Frage der Dreieinigkeit - Der Prophet Jakob Lorber

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Zur Frage der Dreieinigkeit


I.
Vater, Sohn und Geist

Es steht geschrieben: „Wer Mich sieht, der sieht auch den Vater!“ (Joh.14,9). Bei Markus (13,32) heißt es aber: „Allein von jenem Tag und von jener Stunde weiß niemand; auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater.“ Wie können diese beiden Stellen in Übereinstimmung gebracht werden? – Und heißt es nicht auch: „Der Vater ist größer denn Ich.“?
Das ist Mir schon eine rechte Anfrage zwar; aber nur hätten die Fragenden zuvor recht emsig versuchen sollen, durch den Hauptschlüssel der Liebe zu erörtern und dadurch in sich selbst zu sehen und zu erfahren und zu bemessen, wie tief sie schon in ihr Inneres gedrungen sind. – Doch es gibt ja noch tausend Stellen, die sie noch lange nicht bis in den Grund des Geistes erkennen, und so bleibt für sie schon noch immer eine Arbeit übrig! – Was sonach aber die vorliegenden Stellen betrifft, da vernehmt und schaut offenen Herzens in die heilige Tiefe Meiner Liebe in euch! – Denn also spricht das Liebelicht:
Der „Vater“ ist die reinste „Ewige Liebe in Gott“ oder das „Ewige wesenhafte Wort“ in Sich Selbst. Der „Sohn“ aber ist das vom Vater ausgesprochene Wort oder der Sich euch wesenhaft im Sohn offenbarende Vater Selbst. Es verhalten sich beide wie ein gedachtes und ein ausgesprochenes Wort, da der Gedanke ist der Grund oder der Vater des ausgesprochenen Worts, das ausgesprochene Wort aber wieder nichts anderes als der sich offenbarende Gedanke oder der Vater des Wortes selbst.
Wenn ihr nun dieses versteht, so muss es euch ja doch schon sonnenklar sein, dass wer den Sohn sieht und hört, ja auch den Vater notwendig sehen und hören muss, und dass demnach Vater und Sohn eines und dasselbe sind, wie der Gedanke und das danach ausgesprochene Wort, und dass der Vater im Sohn und der Sohn im Vater ist, wie der Gedanke im ausgesprochenen Wort und das ausgesprochene Wort im Gedanken. Auch müsst ihr danach verstehen, warum der Vater mehr ist als das Wort oder der Sohn. Das Wort wäre ja ohne den Vater oder den vorhergehenden Gedanken eine allerbarste Unmöglichkeit! So ist der Vater als der ewige Zeuger des Worts mehr als das gezeugte Wort. Wenn aber das Wort gezeugt ist, dann ist es ja doch völlig identisch mit dem Vater!
Und so ihr dies alles versteht, da meine Ich, es dürfte da wohl fast unnötig sein, euch noch ferner zu erhellen, warum (bei Markus 13,32) „niemand“ vom kommenden Tag und der Stunde des kommenden großen Gerichts über die ganze Erde, im Geist genommen, etwas weiß, außer allein der Vater, und nicht auch „der Sohn“. So ihr nur ein Senfkörnlein groß Verstandes im Herzen besitzt, da müsst ihr ja doch auf der Stelle einsehen, dass durch das Wort wohl die Wissenschaft des Gedankens sich kundgibt, aber ist darum das Wort die Wissenschaft selbst? – Daher kann solches wie alles andere ja doch nur der Vater wissen, nicht aber der Sohn, der da gleichsam ist die Zunge im Mund des Vaters.
Damit ihr aber über Vater, Sohn und Geist die volle Anschauung habt, so wisst denn: Der Gottmensch Jesus war wesenhaft der Vater Selbst oder die Sich mit menschlichem Fleisch bekleidende Ewige Liebe und Weisheit Selbst, oder die Fülle der Gottheit leibhaftig.
