Zu den vier Evangelisten Jakob Lorber - Der Prophet Jakob Lorber

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Die vier Evangelisten

Der Evangelist Matthäus und der Pseudo-Matthäus

„Ihr müsst wissen, dass der Evangelist Matthäus erst dann von Mir aufgenommen wurde, als Ich ihn bei Meiner Reise nach Kis in einer Mittelstation zwischen Kapernaum und Kis als einen in römischen Diensten stehenden Zöllner antraf; darum Mir auch der Vorwurf gemacht wurde, Ich gehe mit Zöllnern und Sündern umher.
Da aber dieser Matthäus gut bei der Feder war und sich von Mir nicht mehr trennen wollte, so ward er von Mir als Schreiber aufgenommen, aber nur mehr für die Tatsachen, während Mein Johannes das Wort, das Ich lehrte, aufzuzeichnen hatte, und Matthäus mitunter weniger geistige Teile Meiner Lehren und Predigten für sich aufzeichnete, dieselben jedoch allzeit bei Gelegenheiten von Johannes sich korrigieren ließ; denn Matthäus hatte für Tatsachen ein gutes Gedächtnis, aber für die Lehre ein schwaches.
Von Meinem Familienverhältnis wusste er, solange er mit Mir umherging, sehr wenig, und was er wusste, teilten ihm bei Gelegenheit Jakobus, Simon und Johannes mit, das er sich jedoch nicht auf der Stelle aufzeichnete, sondern erst einige Jahre nach Meiner Auferstehung, als er statt des Judas Ischariot zum Apostel gewählt wurde.
Dieser Apostel selbst – als der Evangelist – hatte sein Evangelium ganz ordentlich und richtig zusammengestellt und machte dann damit seine Reise in die südöstlichen Gegenden Asiens.
Es haben sich aber dann in Jerusalem, in Galiläa, in Samaria, dann in Tyrus und Sidon fünf Matthäusse hervorgetan, und es schrieb ein jeder ein ‚Evangelium Matthäi‘; darunter das zu Sidon erschienene unstreitig noch das allerannehmbarste war. Die anderen vier wurden bei der großen Kirchenversammlung zu Nicäa – als mit diesem gar nicht übereinstimmend, wie auch untereinander nicht – als vollends apokryph verworfen und das Sidonische als möglichst echt erhalten. Und so ist auch dieses teilweise apokryph, obschon der Schreiber sich alle erdenkliche Mühe gab, die Sache so wahr als möglich darzustellen.
Er selbst schrieb eigentlich – statt diesem einen – vierzehn Evangelien, je nachdem ihm irgend die Sache von sein wollenden Augenzeugen bekanntgegeben wurde. Aus diesen vierzehn schrieb er dann ein fünfzehntes, das nach der Beurteilung vieler Sachkundiger als das richtigste und wahrste erklärt wurde. Und dieser Pseudo-Matthäus, der eigentlich l'Rabbas hieß, ist der eigentliche Schöpfer des heutigen Matthäus-Evangeliums.
Das wirkliche (Matthäus-Evangelium) aber befindet sich heutzutage noch in einer großen Bücher- und Schriftensammlung in einer bedeutenden Bergstadt Hinterindiens, welche Bücher- und Schriftensammlung wohl die größte und reichhaltigste nach der verbrannten alexandrinischen auf der ganzen Erde ist. Sie besteht aus mehreren Millionen Exemplaren Büchern und Schriften aller Art, zu welcher Sammlung aber leider nur die hohen Priester, die unter dem obersten Priester Brahmas stehen, Zutritt haben. Die Birmanen allein besitzen eine aber sehr abgekürzte Abschrift.
Ihr möchtet wohl auch wissen, was es mit dem Apostel Matthäus in diesen Ländern Indiens für ein Ende genommen hat? – Er ist daselbst ganz gut gehalten worden, durfte aber seine Lehre nur den Priestern und keinem anderen Menschen mitteilen. Er fand aber doch in seinen alten Tagen von Meinem Geist geleitet eine Gelegenheit, zu den Birmanen zu entkommen, und er lehrte sie allerlei Weisheit und schrieb für sie dann auch das schon vorher erwähnte kurze Evangelium.
In einigen besseren Traditionen wird dieser Apostel und noch ein Gefährte „die Apostel Indiens“ genannt.
Aus dem werdet ihr wohl leicht entnehmen können, wie es sich mit dem euch bekannten Evangelium Matthäi verhält, wie auch mit dem angeführten 13. Kapitel, wo es heißt, ob Ich nicht der Sohn des Zimmermanns Josephs sei, ob Meine Mutter nicht Maria heiße und Meine Brüder nicht Jakob, Joses, Simon, Judas und Johannes? und – „seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher kommt Ihm denn das alles?“
Um dieses zu verstehen, muss man wissen, was schon im ‚Johannes‘ erwähnt ist, dass Ich einmal nach Nazareth kam, dort in der Synagoge lehrte und gar manches Zeichen wirkte; und als darüber sich sogar Meine Apostel und Jünger aufzuhalten anfingen, Ich zu ihnen sagte: „Der Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland“, verließ Nazareth und kam nachher nicht wieder dahin.
Was aber Meine sogenannten Brüder und Schwestern betrifft, so waren sie wohl Kinder Josephs aus seiner ersten Ehe, aber nicht Kinder Marias, deren einziger und nicht erster, d.i. wohl erster, aber einziger Sohn Ich war.
Was aber die Schwestern anbelangt, so waren sie nicht Töchter Josephs, sondern dessen arme Anverwandte, und man nannte sie darum auch Schwestern, indem sie ganz nach dem Sinn und Willen Josephs wie auch der Maria lebten und handelten.
Drei von diesen Brüdern zogen mit Mir, nämlich Jakobus, Simon und Johannes; zwei aber blieben daheim und betrieben des Josephs Handwerk fort und pflegten die Maria bis dahin, als Ich sie dem Johannes zur weiteren Pflege übergab.
Die nämlichen scheinbaren Widersprüche werdet ihr auch in dem Evangelium des Lukas finden; denn dieser Evangelist schrieb erst mehr als fünfzig Jahre nach Mir das Evangelium und ebenso auch die Apostelgeschichte. Aber auch sein Evangelium ist ein Zusammentrag von dem, was er durch eifrige Erkundigung über Mich und die Apostel zustande gebracht hat.
Alles, was er geschrieben hatte, hat er seinem bekannten Freunde Theophilus nach Athen übersandt, welcher Theophilus dann wieder ein Evangelium aus dem Evangelium des Lukas schrieb, es mit manchen Zusätzen bereicherte, aber mitunter auch so manche Unrichtigkeit in dasselbe hineinmengte, aus der sich dann so manche Widersprüche ergaben, besonders im naturmäßigen Buchstabensinn – namentlich Mein übertyrannisches Auftreten im sogenannten „Jüngsten Gericht“, die mit dem einzig noch allerrichtigsten kurzen Evangelium des Johannes durchaus nicht übereinstimmen, doch geistig immerhin eine Beleuchtung zulassen.“ [HiG.03_64.03.18]

