Jakob Lorber - Kinder unterrichten - Der Prophet Jakob Lorber und seine Verkündungen ... Jakob Lorber

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Jakob Lorber - Kinder unterrichten

Themen I > Ehe und Familie > Kinder

Inhaltsverzeichnis

I. Schulunterricht auf der natürlichen Sonne – wie er einst a.d.Erde war und sein sollte
1. Elementarunterricht Grundschule und Gymnasium
2. Die Tempelschulen
2.1. 1.Tempel – Allgemeine Volksschule
2.2. 2.Tempel – Lehre zum Dienst Gottes
2.3. 3.Tempel – Ausbildung für oberste Lehrer und Amtsleute
2.4. 4.Tempel – der allerheiligste, sog. brennende Tempel, Priesterweihe
II. Frühere Unterrichtsweise auf der Erde (Prophetenschulen) und was aus ihnen wurde
III. Die Erziehungs- und Unterrichtsart auf der Geistigen Sonne
1. Die verschiedenen Erziehungsstufen der Kinder
1.1. Erziehung der Kinder, die von Gott keinen Begriff und keine Vorstellung haben
1.2. Begriffsauffassung und Begriffsammlung
1.3. Umsetzung der Begriffe in die Tat.
1.4. Erziehung zur Selbständigkeit und Selbsttätigkeit.
2. Anschauungsunterricht um das Lesen und Schreiben zu lernen
3. Unterweisung in Erdkunde und Geschichte von der Entwicklung der Erde
4. Das Wesen und die Entstehung der Erde (Geologie)
5. Von der heiligen Schule des Lebens
6. Lehrsaal der Schöpfungsgeschichte des Menschen
7. Schulhaus der 12 göttlichen Gebote
IV. Erziehungs- und Lehrhinweise Jesu
Wie eine Schule aussehen soll
Zeremonielle Anschauung
Mit der Ausbildung des Gemüts beginnen
Folgen der zu frühen Verstandesbildung
Schulunterrichtsaufbau
Wirkungen falscher und rechter Bildung
Die wichtigste Ausbildung – worauf es ankommt


I. Schulunterricht auf der natürlichen Sonne
– wie er einst bei uns auf der Erde beschaffen war und sein sollte –

Jesus: „Seht, das ist so nur ein ganz flüchtiger Abriss, aus welchem ihr entnehmen könnt, in welchem Sinn ein solches Amtshaus in allen seinen Teilen errichtet ist, – welches alles dann die Schüler in solcher Ordnung durch die gerechte Anleitung aus sich heraus erkennen lernen müssen. Möchte euch ein solches Gymnasium nicht besser gefallen als euer lateinisches auf der Erde? – Seht, das ist eine gerechte Schulanstalt!
Einst bestanden solche Schulen auch auf eurer Erde; aber die menschliche Habsucht hat sie von diesem Boden völlig verdrängt. Und so gebe Ich euch darum hier wieder eine Anleitung aus der Sonne, damit ihr daraus ersehen möchtet, wie eine gerechte Schule zur lebendigen Bildung des menschlichen Geistes solle beschaffen sein“ [NS, Kap 17, V 32-33]

Auf der natürlichen Sonne findet auf dem Mittelgürtel der Unterricht in sogenannten Amtshäusern statt, der in verschiedene Etappen aufgegliedert ist und ein jeder erst dann weiterkommt, wenn er das zu Lernende begriffen hat.

1. Elementarunterricht Grundschule und Gymnasium (Kapitel 17)
Der Unterricht in der Grundschule und dem Gymnasium dient dazu, dass die Schüler und Schülerinnen Gottes Ordnung kennen lernen müssen (Kap 18, V6). Dies geschieht auf folgende Weise:

1.Etappe / Erstes Amtshaus (Kleinamts- bzw. Elementaramtshaus) Elementarunterricht der Kinder (V5)
In dieser Stufe werden Jungen und Mädchen von drei bis fünf Wohnhäusern aus der nächsten Umgebung getrennt voneinander in kleinen Amtshäusern unterrichtet, deren Amtsleute oder Lehrer in unmittelbarer Nähe des Unterrichtshauses wohnen (V5+7+9).

Der Unterricht, unterbrochen durch große Pausen, besteht darin, dass den Kindern nach und nach gewisse kleine Gesetze zur Beobachtung gegeben werden und dauert so lange fort, bis sie die Elementardinge vollkommen verinnerlicht haben (V10-11), die darin liegen, dass sie lernen

1. die Augen im Zaum zu halten.
Durch gewisse Konzentrationsübungen sollen sich die Kinder die Fähigkeit aneignen, sich nicht ablenken zu lassen (V11-13).
2. Die Zunge im Zaum halten.
Durch Übungen im sich Zurücknehmen in Bezug auf sein Lieblingsthema sollen die Kinder lernen, den Eigenwillen gefangen zu nehmen (V13).

Das Ziel ist, dass die Kinder durch ein Abhalten von äußeren Tätigkeiten fähig werden, ihre äußeren Sinne, Gedanken und Begierden und damit ihren Eigenwillen gefangen zu nehmen, damit sie durch die dadurch erworbene Selbstverleugnung wohlbereitete Gefäße zur Aufnahme des göttlichen Willens werden (V14+15).

2. Etappe / nächst höheres, zweites Amtshaus (V15)
Um die allen Dingen zugrundeliegenden Gesetzmäßigkeiten begreifen zu lernen, werden den Schülern und Schülerinnen gewisse Dinge so lange zur Beobachtung und Analyse gegeben, bis sie deren verschiedene Beziehungen, Verbindungen und Ergreifungen verstanden haben (V16-19).

Ziel ist, die Erkenntnisfähigkeit der vorherrschenden Gesetze zu erlernen und nach denselben tätig zu werden (V20).

3.Etappe: Drittes Amtshaus – Gymnasium (V21)
Die Schüler und Schülerinnen wohnen während ihrer dortigen gesamten Ausbildungszeit in diesem Amtshaus, gewöhnlich auch der Amtsmann und seine Familie (V28+30).

Der Unterricht besteht in der Analytik aller sichtbaren Dinge, um darin überall die göttliche Ordnung zu erfassen bzw. lesen zu lernen im großen Buch der göttlichen Natur (V21+30-32).

Das Ziel ist, durch eine gerechte Anleitung die göttliche Ordnung aus sich selbst heraus erkennen zu lernen (V32).