Das ausgesprochene „Wort“ des Gottmenschen Jesus oder dessen Lehre aber ist der „Sohn“. Da aber der Vater schon von Ewigkeit her wusste, was Er tun wird, so war ja der Gottmensch Jesus auch schon von Ewigkeit her „im Vater“, manifestierte Sich aber als „Gottmensch“ erst dann leibhaftig, da Sich der Vater Selbst offenkundig ausgesprochen hatte! – Sagt Mir, begreift ihr etwa jetzt noch nicht, wie der Sohn und der Vater eins und dasselbe sind? Solltet ihr aber jedoch noch Skrupel haben, da seht auf den Geist, der muss euch ja in alle Wahrheit leiten! Denn derselbe Geist, der da ewig war im Vater ist ja doch auch sicher in des Vaters ausgesprochenem „Wort“. Wo aber ein Geist, da wird ja doch etwa wohl auch eine und dieselbe Wesenheit sein! Wenn es nicht so wäre, wie hätte da der Gottmensch Jesus von Sich aussprechen können: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben! Niemand kommt zum Vater denn durch Mich!“ (Joh. 14,6), was so viel heißt als: Ich bin die Liebe oder der Vater, und die ewige Weisheit oder Gott Selbst, oder der Geist und das ausgesprochene Wort, oder das ewige Leben Selbst, in welchem da wohnt alle Fülle der Gottheit leibhaftig! Da es aber so ist, sagt, auf welchem anderen Weg kann jemand zum Vater gelangen, wenn er sich vom selben nicht ergreifen und ziehen lässt, darum er hat die Freiheit des eigenen Willens!?
Wer sonach das vom Vater ausgesprochene Wort tätig oder lebendig in sich aufnimmt, der nimmt dann ja auch den Sohn auf. Wer aber den Sohn in sich aufgenommen hat, der wird ja etwa doch den Vater auch aufnehmen, da der Sohn und der Vater eins und dasselbe sind! Wer aber somit Sohn und Vater in sich aufgenommen hat, der wird doch auch sicher den „Geist“ oder das „Licht“, das da ist gleich wie im Vater so auch im Sohn, in sich haben und wird aus diesem Geist sein „in aller Wahrheit“, und das zwar aus dem ganz einfachen Grund, weil es außer diesem Licht kein anderes Licht mehr gibt, und alles Licht somit nur diesem alleinigen Licht entstammt. Wer aber in dem Licht ist, der ist auch im Vater durch den Sohn.
Da aber der Vater das urewige Grundliebeleben ist und alles Licht von diesem Leben ausgeht, so wird der Mensch doch wohl sicher auch das ewige Leben haben, wenn er in selbem ist und dasselbe in ihm durch den Sohn, Geist und Vater!?
Ich meine aber, so ihr nicht noch blinder seid als der Mittelpunkt der Erde, so dürfte euch dieses wohl genügen, um einzusehen, dass wer da im Geist Jesum sieht, keinen Tubus mehr brauchen wird, um auch den Vater zu erschauen! Dass ihr aber solches nicht versteht, so ihr es lest, daran schuldet lediglich euer materiell-heidnisches Drei-Göttertum, das da zu Nicäa ausgeheckt wurde und später noch stets mehr, sogar bis zur Plastik, vermaterialisiert ward, so dass ihr euch nun mehr oder weniger nicht davon zu trennen vermögt. Daher müsst ihr nun allem früheren Licht absterben, so ihr wollt zum reinen Geisteslicht aus Mir gelangen! Solches versteht und tut auch danach, so werdet ihr leicht und bald zu Mir, dem Heiligen Vater, gelangen! Amen.

