"Es stehen etliche hier, die den Tod nicht kosten werden..." - Der Prophet Jakob Lorber

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SCHRIFTTEXTERKLÄRUNG
"Wahrlich, ich sage euch, es stehen etliche hier, die den Tod nicht kosten werden,
bis sie sehen das Reich Gottes kommen in der Kraft!"
Markus 9,1


Das ist wieder ein etwas längerer Text und braucht daher eine etwas kürzere Erklärung. Man darf nur wissen, wer die einigen sind, die den Tod nicht verkosten werden, bis sie werden kommen sehen das Reich Gottes in seiner Herrlichkeit; weiß man die, so weiß man dann auch schon beinahe den ganzen Sinn dieses Textes. Wer sind also die etlichen? Das sind die Gläubigen und die danach Hoffenden. Wer da fest glaubt, der wird in seinem Glauben auch seine Hoffnung realisiert finden; denn es heißt ja auch: „Wer da Glauben hat so groß wie ein Senfkörnlein und zweifelt nicht an dem, was er glaubt, der kann Berge versetzen mit der Kraft seines Glaubens!“
So werden unter den ‚etlichen‘ die Gläubigen verstanden, und das geht noch ferner aus dem hervor, dass der Gläubige fortwährend von dem Wunsch beseelt ist, das zu sehen mit seinen Augen, was er glaubt. Darum ist denn diese Ver-heißung auch so gestellt, dass sie anzeigt, wie der innere Wunsch solcher Gläubigen soll realisiert werden; und sie sollen nicht eher irgendeinen Tod verkosten, als bis sie das erschauen, was sie glauben.
Was glaubten denn diese etlichen? Diese etlichen glaubten fest, dass Ich der verheißene Messias bin, glaubten auch, dass durch Mich die Herrlichkeit des Reichs Gottes, also eine vollkommene Theokratie auf der Erde gegründet wird und fürder nimmer ein Ende haben wird. Des Menschen Sohn wird die Herr-lichkeit des Vaters auf der Erde übernehmen, und vor Seiner Macht werden sich dann beugen müssen alle Königreiche und alle Knie derjenigen, die unter der Erde, auf der Erde und über der Erde sind. Das war der feste Glaube dieser etlichen. Darum ward es denn auch zu ihnen gesagt, dass sie nicht eher irgend-einen Tod schmecken sollen, als bis sie die Herrlichkeit des Reichs Gottes werden kommen sehen; freilich nicht in der Art, wie sie es glaubten, sondern nur in der Entsprechung ihres Glaubens.
Was meint ihr aber, warum diesen etlichen nach der Anschauung der Ankunft der Herrlichkeit des Reichs Gottes dennoch das Verkosten des Todes beding-ungsweise belassen ist, das heißt, dass sie, nachdem sie die Ankunft des Reichs Gottes werden gesehen haben, dennoch den Tod werden verkosten müssen? Der Grund liegt darin, weil der Glaube für sich, wenn er noch so fest ist, kein Leben erzeugt, wenn er nicht die Liebe voraus zum Grund hat, die allein un-sterblich ist!
Solche etliche gibt es jetzt auch eine Menge auf der Welt, die pur auf den allein seligmachenden Glauben halten, aber nicht bedenken, dass der Glaube nur eine Ausstrahlung des Gnadenlichts Meiner Liebe ist, der wohl vorbereitet und im Inneren so wirkt, wie das Licht wirkt naturmäßig auf der Erde. Wenn es im Sommer stark auffällt, so erwärmt es auch das Erdreich und lockt allerlei Früchte aus demselben; aber das Licht kann nicht immer gleich stark sein, und wenn demnach der Winter anrückt und der Sonnenstrahl schwächer und schwächer wird, da sterben bald alle die Produkte des Sommerlichts ab und werden unter Schnee und Eis begraben.
Warum belebt denn da die Erde im Winter ihre im Sommer so prunkenden Kinder nicht? Warum müssen sie den Tod schmecken, wenn sie auch zuvor die Herrlichkeit des Lichts aus der Sonne empfunden haben? Weil die Erde viel zu wenig eigene Wärme besitzt.
Gerade so steht es auch mit den Glaubenshelden. Sie glauben fest und sind voll Eifer und voll Tätigkeit, solange sie von Meinem Gnadenstrahl durchleuchtet und erwärmt werden; wenn sie aber dann auf die Probe gestellt werden, wie viel der eigenen Wärme sie in sich haben, da werden sie welk, die Früchte samt den Blättern fallen von den Bäumen, und sie stehen nackt und kahl da, und statt der früheren Früchte rastet bald Schnee und Eis über ihren Ästen und Zweigen. In Meinem höchsten Sommergnadenlicht erblicken sie sicher die Herrlichkeit Meines Reichs in den Früchten, die sie aus diesem Licht bringen; aber diese Früchte sind fremden Ursprungs, das heißt, sie werden nicht durch die Kraft der eigenen Wärme erzeugt, und darum bleibt die Verkostung des Todes unfehlbar im Hintergrund.
Aber nicht so steht es mit denen, welche in ihrem Inneren in ihrer großen Liebe zu Mir selbst eine Sonne haben; zu denen sage Ich: Wahrlich, wahrlich, die Mich lieben und sind tätig nach Meinem Wort, die werden den Tod in Ewigkeit weder fühlen noch irgend schmecken! Der Glaube kann auch durch die Lesung rechter Bücher erreicht werden; aber die Liebe kommt nur aus dem Herzen. Daher fragt auch ihr mehr euer Herz als die Bücher, wie dieses gegen Mich beschaffen ist, und ihr werdet dann nicht zu den etlichen gehören. Solches bedenkt allzeit! Amen.


Schrifttexterklärungen Kapitel 22


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