die Gnade, dass Er ihr hatte lassen ihre Arbeit so wohl vollenden, wickelte dann das Gespinst in reine Linnen und machte sich damit nach Jerusalem auf den Weg. Bis zum Hausbau, da Joseph arbeitete, ging sie allein; aber von da an begleitete sie wieder Joseph nach Jerusalem und daselbst in den Tempel. Da angelangt, übergab sie sobald die Arbeit dem Hohepriester. Dieser besah wohl den Scharlach und den Purpur, fand die Arbeit allerausgezeichnetst gut und belobte und begrüßte darum Mariam mit folgenden Worten: „Maria, solche Geschicklichkeit wohnt nicht natürlich in dir, sondern der Herr hat mit deiner Hand gewirkt! Groß hat dich darum Gott gemacht; gebenedeit wirst du sein unter allen Weibern der Erde von Gott dem Herrn, da du die erste warst, die da ihre Arbeit dem Herrn in den Tempel überbracht hat.“ Maria aber, voll Demut und Freude in ihrem Herzen, sprach zum Hohepriester: „Würdiger Diener des Herrn in Seinem Heiligtum! O lobe mich nicht zu sehr, und erhebe mich nicht über die anderen; denn diese Arbeit ist ja nicht mein Verdienst, sondern allein des Herrn, der da meine Hand leitete! Darum sei Ihm allein ewig alles Lob, aller Ruhm, aller Preis und alle meine Liebe und alle meine Anbetung ohne Unterlass!“ Und der Hohepriester sprach: „Amen, Maria! Du reine Jungfrau des Herrn, du hast wohl geredet vor dem Herrn! So denn ziehe nun wieder hin im Frieden; der Herr sei mit dir!“ [JJ.01_002,23-25+005,01-11]

„Maria war sehr geschickt in aller Kunstspinnerei und strickte ganze Kleider.“ [JJ.01_163,05]


2.2.2. Maria lehrt und heilt im Namen Jesu

Jesus zu Markus: „Hier aber siehst du auch die Mutter Meines Leibes. Dein Weib und deine Kinder sollen von ihr gesunde Speisen bereiten lernen.“ [GEJ.09_151,11]

„Joseph aber pries Gott für die Zugabe dieser Kinder, segnete sie und übergab sie der Leitung Mariens, die eine Hauptschulmeisterin war, indem sie im Tempel in allem möglichen unterrichtet ward. Und die Kinder lernten griechisch, hebräisch und auch römisch lesen und schreiben. Denn diese drei Sprachen musste in der Zeit fast jeder Mensch reden und im Notfall auch schreiben können.“ [JJ.01_163,18-20]

„Nach dem Mahl besuchten wir noch das Haus der Maria und ihre von Kisjonah ihr eingeräumte Besitzung. Alles war in der schönsten Ordnung. Auch war eine kleine Schule erbaut, in der die Mutter den dürftigen Kindern in allerlei nützlichen Dingen Unterricht erteilte und so die Zeit recht vielfach nützlich zubrachte und darum von allen Menschen des Ortes und der Umgegend sehr geliebt und geachtet ward. Sie heilte dadurch auch viele Kranke, dass sie ihnen in Meinem Namen die Hände auflegte oder über sie betete. Und so war sie denn auch ein Segen für diese Gegend und war dem Kisjonah ein wahres Kleinod.“ [GEJ.06_036,03]


2.2.3. Maria hat eine starke Ausstrahlung, vor der sich giftige Tiere fürchten

Als in der Gegend des Tempels sich giftige Klapperschlangen und Vipern lagerten (s.V.6), da bat Cyrenius den Joseph: „Bruder! sage den beiden Dienern des Herrn, dass sie dieses Geschmeiß bedrohen sollen!“ Joseph aber antwortete: „Es ist dieses nicht vonnöten! Denn sieh, da ist mein Weib eine Hauptmeisterin; lassen wir sie nur voraustreten mit ihrem Lasttier, und du wirst es sehen, wie dieses Geschmeiß vor ihr die Flucht ergreifen wird!“ Und die Maria mit dem Kindlein auf dem Arm trat mit ihrem Lasttier hervor; und als die Bestien die Maria ersahen, da flohen sie plötzlich mit Blitzesschnelle von dannen, und nicht eine war irgend mehr zu erblicken.“ [JJ.01_124,12-17]


2.2.4. Maria besitzt die Fähigkeit des Hellsehens

Maria zu Joseph: „Sieh, ich sah nun zwei Völker vor mir; das eine weinte, und da weinte ich notgedrungen mit. Das andere aber wandelte lachend vor mir und war voll Freude und Heiterkeit; und ich musste mitlachen und in seine Freude übergehen! Das ist alles, was meinem Antlitz Schmerz und Freude entwand.“Als Joseph solches vernommen hatte, da ward er wieder beruhigt, denn er wusste, dass Maria öfter Gesichte hatte; daher ließ er denn auch wieder zur Weiterreise aufbrechen und zog hinauf gen Bethlehem.“ [JJ.014,06-08]

Maria zu Joseph: „Sieh, ich bin ja allzeit eine Magd des Herrn, und so geschehe mir nach Seinem Wort! Ich aber hatte heute einen Traum, und in diesem Traum kam das alles vor, was du mir jetzt eröffnet hast.“ [JJ.01_023,07-08]


2.3. Charakter

2.3.1. Maria wird als tugendsam, tüchtig und fleißig beschrieben

Pharisäer über Maria: „Die gute Mutter Maria selbst, ein noch immer sehr hübsches, fleißiges und sehr tugendsames Weibchen, dem sicher kein Mensch etwas Untugendhaftes nachreden kann.“ [GEJ.01_121,02]

„Maria [vermehrte] ums Doppelte ihren Fleiß, um ja recht bald, ja womöglich als erste mit ihrer Arbeit fertig zu werden. Aber sie verdoppelte ihren Fleiß nicht etwa aus Ruhmlust, sondern nur um nach ihrer Meinung Gott dem Herrn eine recht große Freude dadurch zu bereiten, so sie baldmöglichst und bestmöglichst ihre Arbeit zu Ende brächte.“ [JJ.01_002,21-22]


2.3.2. Maria ist sehr demütig, sanftmütig und fromm

Maria zu Elisabeth: „Das gerechte Leben ist nicht unser, sondern des Herrn, und ist eine Gnade! Wer da aus sich gerecht zu leben glaubt, der lebt vor Gott sicher am wenigsten gerecht; wer aber stets seine Schuld vor Gott bekennt, der ist es, der da gerecht lebt vor Gott. Ich aber weiß nicht, wie ich lebe, mein Leben ist eine pure Gnade des Herrn; daher kann ich auch nichts anderes tun, als Ihn allzeit lieben, loben und preisen aus allen meinen Kräften! Ist dein Leben wie das meinige, da tue desgleichen […].“ Elisabeth aber erkannte gar wohl, dass aus der Maria ein göttlicher Geist wehe […] und ergab sich, Gott lobend und preisend, in Seinen Willen.“ [JJ.01_006,28-31]

Maria zu Eudokia: „Sieh, auch ich bin eines Königs Tochter, aber die königliche Herrlichkeit ist lange vergangen, und sieh, nun bin ich eine Magd des Herrn, und das ist eine größere Herrlichkeit als alles Königtum der Welt!“ [JJ.01_105,21]

