Jakob Lorber Feste im Jahreskreis Karfreitag - Der Prophet Jakob Lorber und seine Verkündungen ... Jakob Lorber

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Jakob Lorber Feste im Jahreskreis Karfreitag

Feste im Jahr > Ostern

Die Erzählung vom Leiden und Sterben des Herrn, Bibelstellen:

Jesus Verhör und Verurteilung:
Matthäus 26,57 – 27,26
Markus 14,53 – 15,15
Lukas 22,54 – 23,25
Johannes 18,13 – 19,16

Jesus Hinrichtung:
Matthäus 27,26-56
Markus 15,15-41
Lukas 23,23-45
Johannes 19,13-37

Jesus Grablegung:
Matthäus 27,57-66
Markus 15,42-47
Lukas 23,50-56
Johannes 19,38-42


Die sieben Worte Jesu am Kreuz

1.Wort: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!“ (Lk 23,34)
Von den Pharisäern, vom Hohenpriester Kaiphas angefangen bis zu den Schergen, die Meinen Leib ans Kreuz geheftet haben, wusste wahrlich keiner, mit wem sie es so ganz eigentlich an Mir zu tun hatten. Denn die Pharisäer hielten Mich trotz aller Meiner Taten und Lehren erstens für einen Hauptmagier aus der Schule der Essäer, die bei ihnen über die Maßen verhasst waren, und fürs zweite hielten sie Mich für einen Judenaufwiegler, als der Ich den Römern eine Gelegenheit bereite, damit sie den Juden alle Freiheit und am Ende sogar ihren Religionskultus verböten. Je größere Zeichen Ich demnach wirkte, desto mehr wuchsen Meine euch wohlbekannten Feinde.
Was aber die Schergen betrifft, so waren die meisten Soldaten der Römer als Söldlinge von allen Nationen des Römischen Reiches zusammengerafft und waren den Römern um so lieber und wünschenswerter, je grausamer und herzloser sie sich in den Schlachten und auch bei kleinen Exekutionen zeigten; denn ein gefühlvoller römischer Soldat wäre ein wahres Unding für den kriegerischen Sinn der Römer gewesen. Aus dem geht aber auch sicher hervor, dass die gemeinen römischen Söldlinge noch weniger wussten, was sie taten, als Meine euch schon bekannten Erzfeinde selbst. (HiG.03_64.03.19,06-07)

2.Wort: „Mich dürstet!“ (Joh 19,28)
„Mich dürstet!“ Wonach? Nach der Liebe, die die Welt nicht hat, – darum sie Mir auch nur Essig und Galle zur Stillung Meines Durstes statt des belebenden Wassers reichte und noch bis jetzt fortan immer reicht.
„Mich dürstet!“ Wonach? Nach dem Leben, das Ich Selbst ursprünglich von Ewigkeit Selbst bin, und das Ich in so reichlicher Fülle von Urbeginn an ewig zahllose Wesen verschwendet habe!
Also nach diesem Leben dürstet Mich! Endlos vielfach ist dieses Leben in den Tod übergegangen. Ich kam, um es dem Tode zu entreißen. Darum dürstete Mich gar sehr im Augenblick der großen Erlösung nach diesem verschwendeten Leben; aber der Tod hatte so sehr überhandgenommen, dass ihn das ewig lebendige Blut der Liebe nicht zu erwecken vermochte!
Als Ich verlangte zu trinken das Leben, da gab man Mir aber dennoch nicht das Leben, sondern man gab Mir zu trinken den Tod! Essig und Galle war der Trank; Essig als das Symbol des Zusammenziehenden und Verhärtenden und die Galle als das Symbol des Hasses, Zornes und Grimmes.
Dieses Bild ist klar und deutlich dargestellt, und wir wollen sehen, wie es fürderhin für unsere Sache taugt. Sehet, also rufe Ich zu aller Welt, wie zu euch, fortwährend: „Mich dürstet!“, oder was ein und dasselbe ist: „Liebet Mich, gebet Mir zu trinken eure Liebe! Liebet Gott über alles und euren Nächsten wie euch selbst! Das ist das Wasser des Lebens, danach Mich in euch dürstet.“
Frage: Reichet ihr Mir wohl dieses Wasser? Oder reichet ihr Mir nicht vielmehr auch Essig und Galle?
Das wenige, das Ich von euch verlange, ist nichts als die Liebe und die Tat danach. Wenn ihr aber anstatt der wahren, lebendigen Liebetat nur leset und dabei nichts tut, außer was eurem Weltsinne so oder so zusagt, – Frage: Ist das nicht Essig mit Galle, das ihr Mir an Stelle des lebendigen Wassers reicht? Ja, Ich sage euch: Je mehr ihr zusammenleset und dabei aber nichts tut, als was euch nach eurem Sinne weltlich erfreut, desto saurer wird der Essig und desto bitterer die Galle. (Ste.01_005,04-11)

3.Wort: „Mein Gott! Mein Gott! Warum hast Du Mich verlassen!“ (Mt 27,46 + Mk 15,34)
Aber sehet, eben da, wo die Liebe und das Leben in der unendlichen Entfernung von Gott schwach geworden ist, da erbarmte sich Gott Seiner Liebe selbst, stärkte Sie und gebot Ihr, den vorgesetzten Kelch zu leeren, und sprach insgeheim zu Ihr: „Noch sind zwischen Mir und Dir die Extreme der Unendlichkeit nicht berührt; daher senke Dich hinab in die äußerste Tiefe des Todes, welcher ist die äußerste Grenze im Gegensatze zu Meiner Heiligkeit, damit Ich Dich da wieder erfassen kann, da der ewige Kreis Meiner Heiligkeit sich schließt.“ – Sehet, so ging Ich dann geduldig diesem Ziele entgegen, allwo Ich in dieser unendlichen Entfernung von Gott am Kreuze ausrief: „Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen?“ (HiG.03_40.12.06,15)