„Es wäre auch ebenso vollkommen richtig, was die anderen Evangelisten und Apostel über diese Angelegenheit [Auferstehung des Herrn] gesprochen haben; doch mit dem echten Evangelium Matthäi wisst ihr schon, was es mit demselben für eine Bewandtnis hat. Der Pseudo-Evangelist Matthäus war zwar ein vollkommen ehrlicher und Wahrheit suchender Mann und war höchst eifrig im Forschen nach der Wahrheit dessen, was da geschah, ungefähr zwanzig Jahre früher, bis er sein Evangelium zusammenzustellen und zu schreiben anfing. In dieser Zeit war im ganzen Judenland kein Apostel von Mir mehr anzutreffen, obschon es an anderen Zeugen für diese Zeit nicht sonderlich fehlte.
Wie es aber bei solchen Gelegenheiten schon zu gehen pflegt, so wussten gar viele Menschen aus all den vielen Orten, die Ich besuchte, Verschiedenes von Mir zu erzählen; gewöhnlich aber nur das, was sie selbst in ihren Orten von Mir gesehen, gehört und erlebt haben. Und so ist es denn auch begreiflich, dass es einem l'Rabbas wie auch vielen andern Evangelisten selbst beim redlichsten Willen unmöglich war, über alles von Mir Getane, Gelehrte und an Mir Dargebrachte ins vollkommen klare zu kommen. Ja, wird man hier fragen: Warum habe denn nicht Ich Selbst solche Menschen heller erleuchtet, auf dass sie dann imstande gewesen wären, nur die vollkommen reine Wahrheit auf das Pergament zu bringen? – Ich aber sage, dass Ich bei ganz ehrlichen Menschen, die dieses Bestreben hatten, es an dem auch nie habe fehlen lassen. Was aber später die schon sehr selbstsüchtig gewordene Welt aus solchen ehrlichen Überlieferungen gemacht hat, dafür kann Ich nicht, da ein jeder Mensch seinen vollkommen freien Willen hat. Dass Ich es aber nie an Sichtungen habe fehlen lassen, zeigen euch seit – sozusagen schon von Meiner Zeit an alle die großen und kleinen Versammlungen, denen durch Meinen Geist die Aufgabe gestellt war, die eingeschlichene Lüge von der Wahrheit zu scheiden und sie zu verwerfen vor der ganzen Gemeinde. Obschon aber das Unkraut allerorten unter dem Weizen wucherte, so gelang es ihm doch nicht, dasselbe völlig zu vertilgen. Und so geschehen auch in dieser Zeit wie hier und auch anderorts gar gewaltige Sichtungen, und der Feind der Wahrheit wird gegen sie nichts mehr auszurichten imstande sein.
Ich baue daher nun großartige Dämme gegen jede Flut der Lüge und stelle den wahren Felsen Petri auf, den die Pforten der Hölle nicht überwinden werden. Es wird zwar noch viel des Streitens und Kämpfens auf dieser Erde unter den Menschen vorkommen, bei welchen Streitigkeiten und Kämpfen die Lüge gleichfort das kürzere ziehen wird, und das so lange hin, bis für eine ganze Fuhre Heu, aus lauter Unkraut bestehend, kein Mensch mehr auch nur einen Heller bieten wird. Und jedermann wird an den Strahlen des wahren Lichts aus den Himmeln seine höchste Freude haben.“ [HiG.03_64.03.22.b,03ff]


Der Evangelist Markus

„Nach Johannes ist Markus noch am meisten zu berücksichtigen, denn das, was er in aller Kürze gibt, hat er zumeist aus den Schriften und Lehren des Apostels Paulus geschöpft.“ [HiG.03_64.03.19,22]


