Jakob Lorber - Die Lage der Orte in Palästina - Der Prophet Jakob Lorber

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Die Lage der Orte in Palästina


Zu den Ortsnamen und ihre Lage

„Da du Mich schon einige Male gefragt hast, ob die Ortsnamen und auch ihre Lage so gestellt sind, wie sie einige Reisebeschreiber und Landkarten-fabrikanten angeben und namentlich in dem grünen Büchlein, in dem du eben täglich einige Zeit liest, vorkommen, da muss Ich dir sogleich das bemerken, dass von Meiner Zeit her nahe nicht ein Ort irgendmehr sich vorfindet, den Meine Füße und die Meiner Apostel betreten haben, und das im ganzen Judenland – und haben nun die Orte und Ortschaften Namen, was für welche sie wollen. Denn viele Orte sind von den vielen späteren Heiden, die in diese Ländereien drangen, derart zertreten worden, dass nun niemand mehr nur von fernhin sagen kann, sieh dies ist der Ort, an dem der Herr dies und jenes im Beisein Seiner Apostel gelehrt und getan hat.
Das einzige – Bethlehem – befindet sich noch so ziemlich an derselben Stelle, und über das Tal herüber auf einem Berg die einstige von Mir beschriebene Burg Davids, von der aber auch nur hie und da noch einige lockere Steine vorhanden sind. In dieser Zeit steht an der Stelle ein Kloster mit einer Kirche, dessen braunbekuttete Inwohner sich wohl darauf verstehen, die frommen Pilger gegen Geld mit allerlei Reliquien zu beteilen.
Was die Lage Jerusalems betrifft, so ist nicht mehr als ein Achtel von der Stelle, wo einst das große Jerusalem stand, als wahr anzunehmen. Von dem Ort Bethania ist keine allerleiseste Spur mehr anzutreffen. Auf dem Ölberg steht noch eine kleine Behausung mit einigen Ruinen, was man nun Bethania nennt. Zu Meiner Zeit hieß bei einigen Juden die dem Lazarus gehörige Behausung und Herberge auf dem Ölberg Klein-Bethania, welche Ortschaft aber früher den Namen Bethphage führte. So ist auch von Emmaus bei Jerusalem keine Spur mehr vorhanden.
Wie sehr sich die Ortslage Jerusalems verändert hat, beweist das, dass nun der Ölberg – der jetzt auch schon eine ganz andere Gestalt hat, als er sie damals gehabt hatte – sich jetzt beinahe ganz im Osten von dem neuen türkischen Jerusalem befindet, während sich das alte Jerusalem zum größten Teil mehr östlich als westlich vom Ölberg befand.
Es hat in einer ziemlich geraumen Zeit nach Mir ein morgenländisch römischer Kaiser namens Justinianus den Juden die Erlaubnis und sogar den Befehl erteilt, das Jerusalem samt dem Tempel, von dem sie die Grundsteine sicher noch finden würden, ebenso wieder aufzubauen wie es zu Meiner Zeit erbaut war. Da begab sich aus allen Gegenden eine große Anzahl sehr wohlhabender Juden mit vielen Bauleuten und Arbeitern an die Stelle des vormaligen Jerusa-lem und wollten da alles wieder aufzubauen anfangen, wo sie die sicheren Spuren vom Stand des einstigen Jerusalem auffanden. Sie wurden aber von einem in dieser Gegend lebenden frommen Mann, der nach der Lehre des Apostels Philippus lebte und das Evangelium predigte, nach der Weissagung eines Propheten gewarnt, ihr Vorhaben stehenzulassen, da sie, so sie seinen Worten keine Folge leisteten, sicher sehr übel bedient werden würden. Sie aber verlachten diesen Propheten und fingen an allen Orten, wo sie Spuren des alten Jerusalem antrafen, zu graben und den Schutt wegzuräumen an. Und sieh, kaum einen halben Tag dauerte diese Arbeit, da entstand ein übermäßig starkes Erdbeben, und bald darauf brach aus dem Inneren der Erde über die ganze Stelle des alten Jerusalem ein vulkanartig heftiges Feuer aus und zerstörte eben den wichtigsten Teil des alten Jerusalem derart, dass wahrlich nicht ein Stein und irgend ein Fels unzerstört blieb. Steine und Felsen wurden zu einer Art Schotter zermalmt und von der Stelle stundenweit hintan geworfen, welche Stätte noch heutigentags wie eine Wüste aussieht und daher niemand vermuten kann, dass an dieser Stelle einst das alte Jerusalem gestanden hat. Bei Gelegen-heit des Ausbruchs dieses vulkanartigen Feuers sind viele Tausende von arbeitenden Menschen zugrunde gegangen.
