"Er kam aber in sein Eigentum..." - Der Prophet Jakob Lorber

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SCHRIFTTEXTERKLÄRUNG
"Er kam aber in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf."
"Pilatus antwortete: 'Was ich geschrieben, habe ich geschrieben!'"
Johannes 1,11 und 19,22


Wer kam in Sein Eigentum, und die Seinen nahmen Ihn nicht auf? Wer der ‚Er‘ ist, wird hoffentlich bekannt sein; Sein Eigentum sind die Menschen, wie sie sein sollten in der von Mir aus geschaffenen Ordnung, liebtätig nämlich gegen ihre Brüder und voll Ernst der Liebe gegen Gott, ihren Schöpfer.
„Aber die Seinen nahmen Ihn nicht auf.“ Die Seinen sind, die Er von An-beginn zumeist für Sich erzogen hatte und hat zu ihnen allzeit gesandt Lehrer und Propheten und hat sie geführt und geleitet wunderbar.
Warum nahmen sie Ihn denn nicht auf? Weil Er sie die wahren Wege der tätigen Liebe zum ewigen Leben lehrte; die Seinen aber waren Freunde der Trägheit, Freunde des Wohllebens und Freunde der Herrschaft und Herrlich-keit, und diese vereinbart sich nicht mit der Lehre von der Demut und der tätigen Liebe.
Sie sprachen: „Wir haben Moses und die Propheten, welche wir lesen; was brauchen wir da mehr? Was brauchen wir von dir, der du den Sabbat schändest und gering achtest Moses und die Propheten, indem du ihre Satzungen nicht hältst? Ist es nicht genug, so wir die Schrift lesen und studieren und darüber ellenlange Erklärungen schreiben? Was willst du von uns für eine andere, Gottes würdigere Tätigkeit? Ist Gott nicht ein Geist, dessen Wesen man sich unter keinem Bild vorstellen soll? Wie sollte man diesen wohl würdiger ehren und preisen, als wenn man Sein Wort, welches Er durch Moses und die Propheten geredet hat, fortwährend von Anfang bis zu Ende liest und dasselbe sich selbst und anderen erklärt, damit Gott in Seinem Wollen stets klarer und klarer begriffen werde?
Was machst du aus dir selbst? Wir haben Abraham zum Vater und haben Moses und die Propheten, bist du denn mehr denn diese? Was willst du uns lehren, das uns diese nicht gelehrt hätten?
Was ist wohl des Menschen Liebetat vor Gott? Sie ist nichts als ein eitler Gedanke. Der Mensch kann nichts tun; denn in Gott allein wohnt alle Tatkraft. Also bist du ein falscher Lehrer und ein falscher Prophet und bist ein Volks-aufwiegler!
Wir haben die Schrift vom Alpha bis zum Omega in unserem Kopf; ist das nicht Tätigkeit genug? Oder sollten wir etwa die Schrift nicht studieren und dadurch gering achten die heilige Gabe, welche uns der Herr Gott Zebaoth durch Moses und die Propheten beschieden hat?
Du bist einer, der dem göttlichen Willen widerstrebt und sich dennoch für einen Lehrer und Propheten Gottes ausgibt! Steht es aber nicht geschrieben, dass ein jeder falsche Prophet und Zauberer mit dem Feuertod bestraft werden soll?
Dieser gemeine Zimmermannssohn, der kaum zu lesen versteht und ebenso wenig etwa imstande ist, seinen Namen zu schreiben, unterfängt sich, uns alten Schriftgelehrten eine Lehre, welche dem Geist Mosis schnurgerade entgegen-strebt, aufzubürden!“
Seht, das sind eine Menge Entgegnungen, laut welcher Derjenige, der in Sein Eigentum gekommen war, von den Seinigen nicht aufgenommen wurde.
Warum? Weil Ihn die Seinigen, wie es auch geschrieben steht, nicht erkannt haben!
Warum aber erkannten sie Ihn nicht? Weil sie nur pure Leser und Auswendig-lerner, aber nie Täter des Wortes Gottes waren.
Auf dieselbe Weise komme Ich auch jetzt fortwährend in Mein Eigentum; aber die Meinen wollen Mich nicht aufnehmen und erkennen, dass Ich es bin!
Warum wollen sie denn das nicht? Weil ihnen auch, im besten Fall sogar, das Lesen und Hören, wie auch das Angaffen Meiner Werke lieber ist als eine kleine Tätigkeit nach Meinem Wort. Daher aber wird auch der Geist in Meinem Eigentum, welches das Herz ist, nicht lebendig und erkennt Mich nicht, weil Mich Mein Eigentum nicht lebendig tätig aufnehmen will.
Ich aber sage: Alle diese Schriftgelehrten werden dereinst auch sagen: „Herr! Herr! Wir haben ja in Deinem Namen aus Deinem Wort heraus geweissagt, gepredigt und gelehrt!“