Der Evangelist Lukas – sein Evangelium und seine Apostelgeschichte

„Was den Evangelisten Lukas anbelangt, so habe Ich dir bei verschiedenen Gelegenheiten schon ohnehin dies und jenes gesagt. – Was sein Evangelium anbelangt, so ist es von ihm eine
Datensammlung, welche Daten ihm durch sein Forschen sowohl in als um Jerusalem über Mich und Meine Taten und Lehren durch verschiedene Menschen in seine Erfahrung gekommen sind. Er selbst hat sie hernach nach seiner Art und Weise geordnet und so in Kapitel und Verse eingekleidet, wobei er sich ganz natürlicherweise nicht an die Zahl der Kapitel und Verse eines anderen Evangelisten hat binden können, daher bei ihm so manches in einem ganz anderen Kapitel und Vers vorkommt, als wie bei den anderen Evangelisten, was ein jeder von euch leicht beim Vergleich der angezeigten Parallelstellen erfahren kann.
Was seine Persönlichkeit anbetrifft, so war er ein Formenmaler und Zeichner, mit welchen Produkten seiner Hand er die Weber, Tuch- und Teppichmacher versehen konnte; auch die Zeichnungen der jüdischen Schals und Vorhänge rührten häufig von seiner Hand her. Danebst war er auch ein Schriftenmaler und auch Schreiber, besonders so jemand etwas vollkommen schön und regelmäßig geschrieben haben wollte. Er verstand und sprach griechisch, lateinisch und hebräisch und konnte zur Not auch in den anderen Sprachen, die um Judäa herum gang und gäbe waren, sich mitteilen und verständlich machen.
Zudem war er, wie es dergleichen mehrere Menschen gibt und gegeben hat, ein erpichter Neuigkeitskrämer und erkundigte sich daher um alles, was besonders zu Meiner Zeit geschah und unter den Menschen viel Redens und Aufhebens machte, und hatte seine Freude daran, den vielen neugierigen Menschen, mit denen er im Verkehr stand, über etwas außerordentliches Neues erzählen zu können, wobei er durchaus keinen Eklektiker machte, sondern ihm war das nächste beste recht, wenn es nur den Schein von etwas Außerordentlichem hatte.
In der ersten Zeit, besonders bei seinem Erzählen, ist auch vieles besonders in Ermangelung wirklicher Daten auf seinem eigenen Grund und Boden gewachsen. Erst in der Zeit, als der Apostel Paulus Mein Wort in Griechenland hie und da gepredigt hatte, ward er von seinem Freunde Theophilus, der auch in Griechenland wohnte, ernstlich aufgefordert, über Mich verlässliche Erkundigungen einzuziehen, sie aufzuzeichnen und sie ihm dann zu übersenden, denn er, Theophilus, habe über den gewissen Nazaräer sowohl von Seiten der Juden als auch der Griechen so Verschiedenartiges gehört, dass er daraus nicht klar werden könne, was so ganz Eigentliches an diesem Menschen sei – ist er entweder ein überirdisches Wesen oder gleich nur so ein in mannigfacher Weisheit aus den Büchern wohlerfahrener Mensch.
Als Lukas dieses Schreiben in Jerusalem in seine Hände bekam, dann erst nahm er sich der Sache ernstlicher an und erkundigte sich über alles, was besonders Meine Person und Meine Lehre betraf, bekam aber auch, was er aufschrieb, nicht leichtlich aus dem Mund Meiner wirklichen Jünger, sondern zumeist von anderen auf Mich und Meine Lehre haltenden Menschen, die Mich zum Teil noch persönlich gekannt und zum größten Teil aber von Meinen Jüngern Kunde über Mich erhalten hatten. Denn zwischen Meinem Dasein als Mensch dieser Erde und der Vollendung seines Evangeliums verstrichen nahe fünfunddreißig Jahre, nach welcher Zeit er dasselbe erst an seinen Freund Theophilus nach Griechenland absenden konnte – welches Evangelium dann dieser Theophilus mit seinen Aufzeichnungen verglich, so manches korrigierte und der Schrift des Lukas beifügte.
Wie es aber mit seinem Evangelium steht, so steht es noch mehr mit seiner Apostelgeschichte, die er ebenfalls auf Aufforderung seines Freundes Theophilus aufs Pergament brachte, und zwar erst in seinem letzten Lebensjahr – also in einer Zeit, in der sich nicht einer Meiner ersten Apostel und Jünger mehr in Jerusalem befand.
Auch diese Apostelgeschichte bekam in den Händen seines Freundes so manche Abänderung, und selbst die von ihm im Judenland zusammengebrachten Daten waren vielseitig Dichtungen solcher Jünger und Ausbreiter Meines Worts, die häufig ohne inneren Beruf sich als solche den Menschen vorstellten und ein jeder aus ihnen das Bessere wissen wollte.
Und so geschah es denn auch, dass sowohl in dem Evangelium des Lukas, wie noch mehr in seiner nachträglichen Apostelgeschichte Dichtungen und Übertreibungen vorkamen, von denen Meine wirklichen Apostel und Jünger selbst wenig oder nichts wussten; denn sie hielten sich in Jerusalem sehr wenig auf und hatten ihr Wesen mehr in Galiläa, Samaria und in den anderen von Jerusalem weiter entlegenen Landschaften.
Wenn ihr nun dieses wisst, so werdet ihr wohl einsehen, dass das gewisse Erdbeben und die Finsternis bei Meinem Kreuzestod, die eröffneten Gräber im Tal Josaphat, Meine Himmelfahrt auf zwei sich widersprechenden Bergen, wie auch die gewisse Sendung des Heiligen Geistes zum allergrößten Teil ein Werk der damaligen Phantasie Meiner verschiedenartigen Anhörer und Verehrer sind und auch sogar sein müssen, indem der verlässlichste aller Evangelisten (Johannes), der doch bei jeder wichtigsten Gelegenheit zugegen sein musste, von alledem keine Erwähnung tut, auch Lukas selbst nicht kundgibt, ob er selbst bei der Ausgießung des Heiligen Geistes persönlich zugegen war oder nicht.