„Das Weib bat Mariam, ob sie ihr nicht erlauben möchte, dass sie bei ihr eine Zeitlang verbleibe, auf dass sie dem Haus diente, in dem ihr ein so großes Heil widerfahren ist. Maria aber sprach: „Weib, das steht nicht bei mir, denn ich bin selbst nur eine Magd des Herrn. Verharre aber eine Zeitlang, bis mein Gemahl vom Feld heimkehrt; von ihm sollst du den rechten Bescheid bekommen!“ Das Weib aber fiel der Maria zu den Füßen und wollte sie förmlich als eine Göttin anzubeten anfangen; denn sie sah die Heilung ihres Gesichtes als ein zu großes Wunder an, indem sie eine Blindgeborene war. Maria aber verwies ihr solches streng und entfernte sich in ein anderes Gemach. Das Weib aber fing darob an zu weinen, da sie der Meinung ward, als hätte sie dadurch ihre größte Wohltäterin beleidigt. Jakob aber, der im selben Zimmer das Kindlein lockte, sah das Weib an und sprach zu ihr: „Was weinst du, als hätte dir jemand etwas zuleide getan?“ Das Weib aber sprach: „Ach, du lieber Jüngling! Ich habe ja die beleidigt, die mir das Licht der Augen gab; wie soll ich da nicht weinen?“ Der Jakob aber sprach: „Ach, sorge dich um etwas anderes! Das junge Weib, das dir das Badewasser reichte, ist sanfter als eine Turteltaube; darum kann sie nimmer beleidigt werden. Wenn sie auch jemand beleidigen möchte, so kann er aber das doch nicht zuwege bringen. Denn da segnet sie ihn für eine Beleidigung zehn Mal und bittet selbst den Beleidiger auf eine Art um seine Freundschaft wieder, der auch der härteste Stein nicht widerstehen könnte. Sieh, so gut ist dieses Weib! Daher sei ja ohne Sorge; denn ich versichere dir, dass sie soeben zu Gott für dich betet!“ Und so war es auch. Maria betete fürwahr zu Gott für dieses Weib, dass Er ihr den Verstand erleuchten möchte, und sie dann einsehe, dass sie (die Maria nämlich) auch nur ein schwaches Weib sei. Maria war wohl vom höchsten Adel; aber ihre Freude bestand darin, dass sie gedemütigt werde allerorts und von jedermann. Nach einer Weile aber kam die gute, liebe Maria wieder zurück und bat im Ernst das Weib um Vergebung darum, so sie dieselbe etwa zu hart angefahren hätte. Dieses Benehmen von Seite der Maria brachte das dankbare Weib völlig um vor lauter Liebe zur Maria.“ [JJ.01_094,01-17]


2.3.3. Maria hat eine große Barmherzigkeit, die der von Jesus gleichkommt

„Hier kam das [Jesus-]Kindlein zur Mutter und sprach: „Aber Mutter! Heute bist du schön! Wenn du wüsstest, wie schön du bist, du möchtest gerade eitel werden!“ Maria lächelte hier und sagte zum sie streichelnden Kleinen: „O Du mein liebster Jesus! Bin ich denn nicht alle Tage gleich schön?“ Und das Kindlein sprach: „O ja, du bist wohl stets sehr schön; aber manchmal bist du denn doch ein wenig schöner. Heute aber bist du schon ganz besonders schön! Wahrlich, von tausend Erzengeln bist du nun umringt, und jeder will am nächsten bei dir sein!“ Maria aber verstand des Kindleins Rede nicht und sah sich um und um, ob da irgendein Erzengel zu erschauen wäre. Aber sie ersah nichts, als was das Zimmer enthielt, und fragte darum das Kindlein: „Ja, wo sind denn hernach die tausend Erzengel, da ich doch keinen zu erschauen vermag?“ Da sagte das Kindlein: „Du darfst ja keinen erschauen; da könntest du eitel werden! Du aber bist nun darum so schön vor allen Engeln der Himmel, weil in deinem Herzen eine so große Barmherzigkeit aufgestiegen ist, die der Meinen nahe gleichkommt! Denn sieh, seine Feinde gerecht und menschlich einer Buße zu unterziehen, ist eben auch gerecht und Gott wohlgefällig, und es soll allzeit so sein auf der Erde; aber seinen Feinden von ganzem Herzen ihre Schuld vergeben und ihnen dazu noch Gutes tun und sie segnen, sieh, das ist rein göttlich! Das bringt nur die endlose Kraft der göttlichen Liebe zuwege; denn die menschliche ist dazu zu schwach! Weil du aber eben solches getan hast, wie es Gott tut, darum bist du nun so schön! Denn Gott ist die allerhöchste Schönheit, weil die höchste Liebe! Tue aber nun auch, was dein Herz verlangt, so wird dir Mein Reich der Liebe wie ein Königtum zufallen, und du wirst eine Königin sein darin ewig!“ [JJ.01_255,05-21]


2.3.4. Maria wird als eine liebe und zärtliche Mutter beschrieben, die sehr um ihren Sohn besorgt ist

Die Jünger zu Jesus: „Sieh, welch ein liebes Weib, und welch eine zärtlichste Mutter! Sie ist nun schon 45 Jahre alt und sieht aus, als hätte sie kaum das zwanzigste Jahr zurückgelegt. Und wie ungemein zärtlich besorgt sie ist, und wie hoch schwellt die reinste Mutterliebe ihre wahrhaft heilig reinste Brust! Wahrlich, ein Weib der Weiber der ganzen Erde!“ [GEJ.01_108,09]

Als das Jesus-Kindlein dem Cyrenius erzählt, wie Es manchmal von Seiner Mutter geschimpft wird, fragt der Cyrenius: „Wenn aber Deine Mutter so schlimm ist, wie kannst Du sie dann aber dennoch so überaus liebhaben?“ Und das Kindlein antwortete: „Weil sie aus großer Liebe zu Mir schlimm ist; denn sie hat stets die größte Furcht, dass Mir irgendetwas Übles geschehen möchte. Und sieh, darum muss Ich sie ja dann auch recht liebhaben! Ist sie auch manchmal ohne Grund schlimm, so meint sie's aber dennoch gut, und darum verdient sie ja auch Meine Liebe! Sieh, eben darum würde sie nun auch schlimm sein, so Ich nun noch ein Stückchen Fisch äße, weil sie meint, es könnte Mir schaden. Es würde Mir freilich wohl nicht schaden; aber Ich will nun Selbst nicht gegen die sorglich gute Meinung Meiner Mutter eine Sünde begehen.“ [JJ.01_230,02-15]

Jesus zu Kisjonah: „Freund, nun erst wollen wir zu der Maria gehen! Die Ich früher benannt habe, gehen mit!“ Auf das erhoben wir uns und gingen zur Maria. Als wir bei ihr ankamen, da hatte sie eine große Freude; nur konnte sie nicht umhin, Mir ihr vieles Leid und ihre oft übergroße Sorge zu klagen, die sie um Meinetwillen zu bestehen hatte. Ich aber tröstete sie und sagte zu ihr: „So du von Meiner Empfängnis an weißt, warum Ich in diese Welt gekommen bin im Fleisch durch deinen Leib, wie kannst du dich dann ängstigen, so Ich den Willen des Vaters, der im Himmel ist, tue? Geh aber nun mit uns samt allen, die um dich sind; im Haus des Freundes sollst du vieles erfahren, was Ich unter den Menschen gewirkt habe!“ [GEJ.09_116,01-04]