2. Die Tempelschulen

2.1. 1.Tempel – Allgemeine Volksschule (Kapitel 18-19)
Bei diesem ersten Unterrichtstempel handelt es sich um eine allgemeine Volksschule bzw. Hauptschulanstalt, in der sowohl die Lehrer wie auch die Schüler und Schülerinnen wohnen, das männliche und weibliche Geschlecht unterteilt in verschiedene Abteilungen. Sie kommen innerhalb des Tempels nur in dessen Rundung zusammen, ansonsten außerhalb des Tempels (Kap 18 V 1-2; Kap 19 V7+16).  

Der Unterricht besteht in Willensübungen, die praktisch durch die Besteigung des überaus hohen Tempels umgesetzt werden, um
1. sich zunächst anzugewöhnen, von den verschiedenen Höhegraden bzw. jeder Höhe ohne Schwindel gleichgültig in die Tiefe hinabblicken imstande zu werden (Kap. 19, V7+12),
2. danach auf den verschiedenen Höhen den Willen zu prüfen, in welcher Tiefe er noch auf dem Boden zu wirken vermag (Kap 19, V7).

Vor und nach jeder Beschäftigung wird im Bethaus des Tempels mittels des musikalischen Orchesters dem großen Gott ein Lobgesang mit Begleitung der Harfen dargebracht (Kap 19, V 9+11).

Ziel des Unterrichts ist, die Schüler und Schülerinnen schwindelfest gegen den Hoheitsschwindel zu machen, und dass sich ihr Wille desto mehr einigen soll mit dem Willen des großen Gottes  (Kap 19, V12-14).

2.2. 2.Tempel – der große Tempel, Lehre zum Dienst Gottes (Kapitel 20)
Der zweite Tempel wird auch der große Tempel genannt, weil hier der allerhöchste Unterricht zum Dienst des großen Gottes erteilt wird (V4+6).

Die Schüler und Schülerinnen bewohnen, wenn sie nicht alle im Tempel untergebracht werden können, kleinere Wohnhäuser in der Umgebung, wobei ein jedes Wohnhaus einen eigenen Amtmann hat, der unter den Amtsleuten und somit auch unter dem Hauptlehrer dieses Tempels steht. Er hat für nichts anderes zu sorgen als für die Aufrechterhaltung der Ordnung (V7-8).

Das Orchester ist noch viel großartiger als das im vorherigen Tempel und besteht aus der doppelten Zahl Harfen, auch die Zahl der Sänger ist größer, was sich jedoch auch schon daraus ergibt, dass hier wesentlich mehr Schüler und Schülerinnen wohnen als im vorigen (V5).

Was die Gestaltung des Unterrichts anbelangt, so wird uns diese nicht beschrieben, da wir sie mit unserem irdischen Verstand nicht fassen bzw. bei einem möglichen Erfassen das irdische Leben nicht mehr fortbehalten könnten (V19).

Jesus: „Damit ihr euch aber dennoch ganz leise nur überzeugen könnt, was es da ist für ein Ding um ein Wort des Vaters, so sage Ich euch bei dieser Gelegenheit nur so viel, dass zum Beispiel das Wort Liebe in Beziehung auf Mich bei diesen Sonnenbewohnern, wann es ausgesprochen wird, eine solch unbeschreibliche Wonne hervorbringt, dass sie darob längere Zeit keine Nahrung zu sich nehmen. Ja es wird durch Posaunenschall von der obersten Höhe, wo selbst sich der letzte Tempel befindet, einer weiten Umgegend bekannt gemacht, dass in kurz darauffolgender Zeit, von etwa einem Jahr nach eurer Rechnung, dieses Wort in Beziehung auf Gott ausgesprochen wird. Schon beim ersten Posaunenschall fallen alle Sonnenbewohner dieses Gürtels auf ihre Angesichter zur Erde nieder und getrauen sich vor Hochachtung dessen, was da kommen wird, kaum zu atmen und beben gewisserart vor überfreudiger Furcht. Wenn aber erst die Zeit naht, in welcher der oberste Lehrer und Priester herabkommt in diesen zweiten Tempel, um allda auszusprechen: – „Gott ist die Liebe!“ –, so wird jeder Mensch also ergriffen, dass er dahinsinkt, als wenn er gestorben wäre. Ja durch dieses Wort geraten gewisserart, nach euren Begriffen genommen, alle diese Menschen in eine Art allerhöchsten somnambulen Zustandes und genießen in diesem Zustand die Wonne der Engel. Wenn sie sich aber wieder erholen, da eilen sie sobald aus dem Tempel und fallen vor demselben auf ihre Angesichter nieder und danken und loben und preisen den großen Gott für solche für sie allerhöchste Gnade, dass Er sie durch Seinen Oberpriester für würdig erachtet hat, sie dieses allerhöchste Wort alles Wortes wieder einmal hören zu lassen. Und eine geraume Zeit nachher getraut sich niemand die Schwelle des Tempels zu betreten. Wenn aber der Tempel wieder betreten wird, so geschieht es allzeit mit einem allerdemütigst feierlichen Einzug.
Aus dem Gesagten könnt ihr euch schon einen Begriff machen, welcher Art und von welcher Wirkung dieses Tempels Lehrweise ist. Daraus aber könnt ihr euch zur Belebung eures großen Stumpfsinnes auch ein kleines Notabene nehmen, und betrachten, in welcher Achtung Ich dagegen bei euch stehe, allda Ich nicht nur Mein Wort durch gewisse Lehrer und Priester habe verkünden lassen, sondern allda Ich, der Vater, als die allerhöchste Liebe, Selbst wesenhaft in aller Meiner göttlichen Fülle unter euch gewandelt und euch mit eigenem Mund die Worte des ewigen Lebens gelehrt habe. Und dennoch mögen die Menschen um eine Handvoll Erde Meiner vergessen, und Mich viel geringer achten als alles andere, was sie umgibt. Denn wenn es nicht also wäre, wie könnte da so mancher den ganzen Tag hin mit aller seiner Anstrengung fürs Zeitliche sorgen und Mir dabei in einem Tag kaum eine erbärmliche Viertelstunde widmen!?
Wahrlich Ich sage euch: Hätte Ich solches in der Sonne getan, was Ich auf der Erde tat, ihr Freudenlicht hätte die ganze Unendlichkeit gefangengenommen! Aber die Kinder der Erde, die Ich zu Kindern Meines Herzens gemacht habe, diese können den Vater fliehen und verachten!
O so lernt es denn von der Sonne, wenn ihr es auf der Erde nicht lernen könnt, wer da ist Derjenige, der aus unendlicher Liebe für euch sogar am harten Kreuz bluten wollte! – Erkennt doch einmal, dass der Vater die Liebe ist!“ (V20,20-24).