Sein Evangelium und seine Apostelgeschichte waren bei der großen Kirchenversammlung zu Nicäa auch ganz nahe daran, als apokryph erklärt zu werden. Aber die abendländischen Bischöfe sträubten sich dagegen, und somit war auch alles von Lukas Geschriebene als authentisch erklärt, und dieser Lukas besteht denn heutigentags noch unter der Zahl der glaubwürdigen Evangelisten und wird von ihm bis zur Stunde noch mehr Aufhebens gemacht als von Johannes. – Allein alles, was da unrichtig ist, wird sich mit der Zeit selbst ausstreichen, und würde das nicht geschehen, so würde schwerlich je eine Zeit kommen, davon Johannes spricht, dass in ihr „ein Hirt und eine Herde“ werde.
Übrigens liegt auch in diesen Episoden, wie Ich schon gesagt habe, etwas geistig Gutes und Wahres, das Ich euch in kurzer Zeit schon näher zeigen werde. Aber in der naturmäßigen Erscheinlichkeitssphäre sind sie freilich um kein Haar besser als die Bilder des Hohenlieds Salomons, wonach die Tochter Zions eine Gestalt hätte, an der nie ein Mensch auch nur das geringste Wohlgefallen fände. Aber inwendig sieht es dann im Geist wohl ganz anders aus.
Warum hätte Ich denn sollen bei Meinem Tod die Sonne gänzlich finster machen, und das volle drei Stunden hindurch?! – Und wäre das der Fall gewesen, so müsste in jener Zeit die Sonne auch in Indien, China, Japan, Amerika etc. nicht geleuchtet haben, was die Schriftkundigen jener Völker sicher aufgezeichnet hätten. So aber wissen sich sogar die römischen Geschichtsschreiber einer solchen Begebenheit nicht zu erinnern; es müsste die Sache demnach nur in Jerusalem ihre Geltung haben, dass durch Meine Zulassung daselbst alle anwesenden Menschen auf drei Stunden blind geworden sind, und es müsste Johannes allein sehend geblieben sein, weil er von solch einer Sonnenverfinsterung keine Kunde gibt.
Wie es sich aber mit der Sonnenverfinsterung verhält, so verhält es sich auch mit Meiner in dieser Welt erscheinlichen Himmelfahrt; denn wo sollte denn wohl dieser Himmel sein, in den Ich aufgefahren bin?! – Oder wohin sollte der Allgegenwärtige fahren, um den Menschen dadurch anzuzeigen, wo er eigentlich zu Hause ist?!
Ich meine aber, dass Ich in der ganzen Unendlichkeit überall so hübsch gleich zu Hause sein werde, da Ich in allem und jedem das Urbelebungs- und Erhaltungsprinzip bin und ohne Mich nirgends etwas ist und besteht! Sonach ist der Himmel allenthalben, wo Meine Liebe und Weisheit waltet, und in der starren Materie besteht allenthalben das von der Macht Meines Willens ausgehende Gericht und der scheinbar ewige Tod. Und es heißt darum denn auch, der Himmel ist Mein Thron und die Erde – durch die sämtliche Materie dargestellt ist – der Schemel Meiner Füße. – Nun wird sich doch niemand vorstellen wollen, dass der räumlich endlose Himmel nichts anderes darstellt als Meinen Sitzthron, und damit Ich beim Sitzen nicht müde werde, Mir die Erde zum Schemel Meiner Füße gemacht habe!
Ja, es besteht wohl im Reich der reinen Geister eine Geistige Sonne, in der Ich mit den Meinen persönlich wohne. Diese Sonne ist aber räumlich allenthalben allen jenen Engeln und Geistern sichtbar, die Mich durch die Liebe in ihrem Herzen besitzen. Für die anderen ist sie aber auch nirgends ersichtlich und auffindbar und sollten sie solche auch durch den ganzen unendlichen Raum suchen und finden wollen; denn bei denen das Herz blind ist, ist auch ihre geistige Sehe blind, und sie sehen von der geistigen Sonne noch weniger als ein Stockblinder auf dieser Erde von der natürlichen etwas.
Ich bin aber durch diese Sonne überall gegenwärtig und kann auch in die Erscheinlichkeit treten und wirken, wann und wo Ich will, und brauche vorher Mich mit niemandem zu beraten, weder in der Welt der Geister und noch weniger in der Welt der Materie, – wohl aber beraten sich zuvor alle seligen Engel und Geister mit Mir, so sie irgend eine große Tat in Meinem Namen zu vollbringen haben. Was aber ihre gewöhnlichen Handlungen in Meinem Reich betrifft, so finden sie die Anweisungen für immerfort in ihren himmlischen Wohnungen. Wie aber diese beschaffen sind, darüber habt ihr schon in der ‚Geistigen Sonne‘ die Kunde erhalten.
Was das Geistige unseres Evangelisten Lukas betrifft, so war er voll Eifers um Meine Sache, und es wäre sogar gut gewesen, so er sich mit seinem Eifer um einige Staffeln tiefer angestellt hätte. Allein er war, ist und bleibt ein tüchtiges Rüstzeug Meiner Liebe- und Gnadenerweisungen für seine Zeit sowohl als für die Jetztzeit; denn er war in den Schriften des Alten Bundes besser bewandert als irgendein seine Nase hochtragender Schriftgelehrter des Tempels und konnte daher auch leicht Meine Taten, von denen er Kunde erhielt, als wahr beurteilen und sie auch den andern, die ihn darum angingen, darstellen.
Wollt euch darum nicht ärgern über diesen Mann ob mehrerer Unrichtigkeiten, die in seinen Schriften vorkommen; denn fürs erste war er nicht von allem der eigentliche Schöpfer, sondern vielmehr seine nachträglichen Korrektoren, von denen Ich euch mehr denn ein ganzes Dutzend anführen könnte. Und fürs zweite war er besonders in seinen späteren Zeiten voll guten Willens und voll Ernstes, der Nachwelt möglichst die vollste Reinheit in seinen Schriften zu hinterlassen. Allein dafür kann er nicht, was die späteren habsüchtigen Gemeindevorsteher aus ihm gemacht haben. Sie haben Unkraut unter seinen Weizen gesät, welches mit dem Weizen aufging. Den Weizen verstanden sie recht wohl für ihre Scheuern zu sammeln, das Unkraut aber brauchten sie dann zum Nährfutter ihrer Herden und brauchen es noch. Diese Herden aber bestehen nun nicht aus Meinen Lämmern und Schafen, sondern aus Eseln, Ochsen, Schweinen und anderem dummen Getier, das sich mit den Disteln und Dornen begnügt.“ [HiG.03_64.04.07]