„Maria sagte hier mit einer gewissen Ängstlichkeit zu Mir: „Mein geliebtester Sohn Jesus, wenn diese Deine größten Feinde doch nur Dich nicht erkennen möchten; denn ich habe in Nazareth vom dortigen Obersten um Deinetwillen viele böse Reden und Urteile zu erdulden gehabt und habe mich hauptsächlich hierher in diese Einsamkeit begeben, um vor dem Obersten und seinem Anhang Ruhe zu haben. Diese da ziehen sicher auch darum in unser Land, um über Dich und Dein Wirken von neuem wieder Erkundigungen zu machen. Zwei kommen mir sehr bekannt vor, und ich habe sie schon etliche Male Deinetwegen in Nazareth gesehen.“ Sagte Ich: „Sei darob völlig unbekümmert, ob sie Mich in der Person erkennen oder nicht; im Geist wird Mich diese Art erst dann erkennen, wenn Ich über sie Gericht halten werde.“ [GEJ.09_117,14-15]


2.3.5. Jesus hat großes Wohlgefallen an Maria

„Denn was sie [Maria] tut, ist stets wohlgetan, und Ich habe stets eine größte Freude an dem, was sie will, und was sie tut.“ [GEJ.09_135,16]


3. Weiteres über ihre Lebensgeschichte

3.1. Marias Übergabe an Joseph

„Maria aber, die im Tempel auferzogen ward, ist reif geworden und war nach dem Mosaischen Gesetz not, sie aus dem Tempel zu geben.“ […] Nach der Verlosung im Tempel sprach der Priester zu Joseph: „Also hat es der Herr gewollt! Dir, du biederer Gewerbsmann, ist das untrügliche Los zugefallen, die Jungfrau des Herrn zu empfangen! So nehme sie denn hin im Namen des Herrn in dein reines Haus zur ferneren Obhut.“ […] Und der Herr sprach zum Priester, als er vor dem Allerheiligsten betete: „Betrübe Mir den Mann nicht, den Ich erwählt habe; denn gerechter als er wandelt wohl keiner in Israel, und keiner auf der ganzen Erde, und keiner vor Meinem ewigen Thron in allen Himmeln! Und geh hinaus und gebe die Jungfrau, die Ich Selbst erzogen habe, dem gerechtesten der Männer der Erde!“ […] Und Joseph nahm Maria und sprach: „Also geschehe denn allzeit der allein heilige Wille meines Gottes, meines Herrn! Was Du, o Herr, gibst, ist ja allzeit gut; daher nehme ich ja auch gerne und willigst diese Gabe aus Deiner Hand! Segne sie aber für mich und mich für sie, auf dass ich ihrer würdig sein möchte vor Dir jetzt, wie allzeit; Dein Wille, Amen.“ Da aber Joseph solches geredet hatte vor dem Herrn, da ward er gestärkt im Herzen, ging sodann mit Maria aus dem Tempel und führte sie dann in die Gegend von Nazareth und daselbst in seine ärmliche Behausung.“ [JJ.01_001,03+16+25+30-31]

„Maria […] dankte Gott, dass Er ihr einen so guten Nährvater gegeben hatte.“ [JJ.01_006,45]


3.2. Marias Empfängnis

„An einem Freitagmorgen aber nahm Maria abermals den Wasserkrug und ging hinaus, ihn mit Wasser zu füllen, und horch! – eine Stimme sprach zu ihr: „Gegrüßt seist du, an der Gnade des Herrn Reiche! Der Herr ist mit dir, du Gebenedeite unter den Weibern!“ […] Da stand der Engel des Herrn vor der emsigen Jungfrau und sprach zu ihr: „Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast eine endlos große Gnade gefunden vor dem Angesicht des Herrn; sieh, du wirst schwanger werden vom Wort Gottes!“ Als Maria aber dieses vernommen hatte, da fing sie an, diese Worte hin und her zu erwägen, und konnte nicht erfassen ihren Sinn; darum sprach sie denn zum Engel: „Wie soll denn das vor sich gehen, bin ich doch noch lange nicht eines Mannes Weib und habe auch noch nie dazu eine Bekanntschaft mit einem Mann gemacht, der mich sobald nähme zum Weib, auf dass ich gleich anderen Weibern schwanger würde und dann gebäre ihnen gleich?“ Der Engel aber sprach zur Maria: „Höre, du erwählte Jungfrau Gottes! Nicht so soll es geschehen, sondern die Kraft des Herrn wird dich überschatten. Darum wird auch das Heilige, das da aus dir geboren wird, der Sohn des Allerhöchsten genannt werden! Du sollst Ihm aber, wann Er aus dir geboren wird, den Namen Jesus geben; denn Er wird erlösen Sein Volk von all den Sünden, vom Gericht und vom ewigen Tod.“ Maria aber fiel vor dem Engel nieder und sprach: „Sieh, ich bin ja nur eine Magd des Herrn; daher geschehe mir nach Seinem Willen, wie da lauteten deine Worte!“ – Hier verschwand der Engel wieder, und Maria machte sich wieder an ihre Arbeit.“ [JJ.01_003,01-02+06-13]

„Ich werde mich sicher auch freuen, wann mir das von Gott gegeben wird, dass ich schwanger werde! Aber wann, wann wird das geschehen, und wie? Oder ist es schon geschehen? Bin ich schon schwanger, oder werde ich es erst werden? O Herr! Du ewig Heiliger Israels, gebe mir, Deiner armen Magd, doch ein Zeichen, wann solches geschehen wird, auf dass ich Dich darob loben und preisen möchte!“ Bei diesen Worten ward Maria von einem lichten Ätherhauch angeweht, und eine gar sanfte Stimme sprach zu ihr: „Maria! Sorg dich nicht vergeblich; du hast empfangen, und der Herr ist mit dir! Mach dich an deine Arbeit, und bring sie zu Ende, denn fürder wird für den Tempel keine mehr gemacht werden von dieser Art!“ Hier fiel Maria nieder, betete zu Gott und lobte und pries Ihn für solche Gnade.“ [JJ.01_004,10-15]

Ein Engel zu Joseph: „Joseph, sei nicht bange ob der Maria, der reinsten Jungfrau des Herrn! Denn was sie unter dem Herzen trägt, ist erzeugt vom heiligen Geist Gottes, und du sollst ihm, wenn es geboren wird, den Namen Jesus geben!“ [JJ.01_009,13]