2.3. 3.Tempel, höchste Tempelart – Ausbildung für oberste Lehrer und Amtsleute (Kapitel 21)
Diese Tempelschule wird nur von denjenigen besucht, die sich selbst zu obersten Lehrern und Amtsleuten der unteren Tempel wie auch zum Dienst dieses obersten Tempels weihen lassen wollen (V9).

Der oberste Priester wohnt in einer Hütte knapp und allernahest am Tempel, die anderen Hütten werden teils von seiner Familie und teils von den Amtsleuten und einigen wenigen Schülern bewohnt (V9).

Das Musikwesen besteht hier in vier überaus starkschallenden Posaunen, deren Ton wegen der reinen Sonnenluft manchmal bei tausend Meilen weit vernommen werden kann (V6).

Gelehrt werden die tiefsten Geheimnisse, in die nur wenige eingeweiht werden. Sie bestehen darin, zur Kenntnis zu gelangen, dass
- Gott Mensch ist, und wie in diesem Menschen die allerhöchste Liebe wohnt, welche alles, was da ist, aus eigener Kraft erschaffen hat,
- wie Gott, als die reinste Liebe, auf der Erde vollkommen ein Mensch schweren und sogar todfähigen Leibes geworden ist und daselbst in der größten Dürftigkeit lebte, obschon    alle Himmel Sein Eigentum sind, und Sich zum Zeichen Seiner unendlichen Liebe und unbegreiflichen Demut sogar an ein Kreuz heften und töten ließ (V10-11).

Eine besondere Einführung in das größte Geheimnis der Kreuzigung auf dem gegenüberliegenden Berg Kalvari bekommen nur diejenigen, die zu einem Oberlehrer des zweiten Tempels geweiht werden, wozu sie aber zuvor große Prüfungen der Treue durchmachen müssen (13-18).

2.4. 4.Tempel - der allerheiligste, sogenannte brennende Tempel – tiefere Einweihung in die Geheimnisse der Menschwerdung Gottes und der Gotteskindschaft (Kapitel 22)
Hier, auf dem Sonnenberg Kalvari, wird der zum Oberpriesterstand Einzuweihende von einem ständig da wohnenden geheimen Weisen empfangen, in dessen Wohnung bewirtet, und danach in einen kleinen Tempel geführt. Er wird anhand plastisch-bildnerischen Szenen in den Kreuzweg und das Erlösungswerk des Herrn eingeführt. In einem weiteren, hell brennenden, aber einen nicht verbrennenden Tempel gibt ihm ein weiterer Führer das Alte und Neue Testament als ein Buch zum lesen, „in welchem durch eigene Zeichen das Wort Gottes, alle Seine Führungen des gesamten Menschengeschlechtes wie auch die Führung der ganzen Unendlichkeit, zufolge innerer Bedeutung aufgezeichnet ist“. Auch wird ihm die große Liebe in Gott und der Weg zur Gotteskindschaft aufgezeigt, die nur über „die wahre Demut des Herzens“ erlangt werden kann (V1-20).
Am Ende der Einweihung in die Geheimnisse der Menschwerdung Gottes und der Gotteskindschaft gibt sich der zweite Führer als der Vater Selbst zu erkennen (V25).


II. Frühere Unterrichtsweise auf der Erde und was aus ihnen wurde

Jesus: „Höre, du Mein Freund, was damals nur in allerlei Entsprechungen für diese gegenwärtige Zeit vorbildend geschah, das steht nun in der Erfüllung vor dir! Von gottesfürchtigen Eltern schon von der Geburt an rein und wohl erzogene Kinder, natürlich vor allem Knaben, die auch sicher zuallermeist physisch völlig gesund und kräftig waren, wurden von den im Geist geweckten Richtern und Priestern in der Weise Aarons in diese Schule aufgenommen, in der sie zuerst des Lesens, Rechnens und Schreibens wohl kundig werden mussten; dann wurden sie in der Schrift wohl unterwiesen, das heißt in den Büchern Mosis, und sodann auch in der Länder- und Völkerkunde der den Menschen bekannten Erde.
Dabei aber wurden sie auch sorglichst angehalten, die Gebote Gottes nicht nur zu erkennen, sondern auch streng, und das so viel als möglich freiwillig und sich selbst bestimmend, zu beachten. Sie wurden dabei nach ihrem Alter und nach dem Grad ihrer geistigen Entwicklung gar manchen Proben und Prüfungen ausgesetzt, auf dass sie in sich selbst zu der lebendigen Überzeugung kamen, inwieweit sie schon in der Kraft, aller Welt und ihren Reizen zu widerstehen, zugenommen haben.
Vor allem mussten sie vor der Trägheit als der Mutter aller andern Sünden und Übel bewahrt werden, darum sie denn auch zu allerlei ihren Kräften angemessenen körperlichen Arbeiten angehalten wurden.
Waren sie einmal in aller Selbstverleugnung und Selbstbesiegung groß und stark geworden, so wurden sie durch die Wissenschaft der Entsprechungen in ihr Inneres geführt, wodurch sie zum lebendigen Glauben und zu einem unbeugsamen Willen unter der Einung mit dem wohlerkannten und auch schon von Kindheit an stets genau beachteten Willen Gottes gelangten, wodurch sie dann auch schon so manche Zeichen zu bewirken imstande waren, weil ihr eigener Selbstwille mit dem Willen Gottes eins geworden war und der Glaube, als ein wahres, lebendiges Licht aus den Himmeln, in ihren erleuchteten Herzen keinen Zweifel mehr zuließ.
War das alles einmal in der wahren und lebendigen Ordnung, so wurden sie eben durch den lebendigen Glauben und durch den in aller Tat mit dem Willen Gottes geeinten Selbstwillen mit dem Geist Gottes nach der individuellen Fähigkeit erfüllt, wodurch die innere Sehe erweitert ward und sie dadurch auch zukünftige Dinge und Begebenheiten voraussahen in entsprechenden Bildern, die sie dann für die Nachwelt aufzeichneten.
Wer einmal in diesen Zustand, in welchem er Gesichte bekam, gelangte, der gelangte auch zum innersten, lebendigen Wort und vernahm also die Stimme Jehovas in sich, und das war das Gotteswort, das der Prophet wie aus dem Mund Gottes den Menschen verkündete und eigentlich verkünden musste, weil er von dem in ihm waltenden Geist Gottes dazu angetrieben worden ist. Und siehe, also sah die Schule der Propheten aus, und auf die beschriebene Art wurden die Menschen in einer förmlichen und wahren Lebensschule zu Propheten gebildet!“ [GEJ.09_056,10-15]
„Gott hat schon vom Urbeginn an der freien Menschheit, also dem ersten Menschenpaar, Seinen Willen treuest geoffenbart, und die Hauptnachkommen des ersten Menschenpaares waren in einer steten Verbindung mit Gott und mit den Engeln, die ehedem auch, wennschon auf einem andern Erdkörper als Körpermenschen gelebt haben, und wurden in allen Dingen hellst belehrt und waren denn auch dadurch vollkommene Menschen und Herren der gesamten Natur; denn ihrem Willen waren sogar alle anderen Geschöpfe, wie auch die Elemente untertan. Aber ihre vielen Kinder, die sich nach und nach auf der Erde verschiedene Wohnplätze aussuchten und sohin selbständig wurden, wollten sich die Vormundschaft Gottes und noch weniger die ihrer Eltern und sonstigen Anverwandten nicht mehr gefallen lassen. Sie trachteten, in der Welt reich und berühmt zu werden, und als sie das wurden, da wurden sie auch träge und hochmütig und kümmerten sich um Gott und Seinen ihnen noch gar wohl bekannten Willen wenig mehr. Sie taten, was sie wollten. Und hat Gott sie durch allerlei Züchtigungen auch ermahnt, die Er ihnen allzeit durch allerlei Zeichen, wie durch weise Boten bekanntgemacht hatte, da lachten sie, verhöhnten Gott, Seine Mahnungen, und misshandelten die an sie gesandten Boten. Unter sich errichteten sie dann Schulen nach ihrem Sinn. Ihre Lehrer aber machten sich bald die ihnen bekannten Schwächen zunutze und richteten ihren Unterricht also ein, dass er der Gemeinde schmeichelte und sie bis zu den Sternen erhob. Eben solche Lehrer wurden als Leiter der Menschen einer Gemeinde bald zu machthabenden Königen und waren als solche auch stets die ersten Urheber der Abgötterei, des Götzentums und des entweder blinden Aberglaubens oder auch der vollkommenen Gottlosigkeit.
Gott aber ließ dennoch nie ab und ließ auch unter solchen Heiden stets Männer aufstehen, die durch Lehren und Taten ihnen zeigten die große Trübsal, in der sie lebten, und ihnen auch zeigten des Lebens rechte Wege. Solche Männer aber bekamen stets nur wenige Jünger und wurden von andern Volkslehrern und Priestern und sogenannten Weltweisen verachtet, verfolgt und für Narren erklärt, und die Hohen und Weltmächtigen wollten von solchen Demutspredigern schon gar nie etwas hören.“  [GEJ.08_128,02-07]