4.Wort (zu Johannes): „Maria, siehe dein Sohn! Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19,26+27)
„Jesus nun, der Seine Mutter sah und den Jünger dastehen, den Er liebhatte, spricht zu Seiner Mutter: ‚Weib, siehe, dein Sohn!‘ Danach spricht Er zu dem Jünger: ‚Siehe, deine Mutter!‘ Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.“
Es ist bei euch auf der Welt ja auch üblich, so jemand seines Leibes Tod vor Augen sieht, dass er mit seinem Nachlasse irgendeine letzte Willensanordnung trifft, die bei euch unter dem Namen ‚Testament‘ vorkommt. Also war es ja auch bei Mir notwendig der Fall, dass Ich mit Meinem Nachlasse eine letzte Willensanordnung treffen musste. Maria, Meines Leibes Gebärerin, war ein solcher Nachlass, und sie musste doch für ihre noch übrigen Lebenstage auf der Erde eine nötigste Versorgung haben. Es dürfte freilich hier und da jemand fragen: „Hatte denn der Joseph gar nichts hinterlassen? Er selbst hatte ja Kinder, eigene und auch fremde, die er auferzogen hatte; konnten diese denn nicht auch sorgen für die Maria?“ Darauf kann erwidert werden: Joseph hatte fürs erste nie ein völliges Eigentum besessen und konnte somit auch keines hinterlassen. Seine Kinder, sowohl die eigenen als auch die aufgenommenen, befanden sich fürs zweite selbst in der größten Armut und sind Mir zumeist nachgefolgt; und darunter war eben auch Johannes selbst, der sich viel im Hause des Joseph aufhielt und gleichsam ebenfalls ein Züchtling dieses Hauses war. Denn sein Vater war noch dürftiger als Joseph selbst und gab daher seinen Sohn dahin, dass er erlernen möchte die Kunst Josephs. Er erlernte sie auch und war ein recht geschickter Zimmermann und Schreiner zugleich und wusste auch mit dem Drechseln umzugehen. Zudem hatte er die Maria, so wie Mich, und das ganze Haus Josephs ungemein lieb, und Maria konnte keinen besseren und getreueren Händen anvertraut werden als eben diesem Sohne des Zebedäus. Seht, das ist nun das ganz natürliche Testament, und das ist demnach auch der ganz naturgerechte Buchstabensinn dieser Meiner Worte vom Kreuze.
Da aber diese Worte nicht nur allein der Mensch Jesus, sondern der Sohn Gottes oder die ewige Weisheit des Vaters geredet hat, so liegt hinter ihnen freilich noch ein ganz tiefer und allerhöchst göttlich-geistig-himmlischer Sinn, den ihr aber freilich je ebensowenig in seiner Volltiefe werdet zu erfassen imstande sein wie so manchen anderen Tatengrund des Gottmenschen. Ich kann euch daher nur Andeutungen aus dem Gebiete der Weisheit darüber geben. Forschet aber dann nicht zu viel darinnen; denn ihr wisset, dass sich Dinge der Weisheit nie so begreifen lassen wie Dinge, die aus der reinen Liebe hervorgehen, wie euch solches schon die Natur zeigt. Ihr könnt allda wohl die leuchtenden Dinge wie die glänzenden erfassen, sie hin und her legen und betrachten von allen Seiten; könnt ihr aber wohl auch solches tun mit den freien Lichtstrahlen, die den leuchtenden Körpern entströmen? Diese Strahlen führen die Abbilder von zahllosen Dingen unverfälscht mit sich, wovon euch die neuentdeckten Lichtbilder einen hinreichenden Beweis geben. Fraget euch aber selbst, ob ihr trotz allen Mühens mit euren Sinnen in den freien Strahlen solche Bilder entdecken möget. Sicher werdet ihr diese Frage verneinend beantworten müssen. Daher gilt auch der frühere Wink, dass ihr über gegebene Dinge aus der Weisheit nicht zu viel Spekulationen machen sollt; denn ihr werdet da noch weniger ausrichten als bei der allfälligen Beschauung der Gebilde in den freien Lichtstrahlen.
Ihr könnt zwar optische Vorrichtungen machen, durch die der freie Strahl genötigt wird, sein getragenes Bild eurer Beschauung auszuliefern; habt ihr aber auch eine optische Vorrichtung, durch welche die Bilder der Strahlen aus dem Urlichte in ihrer Tiefe abgeprägt werden können? Ja, ihr habt wohl eine solche geistig-optische Vorrichtung in euch, aber diese fängt erst dann an wirksam zu werden, wenn ihr des Weltlichtes völlig ledig werdet. Die Welt muss eher in die volle Finsternis übergehen, bevor das Licht des Geistes seine getragenen Bilder in eurem Geiste wohlbeschaulich abgibt. Eure eigenen Träume geben euch davon einen gültigen Beweis, und die Gesichte der Verzückten oder, nach eurem Ausdruck, der Somnambulen liefern einen noch haltbareren und klareren Beweis.
Diese Vorerinnerung war notwendig, und so können wir zu den betreffenden Andeutungen über diese Worte am Kreuz übergehen. „Weib, siehe deinen Sohn!“ und: „Sohn, siehe deine Mutter!“ heißt tiefer soviel als: „Du Welt, siehe des Menschen Sohn, und du Menschensohn, siehe an die Welt, und richte sie nicht, sondern erweise ihr Liebe!“Tiefer gesprochen: „Du göttliche Weisheit, neige dich hin zu deinem ewigen Urgrunde, und du, ewiger Urgrund, siehe an und nimm auf zur Einswerdung deinen ausstrahlenden Sohn!“Weiter: „Du Eine, die du einst das Allerheiligste trugst, siehe an den Tod deines Werkes, und Du Getöteter, so Du auferstehen wirst, gedenke der, die einst das Allerheiligste, das Licht der ewigen Liebe nämlich, trug!“
Sehet, in diesen kurzen Andeutungen liegt die unendliche Tiefe, die kein geschaffenes Wesen je völlig erfassen wird, weil der Inhalt dieser Tiefe an und für sich schon unendlich ist und sich dazu noch in einem jeden Augenblick verunendlichfältigt. So viel aber sagte Ich euch darüber darum, auf dass ihr daraus ersehen sollet, dass Derjenige, der solches vom Kreuze herab geredet hat, mehr war als nach der Meinung vieler ein bloß einfacher israelitischer Delinquent unter dem Scharfgerichte Roms, weil Er als ein Volksaufwiegler und Rebell gegen Rom angeklagt ward. Das ist demnach der tiefere geistige Sinn. Ihr aber bleibet für euch bei dem natürlichen Testament! Denn auch ihr seid Meine Jünger, und die Armen der Welt sind Meine Mutter. Und so sage Ich auch zu dieser Mutter: „Siehe, deine Söhne!“ Und zu euch sage Ich: „Sehet, eure Mutter!“ Wahrlich, wenn ihr da tun werdet gleich dem Johannes, so sollt ihr auch seinen Lohn haben ewig! Amen. (Ste.01_032,01-20)