3.3. Besuch bei Elisabeth

„Es wohnte bei einer halben Tagereise weit vom Bauplatz [des Josephs] über einem kleinen Gebirge eine Muhme  Mariens, namens Elisabeth; diese möchte sie besuchen und bat den Joseph darum um die Erlaubnis. Joseph aber gestattete ihr gar bald, solches zu tun, und gab ihr zu dem Behuf auch den ältesten Sohn zum Führer mit, der sie so weit begleiten musste, bis sie das Haus Elisabeths erschaute. […] Maria aber pochte noch einmal, und das Kind im Leib der Elisabeth [Johannes der Täufer] fing an vor Freude zu hüpfen, und die Mutter vernahm eine leise Stimme aus der Gegend des in ihr hüpfenden Kindes, und die Stimme lautete: „Mutter, geh, geh eiligst; denn die Mutter meines und deines Herrn, meines und deines Gottes ist es, die da pocht an die Tür und besucht dich im Frieden!“ Elisabeth aber, als sie das gehört hatte, warf sogleich alles von sich, was sie in den Händen hatte, und lief und öffnete der Maria die Tür, gab ihr dann nach der Sitte sogleich ihren Segen, umfing sie dann mit offenen Armen und sagte zu ihr: „O Maria, du Gebenedeite unter den Weibern! Du bist gebenedeit unter allen Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes! O Maria, du reinste Jungfrau Gottes! Woher wohl kommt mir die hohe Gnade, dass mich die Mutter meines Herrn, meines Gottes besucht?“ Maria aber, die nichts von all den Geheimnissen verstand, sagte zu Elisabeth: „Ach liebe Muhme! Ich kam ja nur auf einen freundlichen Besuch zu dir; was sprichst du denn da für Dinge über mich, die ich nicht verstehe? Bin ich denn schon im Ernst schwanger, dass du mich eine Mutter nennst?“ Elisabeth aber erwiderte der Maria: „Sieh, als du zum zweiten Mal pochtest an die Tür, da hüpfte sobald das Kindlein, das ich unter meinem Herzen trage, vor Freude und gab mir solches kund und grüßte dich in mir schon zum Voraus!“ Da blickte Maria auf zum Himmel und gedachte, was da der Erzengel Gabriel zu ihr geredet hatte, obwohl sie von all dem noch nichts verstand, und sprach: „O Du großer Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, was hast Du wohl aus mir gemacht? Was bin ich denn, dass mich alle Geschlechter der Erde selig preisen sollen?“ Elisabeth aber sprach: „O Maria, du Erwählte Gottes, trete in mein Haus und stärke dich; da wollen wir uns besprechen und gemeinschaftlich Gott loben und preisen aus allen unseren Kräften!“ […] So verbrachte Maria noch volle drei Monate bei der Elisabeth und half ihr wie eine Magd alle Hausarbeit verrichten.“ [JJ.01_005,13-14+006,07-18+32]


3.4. Prüfung der Templer und Hochzeit von Maria und Joseph

Der Hohepriester zu Joseph, nachdem er von ihm und der Maria verlangte, ihre Schuld zu bekennen: „Wohl denn, da du vor Gott deine laute Schuld bekämpfst, so will ich euch beide trinken lassen das Fluchwasser Gottes, des Herrn; und es werden offenbar werden eure Sünden in euren Augen und vor den Augen alles Volkes!“ Und sobald nahm der Hohepriester das Fluchwasser und ließ davon den Joseph trinken und sandte ihn dann nach dem Gesetz in ein dazu bestimmtes Gebirge, das da nahe an Jerusalem lag. Und desgleichen gab er auch solches Wasser der Jungfrau zu trinken und sandte sie dann ebenfalls ins Gebirge. Nach drei Tagen aber kamen beide gänzlich unverletzt zurück, und alles Volk wunderte sich, dass an ihnen keine Sünde ist offenbar gemacht worden. Der Hohepriester aber sprach dann selbst ganz über alle Maßen erstaunt zu ihnen: „So Gott der Herr eure Sünde nicht hat offenbar machen wollen, da will auch ich euch nicht richten, sondern spreche euch für schuldlos und ledig. Da aber die Jungfrau schon schwanger ist, so soll sie dein Weib sein zur Buße, darum sie mir unbewusstermaßen ist schwanger geworden, und soll fürder nimmer einen anderen Mann bekommen, so sie auch eine junge Witwe würde! So sei es! Und nun zieht wieder im Frieden von dannen.“ Joseph aber nahm nun Mariam und ging mit ihr in seine Heimat und ward voll Freuden und lobte und pries seinen Gott. Und seine Freude war nun umso größer, da nun Maria sein rechtmäßiges Weib ist geworden.“ [JJ.01_011,27-33]


3.5. Jesu Geburt und Darstellung im Tempel

„In der ersten Stunde aber vor dem Sonnenaufgang vernahmen alle gar mächtige Lobgesänge draußen vor der Höhle [in der Jesus gerade geboren wurde]. Und Joseph sandte sogleich seinen ältesten Sohn, nachzusehen, was es sei, und wer so gewaltig singe die Ehre Gottes im Freien. Und Joel ging hinaus und sah, dass alle Räume des Firmaments erfüllt waren hoch und nieder mit zahllosen Myriaden leuchtender Engel. Und er eilte erstaunt in die Höhle zurück und erzählte es allen, was er gesehen. Alle aber waren hoch erstaunt über die Erzählung des Joel und gingen hinaus und überzeugten sich von der Wahrheit der Aussage Joels. Als sie solche Herrlichkeit des Herrn aber gesehen hatten, da gingen sie wieder in die Höhle und gaben Maria auch das Zeugnis. Und der Joseph sagte zur Maria: „Höre, du reinste Jungfrau des Herrn, die Frucht deines Leibes ist wahrhaftig eine Zeugung des Heiligen Geistes Gottes; denn alle Himmel zeugen nun dafür! Aber wie wird es uns gehen, so nun alle Welt notwendig erfahren muss, was hier vor sich gegangen ist? Denn dass nicht nur wir, sondern auch alle anderen Menschen nun sehen, welch ein Zeugnis für uns durch alle Himmel strahlt, das habe ich an vielen Hirten nun gesehen, wie sie ihre Angesichter gen oben gerichtet hielten! Und sangen mit gleicher Stimme mit den mächtigen Chören der Engel, welche nun – allen sichtbar – erfüllen alle Räume der Himmel hoch und nieder bis zur Erde herab! Und ihr Gesang lautete wie der der Engel: ,Taut herab, ihr Himmel, den Gerechten! Friede den Menschen auf der Erde, die eines guten Willens sind!‘ Und: ,Ehre sei Gott in der Höhe in Dem, der da kommt im Namen des Herrn!‘“ [JJ.01_018,17-25]

„Da standen schon zwei Engel als Anführer einer Menge Hirten vor der Höhle und zeigten den Hirten an, dass hier Derjenige geboren ist, dem ihre Lobgesänge gelten. Und die Hirten traten ein in die Höhle und knieten nieder vor dem Kindlein und beteten Es an; und die Engel kamen auch scharenweise und beteten an das Kindlein.“ [JJ.01_018,32-33]

