"Und ich sende die Verheißung meines Vaters..." - Der Prophet Jakob Lorber

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SCHRIFTTEXTERKLÄRUNG
"Und ich sende die Verheißung meines Vaters auf euch.
Bleibt aber in der Stadt, bis ihr angetan werdet mit der Kraft aus der Höhe!"
Lukas 24,49


Dieser Vers hat schon offenkundig in seinem Buchstabensinn, was er innerlich in sich trägt, und gleicht in dieser Hinsicht einem freundlichen Menschen, der sozusagen sein Herz auf der offenen Hand seinen Freunden entgegenträgt, darum ihn auch nicht leichtlich jemand verkennen kann und jedermann auf den ersten Blick errät, was dieser freundliche Mann im Schild führt.
Der gleiche Fall ist es, wie gesagt, mit diesem Text. Denn wenn der Sohn auf-fährt, so kommt in Fülle die Verheißung des Vaters zu denen, die in der wahren Hoffnung aus der Liebe auf solche Verheißung harrten.
Was besagt aber die Auffahrt des Sohnes, damit dadurch den Harrenden und den Zeugen die Verheißung des Vaters zugesandt werde? – Ihr wisst, was unter ‚Sohn‘ zu verstehen ist, die Weisheit des Vaters nämlich. Dem Sohn entspricht hernach auch alles in einem jeden Menschen, was da ein Angehör der Weisheit ist. Dergleichen Angehör ist der Verstand, die Vernunft, allerlei Wissenschaft und Erkenntnis.
Dieses Angehör der Weisheit muss aber zugleich auch in einem jeden Menschen diejenige Demütigung, gleichsam die Kreuzigung durchmachen, muss dann wie getötet in ein neues Grab im Herzen gelegt werden, von da wieder auferstehen und sich dann, dem Vater gänzlich hingebend und auf-opfernd, in die Höhe begeben, um eins zu werden mit dem Vater. Ist solches geschehen, dann erst wird die Verheißung des Vaters, welche ist das ewige Leben, in des Menschen Leben offenbar werden. Das ist der Akt der Wieder-geburt.
Aber nicht zugleich mit diesem Akt erfolgt die Taufe mit dem Geist der Kraft, wie auch niemand sogleich ein Kind nach der Geburt taufen soll, sondern wenigstens einige Tage danach, wie solches bei den Juden auch ehestens erst am achten, zehnten oder zwölften Tag üblich war. Manchmal aber erfolgte die Beschneidungstaufe auch um vieles später; und so wird es denn hier auch zu den Aposteln und Jüngern gesagt, dass sie nach Meiner Auffahrt eine Zeitlang in der Stadt beisammenbleiben sollen, bis die Kraft aus der Höhe über sie kommen wird. Diesen Zustand soll auch ein jeder Mensch beachten und sich nicht eher hinauswagen, als bis er die Taufe des Geistes empfangen hat! Denn ohne diese gleicht der wiedergeborene Geist einem schwachen Kind, das wohl in jeder Hinsicht rein wie ein Engel da ist, aber Mangel habend an der wirkenden Kraft und an der dazu erforderlichen freien Einsicht.
Ihr wisst es, dass die Daniederkunft der Kraft aus der Höhe über die Jünger und Apostel am zehnten Tag nach der Auffahrt erfolgt ist. Was besagt solches wohl? Solches besagt und bezeugt die vollkommene Unterjochung des mosaischen Zehngesetzes im freigewordenen Leben des Geistes. Also muss ja der Geist zuvor von allen Fesseln und Banden freigemacht werden, als bis er das Gewand der göttlichen Kraft aus der Höhe anziehen kann.
Wenn diese über ihn gekommen ist, so ist er dann vollkommen eine neue Kreatur aus dem Geist der Liebe und aller Kraft aus ihr und kann dann erst wirken in der Vollkraft der göttlichen Liebe und Erbarmung. Denn durch solch eine Taufe des Heiligen Geistes aus der Höhe erst wird der Mensch von allen Banden des Todes gelöst und wird eins mit und in Christo und kann dann auch sagen: „Nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir! Nicht mehr ich bin nun mein Ich, sondern Christus Selbst ist das Ich in mir!“
Darum aber muss auch zuvor – wie schon früher gezeigt wurde – alles dem Sohn Entsprechende im Menschen den Weg des Menschensohns gehen, und für jeden heißt es unwiderruflich: „Nimm dein Kreuz und folge Mir nach, sonst kannst du nicht zur Auferstehung und zur Auffahrt zum Vater gelangen!“
Und hierher passt auch wieder unsere Sache auf ein Haar, dass nämlich kein Mensch durch die vielseitige Ausbildung seines Verstandes mit Hilfe wohl-genährter Bibliotheken und hochtrabender Universitätsprofessoren zur Wieder-geburt und zur Taufe des Heiligen Geistes gelangen kann, sondern lediglich nur durch die Demut und große Liebe seines Herzens.
Er muss alles, was er von der Welt hat, bis auf den letzten Heller der Welt zurückgeben, so auch die hochmütig machenden Wissenschaften seines Kopfes, sonst wird es mit der Wiedergeburt und Krafttaufe seines Geistes ganz entsetzlich schmal aussehen.
Glaubt ja nicht, dass jemand schon dadurch sogleich ins Himmelreich eingehen wird, so er auch sein ganzes Vermögen an die Armen verabreicht hätte, und würde aber dennoch bei sich gedenken und sagen: „Herr! Wie ich barmherzig war, so sei auch Du barmherzig gegen mich!“ Wer so spricht, dem fehlt noch ziemlich viel vom Reich Gottes; denn da sind er und Christus noch nicht eins, sondern offenbar zwei, wo der eine dem anderen gewisserart billige Beding-ungen vorschreibt.
Der Ärmste unter euch Menschen bin immer Ich, oder auf Deutsch gesprochen: Am dürftigsten und am ärmsten ist bei jedem Menschen die eigentliche Lebens-kraft seines Herzens. Diese muss zuerst gehörig reichlich dotiert werden, wenn eine andere Dotation nach außen einen Wert haben soll; oder euer Herz muss vollends lebendig werden aus der Liebe zu Mir. Ich Selbst muss eure ganze Liebe ausmachen, dann erst könnt ihr aus dieser Liebe wahrhaft Verdienstliches zum ewigen Leben wirken, und das darum, weil da das Verdienstliche allein Mir zukommt. Ihr aber bleibt bloße reine Konsumenten Meiner Liebe, Gnade und Erbarmung.
Denn sobald noch jemand sagt: „Ich habe getan, und ich habe gegeben!“, da ist er noch fern von dem, der da spricht: „Ich bin allzeit ein fauler und unnützer Knecht gewesen!“ und ist somit auch noch fern von Meinem Reich. Nur wenn er in sich lebendig bekennt und spricht: „Herr, mein Gott und Vater! Ich bin in allem nichts, wie auch alle Menschen vor Dir gar nichts sind, sondern Du allein bist alles in allem!“, dann ist er Meinem Reich nah, und Mein Reich ist nah zu ihm gekommen.
Desgleichen aber beachtet auch ihr alles, was euch da gesagt wird, so werdet auch ihr zur Auffahrt und zur Taufe mit der Kraft Meines Geistes gelangen; denn auch zu euch wird soeben des Vaters Verheißung gesandt. Amen.


Schrifttexterklärungen Kapitel 30



„Da sprach er zu ihnen allen:
Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst
und nehme sein Kreuz auf sich täglich
und folge mir nach.“
Lk 9,23


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