5.Wort (zu dem Gekreuzigten an Seiner Seite): „Heute noch wirst du mit Mir im Paradiese sein!“ (Lk 23,43)
Ich sage euch, fürwahr, ein reumütiger Blick zum guten Vater genügt, um der Hölle für alle Ewigkeit zu entrinnen! – Seht an den Missetäter am Kreuz, er war ein Räuber und Mörder; aber da blickte er zum Herrn empor und sprach mit großer, schmerzlicher Zerknirschung seines Herzens: „O Herr! Wenn Du in Dein Reich kommst und wider uns große Missetäter zu Gericht ziehen wirst, da gedenke meiner und strafe mich nicht zu hart für meine großen Missetaten, die ich verübt habe!“ Und seht, der große, allmächtige Richter sprach zu ihm: „Wahrlich, heute noch sollst du bei Mir im Paradies sein!“
Aus diesem wahrhaftigen Begebnis kann doch hoffentlich ein jeder nur einigermaßen gläubige Christ entnehmen, wie überaus wenig es im Grunde bedarf, um die ganze allerunterste, mächtigste Hölle auf ewig zu unterjochen. (GS.02_117,14-16)

6.Wort: „Vater, in Deine Hände empfehle Ich Meinen Geist!“ (Lk 23,46)
Dieses Leiden dauerte bis auf den Punkt, da Ich am Kreuz ausrief: „Es ist vollbracht! Vater, in Deine Hände empfehle Ich Meinen Geist!“ – oder mit andern Worten: „Siehe Vater! Deine Liebe kommt zu Dir zurück!“ – Und sobald wurden von der unendlichen Macht Gottes alle Bande des Todes und der Hölle zerrissen. Hinaus stürmte die ewige Macht mit verunendlichfältigter Gewalt. Die ganze Erde bebte, angerührt von der Allgewalt Gottes. Freiwillig öffnete sie ihre Gräber und trieb die Gefangenen zum Leben hervor. Und weiter drang dieselbe Allgewalt über alle sichtbare Schöpfung hinaus, erfüllte in diesem Augenblick die Unendlichkeit wieder. Und alle Sonnen in allen endlosen Räumen zogen ihr Licht aus übergroßer Ehrfurcht vor der sie neu berührenden Allgewalt Gottes in sich zurück. Dass aber die Gottheit bei diesem neuen Austritt in diesem Augenblick nicht alles zerstört und vernichtet hat, war allein die Liebe schuld, die da nun völlig wieder mit ihr vereinigt war. (HiG.01_41.04.09,13-14)

7. Wort: „Es ist vollbracht!“ (Joh 19,30)
Es heißt dann freilich: „Es ist vollbracht!“ Aber was? – Mein eigener Kampf um euch; denn mehr kann Ich nicht tun, als euer Schöpfer, Gott und Herr und das ewige Leben Selbst euren Tod auf Mich nehmen! Dass aber Ich nicht getötet werden kann in Meinem ewigen Geiste, das braucht keiner weiteren Erklärung. Nur den Kampf für euer Leben kann Ich bis zur endlos höchsten Stufe treiben. Aber da ihr selbst endlich seid, so muss auch dieser Kampf irgend ein möglich höchstes Ziel haben. Ist dieses Ziel erreicht, dann ist der Kampf vollbracht, von Mir aus betrachtet, – aber nichtsdestoweniger etwa auch bei euch, die ihr Mir, dem vollbringenden Kämpfer um euer Leben, aus lauter Dankbarkeit statt des lebendigen Liebewassers nur Essig mit Galle reichet.
Es ist freilich vollbracht; aber nicht für euch, sondern leider nur für Mich Selbst, oder: Ich habe für euch alles getan, was nur immer in der göttlichen Möglichkeit steht; darum habe Ich Mein Werk um euch vollbracht. Aber tut auch ihr danach, dass dieses Werk in euch vollbracht wäre? O ja, – ihr leset fleißig, ihr schreibet auch fleißig, ihr besprechet euch auch gern von Mir; aber wenn Ich sage: „Widmet Mir an Stelle eurer gewissen Weltgedanken und an Stelle eurer so manchen Welterheiterungen nur eine volle Stunde am Tage; heiliget sie dazu, dass ihr euch in derselben mit nichts als nur mit Mir in eurem Herzen abgebet!“, – oh, da werdet ihr hundert Anstände für einen finden, und hundert weltliche Gedanken werden sich um einen einzigen schwachen geistigen wie ein Wirbelwind drehen! Allerlei weltliche Rücksichten werdet ihr da zum Vorschein bringen; und wenn sich auch jemand für eine solche Stunde entschließen möchte, so wird er sich sicher nicht zu sehr freuen auf diese, sondern wird vielmehr eine kleine unbehagliche Scheu vor derselben haben und wird dabei fleißig die Minuten auf dem Zifferblatt seiner Uhr zählen und nicht selten mit Ungeduld auf das Ende des Mir geweihten Stündleins harren. Und käme da nur irgendein unbedeutendes Weltgeschäftlein dazwischen, so wird das Stündlein entweder gar kassiert oder wenigstens in eine solche Periode des Tages versetzt, in welcher sich gewöhnlich schon der wohltätige Schlaf über die Sterblichen senkt, und in welcher, besonders beim weiblichen Geschlecht, keine angenehmen Besuche mehr zu erwarten und keine nervenstärkenden Promenaden mehr zu unternehmen sind. Sehet, das alles ist Essig und Galle! Und es ist in euch dadurch nicht vollbracht, wenn Ich zufolge Meiner unendlichen Liebe alles Erdenkliche tue, um euch auf den rechten Weg des Lebens zu bringen; denn zur Vollbringung in euch ist nötig, dass ein jeder sich selbst verleugne aus wahrer Liebe zu Mir, sein Kreuz auf sich nehme und Mir treulich nachfolge.
Wer aber tut das? Das weibliche Geschlecht kann wohl, wenn es gut geht, den ganzen Tag für den Leib stechen und heften und kann sich putzen und nicht selten über die Maßen freuen auf irgendeinen Besuch; aber wenn Ich dazu sagen möchte: „Bleibet daheim in eurem Kämmerlein, und gedenket in eurem Herzen Mein!“, da werden sie traurig, lassen ihre Gesichter hübsch weit herabhängen und sagen: „Aber auf der Welt haben wir doch nichts Gutes!“ Frage: Ist das nicht Essig und Galle, wie sich's gehört? Oder halten solche weiblichen Menschen in ihrem Herzen nicht eine noch so nichtssagende Welterheiterung höher denn Mich? Haben solche Menschen auch in sich vollbracht, wie Ich am Kreuze für sie den großen Kampf vollbracht habe? Gebet ihnen angenehme Bücherchen mit allerlei Histörchen, die Meinetwegen auf Mich Bezug haben sollen; sie werden sie recht gern lesen, besonders wenn darin dann und wann von einer romantischen Heirat die Rede ist oder darin wunderbare Märchen vorkommen. Gebt ihnen aber nur ein etwas ernster abgefasstes Büchlein; das werden sie gerade mit einem solchen Appetit lesen, als mit welchem da frisst ein an gute Speisen gewöhnter Hund eine ihm dargereichte dürre Brotkrume, die er höchstens anschnüffelt, sie aber dann bald mit gesenktem Schweif und hängenden Ohren verlässt. Da aber das Tun doch immer noch etwas Ernsteres ist als das alleinige Lesen selbst des ernstesten Buches, so erklärt sich die Sache von selbst, mit welcher Schwierigkeit da das Tun wird zu kämpfen haben.
Es gibt viele, die eine gute Musik gern von Künstlern hören; aber wie wenige darunter wollen sich dahin selbstverleugnen, um durch ein angestrengtes Studium selbst Künstler zu werden. Es ist leicht das Hören und nicht schwer das Lesen und ebenso leicht das Zuschauen; aber das Selbsttun ist für jedermann von keinem großen Reiz. Was nützt aber jemandem das Wissen und Nicht-Tun-danach? Sehet, das alles ist Essig mit Galle und bringt das Vollbringen nicht zuwege! In Mir wohl, indem Ich jedermann alles Erdenkliche dazu gebe, – aber nicht in dem Menschen, der das nicht also und dazu benutzen will, wie und warum Ich es ihm gebe. Daher seid nicht eitle Hörer, sondern Täter des Wortes! Denn nur als Täter löschet ihr Meinen Durst mit dem lebendigen Liebewasser, sonst aber reichet ihr Mir allzeit Essig und Galle. (Ste.01_005,12-26).