Dieses Wunder wurde durch diejenigen, die sich durch jähe Flucht retteten, in Rom dem Kaiser bekanntgegeben und beschworen, dass es richtig so geschehen sei. Er glaubte dieses Wunder, aber nach zwei Jahren wollte er dennoch an dieser Stelle ein großartiges Denkmal errichten, um durch dasselbe den Nach-kommen anzuzeigen, an welcher Stelle sich einst das große Jerusalem befunden habe.
Es kamen wieder Bauleute und Bildhauer an die Stelle von Jerusalem und fingen an, sich einen Platz auszusuchen, der für solch ein Monument der tauglichste wäre. Sie fanden einen solchen Platz und fingen an, den Grund zu graben. Allein es erging ihnen nicht viel besser als den früheren; es schlug alsbald wieder Feuer aus dem Inneren der Erde hervor und beschädigte mehrere; die aber noch zur rechten Zeit die Flucht ergriffen, kamen ohne Schaden davon, und es ward fürder nichts mehr unternommen, um das alte Jerusalem aufzubauen.
Erst nach mehr als sechshundert Jahren kamen die Sarazenen aus der Gegend von Bagdad in diese Gegend, und was sie auf ihrem Weg von den alten Städten und Flecken vorfanden, zerstörten sie alles; selbst die alten Städte, die hie und da noch von den Römern verschont worden waren, mussten zu Ruinen werden. Und die Stätte Jerusalems besaß damals nichts weiteres mehr, als auf einem Berg, dem man später – aber ganz fälschlich – den Namen Zion gab, einen alten römischen Festungsturm und eine Kapelle aus Holz gebaut, die man schon zu selbiger Zeit ebenfalls ganz fälschlich für die Stelle Meines einstigen Grabes angab und verehrte und bis auf den heutigen Tag noch verehrt und dadurch viele Hunderttausende von Pilgern in den tiefsten Aberglauben hineintreibt.
Die Sarazenen haben später westlich vom Ölberg eine ganz neue Stadt unter dem Namen Jerusalem erbaut, in welcher Zeit auch die vorbenannte Kapelle ein geräumigeres und besseres Aussehen erhielt, in der sich die frommen Pilger alljährlich mit ihren Knitteln und Stöcken aus lauter Frömmigkeit nicht selten derart durchprügeln, dass es dann auf dem äußeren Platz um die Kapelle herum nicht anders aussieht wie auf einem Schlachtfeld. Und das geschieht gewöhn-lich infolgedessen, weil eine jede Sekte den Christus, den sie als Gott verehrt, einer anderen zu verehren untersagt; denn die Griechen wollen von dem römisch-katholischen nichts hören und wissen, und das auch umgekehrt. Und so viele Sekten, als es da gibt, so viele Feinde stehen sich gegenüber und würden sich bei ihrem Glaubenseifer ganz aufreiben, wenn bei diesen Gelegen-heiten nicht die türkischen Soldaten Ruhe und Ordnung aufrecht erhielten. Diese tun das darum, weil ihnen solche Spektakel auch so manches Trinkgeld in ihre Taschen schieben.