„Am achten Tag nachmittags aber – nach gegenwärtiger Rechnung um die dritte Stunde – ward das Kindlein im Tempel beschnitten und bekam den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, ehe noch das Kindlein im Mutterleib empfangen war. Da aber für den äußersten Fall der erwiesenen Jungfrauschaft Marias auch ihrer Reinigung Zeit konnte als gültig angesehen werden, so wurde Maria auch sogleich gereinigt im Tempel. Darum nahm Maria bald nach der Beschneidung das Kindlein auf ihren Arm und trug Es in den Tempel, auf dass sie Es mit Joseph darstellte dem Herrn nach dem Gesetz Mosis. Wie es denn auch geschrieben steht im Gesetz Gottes: „Allerlei Erstgeburt soll dem Herrn geheiligt sein. Und soll darum geopfert werden ein Paar Turteltauben oder ein Paar junge Tauben!“ Und Maria opferte ein Paar Turteltauben und legte es auf den Opfertisch; und der Priester nahm das Opfer und segnete Mariam. Es war aber auch ein Mensch zu Jerusalem, namens Simeon, der war überaus fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels; denn er war erfüllt mit dem Geist Gottes! Diesem Mann hatte zuvor der Geist des Herrn gesagt: „Du wirst nicht den Tod des Leibes sehen, bevor du nicht sehen wirst Jesum, den Gesalbten Gottes, den Messias der Welt.“ Darum kam er nun aus einer inneren Anregung in den Tempel, da gerade Joseph und Maria sich mit dem Kind noch in dem Tempel befanden und noch taten, was alles das Gesetz verlangte. Als er aber das Kindlein erblickte, da ging er sobald hin zu den Eltern und verlangte bittend, dass sie ihn möchten dasselbe auf eine kurze Zeit auf seine Arme nehmen lassen. Das frommste Elternpaar aber tat das gerne dem alten, überfrommen Mann, den sie wohl kannten. Und Simeon nahm das Kindlein auf seine Arme, koste es, lobte dabei Gott inbrünstigst und sprach endlich: „Herr! nun lasse Du Deinen Diener im Frieden fahren, wie Du es gesagt hast; denn meine Augen haben nun den Heiland gesehen, den Du verheißen hast den Vätern und den Propheten. Dieser ist es, den Du bereitet hast vor allen Völkern! Ein Licht zu leuchten den Heiden, ein Licht zum Preis Deines Volkes Israel.“ Joseph und Maria aber wunderten sich selbst über die Worte Simeons; denn sie verstanden noch nicht, was er von dem Kind ausgesagt hatte. Simeon aber gab das Kindlein nun der Maria wieder, segnete darauf beide und sprach dann zur Maria: „Sieh, dieser wird gesetzt zum Fall und zur Auferstehung vieler in Israel, und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird! Ein Schwert aber wird durch deine Seele dringen, auf dass da vieler Herzen offenbar werden!“ Maria aber verstand die Worte Simeons nicht; aber dessen ungeachtet behielt sie dieselben tief in ihrem Herzen. Desgleichen tat es auch der Joseph und lobte und pries Gott darum gar mächtig in seinem Herzen.“ [JJ.01_024,01-22]

„Es war aber zu dieser Zeit auch eine Prophetin im Tempel – Hanna war ihr Name; sie war eine Tochter Phanuels vom Stamm Assers. Diese war schon im hohen Alter und war so fromm, dass sie, als sie sich in ihrer Jugend mit einem Mann verband, aus Liebe zu Gott sieben Jahre sich nicht enthüllte dem Mann und behielt diese Zeit ihre Jungfrauschaft. In ihrem achtzigsten Jahr ward sie Witwe, ging da sobald in den Tempel und verließ denselben nicht mehr. Sie diente hier ausschließlich Gott dem Herrn allein durch Beten und Fasten nahe Tag und Nacht aus eigenem Antrieb. Bei dieser Gelegenheit aber war sie schon vier Jahre so im Tempel und kam nun auch herzu, pries Gott den Herrn und redete so zu allen, die da auf den Erlöser harrten zu Jerusalem, was ihr der Geist Gottes gab. Als sie aber zu Ende war mit ihren prophetischen Worten, da bat auch sie um das Kindlein, koste es und pries und lobte Gott. Nachdem aber gab sie das Kindlein wieder der Maria und sagte zu ihr: „Glücklich und gebenedeit bist du, o Jungfrau, darum du die Mutter meines Herrn bist. Lass dir es aber ja nie gelüsten, dich darum preisen zu lassen; denn Das nur, was da saugt an deiner Brust, ist allein würdig, von uns allen gelobt, gepriesen und angebetet zu werden!“ Nach diesen Worten kehrte die Prophetin wieder zurück, und Joseph und Maria gingen, nachdem sie bei drei Stunden im Tempel zugebracht hatten, wieder aus demselben und suchten bei einem Verwandten Herberge.“ [JJ.01_025,01-09]


3.6. Flucht und Zeit in Ägypten

„In dieser Nacht aber erschien dem Joseph, wie der Maria, ein Engel im Traum und sprach: „Joseph! Verkauf die Schätze und kauf dir noch einige Lasttiere; denn du musst mit deiner Familie nach Ägypten fliehen! Sieh, Herodes ist in einen mächtigen Grimm ausgebrochen und hat beschlossen, alle Kinder von ein bis zwölf Jahren Alters zu ermorden, darum er von den Weisen hintergangen ward. Diese hätten es ihm anzeigen sollen, wo der neue König geboren ward, auf dass er dann seine Schergen ausgesandt hätte, welche das Kind hätten ermorden sollen, welches da ist der neue König. Wir Engel der Himmel aber haben die Weisung vom Herrn erhalten, eher noch, als Er in die Welt ging, über alles das allsorglichst zu wachen, was eure Sicherheit betrifft. Darum denn kam ich nun zu dir, um es dir anzuzeigen, was der Herodes tun wird, da er des Einen nicht bestimmt habhaft werden kann. Der Hauptmann selbst wird müssen dem Herodes Subsidien  leisten, will er nicht von ihm beim Kaiser verraten werden; darum sollst du dich schon morgen auf die Reise machen! Solches aber kannst denn du wohl auch dem Hauptmann anzeigen, und er wird dir behilflich sein zur schleunigen Abreise. So geschehe im Namen Dessen, der da lebt und saugt die Brüste Marias!“ [JJ.01_033,01-08]

„Als der Cyrenius bei der gekauften Villa  mit dem Joseph und dessen Familie anlangte, da sagte der Joseph zum Cyrenius:  „Edler Freund, da gefiele es mir; eine prunklose Villa, ein artiger Obstgarten voll Datteln, Feigen, Granatäpfeln, Orangen, Äpfeln und Birnen, Kirschen, Trauben, Mandeln, Melonen und einer Menge Grünzeug. Und daneben ist noch Wiesengrund und drei Kornäcker, das alles sicher hierzu gehört. Fürwahr, nicht Glänzendes und Prunkendes möchte ich haben; aber diese nutzbringend angelegte Villa, die da eine große Ähnlichkeit hat mit meinem Mietgrund zu Nazareth in Judäa, möchte ich entweder mieten oder gar kaufen.“ Hier zog der Cyrenius den Kauf-Schutz-und-Schirmbrief hervor und übergab ihn dem Joseph mit den Worten: „Der Herr, dein und nun auch mein Gott, segne es dir! Hiermit übergebe ich dir den steuerfreien Vollbesitz dieser Villa. Alles, was du mit einem Gebüsch dicht umwachsen und mit einem Palisadenzaun umfangen erschaust, gehört zu dieser Villa. Hinter dem Wohngebäude ist noch eine geräumige Stallung für Esel und Kühe. Zwei Kühe wirst du finden; Lasttiere aber hast du ohnehin genug für deinen Bedarf. Solltest du aber etwa mit der Zeit wieder in dein Vaterland zurückkehren wollen, so kannst du diese Besitzung verkaufen und mit dem Geld dir irgendwo anders etwas anschaffen. Mit einem Wort – du, mein großer Freund, bist von nun an im Vollbesitz dieser Villa und kannst damit tun, was du willst.“ [JJ.01_044,01-09]

Als Herodes gestorben war, war Jesus drei Jahre alt. Die heilige Familie ging wieder nach Nazareth zurück und zog wieder in ihr altes Haus ein, das Salome, die Schwester der Wehmutter aus Bethlehem, gekauft und gepflegt hatte. Dort lebten sie „vollkommen gottergeben in möglichster Zurückgezogenheit.“ (siehe Jugend Jesu, Kap. 257 bis 263 und Drei Tage im Tempel, Kap.3, V.7-8).


