Jakob Lorber - Gott über alles lieben - Der Prophet Jakob Lorber und seine Verkündungen ... Jakob Lorber

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Jakob Lorber - Gott über alles lieben

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Wie soll man Gott über alles lieben? – Und ich, Johannes, sage: Gott über alles lieben heißt: Gott über alles Gesetz hinaus lieben! Wie das, soll die Folge zeigen (GS.02_101,26-27).
Um zu erfahren und einzusehen, wie man Gott über das Gesetz hinaus lieben soll, muss man wissen, dass das Gesetz an und für sich nichts anderes als der trockene Weg zur eigentlichen Liebe Gottes ist.
Wer Gott in seinem Herzen zu lieben anfängt, der hat den Weg schon zurückgelegt; wer aber Gott nur durch die Haltung des Gesetzes liebt, der ist mit seiner Liebe noch immer ein Reisender auf dem Wege, allda keine Früchte wachsen und nicht selten Räuber und Diebe des Wanderers harren.
Wer aber Gott rein liebt, der liebt Ihn schon über alles! Denn Gott über alles lieben heißt ja: Gott über alles Gesetz hinaus lieben. Wer draußen am Wege ist, der muss fortwährend Schritt um Schritt weiterschreiten, um so auf die mühevollste Weise das vorgesteckte Ziel zu erreichen. Wer aber Gott gleich liebt, der überspringt den ganzen Weg, also das ganze Gesetz, und er liebt so Gott über alles.
Man dürfte hier vielleicht sagen: Das klingt sonderbar, denn nach unseren Begriffen heißt „Gott über alles lieben“: Gott mehr lieben als alles in der Welt. – Gut, sage ich und frage aber zugleich: Welchen Maßstab hat aber der Mensch dafür, um solch eine Liebe zu bemessen? Der Einwender hat [in GS.02, Kap. 100] diese Maßstäbe der für den Menschen höchst möglichen Liebe auf der Welt deutlich genug auseinandergesetzt und gezeigt, dass der Mensch auf diese Weise für die Über-alles-Liebe zu Gott durchaus keinen Maßstab hat.
Ich aber sage: Ist durch das gegebene Gesetz nicht alles dargetan, wie sich der Mensch in seiner Begierde zu den weltlichen Dingen zu verhalten hat? Im Gesetz sind sonach alle Dinge dargestellt, und daneben für die Liebe des Menschen die gerechte Beschränkung gegeben, nach der sich ein jeder Mensch zu den weltlichen Dingen zu verhalten hat.
Wenn aber nun jemand Gott über das Gesetz hinaus liebt, der liebt Ihn sicher auch über alle weltlichen Dinge hinaus, weil, wie gesagt, eben durch das Gesetz die Benutzung der weltlichen Dinge und das Verhalten zu denselben nach der göttlichen Ordnung dargestellt wird. Ein kurzer Nachtrag in vergleichender Stellung wird die ganze Sache sonnenklar machen.
Der Herr spricht zum reichen Jüngling: „Verkaufe alles, teile es unter die Armen, und folge Mir!“ – Was heißt das? Mit anderen Worten nichts anderes als: So du, Jüngling, das Gesetz beobachtet hast, so erhebe dich nun über dasselbe, gib der Welt alle Gesetze und alle ihre Dinge zurück, und du bleibe bei Mir, so hast du das Leben! Wer wird hier nicht erkennen, was Gott über das Gesetz hinaus lieben heißt?
Weiter spricht der Herr zu den Jüngern: „So ihr nicht werdet wie dies Kindlein, so werdet ihr nicht in das Reich Gottes eingehen.“ Was will denn das sagen? Nichts anderes als: So ihr nicht wie dieses Kindlein, alles in der Welt nicht achtend, weder das Gesetz, noch die Dinge der Welt, zu Mir kommt und Mich wie dieses Kind mit aller Liebe ergreift, so werdet ihr nicht in das Reich Gottes eingehen! Warum denn nicht? Weil der Herr Selbst wieder spricht: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“ Wer also zu Mir, der Ich vollkommen eins bin mit dem Vater, kommen will, der muss durch Mich in den Stall oder das Reich Gottes eingehen.
Solange sonach jemand nicht den Herrn Selbst ergreift, so lange kann er nicht zu Ihm kommen, und wenn er gleich wie ein Fels tausend Gesetze unveränderlich beobachtet hätte. Denn wer am Wege noch ist, der ist noch nicht beim Herrn, wer aber beim Herrn ist, was sollte der noch mit dem Wege zu schaffen haben?
Aber hier unter euch gibt es Toren, und das zu vielen Hunderttausenden, die den Weg viel höher halten als den Herrn. Und wenn sie schon beim Herrn sind, so kehren sie wieder um und entfernen sich von Ihm, um nur am elenden Wege zu sein! Solche haben mehr Freude an der Knechtschaft, an der Sklaverei, an dem harten Joch als an dem Herrn, der jeden Menschen frei macht. Sein Joch ist überaus leicht und sanft Seine Bürde. Leicht das Joch, auf dass es im Zug des Lebens nicht drücke am Nacken der Liebe zum Herrn und gar sanft die Bürde, welche ist das alleinige Gesetz der Liebe!
Weiter sehen wir ein Beispiel: Der gerechte Pharisäer lobt sich selbst am Wege; aber der Zöllner findet den ganzen Weg überaus beschwerlich. Denn nimmer vermag er dessen Ziel zu überschauen. Er beugt sich daher zutiefst vor dem Herrn in seinem Herzen, erkennt seine Schwäche und Unfähigkeit, den Weg genau zu gehen. Dafür aber erfasst er Gott den Herrn mit seinem Herzen und macht dadurch einen Riesensprung über den ganzen beschwerlichen Weg und erreicht dadurch sein Ziel! Wer wird hier nicht mit den Händen greifen, was „den Herrn über alles lieben“ heißt? Die Martha ist am Wege, die Maria am Ziel. Hier braucht man kaum mehr darüber zu sagen, denn zu klar und deutlich zeigt sich hier, was „den Herrn über alles lieben“ heißt.
Als der Herr, der einst durch Moses die Gesetze gegeben hatte, zu Bethania in das Haus des Lazarus kommt, da ist Martha gesetzesbeflissenst und bietet alle ihre Kräfte auf, um diesen allerwürdigsten Gast gebührendst zu bedienen. Maria, ihre Schwester, vergisst vor lauter Freude über den erhabenen Gast des Gesetzes, setzt sich untätig zu Seinen Füßen hin und hört mit der größten Aufmerksamkeit die Erzählungen und Gleichnisse des Herrn an. Martha, über ihrer Schwester Untätigkeit und Gesetzesvergessenheit bei dieser Gelegenheit ein wenig erregt, wendet sich selbst eifrig zum Herrn und spricht: „Herr! ich habe so viel zu tun, beheiße Du doch meine Schwester, dass sie mir ein wenig helfe!“ – Oder noch deutlicher gesprochen: Herr, Du Gründer des Mosaischen Gesetzes, erinnere doch meine Schwester an die Haltung desselben.
Was spricht aber der Herr hier? „Martha, Martha!“ spricht Er, „du machst dir viel zu schaffen um Weltliches! Maria aber hat sich den besseren Teil erwählt, welcher ewig nimmer wird von ihr genommen werden.“
Sage du mir nun, mein lieber Freund, ob das nicht ein offenbarer Tadel vom Herrn gegen die gar emsige und genaue Haltung des Gesetzes ist, wie im Gegenteil eine außerordentliche Belobung derjenigen Person, die sich gewisserart um das ganze Gesetz nicht kümmert, sondern nur durch ihre Handlungsweise also spricht (Maria): Herr, so ich nur Dich habe, da ist mir die ganze Welt um den schlechtesten Stater feil (GS.02_102; GS.02_101,05-08).