Zusammenstellung 06/2011

„Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen,
mit der alle Völker verhüllt sind,
und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind.
Er wird den Tod verschlingen auf ewig.
Und Gott der Herr wird die Tränen
von allen Angesichtern abwischen
und wird aufheben die Schmach
seines Volkes in allen Landen.“

Jesaja 25,7-8



Dieser ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu (Lk 23,53)

Joseph von Arimathia ging hin zu Pilatus und bat um des Herrn Leichnam, der ihm von Pilatus auch gegeben ward. Dieser Joseph von Arimathia war ein Freund des Nikodemus und tat solches mehr im guten Namen seines Freundes als in seinem eigenen. Denn Nikodemus war ein großer, geheimer Verehrer Christi, aber aus einer gewissen Furcht vor den Hohenpriestern und Pharisäern getraute er sich nicht, solches ganz offenbar zu unternehmen; daher übertrug er solches seinem Freunde, der ebenfalls auch ein großer Freund Christi war, aber ganz im geheimen. Diese kurze Aufklärung ist notwendig, damit man das Folgende klarer fasse.
Wie passt denn aber demnach dieser Text und überhaupt diese kleine Begebenheit auf unsere Sache? Stellet euch unter ‚Nikodemus‘ die verborgene Liebe zum Herrn vor; unter ‚Joseph von Arimathia‘ aber stellt euch vor den Glauben an den Herrn.
Was ist der Glaube bezüglich der Liebe? Er ist derselben Handlanger. Also war auch Joseph von Arimathia hier ein Handlanger des den Herrn geheim liebenden Nikodemus.
Was verlangte aber der Glaube von Pilatus? Er verlangte den Leichnam des Herrn, wickelte ihn, als er ihn vom Kreuze genommen hatte, in weiße Linnen, nachdem er den Leichnam zuvor mit köstlicher Spezerei gesalbt hatte, und legte ihn dann in ein frisches Felsengrab im eigenen Garten, in welchem Grabe noch nie jemand gelegen war.
Was bezeichnet wohl solches alles? – Das alles bezeichnet die Wissbegierde des Glaubens in ihrer Befriedigung. Diese an und für sich edle Wissbegierde sucht alles Erdenkliche auf, um darin eine lebendige Befriedigung zu finden.
Zu Pilatus geht sie und erbittet sich die Erlaubnis; das heißt so viel als: Solche Wissbegierde geht zur Welt und sucht in derselben alles Mögliche auf, was ihr zur Bestätigung der Wahrheit dienen könnte.
Hat sie von der Welt alles empfangen, was sie suchte, dann wendet sie sich zu dem Gekreuzigten.
Aber wie? Sie sucht da alle Worte und alle Erklärungen ins helle Licht zu stellen, alsonach zu befreien von den geheimnisvollen scheinbaren Widersprüchen, welche in der Heiligen Schrift vorkommen.
Dieses gelingt ihr auch; sie hat den Leichnam richtig von dem Kreuze, das in seiner Gestalt eben einen Widerspruch darstellt, befreit. Aber was hat sie, diese edle Wissbegierde nämlich, nun vor sich? Sehet, einen toten Leichnam, in dem nun kein Leben ist!
Diese edle Wissbegierde sieht das auch ein; aber sie ist dennoch in sich erfreut über diese glückliche Befreiung vom Kreuze. Sie salbt den Leichnam mit köstlichen Spezereien, wickelt ihn in weiße Linnen und legt ihn dann in ein neues Grab, darin noch nie jemand gelegen ist.
Was will das wohl besagen? Durch solche gründliche Beleuchtung des Wortes in der Heiligen Schrift wird unfehlbar die Göttlichkeit desselben ersichtlich und wird auch also geachtet und hochgeehrt. Das ist die Salbung. Denn nicht selten drückt sich da jemand in den erhabensten Ausdrücken aus über die Würde und göttliche Hoheit der Heiligen Schrift; aber alles das ist die Salbung des Leichnams.
Der Mensch mit dieser edlen Wissbegierde umwickelt solche erkannte Wahrheit mit der höchsten und reinsten Hochachtung, – ja er erschaudert über die Größe der Weisheit in diesem Buche; und das ist nichts anderes als die Einwicklung des Leichnams in weiße Linnen. Wie unschuldsvoll und rein an und für sich solche Linnen sind, also auch ist eine gleiche demütige Erkenntnis; aber der Leichnam, die Salbe wie die Linnen sind nicht lebendig und geben auch kein Leben.
Man wird aber nun diesen Leichnam in ein neues Grab legen. Was ist denn das? – Die Erkenntnisse, die der Mensch zufolge seiner edlen Wissbegierde sich zu eigen gemacht hat, geben ihm kein Leben, keine lebendige Überzeugung; daher fasst er sie alle zusammen und legt sie in das Grab seines tieferen Verstandes, legt da einen Stein darüber, was so viel heißt als: Er legt über alle diese rein erkannten Wahrheiten einen recht schweren Zweifel; denn er spricht: „Alle diese Lösungen der verborgenen Geheimnisse in der Heiligen Schrift lassen sich wohl überaus gut hören; aber die anschauliche Überzeugung geben sie dennoch nicht.“
Und seht nun, das ist ja der buchstäbliche Zustand eines jeden Viellesers! Er kann all das Gelesene noch so gut verstehen, vom naturmäßigen bis zum innersten geistigen Sinn; will er aber von all dem wohl Erkannten eine tatsächliche Probe, da erfährt er, dass sich nicht einmal ein Sonnenstäubchen vor seinem Willen beugt. Und will er das Leben des Geistes schauen, so begegnet ihm statt desselben allzeit die Grabesnacht, in die er den Leichnam gelegt hat; oder mit anderen Worten gesagt: Er bekommt über das Jenseits keine in sich selbst anschauliche Gewissheit, sondern alles ist bei ihm eine Diktion und durchaus nicht mehr, also ein Leichnam im Grabe.
Was aber ist ihm wohl damit geholfen? Wenn er noch so viel gelesen hat, kann aber durch all das Gelesene zu keiner lebendigen Überzeugung gelangen, so gleicht er fortwährend einem Joseph von Arimathia, der wohl einen Leichnam um den andern vom Kreuze nimmt und salbt ihn und wickelt ihn in weiße Linnen, – aber der Leichnam bleibt Leichnam und wird allzeit ins Grab getragen.
Betrachten wir aber daneben wieder unsere Magdalena! Sie hat zwar auch dieser Handlung beigewohnt; aber sie wickelte den Leichnam oder das Wort nicht in Leinen und legte es nicht in das Grab, sondern in ihr liebeglühendes Herz; und als sie dann zum Grabe kam, war der Stein des Zweifels durch die Macht der Liebe hinweg gewälzt. Die Leinen lagen gut geordnet zusammengelegt im Grabe, welches so viel sagt als: Ihre Liebe hat das göttliche Wort in ihr lebendig geordnet. Sie fand keinen Leichnam mehr, aber dafür fand sie den Lebendigen, der aus dem Grabe auferstanden ist.
Was ist nun wohl besser: den Leichnam in das Grab legen, oder den Lebendigen über dem Grabe finden? – Ich meine, es wird offenbar das Zweite besser sein denn das Erste. Warum aber fand die Magdalena, was Joseph von Arimathia nicht gefunden hat? Weil sie wenig gelesen, aber viel geliebt hat; Joseph aus Arimathia aber hat viel gelesen – wie Nikodemus –, aber dafür weniger geliebt. Daher hatte er auch mit dem Leichnam zu tun, – Maria aber mit dem Lebendigen!