Himmelsgaben Bd.2, S.65

 
II.
Der Sender und der Gesandte

Der Hauptmann „fragte Mich eiligst, sagend: „Herr und Meister, wie sprachst Du nun, dass nur der das ewige Leben der Seele ernten wird, der den Willen dessen tut, der Dich gesandt hat? Wer ist der, der Dich gesandt hat, und wie lautet sein Wille? Erkläre Dich da klarer, ansonsten ich über diesen Deinen Ausspruch in einen offenbaren Zweifel geraten müsste! Denn einmal heißt es, wie ich das aus der Erklärung der Psalmen im Haus unseres Wirtes ersehen habe, dass Du Selbst und allein der Herr bist, und dass der das ewige Leben der Seele überkommen werde, der Deine Lehre annimmt und nach ihr lebt und handelt, und nun sagtest Du Selbst, dass nur der das ewige Leben der Seele ernten wird, der den Willen dessen tut, der Dich gesandt hat! Sieh, das ist nun sehr zweideutig, und ein Mensch wie ich, dem es sicher um das ewige Leben seiner Seele ganz vollkommen ernstlich zu tun ist, wird da offenbar irre und weiß nicht, an wen er sich wenden soll, der ihm den Willen dessen, der Dich gesandt hat, treu und wahr kundtun könnte! Ich bitte Dich darum, dass Du Dich über Deinen Ausspruch nun deutlicher und bestimmter eröffnen möchtest!“
Sagte Ich: „Es ist wohl noch viel Finsternis in euch! Der Mich gesandt hat, ist Mein ewiger Vater und ist in Mir; und so habe denn auch Ich Selbst aus Meiner Liebe zu euch Menschen Mich gesandt in diese Welt, um euch zu bringen und zu geben das ewige Leben. Mein Wort und Meine Lehre, die euch den Weg zum ewigen Leben zeigt, ist aber eben der Wille Dessen, der in Mir ist, und der Mich gesandt hat. Denn der Vater, als die ewige Liebe, ist in Mir, und Ich, als ihr Licht, bin in ihr.
Sieh aber die Flamme der hier auf dem Tisch leuchtenden Lampe an! Kannst du das Licht von der Flamme trennen oder die Flamme vom Licht? Die Flamme aber ist das, was Ich ,Vater‘ und ,Liebe‘ nenne, und das Licht ist ihr Sohn, der von der Flamme ausgesendet wird, um zu erleuchten die Finsternis der Nacht. Sind da nicht die Flamme und ihr Licht ein Wesen? Und ist da nicht die Flamme ebenso im Licht, als das Licht in der Flamme? Wenn aber so und unmöglich anders, so offenbart sich ja des Vaters Wille in dem von Ihm ausgehenden Licht.
Wer sonach in diesem Licht wandelt, der wandelt auch nach dem Willen Dessen, der Mich als Sein Licht in diese Welt gesandt hat; und wer in diesem Licht wandelt, der kann nicht fehlgehen und muss das ewige Leben ernten, weil das Licht, nach und in welchem er wandelt, das ewige Leben selbst ist. Nur wer dieses Licht verlässt und in der eigenen Weltnacht von neuem zu wandeln beginnt, der kann so lange nicht das ewige freie Leben der Seele ernten, als er nicht in das Licht des Lebens übergeht.”

Großes Evangelium Johannes Bd. 8, Kap. 138, V. 8 ff.


 
III.
Der irrtümliche Glaube über die Dreieinigkeit

 
„Lieber Freund und Bruder! Sieh, jetzt erst bist du reif, und ich kann dir und euch allen die Wahrheit kund tun, und so hört es denn: Dieser Himmel, den ihr hier seht, ist lediglich nichts anderes als eine Erscheinlichkeit eures irrtümlichen Glaubens; die Dreieinigkeit, die ihr seht, stellt den Kulminationspunkt eures Irrtums dar. Wie habt ihr es je denken können, dass drei Götter am Ende doch ein Gott sein sollen?! Dass ein jeder dieser drei Götter etwas anderes verrichte, und dennoch sollen die Drei ganz vollkommen einer Wesenheit und Natur sein? Ferner, wie habt ihr euch können einen müßigen Gott vorstellen, der doch das allertätigste Wesen von Ewigkeit her war? Seht, aus dem Grund habt ihr euch dann auch ein müßiges ewiges Leben vorgestellt, ohne zu bedenken, dass das Leben eine Tatkraft ist, welche Gott aus Seiner ewigen Tatkraft heraus allen Seinen lebendigen Geschöpfen eingehaucht hat.
 
Hat der Herr auf der Erde nicht gelehrt, dass Er und der Vater vollkommen Eins sind? Hat Er nicht gesagt: „Wer Mich sieht, der sieht auch den Vater“? Hat Er nicht auch gesagt: „Glaubt ihr, dass Ich im Vater und der Vater in Mir ist?“ Seht, solches alles hätte euch ja doch gar leicht auf den Gedanken bringen können, dass der Herr nur Einer ist und so auch nur eine Person, aber nicht ein Dreigott, wie ihr Ihn euch vorgestellt habt. Ihr sagt mir hier freilich wohl: Lieber Freund, du weißt ja, wie da unserem Glauben die Fesseln angelegt waren. Wir vermochten ja unmöglich etwas anderes zu erkennen, als das nur, was uns die Kirche unter allerlei Androhungen von ewigen Strafen in der Hölle und im Gegenteil auch wieder unter einer stets unbestimmten Anpreisung des Himmels gelehrt hat, und dass sie allzeit hinzugesetzt hat: „Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr gehört, und in keines Menschen Sinn ist es gekommen, was Gott denen bereitet hat, die Ihn lieben!“
 