Das ist so die heutige Wirtschaft an den ‚heiligen Orten‘. Und weil Ich solches sicher vorausgesehen habe, so habe Ich denn auch, besonders in Galiläa, woselbst Ich Meine irdische Lebenszeit am meisten zubrachte, alle die in den Evangelien benannten und bekannten Orte derart zugrunde richten lassen, dass sie nun ein noch so bibelfester Geograph nimmer finden kann.
Von der einzigen Stadt Tiberias am Galiläischen Meer sind noch einige Über-reste vorhanden, aber von allen anderen Orten, die zu Meiner Zeit an den Ufern des Galiläischen Meers standen, ist keine Spur mehr vorhanden. Zudem ist das Galiläische Meer auch von allen Seiten derart zurückgewichen, dass es nun mehr als ein gutes Drittel weniger Wasserfläche besitzt als zu Meiner Zeit.
Von Meinem Wohnort Nazareth ist ebenso wenig eine Spur mehr vorhanden; nur in einem Tal westlich vom Galiläischen Meer, gegenwärtig einige Stunden entlegen, befindet sich ein ganz elendes türkisches Dorf, das der gewinn-süchtige Glaube der dortigen Christen und auch Türken als Meinen einst wahren Wohnort angibt und bezeichnet.
An der Stelle Meines fälschlich angegebenen einstigen Wohnhauses steht nun auch eine Kirche mit einem kleinen Kloster, in der die dortige Priesterschaft noch allerlei Reliquien aus der Werkstätte des Zimmermanns Joseph vorzeigt, aber dabei dennoch bei den meisten Sekten wenig Glauben findet, weil jede Sekte vorgibt, sich selbst im Besitz dieser Reliquien zu befinden, besonders die Katholiken, die da vorgeben, dass sich sämtliche Reliquien aus dem Haus Joseph zu Rom in der Sixtinischen Kapelle befänden, dahin sie von Engeln durch die Luft gebracht worden seien. Die anderen Sekten haben ohnehin geringeren Glauben an derlei Reliquien, und so macht das heutige Nazareth nur ganz schwache Geschäfte mit seinen Heiligtümern.
An der Küste des Mittelländischen Meers ist Joppe noch der wohlerhaltenste Ort; Tyrus und Sidon sind vollkommene Ruinen sowie Sardes und Laodicea. An der Stelle dieser alten Weltstädte befinden sich gegenwärtig nur ganz dürftige Fischerhütten. In den Ruinen hält sich allerlei Wild auf, der Schakal und die Hyäne sind da nicht seltene Erscheinungen, und die armen Fischer müssen immer bis an die Zähne bewaffnet ihre Fische fangen.
Von all den von Mir besonders im letzten Jahr Meiner Lehrzeit besuchten Städten sind am östlichen Ufer des Galiläischen Meers und Jordantals nur einige dann und wann von den Beduinen bewohnbare Ruinen vorhanden, und das darum, weil sie aus lauter alten, überaus harten Basaltsteinen erbaut sind, die schon zu Meiner Zeit ein Alter von nahe zweitausend Jahren hatten und zum größten Teil von Römern und Griechen bewohnt wurden.
So finden sich auch noch im oberen Syrien einige von Mir besuchte Orte vor; allein auf diese haben die Menschen darum kein Augenmerk geworfen, weil sie ihnen erstens zu entlegen sind, und fürs zweite in den gegenwärtigen vier Evan-gelien namentlich gar nicht vorkommen.
Und somit kannst du mit Meiner Benennung der Orte von ganz Palästina vollkommen beruhigt sein; denn Ich habe sie eben der schon vorausgesehenen Abgötterei wegen aus dem Dasein derart völlig hinweg gewischt, dass in dieser Zeit keine nur annähernde Spur mehr von ihnen vorhanden ist.