Quelle: Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen Kap. 7


Meine Lehre und Mein lebendiges Wort aber, das zu euch kommt aus Meinem Munde
durch die Liebe in euch, steht höher denn alle Propheten und alle Weisheit der Engel! –
Denn die Liebe ist das Erste und Höchste, hernach kommt erst die Weisheit.“

Himmelsgaben Bd 1, S.17, 12



Er kam in sein Eigentum...

'Er kam in Sein Eigentum, und die Seinen nahmen Ihn nicht auf.'
'Pilatus: 'Was ich geschrieben, habe ich geschrieben.'
Johannes 1,11 und 19,22

Wer kam in Sein Eigentum, und die Seinen nahmen Ihn nicht auf? Wer der ‚Er‘ ist, wird hoffentlich bekannt sein; Sein Eigentum sind die Menschen, wie sie sein sollten in der von Mir aus geschaffenen Ordnung, liebtätig nämlich gegen ihre Brüder und voll Ernst der Liebe gegen Gott, ihren Schöpfer.
„Aber die Seinen nahmen Ihn nicht auf.“ – Die Seinen sind, die Er von Anbeginn zumeist für Sich erzogen hatte und hat zu ihnen allzeit gesandt Lehrer und Propheten und hat sie geführt und geleitet wunderbar.
Warum nahmen sie Ihn denn nicht auf? – Weil Er sie die wahren Wege der tätigen Liebe zum ewigen Leben lehrte; die Seinen aber waren Freunde der Trägheit, Freunde des Wohllebens und Freunde der Herrschaft und Herrlichkeit, und diese vereinbart sich nicht mit der Lehre von der Demut und der tätigen Liebe.
Sie sprachen: „Wir haben Moses und die Propheten, welche wir lesen; was brauchen wir da mehr? Was brauchen wir von dir, der du den Sabbat schändest und gering achtest Moses und die Propheten, indem du ihre Satzungen nicht hältst? Ist es nicht genug, so wir die Schrift lesen und studieren und darüber ellenlange Erklärungen schreiben? Was willst du von uns für eine andere, Gottes würdigere Tätigkeit? Ist Gott nicht ein Geist, dessen Wesen man sich unter keinem Bild vorstellen soll? Wie sollte man diesen wohl würdiger ehren und preisen, als wenn man Sein Wort, welches Er durch Moses und die Propheten geredet hat, fortwährend von Anfang bis zu Ende liest und dasselbe sich selbst und anderen erklärt, damit Gott in Seinem Wollen stets klarer und klarer begriffen werde?
Was machst du aus dir selbst? Wir haben Abraham zum Vater und haben Moses und die Propheten-, bist du denn mehr denn diese? Was willst du uns lehren, das uns diese nicht gelehrt hätten?
Was ist wohl des Menschen Liebetat vor Gott? Sie ist nichts als ein eitler Gedanke. Der Mensch kann nichts tun; denn in Gott allein wohnt alle Tatkraft. Also bist du ein falscher Lehrer und ein falscher Prophet und bist ein Volksaufwiegler!
Wir haben die Schrift vom Alpha bis zum Omega in unserem Kopf; ist das nicht Tätigkeit genug? Oder sollten wir etwa die Schrift nicht studieren und dadurch gering achten die heilige Gabe, welche uns der Herr Gott Zebaoth durch Moses und die Propheten beschieden hat?
Du bist einer, der dem göttlichen Willen widerstrebt und sich dennoch für einen Lehrer und Propheten Gottes ausgibt! Steht es aber nicht geschrieben, dass ein jeder falsche Prophet und Zauberer mit dem Feuertode bestraft werden solle?
Dieser gemeine Zimmermannssohn, der kaum zu lesen versteht und ebenso wenig etwa imstande ist, seinen Namen zu schreiben, unterfängt sich, uns alten Schriftgelehrten eine Lehre, welche dem Geist Mosis schnurgerade entgegenstrebt, aufzubürden!“
Seht, das sind eine Menge Entgegnungen, laut welcher Derjenige, der in Sein Eigentum gekommen war, von den Seinigen nicht aufgenommen wurde.
Warum? Weil Ihn die Seinigen, wie es auch geschrieben steht, nicht erkannt haben!
Warum aber erkannten sie Ihn nicht? Weil sie nur pure Leser und Auswendiglerner, aber nie Täter des Wortes Gottes waren.
Auf dieselbe Weise komme Ich auch jetzt fortwährend in Mein Eigentum; aber die Meinen wollen Mich nicht aufnehmen und erkennen, dass Ich es bin!
Warum wollen sie denn das nicht? Weil ihnen auch, im besten Fall sogar, das Lesen und Hören, wie auch das Angaffen Meiner Werke lieber ist als eine kleine Tätigkeit nach Meinem Wort. Daher aber wird auch der Geist in Meinem Eigentum, welches das Herz ist, nicht lebendig und erkennt Mich nicht, weil Mich Mein Eigentum nicht lebendig tätig aufnehmen will.