Johannes

„Man stellt zwar jetzt von einer gewissen gelehrten Seite die Behauptung auf, dass das Evangelium Johannis nicht von seiner Hand geschrieben sei. Ich aber sage es, dass es von seiner Hand geschrieben ist. Freilich, solange er als Apostel mit Mir herumreiste, verfasste er nur Bruchstücke, indem er das Denkwürdigste aufzeichnete. Aber in seiner sogenannten Verbannung auf der Insel Patmos – die für ihn aber durchaus keine Verbannung war, indem ihn durch diesen Akt nur ein redlicher und machthabender Römer der Verfolgungswut der Juden entzogen hatte – konnte er in der euch schon aus dem Evangelium Johannes bekannten Veste des Griechen Cado, der zeitweilig auch in Jericho lebte, an der Seite der Maria unbeanstandet sein Evangelium in eine rechte Ordnung bringen und gab darin für die Nachwelt so viel kund, als sie zu ihrer Beseligung nötig hat. Von allem andern aber sagte er am Ende, dass Ich noch gar vieles getan und gelehrt habe, was nicht in diesem Buch geschrieben ist, und würde jemand das in die Bücher schreiben, so würde solches die Welt nicht fassen. Und mit dieser triftigen Bemerkung schloss er sein Evangelium – nahe gerade um die Zeit, als Jerusalem von den Römern zerstört wurde, worauf Johannes noch eine geraume Zeit lebte und seine Gesichte unter dem Titel ‚Offenbarung Johannis‘ aufs Pergament brachte.
Bei dieser Gelegenheit wurde er wohl zu öfteren Malen von einem ihm über die Maßen geneigten Freund im Schreiben unterstützt, da er in dieser Zeit schon über hundert Jahre Alters zählte. Dieser sein Freund führte auch den Namen Johannes, den er sich aber von Johannes bei der Gelegenheit geben ließ, als der Evangelist ihn taufte und Meinen Geist über ihn ausgoss; denn von Geburt war dieser Johannesfreund ein Grieche und führte natürlich auch einen ganz anderen Namen, an dem für uns wenig oder nichts gelegen ist, weil er durchgehend keine historische Berühmtheit war, obschon er zu der Dienerschaft des Griechen Cado gehörte.
Wer da Zeit und Vermögen besitzen würde, könnte sich noch heutigentags von dem Aufenthalt des Johannes im Südosten dieser asiatisch-griechischen Halbinsel überzeugen, welche Halbinsel aber zur Zeit der Flut des Meeres nahe ganz eine vollkommene Insel darstellt, indem sie nur durch eine äußerst schmale felsenriffige Landzunge mit dem Festlande Asiens zusammenhängt.
Und so wissen wir nun auch das, wie es sich mit dem Johannes der Wahrheit nach verhält; er ist, er war und bleibt Mein Liebling, und wer nach seinem Evangelium lebt und handelt, wird von Mir aus ihm gleich gehalten werden.“ [HiG.03_64.03.22.b,11-14]

„Was Johannes spricht, ist allein vollkommen richtig.“ [HiG.03_64.03.22.b,02]

„…Darum muss aber eben in dieser Zeit sowohl der alte und noch mehr der neue sich in allem Mir widersprechende Unsinn aus diesen Evangelien völlig ausgemerzt werden – und Ich Selbst mit ihm, auf dass das einzige und bleibend wahre Evangelium Johannes in sein volles Licht trete.“ [HiG.03_64.04.24,23]

„Haltet euch daher nur an den Evangelisten Johannes, denn dieses Evangelium sowie seine Offenbarung sind von seiner Hand geschrieben. Was aber die zwei anderen Evangelisten betrifft, als den Matthäus und Lukas, so habe Ich euch schon gezeigt, welche Bewandtnis es mit diesen beiden und deren Evangelien hat. Nach Johannes ist Markus noch am meisten zu berücksichtigen, denn das, was er in aller Kürze gibt, hat er zumeist aus den Schriften und Lehren des Apostels Paulus geschöpft.“ [HiG.03_64.03.19,22]