Fragt ein Pharisäer Jesus: „„Müssen nicht Häuser sein und Schulen aller Art?“
Sage Ich: „Eure Schulen sind gerade dazu tauglich, um schon in den zarten Gemütern der Kinder allen Geist zu töten, und es wäre deshalb wenig schade um sie, so sie gänzlich eingingen; denn wahrlich sage Ich euch: So die Welt euer Lehrer ist, was Geistiges wollt ihr dann von ihr erlernen?““ [GEJ.01_168,01-02]


III. Die Erziehungs- und Unterrichtsart auf der Geistigen Sonne

Im zweiten Band der ‚Geistige Sonne‘ werden wir in das jenseitige Kinderreich geführt, innerhalb dessen uns in den Kapiteln 67-105 die dortige Erziehungs- und Unterrichtsart erläutert wird, wozu uns Johannes erklärt:

„Darum aber zeige ich euch auch nach dem Willen des Herrn die lebendigen Kinderschulen in der Sonne, auf dass ihr daraus entnehmen möchtet, wie man eigentlich auch auf der Erde die Schule des Lebens handhaben sollte!“ (GS.02_071,25)

1. Die verschiedenen Erziehungsstufen der Kinder (GS 02, Kapitel 67)

1.1. Erziehung der Kinder, die von Gott und Seinem Wort keinen Begriff und keine Vorstellung haben
1.Stufe: Sorge um das äußere, leibliche Wohl der Kinder (V 5-6)
2.Stufe: Stehen und Gehen lernen (V 7).
3.Stufe: Sprechen lernen (V 7).

1.2. Begriffsauffassung und Begriffsammlung
4.Stufe: Anhand von Spielsachen Begriffe sammeln. In kleinen Gruppen von einem Lehrer Gegenstände benennen lernen (V 9-10).
5.Stufe: Die Benennung zusammengesetzter Begriffe erlernen, um daraus den Grund und die Bestimmung der Gegenstände herauszufinden (V 12).
6.Stufe: Begriffe verbinden. Erlenen der Worte, durch welche Handlungen, Tätigkeiten, Zustände, Beschaffenheiten und Eigenschaften ausgedrückt werden (V 12).

1.3. Umsetzung der Begriffe in die Tat.
7.Stufe: Das Gelernte wird durch Austausch über persönliche Wahrnehmungen anhand von Anschauungstafeln und Theaterstücken angewandt (V 13).
8.Stufe: Ausweitung mit Bezug auf Gott, Nacherzählung des äußerlich Geschauten (V 14).
9.Stufe: Ausbildung der Ausdrucksfähigkeit. Wenn die Auffassungsfähigkeit der Kinder gewachsen ist, werden sie über die geschichtliche Darstellung in Bezug auf den Herrn in Form von Bildertafeln und Erzählungen unterrichtet (V 15).

1.4. Erziehung zur Selbständigkeit und Selbsttätigkeit.
10.Stufe: Selbstaufführung und Nacherzählung kleinerer Stücke. Ziel ist, die Kinder zur Selbsttätigkeit und Selbstdenken anzuleiten (V 16-17).
11.Stufe: Erfindung und Darstellung neuer Darstellungen in Tat und Wort (V 18).
12.Stufe: Weiterführung in feinerem, präziserem Ausdrücken (V 19). Vergleich mit der Erziehung auf der Erde: Im Geist lernt es sich zwar schneller als im materiellen Leib, welcher nicht selten mit großen Schwächen und Unbehilflichkeiten behaftet ist. Würde auf der Erde jedoch auch eine ähnliche Lehrmethode angewandt werden, so würden die hier lebenden und wachsenden Kinder ebenfalls ums Unvergleichliche schneller zum geistig entwickelten Ziel gelangen als so, wo das Kind zuerst mit allerlei Unrat angestopft wird, welcher danach bei der gründlicheren Bildung des Kindes erst mühsam hinausgeschafft werden muss, bevor das Kind zu etwas Reinerem aufnahmefähig wird (V 20).