Das richtigste ist noch die Benennung des Kisjontals an der Karawanenstraße, die einst von Damaskus über Kapernaum nach Tyrus und Sidon führte. Aber dieses Tal, das einst knapp am Galiläischen Meer sich befand, befindet sich jetzt mindestens drei bis vier Stunden davon entfernt und ist eine gänzlich un-fruchtbare Sandsteppe.
Ebenso steht es mit der Ebalbai und dem Ebaltal, wo sich dereinst der Flecken Genezareth befunden haben soll; es ist nun eine ziemlich weitgedehnte Sand-wüste und vom Spiegel des Galiläischen Meers nahe zwei Stunden entlegen. Zu Meiner Zeit hatte dieses Meer dort einen Abfluss, und zu den Zeiten der Kanaaniter war das ein Hauptabfluss des Jordans, und wo er jetzt abfließt, war in jener alten Zeit nur ein Bach. In den späteren Zeiten wurde dieses alte Jordantal derart durch die Erdrevolutionen, die in dieser Gegend sehr häufig vorkamen, verlegt und verrammt, dass es in der Jetztzeit wohl keinem Reisenden und Forscher nur im entferntesten Sinn einfallen könnte, dass da einst der Jordan sein Bett hatte. Zu Meiner Zeit war dieses Tal noch mehr frei, und es ging ein Arm des Jordans durch das Tal; allein durch die großen Erdbeben und Erdrevolutionen nach Mir ging jede Spur davon verloren.
Durch solche Erdrevolutionen aber hat namentlich in der Gegend des Galiläischen Meers, und zwar das Becken dieses Meers selbst, an manchen Stellen eine mehr als 200 Klafter tiefere Immersion erfahren, und so ist der See denn auch seiner Oberfläche nach kleiner geworden, und der Jordan musste sich dort seinen Hauptabfluss schaffen, wo ihm die Erdrevolutionen ein weiteres Tor aufgemacht haben. In den ungefähr tausend Jahren nach Mir ist das ganze Jordantal bis zu seiner Ausmündung ins Tote Meer im Ganzen bei hundert Fuß eingesunken, und so auch das Tote Meer selbst, und man kann jetzt nicht leichtlich mehr sanften Ufers zu diesem Meer gelangen, welches jetzt von sehr hohen und steilen Felsenklippen ordentlich strotzt, so dass man nur an sehr wenigen Stellen zur Betrachtung dieses leblosen Meers, das ungefähr die dreifache Größe des Bodensees hat, gelangt.
Was Ich dir nun hierüber gesagt habe, das ist Wahrheit; alles andere ist zum allergrößten Teil menschliche Dichtung und Mutmaßung. Übrigens liegt da in dem dir von Mir diktierten Evangelium Johannes wenig oder gar nichts an dem, wie die Orte geheißen und wo sie gelegen haben; sondern alles liegt an der Lebenslehre und Wahrheit, die darin enthalten ist.
Es gibt nun noch viele Narren, die sich darum streiten, wo das einstige alte Paradies sich befunden habe, und wohin Adam aus demselben linea recta geflohen sei, und in welchem Land Kain den Abel erschlug, wohin er nachher floh, und wo sich später Adam selbst angesiedelt habe. Da gibt es so ver-schiedene Angaben, dass nach ihnen selbst ein der Vollendung nahestehender Geist irregeführt werden könnte; allein das ist ein Streit über den Wert einer Schafwolllocke! Was der Wahrheit nach davon zu halten ist, findet sich in Meiner ‚Haushaltung ‘, wie auch teilweise im ‚Johannes ‘ vor. Alles andere ist wertlos, indem zu jener Zeit die Erde eine ganz andere Gestalt und Einrichtung hatte, die nach Noahs Zeiten um ein bedeutendes verrückt wurde. Und wollte man nach der gegenwärtigen Gestalt der Erde die Wohnsituation der Urerzväter bestimmen, so würde man mit solch einer Bestimmung sehr ins Blaue hinein hauen, denn in jenen Zeiten war das heutige Sibirien, besonders gegen Osten, wie auch das Mittelasien bis an die Marken Chinas hin, ein äußerst gesegnetes und fruchtbares Land.