O Freunde und Brüder! Solches alles weiß ich gar wohl, dass ihr betrogen und in eine große Irre geführt wart. Darum auch ist der gegenwärtige, euch erlösende Augenblick gekommen, in welchem ihr erst den wahren Gott und den wahren Himmel sollt erkennen lernen. Ihr habt in dem Wort des Herrn gelesen, unter welchen Formen Er das Himmelreich dargestellt hat! Wenn ihr welch immer für eine Form nur einigermaßen genau betrachten wollt, so muss es euch ja wie ein Blitz in die Augen springen, dass der Herr niemals ein müßiges, sondern ein unter allerlei Formen nur überaus tätiges Himmelreich verkündigt hat. So wendet euch denn nun auch an den alleinigen Herrn Jesum Christum, denn Er ist der alleinige Gott und Herr Himmels und der Erde. Wendet euch aber in eurer Liebe zu Ihm, und ihr werdet alsbald in Ihm und aus Ihm in euch die wahre Bestimmung des ewigen Lebens finden und dann allerklarst erschauen.
 
Diese (irrige) Dreieinigkeit aber muss in euch völlig untergehen, auf dass ihr die wahre Dreieinigkeit, welche da ist die Liebe, Weisheit und daraus hervorgehende ewige Tatkraft in dem alleinigen Herrn Jesus erkennt!
 
Denkt nicht, dass bei der Taufe Christi eine göttliche Dreipersönlichkeit geoffenbart ward, denn solches alles war ja nur eine Erscheinlichkeit, vom Herrn zugelassen, damit die Menschen dadurch sollten in dem einen Herrn die volle Allmacht und die volle Göttlichkeit erkennen. Denn damals hat wirklich die Weisheit Gottes, als Sein ewiges Wort aus der ewigen Liebe hervorgehend, das Fleisch angenommen und hieß Gottes Sohn, welches ebenso viel besagt als: Die Weisheit ist die Frucht der Liebe und geht aus derselben hervor wie das Licht aus der Wärme. Und die ersichtliche Gestalt des Geistes Gottes über dem Sohn bezeichnete erscheinlich nur, dass die ewige unendliche Kraft Gottes zwar so wie die Weisheit aus der Liebe gehend, aber dennoch durch die Weisheit wirkt so wie die Wärme der Sonne im fortgepflanzten Licht die Wirkungen hervorbringt.
 
Wenn ihr nun dieses alles begreift, so werdet ihr es ja auch leichtlich begreifen, dass in dem Herrn, weil Er ist das gesamte unendliche Licht der Weisheit, so auch die gesamte unendliche Liebe, daher in den beiden die gesamte unendliche göttliche Tatkraft vorhanden sein musste.
 
Denn so spricht ja auch Johannes: „In Christo wohnt die Fülle der Gottheit“, und spricht eben auch: „Im Anfang war Gott; Gott war das Wort, und das Wort war bei Gott; das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt.“ – Ihr sagt zwar, es stände so: „Im Anfang war das Wort, Gott war das Wort; denn das Wort war bei Gott, und Gott war im Wort.“ Solches ist einerlei! Denn Wort und Gott ist eines und dasselbe wie Sohn und Vater. Oder wenn ihr sagt: Wort und Gott, welches ebenfalls eines ist wie Sohn und Vater, da ist nicht eines früher denn das andere, denn Vater und Sohn oder Gott und das Wort oder Liebe und Weisheit sind von Ewigkeit her vollkommen eins. Daher mögt ihr auch den Text aus Johannes drehen, wie ihr wollt, so hat sein Zeugnis immer einen und denselben Sinn, nämlich, dass der Herr Einer ist, sowohl als Vater, als Sohn und als Geist!
 
Ihr sagt, wie demnach solches zu verstehen wäre, da der Herr die Sünde wider den Vater und den Sohn als nachlässlich darstellte, aber die „Sünde wider den Heiligen Geist“ nicht? Solches ist ja doch leicht begreiflich, wer da kämpft gegen die göttliche Liebe, den wird die göttliche Liebe ergreifen und wird ihn zurechtbringen, und wer da kämpft wider die göttliche Weisheit, dem wird die göttliche Weisheit das gleiche tun. Sag mir aber, so es einen Toren gäbe, der da möchte gegen die unendliche göttliche Macht und Kraft sich im Ernst auflehnen, was kann wohl dessen Los sein, als dass ihn die göttliche unendliche Kraft ebenfalls ergreife und ihn verwehe hinaus in die Unendlichkeit, aus welcher er einen gar verzweifelt langen Rückweg haben wird, um sich wieder möglicherweise der Liebe und Erbarmung Gottes zu nähern.
 