Aber obschon das geistige Erfassungsvermögen im Jenseits viel schneller und größer als das auf der Erde ist, so machen dennoch unvollkommenere Geister weniger schnelle Fortschritte als geistig vollkommenere (Kap 69, V 15).

2. Anschauungsunterricht in stufenweisen Abteilungen um das Lesen und Schreiben zu lernen (Kapitel 68)
Haben die Kinder diese Elementarstufen durchgemacht, so werden sie von einem Lehrer in 10er Gruppen unterrichtet:

1.Stufe: Detaillierte Bilder verstehen lernen als ein erster Anfang zum Lesen (V 3).
2.Stufe: Mit Bildern, die lediglich aus Konturlinien bestehen, wird das Denken gefördert, um aus der Verbindung der Linien das frühere Bild herauszufinden.
Ziel: Anleitung zur Tätigkeit des inneren Gemüts (V 6).
3.Stufe: Mit Bildern, die nur aus Grundlinien bestehen, und um welche die anderen Konturlinien bloß durch Pünktchen ausgedrückt sind, soll auf die Grundbedeutung des Bildes  zurückgefunden werden.
Ziel: Herausfinden der tieferen Bedeutung der Bilder (V 7).
4.Stufe: Nun sind die Grundlinien nur noch Konturpunkte, die viele historische, meistens auf Jesus bezogene, Situationen darstellen. Auch kommen menschliche Figuren vor, die die Teile und Gliederung des Menschen sichtlich darstellen.
Ziel: Erkenntnis, wie die Teile des Menschen geordnet sind und wie der Mensch zu allem einen Bezug hat (V 9).
5.Stufe: Die Linien lösen sich immer mehr auf; die Kinder werden in die Grundstruktur der Zeichen eingeführt, wodurch sie auf das Verständnis der Urschrift hingeführt werden sollen, die mit dem ganzen Menschen korrespondiert.
So erlernen sie das Lesen durch das Verstehen des Gesamtzusammenhangs, der in seine Bestandteile zergliedert wird (V 11-13).

Das Erlernen des Sprechens erfolgt plastisch und dramatisch, während das Erlernen des Lesens flach gestellt und in kleinen Maßstäben erfolgt. Es wird beständig vollkommener lesen gelehrt; und dies besteht darin, dass die Schüler aus der Gestalt dieser oben dargestellten inneren Schrift, die geistig ist, durch Entsprechungen am Ende auch alle weltlichen äußeren Schriften finden und erkennen lernen. Auf diese Weise erlernen die Kinder auch die Fertigkeit des Schreibens (V 16).

3. Unterweisung in Erdkunde und Geschichte von der Entwicklung der Erde (Kapitel 69)
Hier erfolgt folgender Unterricht:
1.Stufe: Betrachtung des Globus in äußerer, allgemeiner Weise bis in immer feinere Strukturen.
2.Stufe: Rückführung von heute bis zu den Zeiten Adams und wie die Erde entstanden ist.
3.Stufe: Betrachtung von äußerlichen Erscheinlichkeiten bis zum Geistigen, also von der Gegenwart zur Ursache zurück bzw. von außen nach innen (V 11).

Auf der Erde findet sich in keinem Unterrichtsfach etwas, das nicht entsprechendermaßen schon lange vorher im Geist vorhanden gewesen wäre. Somit ist auch ein Erdglobus auf der Erde durchaus keine solche Erfindung, die da nicht zuvor im reinen Gebiet des Geistes schon lange vorhanden gewesen wäre (V2).

4. Das Wesen und die Entstehung der Erde (Geologie / Kapitel 70)
1.Stufe: Betrachtung des Inneren vom Globus (V 1-6)
2.Stufe: Miterleben der Entstehung einer Welt (V 7ff)
Ziel: Erlernen der Bestimmung aller Elemente, die im tiefen Inneren der Erde liegen, nämlich zunächst ihre Befreiung zum äußerlichen Leben auf der Erde bis zu ihrer Erlösung im geistigen Leben (V 5).

5. Von der heiligen Schule des Lebens (Kapitel 71)
Im Reich der vollkommenen Geister ist das (geistige) Denken von außen nach innen gekehrt, während weltliches Denken von innen nach außen gekehrt ist (V2).

Die Menschen auf der Erde streben nur nach den nichtigsten und eitelsten Dingen, glauben und vertrauen dem Herrn nur so lange, solange ihnen leiblichermaßen nichts abgeht. Kommt aber eine geringe Versuchung, fallen sie in ihre alten Zweifel zurück und werfen sich statt dem Herrn nur einer wenig nützenden und sehr schlecht helfenden Welt in die Arme, was zeigt, dass ihr Sinn nicht nach innen, sondern nur nach außen gekehrt ist. Und so hemmt weltliches Denken den Fortschritt, besonders bei Prüfungen und Versuchungen, wo stets die Hilfe im Äußeren gesucht wird. Daher kommt es auch bei weltlich äußeren Gelehrten, dass sie bei ihrem Versterben unter Verlustangst leiden und das Empfinden des Verlorenseins haben (V 3+7).

Nur derjenige kann in das Reich der Himmel oder des ewigen Lebens eingehen, der die geistige Wiedergeburt erlangt hat. Hierzu ist ein werktätiges Leben nach der Lehre Jesu, die er mit seinem Blut besiegelt hat, in all ihren Teilen notwendig. Wer Ihm auf diese Weise nicht nachfolgen will, der muss es sich selbst zuschreiben, wenn er dadurch das Leben des Geistes verwirkt (V 8-10).

Die richtige Glaubensstärke ist erst dann vorhanden, wenn sie von innen kommt. Nur wer sich vor aller Welt zu Jesus und seinem Glauben bekennt, dadurch Jesus wahrhaft in der Fülle und Wahrheit in seinem Geist wird aufgenommen haben, wird in das Reich Gottes aufgenommen werden. Nur wer alles Weltliche aus sich verbannt hat, überkommt den Geist der Kraft und Stärke, fürchtet keine Welt mehr, bekennt die ewig lebendige Wahrheit in sich offen und reißt durch die Gewalt seines Glaubens und der Liebe zum Herrn das Haus des Vaters an sich (V 16+18-20+23-25).