Seht es euch heutzutage an, und ihr werdet allenthalben das schroffste Gegenteil finden. Sibirien hat nahe nichts als ewigen Schnee und ewiges Eis aufzuweisen, und das einst so gesegnete Mittelasien scheuen nun sogar die wildesten und reißendsten Bestien, indem sie da nichts als Sand und Stein antreffen. Darum es auch den nach Sibirien verbannten russischen Untertanen unmöglich ist, die Flucht zu ergreifen und über diese weitgedehnten Wüsteneien wenigs-tens die Vorgebirge und Ausläufer des großen tibetanischen Gebirges zu erreichen, denn diese Wüsten Mittelasiens sind zum größten Teil ebenso arg wie die große Wüste Sahara in Afrika.
Aus dem aber geht hervor, dass diese Erde zumeist durch den Übermut der Menschen eine große Veränderung erlitten hat, und es wird sich nun wohl kein Geologe, wäre er selbst ein hundertfacher Alexander Humboldt, zurecht finden. Was aber jedermann zum besseren Verständnis der Bücher Mosis zu wissen und zu verstehen notwendig ist, habe Ich dir schon vor zwanzig Jahren in die Feder diktiert und tue dasselbe nun auch im ‚Johannes‘ über die Orte in dem Land, wo Ich gelebt und gelehrt habe. Alles andere und weitere ist eitel und, mit anderen Worten gesagt, nichts anderes als leeres Stroh dreschen.
Mit dieser Meiner Bescheidung kannst du und ein jeder andere Gläubige voll-kommen zufrieden sein. Die sogenannten verstandesvollen Weltmückenreiter aber sollen sich am Staub der alten Ruinen satt lecken; es wird ihnen aber wenig nützen, da sie daran wenig Nährsaftes finden werden.
Ich aber bleibe der Herr und verändere die Erde nach Meinem Wohlgefallen und nach Meiner Weisheit; denn solche hochweisen Verständigen, die selbst das Gras wachsen hören wollen, und es auch schon einige gegeben hat, die die Pflanzen bei ihrem Atemholen schnarchen gehört haben, sollen nur das Tal eines Flusses bis auf seinen Grund ausräumen, und sie werden da viel Nahrung für ihren Verstand finden! Sie werden das aber sicher bleibenlassen und sich lieber mit dem Belecken der feuchten Steinwände begnügen; denn da kann doch jeder Mensch solchen Hochgelehrten zurufen: Freunde! nur bis dahin, wo einige Tautropfen hängen, werdet ihr es mit eurer Zunge bringen. Aber etwa mit einem Wunderstab in eurer Hand werdet ihr keine Quelle gleich dem Propheten Moses aus dem Inneren eines harten Felsens hervorlocken, von deren Reichtum sich Millionen Menschen und Tiere den brennenden Durst stillen konnten. Der Wunderstab Mosis aber bleibe noch immer Ich, und niemals der eitle ruhm- und selbstsüchtige Verstand eines auf den hohen Universitäten graduierten Doktors sämtlicher Weltweisheit.
Das zur Beruhigung aller derer, die an Mich glauben, Mich über alles lieben und ihren Nächsten wie sich selbst. Das sage wieder Ich als euer Vater, Herr und Meister Amen.“ [Himmelsgaben Bd.3, S.369, Kundgabe vom 29.03.1864]


Zum Toten Meer

„[Es] fragte Mich dennoch wieder der Wirt, ob Ich ihm nichts Näheres über die sonderbare Natur des Toten Meers sagen könnte, und ob es wohl wahr sei, dass an seiner Stelle in der alten Zeit mehrere Städte bestanden hätten, die dann durch eine sonderbare Fügung in die Tiefe der Erde eingesunken seien und an deren Stelle sich dann dieses Tote Meer gebildet habe.