Sieh, so tut ja alles dieses nur immer einer und derselbe Herr und erweist sich jedem Menschen wie der Mensch will. Wer es demnach mit Seiner Kraft aufnehmen will, dem wird es der Herr auch zu verkosten geben, wie da schmeckt Seine Allmacht gegen die Ohnmacht eines Geschöpfs! Denke dir aber ja nicht, dass der Herr solch einen törichten Kämpfer verdamme und vernichte, denn solches alles tut der Herr aus Seiner unendlichen Liebe, damit niemand verloren gehe. – Solches nun erwägt in euch, und ich will dann wiederkommen und euch führen dahin, wie ihr es in euch werdet erkannt und gefunden haben!“

Geistige Sonne, Bd.1, Kap.51, V.12 ff.


 
IV.
Das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in Christo

 
Johannes: „Ihr fragt: Wie werden wir Feuer unserem Herzen entlocken, damit wir mit demselben das Holz dieses Altares entzünden möchten? – O Brüder und Freunde! Welch eine Frage von euch! Ist denn nicht ein einziger Gedanke an Jesum hinreichend, um das Herz für Ihn überhell aufflammen zu machen? O Brüder und Freunde! Könntet ihr es fassen, was dieser Name aller Namen besagt, was Er ist, und welch eine Wirkung in Ihm, ihr müsstet ja augenblicklich in eine so mächtige Liebe zu Jesu übergehen, deren Feuer hinreichend wäre, ein ganzes Heer von Sonnen zu entzünden, dass sie darob noch ums Tausendfache heller flammen möchten in ihren endlos weiten Raumgebieten, als solches bis jetzt der Fall ist. Ich sage euch: Jesus ist etwas so ungeheuer Großes, dass, so dieser Name ausgesprochen wird, die ganze Unendlichkeit von zu großer Ehrfurcht erbebt. Sagt ihr „Gott“, so nennt ihr zwar auch das allerhöchste Wesen, aber ihr nennt Es in seiner Unendlichkeit, da Es ist erfüllend das unendliche All und wirkt mit Seiner unendlichen Kraft von Ewigkeit zu Ewigkeit. Aber in dem Namen „Jesus“ bezeichnet ihr das vollkommene, mächtige, wesenhafte Zentrum Gottes, oder noch deutlicher gesprochen: Jesus ist der wahrhaftige, allereigentlichste, wesenhafte Gott als Mensch, aus dem erst alle Gottheit, welche die Unendlichkeit erfüllt, als der Geist Seiner unendlichen Macht, Kraft und Gewalt gleich den Strahlen aus der Sonne hervorgeht. – Jesus ist demnach der Inbegriff der gänzlichen Fülle der Gottheit oder: In Jesu wohnt die Gottheit in Ihrer allerunendlichsten Fülle wahrhaft körperlich wesenhaft, darum denn auch allzeit die ganze göttliche Unendlichkeit angeregt wird, so dieser unendlich heiligst erhabene Name ausgesprochen wird! Und dieses ist zugleich auch die unendliche Gnade des Herrn, dass Er sich hatte gefallen lassen, anzunehmen das körperlich Menschliche. Warum aber tat Er dieses? Hört, ich will euch nun ein kleines Geheimnis enthüllen!
 
Vor der Darniederkunft des Herrn konnte nimmerdar ein Mensch mit dem eigentlichen Wesen Gottes sprechen. Niemand konnte dasselbe je erschauen, ohne dabei das Leben gänzlich zu verlieren, wie es denn auch bei Moses heißt: „Gott kann niemand sehen und leben zugleich!“ Es hat sich zwar der Herr in der Urkirche, wie auch in der Kirche des Melchisedek, zu der sich Abraham bekannte, wohl öfter persönlich gezeigt und hat gesprochen mit Seinen Heiligen und Selbst gelehrt Seine Kinder. Aber dieser persönliche Herr war eigentlich doch nicht unmittelbar der Herr Selbst, sondern allzeit nur ein zu diesem Zweck mit dem Geist Gottes erfüllter Engelsgeist.
 