6. Lehrsaal der Schöpfungsgeschichte des Menschen (Kapitel 72)
In diesem Unterrichtsstadium erfolgt die Veranschaulichung des Falles Luzifers und der Schöpfung der Erde und des ersten Menschenpaares, sowie der geistigen Erde und wie sie sich aus dem Menschengeschlecht bildet. Weiter auch der geistigen Sphären, wo sich die Seelen Verstorbener je nach ihrem geistigen Entwicklungsstand aufhalten und sich nach oben oder nach unten entwickeln (V 2-15).

Den Schülern wird erklärt, was die Sünde ist und wie ein freies Wesen auf der Erde lebend sich versündigen kann (V 16).

Während des Unterrichts werden wohlgeordnete Spielstunden als Ruhepausen des Geistes gewährt, und vor dem Übertritt von einem Lehrabschnitt in den anderen gibt es größere Ruheperioden (V 17-18).

7. Schulhaus der 12 göttlichen Gebote (Kapitel 73-105)
Hier gilt es, die Gebote kennen zu lernen, und sie dann werktätig an sich selbst zu erproben und erfahren, wie man sich unter einem gegebenen Gesetz verhält (K73, V11).

1.Stufe: Die Führe zur Gottsuche
Zwar hat ein jedes Kind grundsätzlich erst einmal einen Glauben an Gott (K73, V10). Damit sie jedoch ihren Glauben erhärten können, streut der Lehrer Zweifel in ihn und stellt an sie die Frage, ob überhaupt ein Gott existiert. Sie bekommen die Aufgabe, Gott in sich zu suchen. Gibt es einen, so werden sie ihn sicher finden und er wird ihnen in ihrer Liebe zu ihm antworten (Gesetz der Anziehung: Liebe mit Liebe anziehen) (Kap 73, V13-19).
Da jedoch die Kinder nun mit Zweifeln die Existenz Gottes in Frage gestellt haben und sie äußerlich mit ihrem Verstand und ihrem Gemüt suchen, finden sie ihn nicht. Doch sie sollen lernen, Gott mit der größten Bestimmtheit und auch zweifellosem Glauben an Ihn in Liebe zu suchen. Daher werden sie vom Lehrer nochmals zu einer erneuten Suche nach Ihm ausgeschickt (Kap 74, V 9-12). Wer Ihn jedoch wiederum mit dem Verstand sucht und noch voller Zweifel ist, findet Ihn wiederum nicht (Kap 75, V 3).
Doch ein Kind, das Gott liebt und niemals an seiner Existenz zweifelt, geht in sein Inneres, wo es Gott mit seiner Liebe erfasst. Dort kommt Jesus als schlichter Mann zu ihm und es erkennt ihn als Gott und himmlischen Vater (Kap 74, V 13-15 + 19-21).
Wenn dann dieses Kind mit Jesus in dem schlichten Mann mit den anderen zusammen kommt, so verhindert dennoch deren falsches Gottesbild Ihn zu erkennen, da sie der Meinung sind, dass Gott in aller Pracht und Glanz erscheinen müsse.
Belehrung des Lehrers: Je mehr Glanz von außen, desto weniger Licht von innen. Je mehr Licht aber von innen, desto weniger Glanz dem Außen nach.
Er leitet sie dazu an, dem schlichten Mann Fragen zu stellen, um zu erlernen, ihn erst einmal an seiner Weisheit zu erkennen. Die Kinder stellen ihm Fragen und bitten ihn, sie näher zu Gott zu führen, da sie nach Gott eine stets größere Sehnsucht haben je mehr er sich hinter ihren Zweifeln verbirgt. Mit Hilfe des Kindes, das ihn bereits gefunden hat, erkennen sie endlich Jesus (Kap 75, V 1+7-17).
Es ist die Sehnsucht, die die Gewissheit über die Existenz Gottes entstehen lässt, denn in ihr liegt ein großer Beweis, weil man sich dessen vergewissern möchte wonach man sich sehnt, und der Grund der Sehnsucht die Liebe zu dem ist, nach dem man sich sehnt. Deshalb geht man auch auf den Grund seiner Sehnsucht selbst zurück. Kündigt sich da die große Wahrheit nicht an, ist alles falsch; kündigt sie sich aber da an, so ist man zu der lebendigen Überzeugung gekommen, dass sie nur in ihrem Grund selbst zu erkennen und zu erschauen ist (Kap 75, V 15-19). Wer daher Jesus einmal mit der Liebe seines Herzens gefunden hat, verliert ihn ewig nicht mehr (Kap 74, V 21).  

2.Stufe: Einführung in die tiefe Bedeutung der einzelnen Gebote
Nun werden die Kinder in die tiefe Bedeutung der einzelnen Gebote eingeführt. (Ausführliche Erläuterungen s.u.: „Die zwölf Hauptgrundsätze der Lehre Jesu, enthalten in den zehn Geboten Mosis und den zwei Liebesgeboten“). Damit sollen sie durch den Glauben zum Lieben und später zur werktätigen Umsetzung geleitet werden.

3.Stufe: Praktischer Unterricht der nun erwachsenen Schüler in der Nächstenliebe         
Alleiniges Wissen ohne Praxis taugt zu nichts. Und da es hauptsächlich auf das Tun ankommt und die Tätigkeit aus der Nächstenliebe der Hauptgrundsatz alles geistigen Wirkens ist, so wird dieses Gebot der Nächstenliebe hier auch mehr tatsächlich als theoretisch gelehrt. Die Schüler sollen die wahrhaftigen Nächsten, die weniger Nächsten und dann auch die Fernen unterscheiden lernen und erkennen, wie sie sich zu ihnen zu verhalten haben.
Zunächst müssen sie völlig erkennen lernen, dass man aus Mitgefühl nicht über den Anderen bestimmend auftreten darf, sondern die eigentliche Nächstenliebe darin besteht, dass man einem jeden Wesen seine Freiheit lassen und ihm das Seinige geben muss, d.h. das, was dessen Liebe innerhalb Gottes Ordnung –  basierend auf den 12 Geboten –  verlangt. Denn eines jeden Menschen Liebeart ist das ihm eigentümliche Lebenselement.
Bevor die Nächstenliebe in die praktische Anwendung gebracht wird, muss also erst einmal genau die Liebeart derjenigen erforscht werden, denen man helfen will. Und wie sich diese Liebe vorfindet, so muss auch nach dieser Liebe gehandelt werden.
Dann müssen auch die Wege der göttlichen Ordnung erkannt und einsehen gelernt werden, auf welchem und wie der Nächste dort zu führen ist. Niemandem darf irgendeine Gewalt angetan werden. Sein freier Wille, gepaart mit seiner Erkenntnis, bestimmt seinen Weg, und seine Liebe die Art und Weise, wie er auf demselben zu leiten ist (Kap 105, V 3-4+6+9+12-14).