Über die Evangelien

„Gelt ja, du Mein lieber Knecht, der auf einem Ohr taube Bär in deinem Traum hat dich auf einen großartigen evangelischen Widerspruch geführt, auf den du früher, von deiner Kindheit an, trotz deines oftmaligen Durchlesens des Neuen Testaments nicht gekommen bist. Ich Selbst hätte dich in der Folge schon aufmerksam darauf gemacht. Aber besser ist es für dich und auch für viele andere, dass diese Sache schon jetzt an das Tageslicht gekommen ist, auf dass ein jeder erkenne und einsehe, dass Ich im Geist nun wieder ganz besonders wahrnehmbar auf diese Erde gekommen bin, um die letzten Arbeiter in Meinen Weinberg zu dingen und aufzunehmen. Und diese Arbeiter sind eben die Weltklugen und weltweisen Philosophen, die sich soeben in dieser Zeit vollernstlich die Mühe nehmen, Mich, wie Ich unter den sogenannten christlichen Sekten jetzt bestehe, ganz auszumerzen und zu vertilgen samt jenen Evangelien, die erst zwei- bis dreihundert Jahre nach Mir das geworden sind durch heidnische und jüdische Machinationen, was sie jetzt noch sind.
Die blinde Menschheit, die nichts prüft und noch nie etwas geprüft hat, glaubt teilweise noch jetzt an ein solches zum größten Teil heilloses Machwerk in Meinem Namen.
Ich will deswegen weder den Lukas, Markus noch Matthäus richten; denn sie haben sich zu ihrer Zeit zum wenigsten die Mühe gegeben, aus dem vielen schon vielfach Verunstalteten Meiner Lehre das Reinste und Beste herauszusuchen. Aber was die materiellen Fakta anbelangt, da haben zum Teil sie selbst gedichtet und zum größten Teil mussten sie dann doch am Ende aus dem etwas nehmen, was sie aus dem Mund solcher Menschen vernommen haben, die da oft genug dreist und keck vorgaben, dass sie von diesem und jenem Augen- und Ohrenzeugen waren. Darauf verglichen sie das mit den ihnen bekannten Stellen aus den alten Propheten und fanden es übereinstimmend, was sie geschrieben haben, und damit war für sie das Kriterium für die Wahrheit dessen, was sie niedergeschrieben haben, vollkommen fertig und gültig.
Wenn es mit diesen Evangelien noch bei dem geblieben wäre, so wäre es allerdings noch um vieles besser, als es jetzt ist. Denn in diesen Evangelien stand viel zu wenig des Wunderbaren, des Grausamen und des Schrecklichen für die Menschheit, daher man es später für notwendig gefunden hat, besonders zum Teil unter den Judenchristen, Griechen und Römern schon hundert Jahre vor der großen Kirchenversammlung zu Nicäa, viele Beisätze zu machen – besonders jene, die stark nach Wundern riechen und die ein stark strafgerichtliches Gesicht haben, um Mich als den Beglücker der Menschen, der den Menschen nichts so teuer ans Herz gelegt hat als die Liebe und die Wahrheit, gerade zum Gegenteil zu machen.
Ich habe nie gegen die rechte Wissenschaft der Menschen geeifert, sondern habe bei vielen Gelegenheiten die Menschen über gar vieles belehrt, darin sie früher in der vollen Unwissenheit und Blindheit gestanden sind; darum Mich denn auch die betrugssüchtigen Pharisäer am meisten hassten, weil Ich das Volk in allem belehrte, worin sich früher die Pharisäer die größte Mühe gegeben haben, das Volk nach Möglichkeit zu verdummen zu ihren losen Zwecken.
Und sie haben es auch wirklich dahin gebracht, dass so ein hoher Priester Hannas oder Kaiphas, um das Volk zu größerer Opferwilligkeit zu bewegen, im Tempel mit grimmiger Stimme ausgesagt hat, dass im Bach Kydron drei Tage lang nichts als Blut fließen müsse und die Sonne einen ganzen Tag hindurch nicht scheinen dürfe, das Volk solchem Unsinn geglaubt hat, sich aus lauter Furcht vor solcher Strafe in ihre innersten Zimmer verkroch, und wenn die Strafzeit vorüber war, voll Furcht, Angst und Zittern den Kydron besichtigen ging, ob noch Blut fließe. Und hatte der Kydron sein natürliches Wasser, so hatte das Volk nichts Emsigeres zu tun, als schwere Opfer in den Tempel zu bringen und diese den Priestern vor die Füße zu legen. Die Sonne hat freilich auch an einem solchen Tage fortgeschienen und im Bach Kydron ist kein Tropfen Blut geflossen, wovon sich die gescheiten Juden wohl selbst überzeugt haben und darüber auch die armseligen und zu abergläubischen gemeinen Juden belehren wollten, aber meistens ohne Erfolg; denn diese haben in ihrer Einbildung und Furcht Blut fließen und auch die Sonne nicht scheinen sehen einen ganzen Tag lang. Und wie das gemeine Volk zu jeder Zeit in dem allerblindesten Aberglauben sich befand, so befindet es sich heutzutage auch noch. Ihr könnt solchen Menschen die absurdesten Wundermärchen erzählen, und sie werden sie glauben. Und so es diese ihren Nachbarn weitererzählen, so werden diese noch vieles hinzusetzen und es auch noch ins Wunderbare verkehren, was ihnen von Seiten des ersten Erzählers etwas zu wenig wunderbar vorgekommen ist. Aber von irgendeiner Wahrheit ist mit ihnen nichts anzufangen. Darum war es auch zu Meiner Zeit überaus schwer, die eigentlichen Stockjuden zur Erkenntnis der Wahrheit zu bringen; es musste denn ein Wunder geschehen, durch das sie von ihrem Schlaf wachgerüttelt wurden und dann bei sich ein wenig nachzudenken anfingen, was Ich mit dem oder jenem gesagt habe.
Ich habe aber den Aposteln schon zu Meiner Zeit zu mehreren Malen gesagt, dass sie bei Weiterverbreitung Meiner Lehre viel weniger von Meinen Wundern als vielmehr von der inneren Wahrheitstiefe Meiner Lehre reden und predigen sollen. Nur der einzige, Johannes, blieb dieser Mahnung getreu, alle die anderen um vieles weniger; sie fingen lieber gleich bei den Wundertaten an und fingen dann erst vom Reich Gottes und der inneren Wahrheit zu reden an, so die Zuhörer schon vorher mit den Wundertaten umgarnt waren.
Die Sucht, Wunder zu erzählen, stieg dann von einem Dezennium zum anderen so sehr, dass eine große Anzahl von teils geschriebenen und noch mehr von den traditionellen Evangelien derart anwuchs, dass daraus kein Mensch mehr klug werden konnte.
Lukas wie auch der Pseudo-Evangelist Matthäus (l'Rabbas) haben ihre Evangelien eben nicht gar zu sehr viele Jahre nach Mir aufzuzeichnen angefangen und haben sich aber dennoch in manchem derart verstiegen, dass am Ende unter ihnen selbst in so manchen ganz wichtigen Dingen der größte Widerspruch ans Tageslicht kommen musste. Vom Prüfen war in jener Zeit ohnedies keine Rede; denn ein jeder Evangelist hatte seine gewissen Leser und Zuhörer und hat sich um einen anderen Evangelisten wenig gekümmert, und die Evangelisten selbst hielten sich auch nur an das, was sie niedergeschrieben hatten und hatten sogar mitunter eine rechte Freude daran, so ein anderer Evangelist das in seinem Evangelium nicht hatte, was der eine oder der andere in seinem Evangelium besaß.
