"Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch..." - Der Prophet Jakob Lorber

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SCHRIFTTEXTERKLÄRUNG
"Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.
Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht."
Johannes 14,27


Wenn jemand diesen Text nicht versteht, obwohl er überaus klar ist, so liegt der Grund lediglich darin, dass er seiner eigenen Zunge nicht völlig mächtig ist und nicht weiß, was so eigentlich der Friede ist.
Wer den Frieden für eine Ruhe hält, sowohl im Gemüt als auch im gegen-seitigen Handeln der Menschen, der ist in einer sehr großen Irre. Wenn z.B. zwei Völker miteinander Krieg führen, wann wohl werden sie Frieden machen? Sicher nicht eher, bis der Mut des einen Teils den anderen besiegt hat, welch besiegter Teil sich dann dem Sieger unterwirft, wodurch dann beide Teile Ruhe haben und in dieser Ruhe erst den Frieden.
Wenn ein Schwacher zur Nachtzeit durch einen Wald geht, so wird er voll Furcht und sein Gemüt voll Unruhe, und er wird im größten Unfrieden seiner Seele die nächtliche Wanderung durch den Wald machen. Wenn aber ein voll-kommen geharnischter Riese Goliath denselben Weg um die Mitternachtszeit macht, so hat er nicht nur keine Furcht, sondern nur die größte Beherztheit und in ihr den unerschütterlichsten Mut, es mit allem vollkommen siegreich aufzu-nehmen, was ihm nur irgend feindlich entgegenkommen möchte. Dieser vollste Mut gibt seinem Gemüt die größte Ruhe und Furchtlosigkeit und der Seele den unbestreitbarsten Frieden, den ihm kein begegnender Feind wegnehmen kann.
Wenn irgendein armer, mittelloser Mensch in das Haus eines reichen Weltherrn käme und möchte da um die Hand einer Tochter dieses reichen Weltherrn an-halten, wie wird er da zaghaft sich dem Haus nähern. Sein Gemüt wird voll Un-ruhe sein und voll Furcht seine Seele, so dass er an Ort und Stelle kaum ein Wort wird herauszubringen imstande sein ob des starken „Unfriedens“ seiner Seele! Aber mit welch' ganz anderer Gemütsbeschaffenheit wird sich ein eben-bürtiger Fürstensohn diesem Haus nähern! Voll Mut und voll der sichersten Überzeugung wird er in dies Haus treten, wohl wissend, dass er in diesem groß-herrlich reichen Haus nur mit der größten Zuvorkommenheit aufgenommen wird, ob seiner noch größeren Schätze, seiner Macht und seines Ansehens.
Sonach aber stellt sich nun heraus, dass der Friede nichts anderes ist als der volle Mut der Seele, den sie aus der Zuversicht schöpft, aus der sie sich solcher Fähigkeiten bewusst ist, mit denen sie jeder wie immer geartet sein sollenden, möglicherweise vorkommenden feindlichen Begegnung siegreich entgegen-sieht. Wem demnach diese Fähigkeiten fehlen, dem fehlt natürlich auch das Vertrauen und die Zuversicht auf solche Fähigkeiten. Wo aber kein Vertrauen und keine Zuversicht, da ist auch kein Mut und so auch kein Friede.
Wenn Ich daher im Evangelium sage: „Frieden lasse Ich euch, Meinen Frieden gebe Ich euch“, so heißt das so viel als: Meine Fähigkeiten, Mein zuversicht-liches Vollvertrauen auf dieselben und somit Meinen vollsten Mut lasse und gebe Ich euch; natürlich einen Mut, den die Welt nicht kennt, nicht hat und so auch nicht geben kann.
Die Wirkung dieses Muts aber sei, dass euer Herz nicht furchtsam und nicht unruhig werde bei was immer für feindlichen Begebnissen, die euch hier und da begegnen können. Ich meine, das wird doch klar genug sein!
Trachtet daher aber auch ihr nach solchen Fähigkeiten, aus denen euch ein gleicher evangelischer, wahrer Friede werden soll! Das sagt der wahre „Held des ewigen Friedens“. Amen.


Himmelsgaben Band 2, Kundgabe vom 24.06.47, S.363


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