Ich aber sage: Alle diese Schriftgelehrten werden dereinst auch sagen: „Herr! Herr! Wir haben ja in Deinem Namen aus Deinem Wort heraus geweissagt, gepredigt und gelehrt!“
Ich aber werde zu ihnen sagen: „Weicht von Mir; Ich habe euch noch nie erkannt! Wer euch zu Lehrern und Weisen gedungen hat, zu dem geht auch hin, damit euch euer Lohn werde! Ich kam wohl zu euch und habe bei euch an die Tür Meines Eigentums geklopft; aber niemand von euch sprach: ‚Komm herein, und belebe unseren Geist, auf dass wir tätig und kräftig werden möchten nach Deinem Wort!‘ Ihr begnügtet euch mit den Schätzen eures Kopfes; aber Meine Scheuern in eurem Herzen habt ihr leer gelassen und habt all Mein Eigentum in euch verwirkt. Daher mögt ihr nun ‚Herr! Herr!‘ schreien, wie ihr wollt, so mag Ich euch aber dennoch nicht erkennen; denn die Meinen erkenne Ich an Meinem Eigentum in ihnen. Ihr aber habt kein Eigentum aus Mir in euch; darum mag Ich euch auch nicht erkennen!“
Pilatus bekannte Mich auch auf diese Weise: Er heftete das Zeugnis seines Bekenntnisses über den schmählich Getöteten, während er früher den Lebendigen geißeln und ans Kreuz heften ließ. Sein Bekenntnis steht auch geschrieben, und zwar über dem Haupt des Gekreuzigten zum Zeugnis für alle die, welche das Bekenntnis Gottes wohl in ihrem Kopf, aber keines in ihrem Herzen tragen. Über ihrer Stirn steht es wohl geschrieben: „JESUS NAZARENUS, REX JUDAEORUM“, und sie beharren auch auf dieser Inschrift, welche so viel sagt als: „Herr! Herr!“; aber im Herzen ist keine Inschrift, welche da sagen möchte: „O Herr, sei mir armem Sünder gnädig und barmherzig!“ „Vater unser“ ist im Kopf; aber „Lieber Vater“ ist nicht im Herzen.
Pilatus beharrte wohl auf seiner Inschrift und wollte keine andere hinaufsetzen; denn er sprach selbst: „Was geschrieben ist, das ist geschrieben!“ Warum erwies er aber dem Lebendigen früher nicht die Ehre wie hernach dem Toten?
Der Grund liegt in dem, warum auch alle die Gelehrten lieber bei ihren Kopfbegründungen und der daraus hervorgehenden toten Verehrung verbleiben, als nur in die geringste lebendige Tat der wahren Liebe eingehen wollen. Denn sie sind Zwielichtler, welche glauben oder vielmehr der Meinung sind: „Ist an der Sache etwas, so wollen wir durch unser Bekenntnis ihr nicht in den Weg treten; ist aber an der Sache nichts, so haben wir so oder so dadurch nichts verloren. Denn bringt man dem eine Ehre, das da irgend sein soll, so gewinnt man, wenn ‚es‘ ist, und verliert nichts, wenn ‚es‘ nicht ist.“
Desgleichen dachte auch Pilatus: „Ist der Gekreuzigte ein höheres Wesen, so habe ich ihm meine Ehre bezeigt; ist er es aber nicht, so bin ich auch gerechtfertigt; denn in dem Fall dient meine Inschrift als ein amtliches Pasquill, aus dem jeder ersehen kann, aus welchem Grunde dieser hier gekreuzigt ward.“
Meinet ihr, dass bei Mir der erste Grund gelten wird, so es mit dem zweiten seine geweisten Wege hat? – Ich sage euch: Da wird es vorzüglich darauf ankommen, dass diejenigen, die so zu Mir „Herr! Herr!“ rufen, von Mir sicher nicht angehört, erkannt und angenommen werden. Denn das Bekenntnis des Kopfes wird niemand dem ewigen Leben auch nur um ein Haar näher bringen; denn wer zu Mir will, der muss Mich vorher durch die lebendige Liebe in sich aufnehmen, und seine eigene Liebe zu Mir wird es ihm sagen, dass Ich bin und zu ihm komme und ihm gebe das ewige Leben.
Niemand aber kann das lieben, das nicht ist; wohl aber kann er in seinem Kopf über alles Nicht-Seiende verschiedene Phantome aufstellen, und also auch Mich Selbst darunter. Aber da bin Ich nicht, und da wird Mich auch nie jemand finden und wird nie zur lebendigen Überzeugung von Mir und vom ewigen Leben gelangen; denn da hänge Ich tot unter der Inschrift Pilati!
Nur wer da ein Täter Meines Wortes sein wird, der wird an Meinem Grab, da er den Toten suchte, mit der Flamme seines Herzens den Auferstandenen und den ewig Lebendigen finden!