Aus solch einem Engelsgeist redete dann der Geist des Herrn so, als wenn unmittelbar der Herr Selbst redete. Aber in einem solchen Engelsgeist war dennoch nie die vollkommenste Fülle des Geistes Gottes gegenwärtig, sondern nur insoweit, als es für den bevorstehenden Zweck nötig war. Ihr könnt es glauben: in dieser Zeit konnten auch nicht einmal die allerreinsten Engelsgeister die Gottheit je anders sehen als ihr da seht die Sonne am Firmament. Und keiner von den Engelsgeistern hätte es je gewagt, sich die Gottheit unter irgendeinem Bild vorzustellen, wie solches auch noch unter Mosis Zeiten dem israelitischen Volk auf das strengste geboten wurde, dass es sich nämlich von Gott kein geschnitztes Bild, also durchaus keine bildliche Vorstellung machen sollte. Aber nun hört: Diesem unendlichen Wesen Gottes hat es einmal wohlgefallen, und zwar zu einer Zeit, in welcher die Menschen am wenigsten daran dachten, Sich in Seiner ganzen unendlichen Fülle zu vereinen und in dieser Vereinung anzunehmen die vollkommene menschliche Natur! Nun denkt euch: Gott, den nie ein geschaffenes Auge schaute, kommt als der von der allerunendlichsten Liebe und Weisheit erfüllte Jesus auf die Welt! Er, der Unendliche, der Ewige, vor dessen Hauch Ewigkeiten zerstäuben wie lockere Spreu, wandelte auf Erden und lehrte Seine Geschöpfe, Seine Kinder, nicht wie ein Vater, sondern wie ein Bruder! Aber das alles wäre noch zu wenig. Er, der Allmächtige, lässt sich sogar verfolgen, gefangen nehmen und dem Leib nach töten von Seinen nichtigen Geschöpfen!
 
Sagt mir: Könnt ihr euch eine unendlich größere Liebe, eine größere Herablassung denken, als diese, die ihr an Jesu kennt?! Durch diese unbegreifliche Tat hat Er alle Dinge des Himmels anders gestaltet. Wohnt Er auch jetzt noch in Seiner Gnadensonne, aus welcher das Licht allen Himmeln unversiegbar zuströmt, so ist Er aber dennoch ganz derselbe leibhaftige Jesus wie Er auf der Erde in all Seiner göttlichen Fülle gewandelt ist als ein wahrer Vater und Bruder, als vollkommener Mensch unter Seinen Kindern gegenwärtig. Er gibt all Seinen Kindern alle Seine Gnade, Liebe und Macht und leitet sie Selbst persönlich wesenhaft, endlos mächtig zu wirken in Seiner Ordnung!
 
Ehedem war zwischen Gott und den geschaffenen Menschen eine unendliche Kluft, aber in Jesu ist diese Kluft beinahe völlig aufgehoben worden; denn Er Selbst, wie ihr wisst, hat uns dieses ja doch sichtbar angezeigt, fürs erste durch Seine menschliche Darniederkunft, fürs zweite, dass Er uns nicht einmal, sondern zu öfteren Malen Brüder nannte, fürs dritte, dass Er mit uns aß und trank, und alle unsere Beschwerden mit uns trug, zum vierten, dass Er als der Herr der Unendlichkeit sogar der weltlichen Macht Gehorsam leistete, zum fünften, dass Er sich hat von weltlicher Macht sogar gefangen nehmen lassen, zum sechsten, dass Er sich sogar durch die weltlich mächtige Intrige hat ans Kreuz heften und töten lassen, und endlich zum siebten, dass Er Selbst durch Seine Allmacht den Vorhang im Tempel, welcher das Allerheiligste vom Volk trennte, zerrissen hat!
 
Daher ist Er auch der alleinige Weg, das Leben, das Licht und die Wahrheit. Er ist die Tür, durch welche wir zu Gott gelangen können, d.h. durch diese Tür überschreiten wir die unendliche Kluft zwischen Gott und uns, und finden da Jesum, den ewigen, unendlich heiligen Bruder! Ihn, der es so gewollt hat, dass diese Kluft aufgehoben würde, können wir denn nun doch sicher über alles lieben!
 