Ich aber werde zu ihnen sagen: „Weicht von Mir; Ich habe euch noch nie erkannt! Wer euch zu Lehrern und Weisen gedungen hat, zu dem geht auch hin, damit euch euer Lohn werde! Ich kam wohl zu euch und habe bei euch an die Tür Meines Eigentums geklopft; aber niemand von euch sprach: ‚Komm herein, und belebe unseren Geist, auf dass wir tätig und kräftig werden möchten nach Deinem Wort!‘ Ihr begnügtet euch mit den Schätzen eures Kopfes; aber Meine Scheuern in eurem Herzen habt ihr leer gelassen und habt all Mein Eigentum in euch verwirkt. Daher mögt ihr nun ‚Herr! Herr!‘ schreien, wie ihr wollt, so mag Ich euch aber dennoch nicht erkennen; denn die Meinen erkenne Ich an Meinem Eigentum in ihnen. Ihr aber habt kein Eigentum aus Mir in euch; darum mag Ich euch auch nicht erkennen!“
Pilatus bekannte Mich auch auf diese Weise: Er heftete das Zeugnis seines Bekenntnisses über den schmählich Getöteten, während er früher den Lebendigen geißeln und ans Kreuz heften ließ. Sein Bekenntnis steht auch geschrieben, und zwar über dem Haupt des Gekreuzigten zum Zeugnis für alle die, welche das Bekenntnis Gottes wohl in ihrem Kopf, aber keines in ihrem Herzen tragen. Über ihrer Stirn steht es wohl geschrieben: „JESUS NAZARENUS, REX JUDAEORUM“, und sie beharren auch auf dieser Inschrift, welche so viel sagt als: „Herr! Herr!“; aber im Herzen ist keine Inschrift, welche da sagen möchte: „O Herr, sei mir armen Sünder gnädig und barmherzig!“ „Vater unser“ ist im Kopf; aber „Lieber Vater“ ist nicht im Herzen.
Pilatus beharrte wohl auf seiner Inschrift und wollte keine andere hinaufsetzen; denn er sprach selbst: „Was geschrieben ist, das ist geschrieben!“ Warum erwies er aber dem Lebendigen früher nicht die Ehre wie hernach dem Toten?
Der Grund liegt in dem, warum auch alle die Gelehrten lieber bei ihren Kopf-begründungen und der daraus hervorgehenden toten Verehrung verbleiben, als nur in die geringste lebendige Tat der wahren Liebe eingehen wollen. Denn sie sind Zwielichtler, welche glauben oder vielmehr der Meinung sind: „Ist an der Sache etwas, so wollen wir durch unser Bekenntnis ihr nicht in den Weg treten; ist aber an der Sache nichts, so haben wir so oder so dadurch nichts verloren. Denn bringt man dem eine Ehre, das da irgend sein soll, so gewinnt man, wenn ‚es‘ ist, und verliert nichts, wenn ‚es‘ nicht ist.“
Desgleichen dachte auch Pilatus: „Ist der Gekreuzigte ein höheres Wesen, so habe ich ihm meine Ehre bezeigt; ist er es aber nicht, so bin ich auch gerecht-fertigt; denn in dem Fall dient meine Inschrift als ein amtliches Pasquill, aus dem jeder ersehen kann, aus welchem Grund dieser hier gekreuzigt ward.“
Meint ihr, dass bei Mir der erste Grund gelten wird, so es mit dem zweiten seine geweisten Wege hat? Ich sage euch: Da wird es vorzüglich darauf an-kommen, dass diejenigen, die so zu Mir „Herr! Herr!“ rufen, von Mir sicher nicht angehört, erkannt und angenommen werden. Denn das Bekenntnis des Kopfes wird niemand dem ewigen Leben auch nur um ein Haar näher bringen; denn wer zu Mir will, der muss Mich vorher durch die lebendige Liebe in sich aufnehmen, und seine eigene Liebe zu Mir wird es ihm sagen, dass Ich bin und zu ihm komme und ihm gebe das ewige Leben.
Niemand aber kann das lieben, das nicht ist; wohl aber kann er in seinem Kopf über alles Nicht-Seiende verschiedene Phantome aufstellen, und so auch Mich Selbst darunter. Aber da bin Ich nicht, und da wird Mich auch nie jemand finden und wird nie zur lebendigen Überzeugung von Mir und vom ewigen Leben gelangen; denn da hänge Ich tot unter der Inschrift Pilati!
Nur wer da ein Täter Meines Worts sein wird, der wird an Meinem Grab, da er den Toten suchte, mit der Flamme seines Herzens den Auferstandenen und den ewig Lebendigen finden!


Schrifttexterklärungen Kapitel 10




„Wer aber durchschaut in das vollkommene Gesetz der Freiheit
und darin beharrt, und ist nicht ein vergesslicher Hörer,
sondern ein Täter, der wird selig sein in seiner Tat.“   

Jak.1,25


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