Quelle : Schrifttexterklärungen, Kap. 10



Das Leiden des Herrn, Fasten, Armut, Liebe

Wenn ihr also fraget, so fraget ihr recht; denn in solchen Fragen liegt dasjenige zu Grunde, was jedem Menschen am meisten Not tut. Ihr habt zwar euer leichtes Anliegen nicht in der Form einer Frage gegeben, dessen ungeachtet sind aber die gegebenen Worte nichts als Fragen aus eurem Herzen, deren sonderheitliche Beantwortung euch jetzt gegeben wird; die große Antwort aber erst dann, wenn ihr sie durch die Beobachtung der sonderheitlichen in euch finden werdet, d.h. die sonderheitliche Beantwortung ist ein Wegweiser, der euch zeigt, wie das menschliche Leben beschaffen sein soll im Geiste und in der Wahrheit voll Liebe und lebendigen Glaubens, um durch dieses Leben dann sicher gelangen zu können zum inneren Leben des Geistes, und endlich durch dieses erst zu Mir.
Wer aber zu Mir gelangen wird, der wird dadurch auch gelangen zur allgemeinen Beantwortung nicht nur dieser von euch gegebenen Fragen, sondern auch jener unendlichen, die in diesen vieren enthalten sind. Denn wahrlich, verstündet ihr in eurem Herzen das große Geheimnis Meines Leidens, alle Engel des Himmels würden ehrfurchtsvoll und in allerhöchster Freude ewig zu euch in die Schule gehen und allzeit nach beendigter Schulzeit mit unermesslichen Wundern bereichert zurückkehren; verstündet ihr in euren Herzen gerecht zu fasten, wahrlich ihr möchtet nimmer danach fragen, denn durch solches Fasten wäre Ich euch schon lang ein sichtbarer Vater geworden, allda Ich euch dann mit dem leisesten Hauche mehr geben könnte, denn sonst mit tausend Worten; verstündet ihr in euren Herzen, was die wahre Armut ist, wahrlich schon jetzt wäret ihr reicher, wie manche Fürsten des Himmels; denn es liegt in der wahren Armut ein gar großer Schatz, welcher mit keinem irdischen Maßstabe zu ermessen ist; denn die wahre Armut ist es, die da ewig gespeist wird mit Meinem Worte, wie ihr es auch leset, dass das Evangelium den Armen gepredigt werden soll; auch wird die wahre Armut verstanden also, dass sie gleichlautend ist mit den Hungrigen und Durstigen, die da ebenfalls aus Meinen Worten vollauf werden gesättigt werden. Und endlich verstündet ihr erst in eurem Herzen die Liebe, wahrlich, da wäre an euch erfüllet die große Forderung, die Ich an Meine Apostel gerichtet habe, da Ich zu ihnen sagte: „Seid vollkommen, wie euer Vater in den Himmeln vollkommen ist.“
Liebe Kinder! Was meint ihr wohl, was diese Anforderung besagt? Sehet, diese Anforderung besagt nichts mehr, nichts weniger, als bloß die ziemlich große Kleinigkeit, dass der Mensch vollkommen Mir in allem gleichen solle. – So ihr nur einen allerleisesten Begriff von Meiner Größe, Macht und Kraft und von allen Meinen unendlichen Vollkommenheiten euch machen könnet, so werdet ihr euch wohl auch davon einen kleinen Begriff machen können, was das heißen will, wenn Ich zu euch sage, dass auch ihr so vollkommen werden solltet, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Wenn aber der Sohn die Seinen zu Miterben gemacht hat, auf dass Er vollkommen brüderlich teile das große Erbe vom Vater, so will auch das nichts anderes sagen, als dass die Seinen zu derselben Gerechtigkeit, zu derselben Macht und Kraft des Geistes Gottes gelangen sollen, welche dem Sohne im Vater und dem Vater im Sohne von Ewigkeit her innewohnt. Bevor jedoch Ich euch alles dieses noch etwas näher auseinandersetzen werde, wollen wir zur speziellen Beantwortung eurer vier Hauptfragen zurückkehren.
Was Mein Leiden betrifft, so habe Ich also gelitten an Meinem Leibe als ein jeder anderer Mensch, und zwar in derselben Ordnung, wie ihr es leset in den Evangelien. Weil aber das menschlich leidende Ich noch ein anderes göttliches Ich in sich schloss, so war dieses Leiden auch ein doppeltes, nämlich das äußere leibliche und das innere göttliche! Worin das äußere Leiden bestand, wisset ihr; aber worin das göttliche Leiden bestand, das ist eine andere Frage. Damit ihr euch davon einen Begriff machen könnet, so denket euch, was das heißen will, wenn der unendliche Gott in dieser Leidensperiode Sich aus Seiner unendlichen und ewigen Freiheit zurückzog, und in dem Herzen des leidenden Sohnes oder Seiner Liebe Seine Wohnung nahm. - Nun sehet, Mein Äußeres wurde durch die bitteren Leiden bis auf den Punkt des Todes gedrückt; die im Herzen sitzende Gottheit aber musste den Tod und die Hölle von dem innersten Punkte aus besiegen. Nun denket euch den leidenden Gottmenschen, der da nun gestellt war zwischen zwei Feuer: Von außen her drückte Mich der Tod und die Hölle mit all ihrer Gewalt so lange, bis Mein natürliches Leben bis zu dem innersten Punkte Meines Herzens getrieben wurde, von innen aus aber wirkte diesem Drucke die Gottheit mit all ihrer unendlichen Macht und Kraft entgegen, und ließ sich nur durch die Liebe selbst bis auf einen Punkt zusammentreiben. - Nun denket euch wieder: Die selbe Macht und die selbe Kraft, welche mit einem Hauche alles, was da lebet und schwebet in der ganzen Unendlichkeit in einem Augenblicke zerstören könnte, dieselbe Macht und Kraft, die alle Ewigkeiten und Unendlichkeiten nicht erfassen, die die ganze unendliche Schöpfung aus sich werden hieß, o höret, die selbe Macht und Kraft in ihrer vollsten Allheit hat sich so weit aus ihrer Unendlichkeit heraus, wie schon gesagt, auf einen Punkt beengen lassen, welche Beengung die größte Demütigung der Gottheit in Mir freiwillig war. Wenn ihr dieses nur ein wenig in eurem Herzen zu fassen im Stande seid, welchen leidenden Kampf Ich da als die ewige Liebe zu bestehen hatte, so werdet ihr euch wohl auch einen kleinen Begriff machen können, was alles unter Meinem Leiden verstanden wird. Dieses Leiden dauerte bis auf einen Punkt, bis Ich am Kreuze ausrief: „Es ist vollbracht! Vater, in Deine Hände empfehle Ich Meinen Geist.