IV. Erziehungs- und Lehrhinweise Jesu

Wie eine Schule aussehen soll
„So ihr aber aus Liebe zu Mir in einer Gemeinde ein Haus erbauen wollt, so sei das ein Schulhaus für eure Kinder, und gebt ihnen auch Lehrer nach Meiner Lehre hinzu!“ [GEJ.09_044,05]

„Für die Kinder mag die Gemeinde ein eigenes Schulhaus errichten und es mit einem oder bei einer größeren Gemeinde nach Bedarf auch mit mehreren wohlerfahrenen und sittsamen Lehrern versehen, die der Jugend das Lesen der Schrift, also auch das Rechnen, das Selbstschreiben und noch mehrere nützliche Kenntnisse beizubringen haben. Haben sie das an jedem Tag gewissenhaft und redlich mit Fleiß und Eifer getan, so haben sie auch an einem jeden Tag den Sabbat geheiligt; und der Gemeinderabbi wird dasselbe tun, wenn er solch eine Schule zu öfteren Malen besucht und Lehrer und Schüler zu Fleiß und Eifer ermuntert und ihnen von Zeit zu Zeit gute Lehren gibt in Meinem Namen. Was er aber da zu reden haben wird, für das wird schon von Mir aus gesorgt werden.“ [GEJ.08_090,01]

Zeremonielle Anschauung
„Wenn euch Kinder gegeben werden, womit wollt oder könnt ihr sie Mich und Meinen Willen besser als eben durch Hilfe der zeremoniellen Anschauung erkennen lehren? – Ihr alle seid anfangs nichts als Juden und Kinder und bedürft daher sehr wohl kirchlicher Zeremonie, solange ihr noch Kinder seid, nur – was sich von selbst versteht – hat es bei derselben nicht zu verbleiben; sondern wer die Elementarklasse durchgemacht hat, der trete in eine höhere Klasse und lerne da lesen und schreiben und endlich rechnen in Meiner Liebe und handeln in der Gnade Meiner Weisheit. Und dessen Herz liebend rein geworden ist, der komme dann in Meine Schule, in der er erst zum ewigen Leben gelangen wird durch die Wiedergeburt. Wer aber, sein Inneres unbeachtend, an der Zeremonie hängenbleibt, die an sich tot ist, der wird selbst tot werden, da er so dumm finster war, in äußeren sinnlichen Mitteln den Zweck zu suchen, was der größte Unsinn ist, ja ein Unsinn, der an die krasseste Tollheit grenzt.“ [HiG.03_40.08.15,10-11]

Mit der Ausbildung des Gemüts beginnen
„In der Folge aber werden auch die Kindlein, so sie auf Mein Wort und auf Meinen Namen gezeichnet und getauft werden, den Geistesfunken Meiner Liebe ins Herz ihrer Seele gelegt bekommen; aber dieser wird dennoch nicht wachsen bei einer verkehrten Erziehung, wohl aber bei einer Erziehung nach Meiner euch allen nun überklar gezeigten Ordnung, nach der vor allem das Gemüt, und von dem aus erst entsprechend der Verstand, gebildet werden soll. Das Gemüt aber wird gebildet durch die wahre Liebe und durch Sanftmut und Geduld.
Lehrt früh die Kindlein den Vater im Himmel lieben, zeigt ihnen, wie gut und liebevoll Er ist, wie Er alles, was da ist, zum Besten der Menschen höchst gut, schön und weise erschaffen hat, und wie gar so sehr Er besonders den kleinen, Ihn über alles liebenden Kindlein zugetan ist! Macht sie bei jeder besonderen Gelegenheit aufmerksam, dass so etwas alles der Vater im Himmel anordnet und geschehen macht und lässt, so werdet ihr die Herzen der Kleinen zu Mir kehren, und Meine Liebe wird in ihnen ehest zu wuchern anfangen! Wenn ihr also die Kleinen leiten werdet, dann wird eure leichte Mühe euch bald die güldensten Früchte tragen, – sonst aber Dornen und Disteln, auf denen weder Trauben noch Feigen wachsen!“ [GEJ.04_220,11-12]

Folgen der zu frühen Verstandesbildung
„Wer denn seine Kinder beim Verstand zu wecken und zu bilden anfängt, der beginnt ein Haus beim Dachgiebel zu bauen und schöpft Wasser in ein durchlöchertes Gefäß. Nass wird es wohl sein, solange sich der Schöpfer mit solch einer vergeblichen Arbeit abgeben wird; aber es wird für sich dennoch nie ein Tropfen lebendigen Wassers darin verweilen, und mit den wundervollen Äußerungen des Seelenlebens wird's wohl für alle Zeiten nichts sein. Man müsste denn das durchlöcherte Gefäß klein verstopfen mit einer unsäglichen Mühe, so möchte es dann auch wohl das Wasser halten. Aber wie leicht verfault ein zu wenig gutes und fest eingepfropftes Zäpfchen, und das Gefäß kann mit der Zeit wieder ganz lebenswasserleer werden! Es ist das also zu nehmen: Ein verstandesgebildeter Mensch kann es durch viele Selbstverleugnungen auch zu einer wirksamen, nachträglichen Gemütsbildung bringen; ist er aber dabei nicht äußerst sorgsam und gibt nicht gehörig acht auf die vielen Pfropfen, mit denen er sein Lebensgefäß in allen seinen vielen Löchern (irdischen Schwächen) verstopft hat, und lässt er auch nur einer Schwäche oder einem Löchlein, das nicht sorgsam genug verstopft ist, Luft, so wird er sich ehest überzeugen, wie das angesammelte Lebenswasser ihm durchgegangen ist, und wie er ganz unvermerkt wieder ganz der alte Mensch ohne allen inneren Lebensgehalt geworden ist!“ [GEJ.04_220,03-04]

„Wo immer man mit der Verstandesbildung der Gemütsbildung vorangeht, ist die Bildung verkehrt.“ [GEJ.04_219,10]