So kümmerte sich denn auch l'Rabbas wenig oder gar nicht um den nach dem achten Tag der Geburt im Tempel beschnittenen Jesus, und so auch nicht um die drei Weisen aus dem Morgenland und um die Flucht nach Ägypten und den grausamen Kindermord durch Herodes in Bethlehem.
L'Rabbas (Pseudo-Matthäus) hat solche Kunde zu Tyrus und Sidon erhalten und hat sie auch aufgezeichnet, aber da er selbst, wenigstens ehedem, mehr Heide als Jude war, so kümmerte er sich auch wenig um die Beschneidung des Kindes Jesus. Und so weisen diese beiden Evangelisten einen der merkwürdigsten Widersprüche unter sich auf, während sie in vielen anderen Stücken bis auf die Orts- und Zeitangabe miteinander harmonieren.
Nach Lukas besteht sodann ein allen jüdischen Gesetzen und Gebräuchen vollkommen entsprechend beschnittener Jesus, der zu Bethlehem in einem Schafstall geboren und nur von den Hirten begrüßt wurde, den Besuch von den drei Weisen aus dem Morgenland gar nicht erhielt, nicht nötig hatte, nach Ägypten zu fliehen, sondern dafür ganz gemütlich nach Nazareth zurückzukehren und daselbst ganz ruhig sein zwölftes Jahr ohne irgendwelche Verfolgung von Seiten des Herodes abzuwarten und dann mit seinen Eltern nach Jerusalem eine Wanderung zu machen.
Bei Matthäus sehen wir Jesus in einem ordentlichen Haus zur Welt kommen, der von den Hirten nicht begrüßt wird, dafür aber von den drei Weisen aus dem Morgenland, von denen dem Lukas in seinem Evangelium nichts geträumt hatte, wie auch gar nichts von der Flucht nach Ägypten, nichts von dem grausamen Kindermord zu Bethlehem durch Herodes und auch nichts von der Rückkehr Jesu aus Ägypten nach Galiläa unter dem König Archelaus. Dafür aber hatte dem Matthäus von der Beschneidung Jesu im Tempel nach acht Tagen und von so manchem anderen, was da vor sich gegangen ist, nichts geträumt. Und so habt ihr nach den Schriften dieser beiden Evangelisten einen beschnittenen Juden-Christus und einen unbeschnittenen Heiden-Christus!
Mit dem zwölften Lebensjahr Jesu fangen die beiden Evangelisten wieder an einstimmig zu werden bis auf einige minder bedeutende Nebenumstände. Nun frage sich ein jeder: Welcher von den beiden Evangelisten für sich ist da bei der Wahrheit geblieben? Und die Antwort darauf lautet: An und für sich keiner! Denn ein jeder gab nur von dem Kunde, von dem er reden gehört hatte. In Jerusalem getraute sich niemand aus Furcht vor der Strafe von der übermäßigen Grausamkeit des Herodes zu reden; zu Sidon und Tyrus im damaligen Cölesyrien aber hasste man Herodes mehr als den Tod und verschwieg seine Grausamkeiten nicht, wie auch die Veranlassung nicht, die ihn zu dieser geführt hatte. In gleichem Maß würdet ihr bei genauer vergleichender Durchlesung der beiden Evangelien noch auf so manche gar bedeutende Widersprüche und Unebenheiten gelangen, die sich aber dennoch eher in einem gewissen Grad ausgleichen und berichtigen lassen als der jüdisch beschnittene und heidnisch unbeschnittene Jesus.
Darum muss aber eben in dieser Zeit sowohl der alte und noch mehr der neue sich in allem Mir widersprechende Unsinn aus diesen Evangelien völlig ausgemerzt werden – und Ich Selbst mit ihm, auf dass das einzige und bleibend wahre Evangelium Johannes in sein volles Licht trete. Denn ein jeder wird es leicht verstehen und begreifen, dass Ich unter dem Gesichtspunkt dieser vier nun bestehenden Evangelien und auch so mancher Briefe des Paulus und der anderen Apostel für die Länge der Zeit nicht mehr bestehen kann, weil darin ein jeder vorkommende Widerspruch Mich vor den Gelehrten der Welt Selbst zum Widerspruch macht – gleich so wie bei den gegenwärtigen Christensekten, von denen auch jede Sekte ihren eigenen Christus hat, der sich die Freiheit nimmt, jeden anderen Christus einer anderen Sekte kreuz und quer zu verdammen.
Wer das nicht glauben will, der sehe nur irgend wenigstens die katholischen Übertrittsformeln an, so zum Beispiel ein Protestant in die katholische Kirche übertreten will, lese sie, und er wird sich von dieser gegenseitigen Christusverdammnis vollkommen überzeugen, denn in der muss der Übertretende seine noch protestantischen Eltern, seine Geburt mit allem und jedem und auch alle seine protestantischen Glaubensdinge bis in den tiefsten Grund der Hölle verdammen; dann erst wird er in die Gemeinschaft der Gläubigen Roms unter allerlei Zeremonien aufgenommen. Und so steht es zumeist zwischen den Hauptsekten. Wie soll da einmal ein Hirt und eine Herde werden, wo die Sekten-Christusse selbst ärger übereinander erbost sind als die reißendsten und wildesten Tiere der Wälder? Also alles das muss weg, und dafür habe Ich schon die Arbeiter in Meinem Weinberge bestellt, und sie arbeiten emsig und fleißig, und es werden bald gar viele noch nach ihnen kommen, die noch emsiger, fleißiger und wirksamer arbeiten werden, auf dass dann Ich in der Wahrheit zu den Menschen kommen kann als wahrer Christus und Gott von Ewigkeit – und nicht als solcher wie jetzt, der Ich nach dem Wohlgefallen einer jeden Sekte im ganzen nichts anderes zu tun habe, als in einem fort zu richten und zu verdammen und nur diejenigen im Himmel beglücken und beseligen kann und darf, die von ihren Sektenvorstehern und Stellvertretern Gottes dazu als würdig und fähig befunden werden. Wer sich zum Beispiel in der Gnade eines solchen Gottesstellvertreters, besonders durch ausgezeichnete Opfergaben, befindet, der muss sich dann – nach ihrer Lehre – auch in Meiner Gnade befinden! Ihr seht das nun wohl selbst ein, dass sich ein solch heilloser Unsinn, nachdem Ich einmal als Blitz am Firmament aufgegangen bin, für die Folge hin trotz aller Konkordate nicht mehr halten kann. Darum lassen wir der Wissenschaft nun ihren vollen Spielraum; denn sie ist nun ein wirksames Feginstrument, um den Unrat aus der Welt zu schaffen, und ist zugleich ein kräftiger Riese Herkules, der den großen Stall des Augias von seinem Mist zu reinigen verstand, was als eine gute Fabel des urgrauen heidnischen Altertums noch in dieser Zeit ganz gut zu gebrauchen ist.
Dieses nun euch Gezeigte und Gegebene überdenkt wohl und lasst euch damit erleuchten; denn es ist euch gegeben von Mir, dem allein wahren Christus, und von keinem Pseudo-Christus, dem die Wahrheit ein verdammlicher Greuel ist. Amen.“ [HiG.03_64.04.24]