“ oder mit anderen Worten: „Siehe Vater! Deine Liebe kommt zu Dir zurück.“, und sobald wurden von der unendlichen Macht Gottes alle Bande des Todes und der Hölle zerrissen; hinaus stürmte die ewige Macht mit verunendlichfältigter Gewalt, die ganze Erde bebte angerührt von der Allgewalt Gottes; freiwillig öffnete sie ihre Gräber und trieb die Gefangenen zum Leben hervor, und weiter drang dieselbe Allgewalt über alle sichtbare Schöpfung hinaus, erfüllte in dem Augenblicke die Unendlichkeit wieder, und alle Sonnen in allen endlosen Räumen zogen ihr Licht aus übergroßer Ehrfurcht vor der sie neu berührenden Allgewalt Gottes in sich zurück. Dass aber die Gottheit bei diesem neuen Austritte in dem Augenblicke nicht alles zerstört und vernichtet hatte, war allein die Liebe Schuld, die da nun vollends wieder mit ihr vereinigt war.
Nun sehet, Meine lieben Kinder! Das ist, so viel ihr es fassen könnt, zu verstehen unter Meinem Leiden; allein es liegt aber noch Unendliches darin verborgen, daran ihr Ewigkeiten genug zu erforschen haben werdet, und das zwar immerwährend Größeres und Unendlicheres; denn was Ich euch jetzt gesagt habe, verhält sich zur Vollheit gerade so wie ein Punkt zur Unendlichkeit. - Wenn ihr aber fastet, da fastet in der wahren Verleugnung eurer selbst aus reiner Liebe zu Mir an allem, was die Welt euch bietet, so werdet ihr durch solches gerechtes Fasten zu dem Brot des Himmels gelangen. Wie aber eine Braut am Hochzeitstage alle ihre früheren Kleider auszieht, sich wäscht am ganzen Leibe, dann ihre Brautkleider anzieht und sich schmückt mit allerlei Blumen und Edelsteinen, auf dass sie dem Bräutigam wohl gefalle, so er kommt und sie führt in sein Haus, ebenso sollet ihr durch das gerechte Fasten alle eure weltlichen (Leidenschafts-)Kleider ausziehen, euch waschen mit lebendigem Wasser, und anziehen dann Kleider der wahren Liebe, der Unschuld, aller Demut, und euch schmücken mit allerlei Blumen aus Meinem Worte und aus eurem lebendigen Glauben, wie auch mit kostbaren Edelsteinen aus den Werken der Liebe; und wenn sodann der große Bräutigam kommen wird, und wird euch treffen also wohlbereitet, da wird auch er tun, das von dem bildlichen Bräutigam gesagt wurde, und wenn ihre euch dann in dem Hause des Bräutigams befinden werdet, da wird Er euch eine Schatzkammer auftun und euch beschenken mit den unermesslichen Schätzen des ewigen Lebens, welches da ist eine Folge Meines bitteren Leidens oder der Erlösung.
Und was das Fasten ist, das ist auch die Armut, denn wahrlich, wer nicht arm geworden ist an allem, was Welt ist, der wird nicht eher in Mein Reich eingehen, als bis er den letzten Heller der Welt zurückgegeben hat. Sehet, das ist also die wahre Armut im Geiste und in der Wahrheit. – Dass da die freiwillige Armut einen unendlichen Vorzug hat vor der genötigten, versteht sich so sehr von selbst, dass eine nähere Erörterung darüber im höchsten Grade überflüssig wäre, und kann daher die genötigte Armut nur durch die gänzliche Ergebung in Meinen Willen und in Meine Liebe der freiwilligen gleichkommen.
Nun aber fragt euch: Wie ist das Verhältnis der Braut zu ihrem Bräutigam, für den sie keine Liebe hegt im Herzen? Wird sie sich wohl auch so schmücken für die bewusste Stunde, da sie weiß, dass der Verachtete kommen wird? Wird sie diese Stunde mit der großen Sehnsucht ihres Herzens erwarten? Ich sage euch: mitnichten; denn sie wird diese Stunde in ihrem Herzen verwünschen und verfluchen; sie wird sich nicht waschen, sondern sich eher beschmieren mit allerlei Schmutz; und wird anbehalten ihre Alltagskleider und ihr Haupt bestreuen mit Asche, in der Meinung, wenn der bewusste Bräutigam kommen wird, so wird er sich entsetzen vor ihr, und wird ablassen von seinem Begehren, und wahrlich, wenn der Bräutigam kommen wird, und wird also treffen seine Braut, Ich sage euch, er wird sie nicht nehmen, so er Mir gleicht, sondern wird die Lieblose bereitwilligst dem überlassen, dem sie ihre Liebe zugesagt hat. Nun sehet, da eine Braut sich nur schmückt für den rechten Bräutigam, so sie ihn liebt, so wird euch auch wohl sehr leicht klar werden, dass ohne Liebe zu Mir an kein Fasten und keine Armut zu denken ist, und somit auch an keine hochzeitliche Ausschmückung, da wird auch kein Nachhauseführen der Braut erfolgen, welches Nachhauseführen nichts anderes als die Erlösung vom Tode zum Leben ist. Sehet, wie sich da eure Fragen verhalten! In Meinem Leiden ist die Liebe; das Fasten und die Armut ist das Leiden der Liebe; und das Leiden der Liebe ist die Ausschmückung derselben, und in der Ausschmückung, welches das Leiden ist, ist die Erlösung; somit ist die Liebe, das Leiden und die Erlösung eines und dasselbe. Wer demnach liebt also, wie es euch gezeigt worden ist, der hat sich der Erlösung teilhaftig gemacht, und sein Teil wird gleich sein dem Meinem. Gleichwie aber der Bräutigam all seine Güter vollkommen teilt mit seiner Braut, also wird es auch sein in Meinem Hause; alsdann werdet ihr erfahren, was das heißt: „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“. Amen. Das sage Ich, eben derselbe Vater im Himmel! Amen.

HiG.01_41.04.09

„Ich bin die Liebe Selbst und bin durchgehends
um keinen andern Preis als nur wieder um Liebe zu haben.
Durch Liebe habe Ich alle erkauft; daher fordere Ich von euch allen wieder Liebe.
Wer Mir daher dienen will, der diene Mir in der Liebe,
in der Ich für ihn am Kreuz gestorben bin;
und wer zu Mir kommen will, der komme in der Liebe zu Mir,
die am Kreuze für ihn blutete.“

HGt Bd 1, 22, 11

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