Der Herr fragte dreimal den Petrus, ob er Ihn liebe. Warum fragt Er ihn dreimal? Denn der Herr wusste ja ohnehin, dass Ihn Petrus lieb hatte, und wusste auch, dass Ihm Petrus die drei gleichen Fragen alle mit demselben Herzen und demselben Munde gleichbedeutend beantworten wird. Das wusste der Herr. Nicht darum auch hat Er diese Frage an den Petrus gestellt, sondern darum, dass der Petrus bekennen sollte, dass er frei ist und den Herrn über alles Gesetz hinaus liebe.
Und so bedeutet die erste Frage: „Petrus, liebst du Mich?“ – Petrus, hast du Mich gefunden auf dem Wege? – Solches bejaht Petrus, und der Herr spricht: „Weide Meine Schafe“, das heißt: Lehre auch die Brüder Mich also finden!
Die zweite Frage: Petrus, liebst du Mich? heißt: Petrus, bist du bei Mir, bist du an der Tür? –
Der Petrus bejaht solches, und der Herr spricht: „Also weide Meine Schafe!“ oder: Also bringe auch die Brüder, dass sie bei Mir seien an der Tür zum Leben!
Und zum dritten Male fragt der Herr den Petrus: „Liebst du Mich?“ Das heißt so viel als: Petrus, bist du über alles Gesetz hinaus? Bist du in Mir wie Ich in dir? – Ängstlich bejaht Petrus solches, und der Herr spricht abermals: „Also weide Meine Schafe und folge Mir!“ Das heißt so viel als: Also bringe du auch die Brüder, dass sie in Mir seien und in Meiner Ordnung und Liebe wohnen gleich wie du. Denn dem Herrn folgen heißt: in der Liebe des Herrn wohnen (GS.02_102,15-16).



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