Sagte Ich: „Du hast ein richtiges Thema gewählt, und es hat dieser bedeutend große See seit jener Zeit den Namen ,Totes Meer‘ erhalten, weil in seinem Grund zwei große Städte, Sodom und Gomorra, und noch sieben andere, kleinere Städte samt allen ihren Bewohnern und Tieren begraben liegen.
Zu jener Zeit hatte der Jordan eine ganz andere Richtung und ergoss sich in das wirkliche Meer, und zwar in den Arabischen Meerbusen, der auch das ,Rote Meer‘ genannt wird. Aber in der Zeit Abrahams und Lots geschah diese Kata-strophe durch den Willen des einen, allein wahren und allmächtigen Gottes, und das Stromgebiet des Jordans selbst hat eine tiefere Einsenkung bekommen, als sie zuvor war; und so ergießt sich der Strom Jordan nicht mehr in den Arabischen Meerbusen, sondern in das Tote Meer.
Wenn du oder jemand anders mit einem gehörigen (geeigneten) Schiff die Ufer dieses Meers befahren würdest zu einer Zeit, in welcher der See keine Dämpfe von sich gibt, so würdest du noch etwelche Überreste der kleineren Städte unter dem Spiegel des Wassers erblicken; aber wie gesagt, die Ufer dieses Sees dürfen nur dann befahren werden, wenn sich auf der Oberfläche des Wassers kein Dunst zeigt.“
Sagte der Wirt: „Also ist doch wahr, was der Prophet Moses über die Ent-stehung dieses Meers in seinen Büchern spricht! Es haben mir wohl schon mehrere Reisende, die dieses Meer auf verschiedenen Punkten bereist haben, erzählt, dass sie von den hohen und steilen Ufern, welche diesen See umgeben, ein gewisses Mauerwerk wollen gesehen haben; ich selbst aber habe bis jetzt noch nie mit den Umgebungen des Toten Meers irgendetwas zu tun gehabt. Was sollte man da auch zu tun bekommen? Denn so weit das Auge reicht, erblickt man nichts als hohe Felsenklippen, die gegen den See hin sehr steil abfallen und so tot – das heißt, ohne irgendeine Bewachsung – sind wie der See selbst, in welchem man nicht einmal beim Einfall des Jordans einen Fisch mehr zu entdecken imstande ist.
Es sollen nur sehr wenige Stellen sein, wo man mit vieler Mühe hinab bis zum Wasserspiegel gelangen kann, der gleichfort einen starken Schwefelgeruch von sich lassen soll, und somit habe ich denn auch nie eine besondere Lust gehabt, die Natur dieses toten Meers näher zu besichtigen. Jäger bin ich keiner, und sonst wüsste ich nicht, warum ich als ein alter Mann mich der Gefahr aussetzen sollte, die steilen Klippenufer dieses Sees zu besteigen, die mitunter eine ziem-liche Höhe haben; die Flachufer aber, an denen man sich dem See leichter nähern kann, liegen ein paar Tagereisen weit von hier und gehören schon zum steinigen Arabien. Und somit glaube ich lieber deiner Aussage in der Ruhe, denn ich bin kein Freund des Todes, und somit auch nicht des Toten Meers. Ich hatte Gelegenheit, das wirkliche, große Meer zu befahren und zu genießen, das mir Anstände genug gemacht hat, und somit wird dieses Tote Meer von mir schon verschont bleiben!
Was war aber eigentlich die Ursache, aus der der allein wahre, große Gott diese Städte hat in die Tiefe der Erde versinken lassen?“
Sagte Ich: „Nichts anderes als der Ungehorsam gegen den allein wahren, großen Gott, der dieses Volk zu öfteren Malen sehr ernstlich gemahnt hatte, von seiner großen Sündhaftigkeit abzulassen und seine sündige Wohnstätte zu verlassen, weil das Ganze auf einem tief in der Erde lagernden Schwefellager gelegen war und die Gottheit wohl wusste, wann es sich entzünden wird.