Stoßt euch nicht an den Schriften

„So für euch in den Evangelien noch irgend etwas scheinbar Widersprechendes sich findet oder sich vorfinden sollte, so wendet euch darob an Mich, und Ich werde es euch erklären, so wie Ich es euch bis jetzt liebewillig erklärt habe. Ich meine aber, dass ihr darin nicht viel Anstößiges mehr finden werdet; denn vieles ist bereits schon im ‚Johannes‘ erklärt, und das am meisten für alle Gelehrten dieser Welt Anstößige kann Ich euch jetzt erklären.
Ich werde aber in dieser Zeit noch ganz kuriose Weltgelehrte über Mich losziehen lassen. Ich mache euch darum darauf aufmerksam, auf dass ihr euch an ihren Schriften nicht stoßen sollt, so sie euch zu Gesicht kommen werden; denn Ich lasse solches zu, um der heidnischen Pfafferei allseitig ein Ende zu machen. Denn wenn ihr Salvator mundi zunichte gemacht wird, was werden sie selbst dann sein und ihre kirchlichen Einrichtungen? Am Ende nichts Weiteres mehr als sich zahlen lassende Totengräber; und bei denen wird es dann gelten: Lasst den Toten durch die Toten begraben, ihr Lebendigen aber folgt Mir nach! Amen.“ [HiG.03_64.03.22.b,15-16]




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