Schulunterrichtsaufbau
Roklus: „Es fragt sich bezüglich der Erziehung der Kinder in deiner Lehre! Soll man bei ihnen auch jede bildliche Versinnlichung einer ihnen beizubringenden Sache möglichst vermeiden?“ Sage Ich: „Allerdings, denn bildliche Vorstellungen bleiben nirgends so fest haften als eben im Gemüt der Kinder und sind nachher schwer ganz aus ihnen zu entfernen! Lehrt sie nur zuerst ganz mechanisch lesen, schreiben, rechnen; dann enthüllt vor ihnen noch die Gestalt der Erde und zeiget ihnen gleich überall den wahren Grund, insoweit sich dieser für sie geziemt, und insoweit sie denselben zu fassen imstande sind! Bereichert sie mit allerlei nützlichen Kenntnissen, und lasst sie auch mit euch allerlei kleine Erfahrungen machen, und begeistert sie für alles Gute und Wahre.“ [GEJ.05_134,02-04]

„Ich aber sage euch noch hinzu, dass ihr eure Mühe auch dahin verwendet, dass alle Menschen schon von Kindheit an ordentlich lesen, schreiben und rechnen lernen sollen – nicht nur die Reichen allein –, sonst nützen euch die geschriebenen Bücher wenig. Sucht vor allem eine rechte Bildung des Wissens und daraus des Herzens bei den Menschen zu bewerkstelligen, so werdet ihr euch einen großen Lohn in Meinem Reich bereiten, und ihr werdet dadurch auch ein leichtes Handeln auf der Erde mit den Menschen haben; denn mit wahrhaft gebildeten Menschen ist leicht zu reden und zu verkehren. Aber sucht eine rechte und ganze Bildung unter den Menschen auszubreiten; denn eine halbe Bildung ist oft schlechter als gar keine!“ [GEJ.06_124,04]

„Es soll dabei dennoch wohl darauf gesehen werden, dass die Menschen […] nicht ihr Leben lang sich mit dem Studieren der Schriften und Sprachen abgeben und dabei die innere, geisterweckende Bildung vergessen, in der am Ende doch ganz allein aller Wert des Lebens besteht. Denn was nützte es einem Menschen, so er alle Schriften der Welt schreiben und verstehen und aller Menschen Zungen reden könnte, an seiner Seele aber Schaden litte?!“ [GEJ.07_126,08]

Wirkungen falscher und rechter Bildung
„Wahrlich, so da ist irgend ein Vater oder eine Mutter, die da nur sorgen darum, dass ihre Kinder in dieser Welt wohl versorgt werden möchten, und achten nicht höher den Wert des Lebens der Seele ihrer Kinder, die haben sich und ihren Kindern ein Grab zum ewigen Tod gegraben; denn was immer der Welt ist, das ist des Satans, also des Gerichtes und des Todes der Materie!“ [GEJ.05_171,07]

„Wenn derart Menschen dann auch Kinder wie gewöhnlich bekommen, so werden diese doch unmöglich anders erzogen als nur in der Art, durch die ihre Eltern zum Weltglück emporgekommen sind, nämlich durch allerlei Weltklugheit. Sie lassen dann solche Kinder allerlei lernen, – aber alles nur für die Welt! Da wird auf die zuerst berücksichtigt werden sollende Bildung des Gemüts nicht die allergeringste Rücksicht genommen, kann auch nicht genommen werden, weil die Eltern und die ihnen aus Gewinnsucht gefällig und angenehm werden wollenden Lehrer und Erzieher selbst keinen Begriff von dem Gemüt einer Seele mehr haben.
Alles wird auf früheste Bildung und Schärfung des Verstandes verwendet. Dazu wird das Kind durch allerlei Geschenke und Auszeichnungen so viel als möglich angeeifert, wird dabei schon in der frühesten Zeit in der Selbst- und Gewinnsucht mit der Bildung des Verstandes so viel als nur möglich geübt, trägt feine und geschmückte Kleider und kennt sich oft schon im zehnten Lebensjahr vor lauter Hochmut nicht. Wehe dem armen Kind oder auch einem anderen armen Menschen, der solch einem verbildeten Kind die gewünschte Ehre nicht bezeigte oder es etwa gar verhöhnte! Denn der hat sich an solch einem verzogenen Kind einen bleibenden Feind gezogen!
Wo ist aber dann bei solchen Menschen noch an jene Mir ähnliche innere Lebenskraft zu denken?! Wo ist da des Menschen Herrlichkeit über die gesamte Natur und über die Elemente, aus denen am Ende alles Geschaffene besteht und bestehen muss?!
Wird aber bei dem Menschen das Gemüt zuerst und vor allem gebildet, und kommt darauf dann erst eine ganz leicht zu bewerkstelligende und wirkungsreiche Ausbildung des Verstandes hinzu, so wird der also geweckte Verstand zum lebendigen Lichtlebensäther, der die Seele also umfließt wie der Lichtäther die Sonne umflutet, aus dem heraus dann alle jene herrlichen Wirkungen zum Vorschein kommen, die ihr diese Erde allenthalben beleben seht.
Bei der rechten Bildung der Seele des Menschen ist und bleibt die Seele ein Inwendiges und ein Tätiges, und das, was ihr ,Verstand‘ nennt, ist die ausströmende Wirkung der inneren Tätigkeit der Seele. Das Außenlicht des Verstandes erleuchtet der Seele alle noch so kritischen äußeren Verhältnisse, und der Wille der Seele geht dann in dieses Außenlicht über und wirkt wunderbar alles Befruchten und Gedeihen; denn weil so gestellt ist des Menschen Ordnung nach Meiner Ordnung, so ist der Wille und das Vertrauen eben auch ein aus Mir oder aus Meinem allmächtigen Wollen Hervorgehendes, dem sich doch sicher alle Kreatur fügen muss. Was dann ein solch geordneter Mensch will, das muss geschehen im weiten Umkreis, weil die Außenlebenssphäre eines Menschen eigentlich von Meinem Geist durchweht wird, dem alle Dinge möglich sind.“ [GEJ.04_217,04-08]

Die wichtigste Ausbildung – worauf es ankommt
„Übrigens sehe, Mein lieber Willig, bei allen deinen Kindern nur auf die Bildung des Herzens! Denn diese zählt bei Mir allein. Alles Übrige hat bei Mir keinen Wert. Und würden deine Kinder mehr wissen denn Salomo in aller seiner Weisheit, so würde alle deine Mühe gleichen der der Goldmacher, deren Unternehmen noch allezeit zu Asche geworden ist. Lehre die Kinder daher demütig sein und vertrauen auf Meinen Namen, so wirst du ein guter Arbeiter Meines Weingartens werden und mit Meinem Lohn zufrieden sein ewig! Amen.“ [HiG.01_41.04.18,08-09]



Dezember 2018



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