Allein das Volk blieb in seiner großen Sündhaftigkeit, bei Hurerei und Schwel-gerei aller Gattung, und achtete der göttlichen Mahnung nicht, bis auf den Lot und seine kleine Familie. Und sieh, es kam in dem ganzen, weiten Umkreis des Toten Meers zu den gewaltigsten Feuerausbrüchen, so wie du sie schon in der Gegend Italiens und Siziliens gesehen hast, und das ganze Firmament war voll Feuers, so dass dasselbe über alle die Städte in einem dichtesten Regen herab-zustürzen anfing, bestehend in brennenden Schwefel- und Erdpechklumpen.
Diese Feuerszene dauerte über vierzehn Tage lang. Dadurch wurde unter der leichten Erddecke dieses Landstücks ein hohler Raum gebildet, und das Land stürzte mit allem, was es trug, in die feurige Tiefe hinab, die erst nach und nach mit dem Wasser des Jordans und einiger kleiner Bäche ausgefüllt wurde. Wäre das nicht geschehen, so wäre auch das ganze Jordantal in den inneren Brand geraten und eingesunken; denn auch dieses ganze Tal ruht auf Schwefel und Erdpech. Und somit habe Ich dir jetzt in der Kürze alles natürlich enthüllt, was du im Moses in weiterer Umfassung gelesen hast!“ [Großes Evangelium Johannes Bd.10, Kap.235]

„Das große Sodom und Gomorra ging an der Stelle unter, wo nun das Tote Meer sein oft noch arges Wesen treibt und noch gar lange treiben wird.
Und seht nun, um nicht vieles besser stand es zu Josuas Zeiten mit dem alten Jericho, allwo eine Hure noch die reinste Seele hatte, darum sie auch erhalten ward, weil sie die Boten, die von Josua in die Stadt gesandt worden waren, angehört, ihre Worte beherzigt und sie in den Schutz genommen hatte!
Josua, als ein reiner, vom Geist Gottes erfüllter Mensch, so wie das auch seine Priester waren, hatte den inneren, zerstörenden Ausbruch jener Stätte wohl verhüten können und hatte die argen Naturgeister mehr und mehr von dieser Stätte für immer gebannt und ihnen den Tätigkeitsraum unter dem Wassergrund des Toten Meers angewiesen; aber dessen ungeachtet musste er den Menschen eindringlichst verbieten, auf jener gefährlichen Stätte je mehr wieder eine Stadt zu erbauen, was bis auf diesen Tag denn auch beachtet wurde und noch fernerhin beachtet werden wird.“ [Großes Evangelium Johannes Bd.8, Kap.189, V.21-23]

„An der Stelle dieser Städte [Sodom und Gomorra] hast du nun das Tote Meer, darin bis zur Stunde kein Tier leben kann, und auch die Vögel vermeiden es, darüber hinweg zu fliegen.“ [Großes Evangelium Johannes Bd.5, Kap.204,V.4; s.a. Bd.8, Kap.191,05 u. Bd.6, Kap.150,V.8]

Jesus zu Epiphan: „Ich hätte allerdings die Macht, sie [dies Natterngezücht und die Schlangenbrut der Templer, s.V.6] alle auf dem ganzen Erdkreis in einem Augenblick zu vertilgen, wie solches, von Meinem Vatergeist, der in Mir wohnt, verordnet, schon einmal zu den Zeiten Noahs und zu den Zeiten Abrahams mit Sodom und Gomorra und ihren zehn Nachbarstädten geschehen ist; aber was hat es genützt?! Heutzutage zeugt das umfangreiche Tote Meer noch von jenem Gericht, und die Schrift weist mit den Fingern dahin; wer aber beachtet das noch und lässt es sich zu einer gerechten Warnung dienen?“ [Großes Evangelium Johannes Bd.5, Kap.220,V.7-8]


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