Daher, wie ich gleich anfangs gesagt habe, genügt zur Erweckung unserer Liebe zu Jesu ja doch sicher schon ein einziger Gedanke – nur Sein Name in unseren Herzen ausgesprochen sollte ewig genug sein, um in aller Liebe für Ihn zu erbrennen! Daher sprecht auch ihr in euren Herzen diesen Namen würdig aus, und ihr werdet es selbst erschauen, in welcher Fülle das Feuer der Liebe aus euren Herzen hervorbrechen wird, zu entzünden das Holz des Lebens, durch welches die Herzen genesen sollten an diesem neuen Opferaltar.
 
Solche Heiden, wie sie einst mein Bruder Paulus bekehrte, gibt es in unserer Zeit noch gar viele, ja es gibt Heiden, die sich „Christen“ nennen, aber dabei ärger sind in ihren Herzen als diejenigen, die einst Moloch und Baal anbeteten.
 
Wenn das Holz auf diesem Altar wird zum Brennen kommen, da erst werdet ihr in dieser aus euch selbst gerufenen Welt so manches erschauen, das ihr bis jetzt noch nicht erschaut habt. Denn ich sage euch: In der Welt der Geister gibt es unergründliche Tiefen. Kein geschaffener Geist könnte dieselben je ermessen; aber wir sind im Geist des Herrn. Sein Geist lebt, waltet und wirkt in uns, und in diesem Geist ist uns keine Tiefe unergründlich, denn niemand kann wissen, was im Geist ist, denn allein der Geist. So kann auch niemand wissen, was in Gott ist, denn allein der Geist Gottes. – Jesus, der vereinigte Gott in aller Seiner Fülle, aber hat uns erfüllt mit Seinem Geist. Und mit diesem Seinem Geist in uns können wir auch dringen in Seine göttlichen Tiefen. – Also denkt euch nun den Namen aller Namen, den Heiligsten aller Heiligkeit, die Liebe aller Liebe, das Feuer des Feuers und das Holz am Altar wird brennen!“

 
Geistige Sonne Bd.2, Kap.13, V.1 ff.


 
V.
Die drei Glaubensartikel

 
Ich [will] denn nun dir und euch allen etwas sagen. Werdet ihr solches beachten, so könnt ihr den Weg zum wahren ewigen Leben betreten, wo nicht, da steht euch eben an der Stelle, wo der Turm verschwunden ist, bereits der Weg zum ewigen Tod offen!
 
Und so hört denn: Jesus Christus ist der alleinige Gott und Herr aller Himmel und aller Welten! Er ist in Sich allein Seiner ewigen unendlichen Liebe zufolge der Vater, und Seiner unendlichen Weisheit zufolge der Sohn, und Seiner ewig allmächtigen unantastbaren Heiligkeit zufolge der Heilige Geist Selbst; wie Er es auch Selbst von Sich ausgesagt hat, dass Er und der Vater Eins sind, und wer Ihn sieht, auch den Vater sehe; und dass der Heilige Geist von Ihm ausgehe, wie Er es gezeigt hat, da Er Seine Apostel anhauchte und zu ihnen sprach: „Nehmt hin den Heiligen Geist!“ Das ist für euch der erste Glaubensartikel, ohne welchen niemand ins ewige Leben gelangen kann, denn es heißt auch in der Schrift: „Wer nicht glaubt, dass Christus ist der Sohn des lebendigen Gottes, welcher ist die Liebe des Vaters, der wird nicht selig.“
 
Ich aber sage euch: Werdet ihr nicht den Vater wie den Geist im Sohn Christus ergreifen, so werdet ihr nicht zum Leben eingehen! Stoßt euch nicht an dem Text, da es heißt: „Der Vater ist mehr denn der Sohn“, denn solches besagt, dass die Liebe, als der Vater in Sich das Grundwesen Gottes ist, und aus Ihr geht ewig hervor das Licht und der ewig mächtige Geist. – Solches sei für euch der zweite Glaubensartikel.
 
Der dritte Glaubensartikel aber lautet so: „Seid von ganzem Herzen demütig, und liebt Gott im alleinigen Christo über alles, euch untereinander aber so, wie jeder sich selbst, und ein jeder von euch sei der anderen willen da und trachte, wie nur immer möglich als der Geringste allen zu dienen!“
 
Wenn ihr werdet diese drei Glaubensartikel in euch vollkommen aufgenommen haben, erst dann wird euch der Weg zum ewigen Leben hell werden.

 
Geistige Sonne Bd.1, Kap.74, V.13 ff.


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