3.7. Weiteres Leben in Nazareth bis Jesus‘ Kreuzestod

3.7.1. Der Beginn von Jesus Lehramt

„Maria wusste es wohl in ihrem Herzen, dass nun Meine Zeit gekommen sei, als der verheißene Messias aufzutreten und zu wirken anzufangen; aber sie wusste die Art und Weise auch nicht, worin Mein Wirken bestehen werde. Auch sie glaubte vorderhand noch immer an die volle Vertreibung der Römer und an die Herstellung des mächtigen Throns Davids und dessen darauf ruhenden, unverrückbaren und unbesiegbaren, göttlich herrlichen Ansehens, das von da an nimmer ein Ende nehmen werde. Die gute Maria und Meine ganze irdische Verwandtschaft stellte sich unter dem Messias auch noch gleichfort einen Besieger der Römer und anderer Feinde des gelobten Landes vor; ja, die Besten hatten von dem verheißenen Messias nahe dieselbe Vorstellung, wie in dieser Zeit viele aus der Zahl sonst ehrenhafter Menschen sich eine ganz verkehrte Vorstellung vom Tausendjährigen Reich machen. Aber es war noch nicht an der Zeit, ihnen eine andere Vorstellung zu geben.“ [GEJ.01_010,02-03]


3.7.2. Die Hochzeit zu Kana

„Maria aber wusste, dass bereits aller Weinvorrat aufgezehrt war; so wandte sie sich denn an Mich, besonders, da nun ein neuer Gast ankäme und zu dessen Bewillkommnung nun kein Tropfen Weins mehr vorrätig sei, und forderte Mich gleichsam auf, diesmal die übliche Ordnung zu überspringen. Denn die Mutter hielt bei solchen Gelegenheiten viel auf die alte übliche gute Sitte. Obschon Ich Mich aber dazu nicht besonders geneigt zeigte, so kannte sie Mich aber dennoch, dass Ich ihr nie etwas unerfüllt gelassen habe, was sie einmal gewünscht hatte.“ [GEJ.01_010,11]

„In sieben Tagen nach dieser Hochzeit verließ Ich Nazareth und zog mit Maria, Meinen fünf Brüdern, von denen zwei zu Meinen Jüngern gehörten, und mit den bis dahin aufgenommenen Jüngern hinab gen Kapernaum.“ [GEJ.01_012,01]


3.7.3. Maria verliert ihr Haus, bekommt es dann wieder

Maria sucht Jesus in Jesaira auf und sagt zu Ihm: „Mein Herr und Sohn! Was dieser junge Mann Dir nun kundgab, ist völlig wahr, und ich, als von meinem Haus Deinetwegen förmlich Vertriebene bin eben darum zu Dir gekommen, um Dir solches alles kundzugeben. Was aber soll ich nun tun mit Deinen Brüdern und Schwestern , freilich nur irdisch genommen? Denn ich weiß wohl, dass Du auf der Erde keinen Verwandten hast, außer Deine Jünger im Herzen. Unsere kleine Habe ist dahin; die bösen Pharisäer haben sich ihrer bemächtigt und haben unsere Hütte samt dem gut bebauten Garten an einen Fremden verkauft! Sieh, ich und Deine Brüder und Schwestern sind nicht mehr so jung, um uns mit dem schweren Tagewerk befassen zu können; und wollten wir auch das, so haben diese bösen Tempelmachthaber allen Juden bei großer Strafe verboten, uns je irgendeine Arbeit zu geben und ebenso wenig ein Almosen! Was sollen wir nun machen und von was leben?“ Jesus antwortete: „[…] Vorderhand werde Ich nach Hause ziehen und sehen, mit welchem Recht die argen Wichte der Mutter, dem rechtmäßigen Weib Josephs, die kleine und schwer erworbene Besitzung geraubt haben.“ [GEJ.01_190,01+03]

Daraufhin erhielten Maria und die Söhne Josephs von Kisjonah eine Herberge mit Grundbesitz in Kis. Kisjonah zu einem Sohn Josephs: „Sieh, hier habt ihr alle ein besseres Sein und seid dabei vor allen Verfolgungen sicher, und ich gebe euch vollkommen zu eigen die Herberge dort an dem oberen Ende der großen Bucht und bei hundert Acker (Joch) Gründe dazu, und bei solchem Tausch mögt ihr die kleine Besitzung wohl verschmerzen, und von hier habt ihr auch mehr denn eine halbe Tagereise näher nach Jerusalem denn von Nazareth aus.“ Und Jesus sagte: „Was besser ist, das ist allzeit besser; darum nimm es, aber halte es nie dir als zu eigen, sondern nur als eine von Gott für diese kurze Zeit geliehene Sache!“ [GEJ.01_230,05-06]

Als der Engel Archiel in Kapernaum, das in der Nähe von Nazareth lag, während der Abwesenheit von Faustus dessen Geschäfte besorgte, verschaffte er der Familie von Jesus wieder ihre Behausung, das alte Häuschen Josephs, zurück (siehe GEJ.02_011,06-07) und Maria ist nun wieder ganz heiter, dass sie das alte Häuschen Josephs ihr eigen nennen darf (siehe GEJ.02_013,06).


3.7.4. Aufnahme Marias bei Freunden Jesu

Maria lebte eine Zeitlang im Haus des Borus, „wo sie wohlversorgt ist und vielen Trost hat. Das ganze Hauswesen aber besorgen Meine zwei ältesten Brüder, die daheim geblieben sind, und Borus verschafft ihnen alles, was sie nur immer nötig haben. Und so leben Meine Freunde in Nazareth im besten Einvernehmen in Meiner persönlichen Abwesenheit und beschäftigen sich tagtäglich mit Mir, Meinen Lehren und Meinen Taten, die sie selbst erlebten.“ [GEJ.02_094,18-19]

Auch bei Kisjonah war sie für eine geraume Zeit: „Nur bedauerte er [Kisjonah], dass Maria, die nahezu den ganzen Sommer bei ihm zugebracht hatte, nun auf einige Tage nach Nazareth verreist sei, aber bald wieder zurückkehren werde. Sie habe aber dennoch vieles gehört von Meinen Reisen und Taten und könne nicht begreifen, wie sie von Gott einer solchen Gnade wert sei. Sie wisse wohl um alle die wunderbaren Vorgänge; aber dass denen das folgen würde, davon konnte sie sich vorher keine so recht klare Vorstellung machen. Und so erzählte uns Kisjonah noch so manches aus dem Leben und Verhalten Mariens in Meiner Abwesenheit, wie auch von den zwei Söhnen Josephs, nämlich von Joel und Joses, die daheimblieben und das Werk Josephs fortführten.“ [GEJ.06_025,23-24]


3.7.5. Maria war auch eine Jüngerin Jesu

„So hat auch die nach einigen Tagen erfolgte Ankunft der Maria als der Mutter Meines Leibes wenig derartiges, das sich für eine Aufzeichnung eignete, außer, dass sie überaus froh war, Mich persönlich wiederzusehen, und dass sie sich von den Jüngern vieles erzählen ließ, was Ich alles getan und gelehrt hatte, was sie alles tief in ihrem Herzen behielt und danach dachte, wollte und auch handelte. Auch die beiden ältesten Brüder, respektive Söhne Josephs, kamen nach Kis und hatten da einen Bau, bei welchem Ich Selbst ihnen natürlich mit Rat und Tat behilflich war.“ [GEJ.06_034,10]

