"Wachet und betet..." - Der Prophet Jakob Lorber

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SCHRIFTTEXTERKLÄRUNG
"Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach."
Matthäus 26,41


Wer diese ewige Wahrheit nicht beständig im Herzen und im Mund führt, ist nie sicher vor dem Fall. Wie schwer es aber für den Gefallenen ist, sich wieder aufzurichten und dann völlig aufzustehen, das zeigt euch die ganze Welt und, als ein überaus verständliches Beispiel, euer Leben selbst, so ihr dasselbe nur ein wenig durchachten wollt. Die ganze sichtbare Schöpfung samt den Menschen besteht ja nur aus Partikeln des großen, gefallenen und in die Materie gebannten Geistes Luzifer und seines Anhangs.
Das „Fleisch“ also ist schwach! Ihr sollt aber darunter nicht etwa das Fleisch eures Leibes verstehen, welches da ist ein totes Fleisch, sondern das Fleisch des Geistes, was dessen Liebe ist. Dieses, sollt ihr verstehen, ist das sehr schwache Fleisch, welches noch aller Versuchung ausgesetzt ist. Dieses Fleisch ist bei euch noch gleich einem Rohr im Wasser und einer Wetterfahne, welches alles sich richtet nach den Winden.
Ich sage euch aber, wessen „Fleisch“ noch schwach ist, der scheut zu besteigen die Berge und kann sich auf denselben auch keinen festen Fels aussuchen, darauf er sein Haus setzen könnte; sondern er bleibt gemächlich lieber in der Taltiefe und baut da sein Haus auf Sand.
Solange keine Wässer und Sturmwinde an die schwachen Wände seines Hauses schlagen und stoßen, steht das Haus wohl gleich dem auf hohem, festem Felsen; und ihr wundert euch über den Felsenbewohner, wie es ihm doch habe einfallen können, sein Haus auf solch hohen, nackten Felsen zu bauen. Wenn da aber das Ungewitter kommt und die Wässer und Winde sich erheben, wird euch da der Bewohner des Felsens nicht auch fragen: „O ihr gemächlichen Toren! Wie hat euch denn je einfallen können, im Sand des Tals euch ein Haus zu erbauen?!“
Seht, so ist noch schwach euer „Fleisch“, und ihr könnt euch noch nicht trennen vom Haus am Sand. Ich sage euch darum, dass ihr wachen und beten sollt, damit, so das Ungewitter kommen wird, ihr nicht erliegt der Versuchung. Was nützt euch alle Erkenntnis, was die Willigkeit, wenn der Wille nicht unterstützt wird von der Liebe, welche ist des Geistes Fleisch!? Wird da wohl je eine Tat erfolgen?
Die Liebe ist die ewige Triebfeder des Willens, wie der Wille das Werk selbst. Urteilt aber selbst, wozu ein starkes Uhrwerk nützt, wenn es nicht auch zu-gleich eine Triebfeder hat, die stark und mächtig genug ist, dieses starke Werk in die zweckmäßige Bewegung zu setzen? Wer weiß es nicht, wie so manches der Wille berührt, und es geschieht doch nichts, weil es der alleinige Wille, nicht aber auch zugleich die Liebe berührt hat. Wie viele Mädchen ergreift oft der Wille eines ehelustigen Werbers; doch wird dann nicht selten keine von allen den so Ergriffenen des Werbers Weib, sondern eine ganz Fremde, darum er diese nicht mit dem alleinigen Willen, sondern in Vereinigung des Willens mit der gerecht starken Liebe ergriffen hat.
Worin aber war der Grund der Tat? Im Willen sicher nicht, da dieser ist gleich einem Uhrwerk, das entweder gar keine Triebfeder oder eine viel zu schwache, schläfrige hat, sondern in der gerecht starken Liebe, welche die allein bewe-gende Kraft des Willens ist.
Daher stärkt eure Liebe! Das ist das wahre Wachen und Beten mit Mir, der Ich die Ewige Liebe Selbst bin! Oder noch mehr auf Deutsch zu euch gesprochen: Liebt und handelt in dieser Liebe mit Mir! Seid nicht nur willig, sondern seid liebetätig, d.h. seid tätig aus Meiner Liebe zu euch und daraus dann aus eurer Liebe zu Mir!
Beachtet Mein leichtes Gebot der Liebe, vertraut euch ganz Mir! Baut auf diesen Felsen euer Haus, so werdet ihr sicher sein und spotten können den Gewässern und den Winden, wenn sie kommen! Denn euer Haus steht auf einem Felsen, und das Uhrwerk eures Lebens hat eine gute, haltbare Triebfeder. Ihr habt dann mit dem willigen Geist ein starkes Fleisch. Ja ihr habt dann erlebt die wahre Auferstehung des Fleisches, in welchem Fleisch ihr ewig Gott, die Ewige Liebe, von Angesicht zu Angesicht schauen und eine neue Liebe zu Gott leben und genießen werdet ohne Ende!


Himmelsgaben Band 2, Kundgabe vom 18.11.41, S.1, V.1-11.


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