Sagte Maria zu Jesus: „Worin wird denn das letzte große Zeichen bestehen, auf dass auch ich nach Jerusalem komme und Dein größtes Zeichen, von Dir gewirkt, anschaue?“ Sagte Ich: „Weib, du wirst wohl nach Jerusalem kommen und Mein letztes und größtes Zeichen, das Ich wirken werde, anschauen, aber du wirst darob keine Freude, sondern eine große Trauer in deinem reinsten Herzen haben. Ich werde verraten, von den Pharisäern ergriffen und dem Gericht überantwortet und am Kreuz dem Leib nach wie ein gemeinster Verbrecher getötet werden; aber am dritten Tag werde Ich aus Meiner eigenen Kraft und Macht wieder auferstehen und kommen zu allen Meinen Freunden und Brüdern und werde ihnen die Macht erteilen, die Sünden den Menschen in Meinem Namen zu vergeben und die Toten zum Leben zu erwecken. Sieh, Weib, darin wird Mein letztes und größtes in Meinem Fleisch gewirktes Zeichen bestehen!“ [GEJ.09_149,12-13]


3.7.6. Maria wird dem Jünger Johannes anvertraut

„Jesus nun, der [am Kreuz] Seine Mutter sah und den Jünger dastehen, den Er liebhatte, spricht zu Seiner Mutter: ‚Weib, sieh, dein Sohn!‘ Danach spricht Er zu dem Jünger: ‚Sieh, deine Mutter!‘ Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.“ – Es ist bei euch auf der Welt ja auch üblich, so jemand seines Leibes Tod vor Augen sieht, dass er mit seinem Nachlass irgendeine letzte Willensanordnung trifft, die bei euch unter dem Namen ‚Testament‘ vorkommt. So war es ja auch bei Mir notwendig der Fall, dass Ich mit Meinem Nachlass eine letzte Willensanordnung treffen musste. Maria, Meines Leibes Gebärerin, war ein solcher Nachlass, und sie musste doch für ihre noch übrigen Lebenstage auf der Erde eine nötigste Versorgung haben. Es dürfte freilich hier und da jemand fragen: „Hatte denn der Joseph gar nichts hinterlassen? Er selbst hatte ja Kinder, eigene und auch fremde, die er auferzogen hatte; konnten diese denn nicht auch sorgen für die Maria?“ Darauf kann erwidert werden: Joseph hatte fürs erste nie ein völliges Eigentum besessen und konnte somit auch keines hinterlassen. Seine Kinder, sowohl die eigenen als auch die aufgenommenen, befanden sich fürs zweite selbst in der größten Armut und sind Mir zumeist nachgefolgt; und darunter war eben auch Johannes selbst, der sich viel im Haus des Joseph aufhielt und gleichsam ebenfalls ein Züchtling dieses Hauses war. Denn sein Vater war noch dürftiger als Joseph selbst und gab daher seinen Sohn dahin, dass er erlernen möchte die Kunst Josephs. Er erlernte sie auch und war ein recht geschickter Zimmermann und Schreiner zugleich und wusste auch mit dem Drechseln umzugehen. Zudem hatte er die Maria, so wie Mich, und das ganze Haus Josephs ungemein lieb, und Maria konnte keinen besseren und getreueren Händen anvertraut werden als eben diesem Sohn des Zebedäus. Seht, das ist nun das ganz natürliche Testament, und das ist demnach auch der ganz naturgerechte Buchstabensinn dieser Meiner Worte vom Kreuz.“ [Ste.01_032,01-05]


3.8. Letzte Zeit im Haus Lazarus

„Maria starb zwölf Jahre nach Meiner Heimkehr zu Bethania im Haus des Lazarus, der Martha und der Maria. Johannes allein war Augenzeuge von ihrem Hintritt; ihre Krankheit aber war die stets wachsende Liebe zu Mir, und die Flamme dieser Liebe hatte Mariam aufgelöst und für ewig verklärt. Aber von einer sichtbaren Auffahrt gen Himmel ist keine Rede; Maria war – und war nicht mehr!“ [HiG.03_43.10.17,02]


4. Maria im Jenseits

4.1. Maria im Himmel

„Seht, nun setzen sie sich alle zur Tafel und an der rechten Seite des Herrn nimmt der Prior mit seinem Weib und seinem Bruder Platz. Zur linken Seite seht ihr den Johannes, dann gleich nach ihm den Petrus und dann den Paulus sowie auch die anderen Apostel und Jünger. An der rechten Seite des armen Bruders des Priors sitzt der Judas und nach ihm noch einige andere, die ich euch hier noch nicht nennen will. Weiter herüber seht ihr auch unseren Joseph und neben ihm die Maria; neben der Maria die Magdalena und noch andere euch wohlbekannte weibliche Wesen. Daneben seht ihr den Lazarus, den Nikodemus und noch einige große Freunde des Herrn.“ [GS.02_007,14-15]


4.2. Maria leitet das jenseitige Kinderreich

„Ihre größte Lieblingserholung [der Schüler im jenseitigen Kinderreich] aber besteht darin, so sie Maria, als ihre allgemeine geistige Obervorsteherin und Mutter, besuchen dürfen. Maria besucht gar oft alle diese großen Lehranstalten; aber nicht allzeit sichtbar den kleinen Geistern, wohl aber den Lehrern.“ [GS.02_072,19]


5. Marienverehrung

5.1. Maria will nicht, dass man sie verehrt

Cyrenius zu Maria: „O du glücklichste aller Weiber und aller Mütter der Erde! Sag mir doch, wie es dir ums Herz ist, so du doch sicher in dir die vollste Überzeugung hast, dass da der Herr Himmels und der Erde auf deinen Armen ruht!“ Maria aber sprach: „Freund, wie fragst du mich darum, was dir dein eigenes Herz sagt? Sieh, wir gehen auf derselben Erde, die Gott aus Sich erschaffen hat, Seine Wunder treten wir fort und fort mit unseren Füßen, und doch gibt es Millionen und Millionen Menschen, die ihre Knie lieber vor den Werken ihrer Hände beugen als vor dem ewig wahren lebendigen Gott! Wenn aber Gottes große Werke die Menschen nicht zu wecken vermögen, wie soll das nun ein Kind in den Windeln bewirken? Darum wird es nur wenigen gegeben sein, in dem Kind den Herrn zu erkennen! Jenen nur, die dir gleich eines guten Willens sind. Die aber eines guten Willens sind, die werden nicht Not haben, zu mir zu kommen, auf dass ich ihnen kund täte, wie es mir ums Herz ist. Das Kind wird Sich Selbst offenbaren in ihren Herzen und wird sie segnen und wird es sie fühlen lassen, was da fühlt die Mutter, die das Kind auf ihren Armen trägt! Glücklich, ja überglücklich bin ich, da ich dies Kind auf meinen Armen trage! Aber größer und glücklicher noch werden in der Zukunft diejenigen sein, die Es allein in ihren Herzen tragen werden! Trage Es auch du unvertilgbar in deinem Herzen, und es wird dir werden, dessen dich mein Gemahl Joseph versichert hat!“ [JJ.01_040,01-10]

„Alle belobten diese Worte Marias, und es kam ein Samariter zu uns herüber und sagte: „Hört, ihr Freunde des Herrn, wer wohl ist dies liebliche Weib, das nun im hohen Geistessinn geweissagt hat?“ Und der an Marias Seite sich befindende Gabriel sagte: „Dies ist das Weib, von dem es geschrieben steht: ,Sieh, eine Jungfrau wird uns einen Sohn gebären! Des Name wird Immanuel heißen, und in Ihm wird Gott wahrhaftig mit uns sein!‘ Sieh nun an den Herrn unter uns – Er ist der Immanuel, also der eine und allein wahre Gott mit uns! Und nun weißt du auch, wer dies Weib ist, gehe hin, und sage es auch deinen Freunden!“ Da verneigte sich der Samariter, ging zu seinen Gefährten und hinterbrachte ihnen das. Und sie erhoben sich alle, kamen zu uns herüber und begrüßten mit salbungsvoller Rede Maria. Maria aber sagte zu ihnen: „Ich war und bin nur eine erwählte Magd des Herrn; und dass ich das ward, was ich bin, das war Sein Wille. Darum preist nicht mich, sondern gebt allzeit Gott allein die Ehre! Was der Sohn des Allerhöchsten, der Eins ist mit Ihm, sagen wird, das tut!“ [GEJ.09_130,04-08]

„Mit der Weile erkannten sie auch die an unserem Tisch sich befindende Maria aus den Gesprächen der Jünger als die Mutter Meines Leibes und priesen sie unter sich als die glücklichste aller Mütter auf der ganzen Erde. Da ging die Maria zu den Joppeern hin und sagte zu ihnen: „Liebe Freunde, preist allein nur den Herrn, und tut nach Seinem Willen! Ich bin wohl die Mutter Seines Leibes nach Seinem ewigen Ratschluss; aber Er allein ist der Herr von Ewigkeit, und Ihm allein gehört denn auch alle Ehre, alles Lob und aller Preis in Ewigkeit! Ich für mich aber bin nur Seine Magd und lasse über mich allzeit walten Seinen Willen. Seid darum ruhig, und preist nur den Herrn allein!“ Auf diese Worte Marias wurden die Joppeer wieder ruhig, besprachen sich aber dennoch über das, wie diese Mutter schon von ihrer Geburt an überfromm müsse gewesen sein, dass sie solch einer unaussprechbar großen Gnade gewürdigt worden sei.“ [GEJ.09_195,26-28]


5.2. Jesus möchte keine göttliche Verehrung Marias

Jesus über Maria zu Seinen Jüngern: „Ja, ja, sie ist die Erste, und es wird nimmer eine mehr sein wie sie! Aber es wird auch kommen, dass man ihr mehr Tempel denn Mir erbauen wird, und wird sie ehren zehnfach mehr denn Mich, und wird des Glaubens sein, nur durch sie selig werden zu können! Darum will Ich denn nun auch, dass man sie nicht zu sehr erhebe, indem sie wohl weiß, dass sie Meines Leibes Mutter ist, und auch weiß, Wer hinter diesem Leib, den sie gebar, steckt! Deshalb seid mit ihr überaus gut und artig, nur hütet euch davor, ihr irgendeine göttliche Verehrung zukommen zu lassen! Denn bei allen ihren über alle Maßen vortrefflichsten Eigenschaften ist sie dennoch ein Weib; und vom besten Weib bis zur Eitelkeit ist und bleibt nur ein sehr kleiner Zwischenraum! Und jede Eitelkeit ist der Same des Hochmuts, aus dem alles Übel in die Welt gekommen ist, noch kommt und allzeit kommen wird! Deshalb beachtet auch gegen die Mutter, was Ich euch nun gesagt habe!“ GEJ.01_108,10-14]

„Seht, all eure Pflicht ist, war und wird ewig sein die Liebe, d.h. die reine, göttliche Liebe in euch zu Mir und im gleichen auch zu allen euren Brüdern und Schwestern. Nach dem Grad dieser Meiner Liebe in euch wird euch gegeben werden von Mir, der Ich in Meinen ganzen Wesen die Liebe selbst bin. Ihr seid, so ihr Mich liebt mit aller Kraft, allesamt liebe Kinder Meiner Liebe – welche auch befruchtet hat Maria, die Mutter meines irdischen Leibeswesens. Dieses irdische Leibeswesen aber ist ein wahrer Bruder zu euch und stark genug, euch alle zu tragen als Brüderchen und Schwesterchen mit aller Geduld und Sanftmut und euch zu führen als erwachsene Brüder und Schwestern. Und wer zum Vater will, der wende sich nur an Mich als des Vaters großen Liebling, welcher der alleinige wahre Bruder zu euch ist, voll der höchsten Liebe und Weisheit. Und so habt ihr es nicht nötig, euch an jemand anderen, als gerade an Mich, in allen euren Anliegen und Nöten zu wenden! Seht, der Gruß an Maria kam dereinst bei der Verkündigung aus der allerhöchsten Höhe der Heiligkeit Gottes in aller Fülle der Macht und Kraft Seines Geistes, damit euch allen die Liebe im Vater ein wahrer Bruder werde. Nun so fragt euch, was ihr jetzt noch mit diesem Gruß wollt? Maria bedarf dessen nicht und dürstet auch nicht nach demselben. Und sie weiß es auch am besten von euch allen, dass Mein Ohr schärfer ist als das ihrige und Mein Auge heller als das ihre; auch dass Meine Liebe, Meine Demut und Meine Sanftmut zunichtemacht die Liebe, Demut und Sanftmut aller, auch der allerseligsten Geister des Himmels. Wahrlich, es bereitete ihr eure Unwissenheit und euer grober Irrtum nur Trauer, wenn Ich nicht aus Meiner übergroßen Liebe zu euch allzeit, zuvorkommend, auf Mich nähme, was an sie oder auch an einen anderen seligen Bruder von euch gerichtet wird. Sieh, daher mache Ich die Ohren der Seligen gegen solche unangebrachte Verehrungen taub und ihre Augen blind, damit ihre Seligkeit nicht getrübt werde durch eure große Torheit. Wer Mich sucht, an dem wird auch Maria Freude haben, und ebenso alle Seligen. Und sie werden allzeit bereitwilligst sein, ihm zu dienen nach Meiner Liebe in ihnen, aus welcher ihnen kund wird, wo und woran es euch gebricht. Daher ist es auch unnütz, anderswo als gerade nur durch Mich zur Gnade gelangen zu wollen. Denn nur Ich allein bin die Tür zum Vater, da alle Gnade innewohnt. Wer nicht durch Mich geht, der kommt nicht dahin. Ihr könnt euch zwar alles dessen, was auf Meine Menschwerdung Bezug hat, ehrerbietigst und liebevollst erinnern und euch dadurch vorführen alle Fügungen Meiner großen Barmliebe für euch. Und es wird Mir solches angenehm sein. So ihr aber daraus wollt Plappergebete formen, so seid ihr zu Narren geworden oder durch die große Blindheit der Blindenleiter dazu gemacht und seid betrogen durch die betrogenen Betrüger. Ich aber habe euch jetzt aus Mir in allerhöchster Wahrheit gezeigt, wie sich die Sache verhält. Und so sollt ihr auch danach tun, so ihr wollt sein wahre Kinder eines und desselben guten Vaters und wahre Brüder des Sohns der Maria, die euch liebt, so wie ihr Mich liebt. – Amen.“ [HiG.01_40.04.26,01-07]





Copyright by jakob-lorber.info 2016
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü