Jakob Lorber - Die Gebote des Herrn - Der Prophet Jakob Lorber und seine Verkündungen ... Jakob Lorber

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Jakob Lorber - Die Gebote des Herrn

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Die zwölf Hauptgrundsätze der Lehre Jesu, enthalten in den zehn Geboten Mosis und Seinen zwei Liebegeboten

Gott hat dem Menschen Gebote zum Heil seiner Seele gegeben. Will er sie befolgen, so wird er leben und glücklich sein für ewig; will er sie aber nicht beachten, so wird er sich dafür nur selbst strafen, denn Gott hat eine ganz feste und unwandelbare Ordnung gestellt, ohne die kein Dasein eines Geschöpfes denkbar möglich wäre.
Infolge seines freien Willens soll der Mensch sich selbst nach diesen Geboten richten, leiten und bilden. Hat sich der Mensch durch die Haltung der Gebote den Willen Gottes zu eigen gemacht, so wird er sich selbst vollenden nach dem Willen Gottes und wird ein freies selbständiges und Gott ähnliches Wesen, ausgerüstet mit aller göttlichen Liebe, Weisheit, Macht und Kraft, und hat den Zustand der wahren Wiedergeburt des Geistes erreicht. Er ist dann als Kind Gottes so vollkommen wie der Vater im Himmel Selbst, durch die Wege, die ihm von Gott gezeigt worden sind (GEJ.07_201,04ff.; GEJ.07_030,06ff.; GEJ.07_054,08ff.).
Sonach sind die in den zehn Geboten Mosis und den zwei neuen Liebesgeboten enthaltenen Hauptgrundsätze der Lehre Jesu folgendermaßen zu verstehen:


1. „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Du sollst an einen Gott glauben.“

Im ersten Gebot liegt der Weg zur Freiheit des Geistes (GS.02_073,08).

Dieses Gebot wird mehr als vollkommen erfüllt, so der Mensch durch den ungezweifelten, lebendigen Glauben an den einen Gott Ihn erkennt und Ihn daher über alles liebt (GS.02_075,17-22; GEJ.07_028,05ff.).

Dafür muss man zunächst Gott mit dem größten Ernst und zweifellosen Glauben in Liebe suchen. Wer Ihn mit seiner Liebe erfasst, wird auch in seiner Sehnsucht nach Ihm und in der Gewissheit wachsen, dass es einen Gott gibt. Und hat er Ihn einmal mit der Liebe seines Herzens gefunden, so verliert er Ihn ewig nicht mehr (GS.02_074,09-21).

Wer jedoch an Ihm zweifelt und nur mit seinem äußeren Verstand sucht, wird Ihn nicht finden. So verhindern ebenfalls eine falsche Glaubenserziehung und falsche Gottesbilder Sein Erkennen (GS.02_075,03+07).


2. „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht. Du sollst den Namen Gottes nicht eitel nennen.“

Wenn der Mensch Gott aufrichtig liebt, wird es ihm unmöglich sein, Seinen Namen, der da heilig ist, je irgend zu verunglimpfen, zu verunehren und zu entheiligen, weder durch Worte noch durch Gedanken, Begierden und Taten (GS.02_048,10). Denn was ein Mensch im höchsten Grad lieb hat, das ehrt er auch stets am meisten, und er wird sogar gegen jeden bitter und sehr ernst auftreten, der es ihm gegenüber wagen würde, sein Allerliebstes irgend zu verunehren (GEJ.07_028,05ff.).

Doch Gottes Name soll nicht bloß mit dem äußeren Mund genannt, sondern, da Er der Grund des Lebens ist, auch allezeit im Grund des Lebens und im lebendigen Innersten ausgesprochen werden, und zwar in allen Handlungen allzeit lebendig werktätig. Denn was immer der Mensch tut, das tut er mit der ihm von Gott verliehenen Kraft. Wenn diese Kraft aber zu argem Handeln verwendet wird, so wird alles Göttliche im handelnden Menschen entheiligt, denn diese Kraft ist der lebendige Name Gottes in ihm. Also sagt dieses Gebot, dass man den Namen Gottes fürs erste erkennen soll, was Er ist und worin er besteht, und soll dann denselben nicht eitel mit äußeren Worten wie einen anderen Namen nur aussprechen, sondern allzeit tatkräftig. Daher soll der Mensch auch alles, was er tut, in diesem Namen tun. Tut er das, so ist er einer, der den Namen Gottes nicht mit äußeren Worten, sondern tatkräftig und lebendig in sich ausspricht (GS.02_076,08-09; GEJ.02_111,05-08).


3. „Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligst, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat.“

So ein Mensch Gott über alles liebt und eben darum auch über alles ehrt, so wird er sich auch gerne vom weltlichen Tagesgeschäft zurückziehen und sich mit dem Gegenstand seiner heißesten Liebe beschäftigen, d.h. in der Liebe und Ruhe seines Herzens gerne an Gott denken und sich mit Ihm unterhalten (GEJ.07_028,05ff; GS.02_048,11).

Der Sabbat ist kein besonderer Tag in der Woche oder im Jahr. Da der Mensch aber diesen heiligen Ruhetag des Herrn im Gewühl der Welt meistens nicht finden kann, soll er sich wenigstens an einem Tag in der Woche von seinen weltlichen Geschäften zurückziehen und an diesem Tag der heiligen Ruhe Gott in sich suchen, und sich an diesem Tag mit Geistigem und dem beschäftigen, was des Herrn ist. Dabei kommt es jedoch nicht auf eine äußere Sabbatheiligung an, sondern auf die Haltung des Gebotes in geistiger Sicht, und diesen innwendigen Sabbat kann nur derjenige heiligen, der aus ganzem Herzen die beiden Liebesgebote Gottes erfüllt (GS.02_076,15-16).


4. „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest und es dir wohlergehe in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.“

Die Eltern sind auf der Erde wohl die ersten Nächsten ihrer Kinder und lieben sie überaus. Sie sind die Ernährer, Beschützer und Erzieher und verdienen darum auch sicher alle Liebe, Gehorsam und Ehre von den Kindern. Wenn ein Kind seine Eltern liebt und ehrt, so ist es auch bemüht, alles das zu tun, was den Eltern eine rechte Freude macht. Mit diesem Gebot sind jedoch nicht unbedingt der Zeugevater und die gebärende Mutter bezeichnet, sondern vielmehr diejenigen Eltern, die sich um das Kind liebevoll gekümmert haben (GS.02_048,12; GEJ.03_211,09ff.).

Ein Kind, das seine Eltern liebt und ehrt, das wird auch seine Geschwister lieben und ehren und stets bereit sein, ihnen alles Gute zu tun. Darum wird es auch alle anderen Mitmenschen lieben, weil es weiß und erkennt, dass sie alle Kinder des einen und desselben Vaters im Himmel sind. Aus der ursprünglichen wahren Liebe zu den Eltern wird der Mensch zur Erkenntnis Gottes, seiner selbst und zur rechten Erkenntnis auch seiner Nebenmenschen geleitet und sieht dann bald und leicht, warum Gott die Menschen erschaffen hat, und was sie alle werden sollen. Dadurch gelangt er dann stets mehr und mehr zur Liebe zu Gott und durch diese zur Vollendung seines inneren, wahren, geistigen Lebens (GEJ.07_029,01ff.).

Auch die Erde als Mutter aller Menschen und ihre stets neues Leben gebärende Kraft ist mit diesem Gebot gemeint. Dieser soll der Mensch auch nicht den Rücken zukehren, sondern sie tatsächlich in hohen Ehren halten, und er wird gesundes Leibes ein langes Leben überkommen und auch ein rechtes Wohlergehen. Von dieser Mutter kann ein emsiger Mensch auch am meisten alles Gute, Große und Wahre erlernen, und wer da fleißig und mit großem Ernst in der Natur forscht, wird vielen Segen für sich und für seine Brüder zum Wohlergehen ans Tageslicht fördern (GEJ.03_211,09ff.).

Im tieferen Sinn bedeutet dieses Gebot, dass man der Ordnung Gottes gehorchen soll, welche aus Seiner Liebe und Weisheit (d.i. Vater und Mutter) ausgeht, auf dass der Mensch lange auf Erden unter Wohlergehen lebt.

Unter „langem Leben“ ist das Leben in der Weisheit zu verstehen; und es wird „lang“ nicht als Dauer, sondern als Ausbreitung und stets größere Mächtigwerdung des Lebens verstanden. Es ist daher auch die Ausbreitung der Lebenskraft gemeint, mit welcher das lebende Wesen stets mehr in die Tiefen des göttlichen Lebens gelangt, und eben dadurch sein eigenes Leben stets vollkommener, fester und wirksamer macht.

Unter dem „Wohlergehen auf Erden“ ist das Sich-zu-eigen-machen des göttlichen Lebens zu verstehen, denn unter der „Erde“ wird hier das Eigenwesen verstanden, und das Wohlergehen in diesem Wesen ist nichts anderes als das freie Sein in sich selbst nach der völlig sich zu eigen gemachten göttlichen Ordnung (GS.02_077,08-09).


5. „Du sollst nicht töten.“

Nicht töten heißt nicht zerstören, weder sich selbst, noch alles das, was des Bruders ist, denn die Erhaltung ist das ewige Grundgesetz in Gott Selbst, demzufolge Er ewig ist und unendlich in Seiner Macht. Da aber auf der Erde auch des Menschen Leib bis zur von Gott bestimmten Zeit für die ewig dauernde Ausbildung des Geistes notwendig ist, so hat ohne ein ausdrückliches Gebot Gottes niemand das Recht, eigenwillig weder seinen eigenen Leib noch den seines Bruders zu zerstören (GS.02_078,11). Wenn ein Mensch das Leben in allen seinen Brüdern achtet, dann wird er den Wert des eigenen Lebens erkennen; tötet er aber einen aus seinen Brüdern, so hat er dadurch seinem eigenen Leben eine tödliche Wunde versetzt (GS.02_048,13).

Wer seinen Nächsten liebt, kann ihn weder hassen, noch anfeinden und ihm einen Schaden zufügen, denn er weiß, dass alle den einen selben Vater haben und somit gleich vor Ihm sind. So wird er ihn auch weder leiblich und noch weniger seelisch töten wollen.

„Seelisch töten“ heißt den anderen beneiden, ihm mit dem daraus entstehenden Zorn und Hass begegnen, woraus wiederum die böse und alles verheerende Rache hervorgeht. Auch sollen sich die Menschen untereinander nicht ärgern und lästern oder durch bösen Leumund die Ehre abschneiden, denn wer das tut, der tötet die Seele seines Nebenmenschen (GEJ.07_031,10ff).

Da in Gott die ewige Erhaltung der geschaffenen Geister die unwandelbare Grundbedingung aller göttlichen Ordnung ist, so ist das Gebot nicht nur körperlich, sondern auch geistig zu verstehen, wobei töten im tieferen Sinn auch heißt, den Geist seiner himmlischen Lebenskraft zu berauben (GS.02_078,02+10).


6. „Du sollst nicht Unkeuschheit treiben. Du sollst nicht ehebrechen.“

Unter Unkeuschheit ist derjenige Gemütszustand zu verstehen, in welchem der Mensch nur sich selbst berücksichtigt, für sich selbst handelt und seines Nebenmenschen, insbesondere in Berücksichtigung seines Ehepartners, gänzlich vergisst. Dabei ist die Selbstsucht nirgends schmählicher als wie gerade bei dem Akt, wo es sich um die Fortzeugung eines Menschen handelt. Und wie der Same ist, so wird auch die Frucht sein (GS.02_080,17-19).

Das Leben des Menschen ist ein sehr geheiligter Ernst, so auch der Entstehungsakt desselben. Daher soll der Bewegungsgrund zu diesem Akt die Liebe und die Zeugung eines neuen Lebens sein, was gleich ist dem Wunsch, das Werk der Menschwerdung in der Natur des Fleisches zu ermöglichen. Somit darf dieser Akt auch nur unter diesem Hauptgrund und nicht außerhalb der Sphäre der wahren Nächstenliebe geschehen (GEJ.03_215,01ff.).

So soll auch der Mensch die zeugende Kraft im Mann und die aufnehmende Kraft in der Frau achten, denn Gott hat dieses allmächtige Fünklein aus Seiner höchsten und tiefsten Liebe in ihn gelegt. Deswegen soll er nie diese heilige Kraft Gottes in sich missbrauchen und sie auch nicht vergeblich zerstreuen; so wird er ein allzeitiger Mehrer seines eigenen Lebens und des Lebens seiner gezeugten Kinder sein (GS.02_048,14).

Unkeuschheit und Unzucht gehen miteinander einher, wobei unter Unzucht jegliche Genusssucht zu verstehen ist, wie gestaltet sie auch immer sein mag. Sie ist ein unverkennbares Kind der Eigenliebe, welche mit der Herrschliebe ganz identisch einhergeht. Als eine Sünde der Unkeuschheit tritt sie auf, wenn sich ein Mann das ohnehin schwache Weib eigennützig zum genusssüchtigen Nutzen macht (GS.02_080,20; GS.02_081,08).

Der Unkeuschheit nach aller Lebenskraft dienen heißt im eigentlichen Sinn auch die Hurerei treiben, die in ihrem Fundament eine allerbarste Selbst- und Genusssucht ist (GS.02_081,14).

Die Unkeuschheit betrifft den Leib, die Seele und den Geist. Wenn sich die Seele von ihrem Geist, ihrem eigentlichen Lebensprinzip, abwendet, wird sie zu einem Polyp, der alles um sich an sich zieht und einsaugt, was seiner Natur entspricht. Ohne den Geist trägt sie den stumpfen Sinn nach Sättigung in sich und verspürt keine andere Begierde in sich als sich zu sättigen, wodurch sie den Leib zur Unkeuschheit verleitet. Diese Begierde mit allen ihren genusssüchtigen Verfeinerungen sind nichts als Abgöttereien, denn sie sind Opfer des menschlichen Geistes an die äußere tote Naturmäßigkeit (GS.02_079,09-13; GS.02_081,12).


7. „Du sollst nicht stehlen.“

Alles was da ist, ist ein Eigentum des Herrn, und was Er gemacht hat, hat Er für alle gemacht. Darum ist es besser, nichts zu nehmen und nichts zu haben, als etwas zu nehmen und zu haben, das zuvor schon ein anderer Bruder aus der Hand des Herrn zu eigen empfing, denn nur der Herr ist ein allein rechtmäßiger Austeiler Seiner Dinge. Denn nicht stehlen heißt im eigentlichen Sinn nimmer die göttliche Ordnung verlassen, sich nicht außer dieselbe stellen und der Rechte Gottes sich bemächtigen wollen. Denn Gott allein ist heilig und Ihm allein kommt alle Macht zu. Wen Gott selbst heiligt und Ihm die Macht erteilt, der besitzt sie rechtmäßig; wer sich aber selbst heiligt und die göttliche Macht an sich reißt, um im Glanz derselben eigennützig und habsüchtig zu herrschen, der ist im wahrhaftigen Sinn ein Dieb, ein Räuber und ein Mörder. Wer also eigenmächtig und selbstliebig durch was immer für äußere Schein- und Trugmittel, seien sie irdischer oder geistiger Art, sich über seine Brüder erhebt, der übertritt dieses Gebot. So soll jeder Mensch seine in ihm wohnende Kraft und Macht nicht eigenmächtig gebrauchen, sondern allzeit nur in der göttlichen Ordnung (GS.02_083,12-14; GS.02_048,15).

Nie soll der Mensch vergessen, dass alle Menschen seine Brüder sind. Was er unternimmt, das soll er stets mit einem liebeerfüllten Herzen unternehmen; niemandem soll er je etwas Böses tun wollen, sondern allezeit nur etwas Gutes, besonders im geistigen Teil zum ewigen Leben Wirkendes. Ist so sein Sinn beschaffen, dann wird der Herr seine Handlung segnen, im

Gegenteil aber verfluchen! Denn so der Herr Selbst niemandem ein ewig tödlicher Richter sein will, dem doch alle Gewalt im Himmel und auf Erden eigen ist, und Er niemanden zu fragen hat, was Er tun oder nicht tun soll, um so weniger soll ein Mensch auf der Erde etwas nach seinem argen Willen tun. Wer den Herrn liebt, der liebt auch die Armut und will sich nicht der Reichtümern der Welt bemächtigen, denn Reichtum und Wohlleben ist der Welt und des Satans. Wer nach dem trachtet, was der Welt ist, und es liebt, der hat sich vom Scheitel bis zur Zehe dem Satan einverleibt (GS.02_084,10-12).


8. „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“

Gott ist die ewige Wahrheit, und Sein Wort ist daher auch für ewig wahr. Aus diesem Wort sind wir Menschen hervorgegangen, daher sollen wir diesem ewig heiligen Ursprung treu bleiben (GS.02_048,16). Wer demnach das göttliche Wort vernimmt, folgt aber demselben nicht, sondern folgt nur dem, was seine äußeren Augen besticht und dadurch seinen sinnlichen Willen reizt, der gibt mit jedem Tritt, den er macht, und mit jedem Wort, das er spricht, dem vernommenen Gotteswort und der erkannten Gottesordnung ein falsches Zeugnis. Auch wenn er dann die reinste göttliche Wahrheit, das reine Wort des Evangeliums reden möchte, so lügt er aber doch und gibt dem Herrn ein falsches Zeugnis, weil er nicht nach dem vernommenen Worte Gottes und dessen Wahrheit lebt und handelt. Wer sich nach der Wahrheit richtet und danach tätig ist, der wird sich mit ihr werktätig verbinden und dadurch in sich zur Einheit und somit zur göttlichen Ähnlichkeit gelangen, in der es ihm dann für ewig unmöglich wird, einen Lügner zu machen (GS.02_086,17-23).


9. „Du sollst nicht nach dem verlangen, was deines Nächsten ist.“

Wir sollen uns untereinander aus gegenseitiger wahrhaftiger Bruderliebe achten und keinen den anderen beneiden. Und wer seinen Bruder achtet im Herzen, der wird gewiss auch seinen Besitz und seine Habseligkeiten achten (GS.02_89,13-14).

Bereits mit dem Gefallen an schlechten Gendanken kann gesündigt werden, denn diese Gedanken wurden zuvor schon von einem Wohlgefallen und Willen belebt, und sind nahe, in die Tat überzugehen. Aus diesem Grund heißt es, seine Gedanken durch das geläuterte Licht des Verstandes und der reinen Vernunft zu überwachen. Nach dem Prüfen dieser Gedanken wird es dann möglich sein, sie zu ordnen und somit das Unreine, Böse und Falsche aus ihnen zu scheiden (GEJ.07_035,36).

Mit diesem Gebot wird auch die weise Beschränkung des Sammel- und Verfertigungsrechts behandelt. Wer über seine Bedürfnisse abgeleitetes Maß hinaus sammelt und verfertigt, der versündigt sich schon im ersten Grad tatsächlich wider dieses Gebot, da in diesem Gebot sogar die verlangende Begierde schon als sträflich dargestellt ist. Im zweiten Grad versündigt sich der Träge gegen dieses Gebot, der zu faul ist, sein ursprünglich gerechtes Sammelrecht auszuüben, dafür nur stets mit der Begierde umhergeht, sich dessen zu bemächtigen, was ein anderer urnaturrechtlich gesammelt und verfertigt hat. Sonach kann man sich gegen dieses Gebot auf zweifache Weise versündigen, nämlich erstens durch eine übertriebene Sammel- und Verfertigungsgier, zweitens durch gänzliche Unterlassung derselben. Für beide Fälle aber steht das Gebot gleichlautend mit der weisen Beschränkung da. Im ersten Fall beschränkt es die übertriebene Sammel- und Verfertigungsgier, im zweiten Fall die Faulheit und beabsichtigt dadurch die gerechte Mitte, denn es drückt nichts anderes aus als die Achtung mit Liebe vereint für das naturgerechte Bedürfnis des Nebenmenschen (GS.02_091,01-04).

Das neunte Gebot ist das strengste, da hier nicht nur die Tätigkeit, sondern bereits das Verlangen beschränkt wird, weil hier die größte Gefahr besteht, von Gott abzufallen. Es zieht den Geist völlig von Gott ab und kehrt ihn gänzlich zur Hölle. Das wird bereits gut ersichtlich, dass ein jeder andere Sünder nach einer sündigen Tat eine Reue empfindet, während der reiche Spekulant über eine glücklich gelungene Spekulation hoch aufjubelt und triumphiert. Das ist der rechte Triumph der Hölle, und der Fürst der Hölle sucht daher die Menschen vorzugsweise auf jede mögliche Art mit Liebe für den Weltreichtum zu erfüllen, weil er wohl weiß, dass sie mit dieser Liebe erfüllt vor dem Herrn am abscheulichsten sind und Er Sich ihrer darum am wenigsten erbarmt (GS.02_092,14-16).


10. „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib.“

Das Weib ist eines jeden Menschen Liebe, und der Nächste ist jeder Mensch, mit dem ich irgend in Berührung komme, oder der irgend, wo es sein kann, möglich und notwendig ist, meiner Hilfe bedarf. Dieses Gebot besagt also, dass ein jeder Mensch sich nicht eigenliebig die Liebe seines Nächstens fordernd zu seinem eigenen Besten verlangen soll. Denn Eigenliebe ist an und für sich nichts anderes als die Liebe des Nächsten sich zum eigenen Genuss zu ziehen, aber ihm selbst keinen Funken Liebe zurückzugeben. Daher soll keiner weder begehren noch einen Verlangen nach der Liebe seines Bruders oder seiner Schwester haben, und auch nicht nach dem verlangen, was sein Nächster liebt (GS.02_097,02-03+15+22).

Diese zehn Gebote, die von Gott gegeben sind, tragen in sich die ganze unendliche Ordnung Gottes selbst. Wer in einem oder dem andern Punkt auf was immer für eine Art aus der göttlichen Ordnung tritt, der bleibt in keinem Punkt mehr in der göttlichen Ordnung, denn wer nur im geringsten den Weg verlässt, ist schon abseits vom ganzen Weg.

Wenn sich demnach jemand in einem Punkt versündigt und dann dabei beharrt, so kommt er auf diese Weise vom ganzen Gesetz hinweg, und wenn er es nicht will und der Herr ihm nicht behilflich sein möchte, so käme er nimmer auf den Weg des Gesetzes oder der göttlichen Ordnung zurück (GS.02_095,19-21).


11. „Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte.“

Gott über alles lieben heißt Gott über alles Gesetz hinaus lieben, denn das Gesetz ist nur eine Prüfung. Die Liebe steckt nicht im Gesetz, denn jeder, der allein das Gesetz hält, hält dasselbe aus Eigenliebe um sich dadurch mit seiner Tatkraft Gottes Liebe und Seine Herrlichkeit zu verdienen. Wer aber auf diese Weise das Gesetz hält, der ist noch fern von Gottes Liebe, denn seine Liebe hängt nicht an Gott, sondern am Lohn (GS.02_101,17+27).

Wer Gott in seinem Herzen zu lieben anfängt, der hat den Weg schon zurück gelegt; wer aber Gott nur durch die Haltung des Gesetzes liebt, der ist mit seiner Liebe noch immer ein Reisender auf dem Weg, wo nicht selten Räuber und Diebe des Wanderers harren. Er muss fortwährend Schritt um Schritt weiterschreiten, um so auf die mühevollste Weise das vorgesteckte Ziel zu erreichen. Wer aber gleich Gott liebt, der überspringt den ganzen Weg, also das ganze Gesetz, und liebt daher Gott über alles (GS.02_102,02-03).

Dennoch gibt es Menschen, die den Weg viel höher halten als den Herrn. Und wenn sie schon beim Herrn sind, so kehren sie wieder um und entfernen sich von Ihm, um nur am elenden Weg zu sein. Sie haben mehr Freude an der Knechtschaft, an der Sklaverei, an dem harten Joch als an dem Herrn, der jeden Menschen frei macht. Und so heißt Gott lieben, in der Liebe Gottes wohnen (GS.02_102,12+16).

In diesem Gebot der Liebe sind Moses und alle Propheten enthalten (GS.02_098,26). Gott ist in Sich Selbst die ewige allerreinste Liebe selbst. Aus dieser unendlichen Liebe sind wir Menschen hervorgegangen, also sind wir ein Werk Seiner Liebe. Daher sollen wir auch Gott, unseren Schöpfer, mit aller unserer Liebe ergreifen und Ihn über alles lieben, d.h. mehr als alles in der Welt, sogar noch mehr als unser eigenes Leben (GS.02_048,19; HGt.01_068,27-28; GS.02_100,03-04). Gott über alles lieben heißt, Gott und Seinen geoffenbarten Willen erkennen und dann aus wahrer innerer Liebe zu dem erkannten Gott danach handeln, also Seine Gebote halten und bereit sein, für Ihn alles aufzugeben (GEJ.03_053,05ff; GS.02_100,07+13).

Wer seine ihm von Gott gegebene Liebe mit Gott als seinem Schöpfer verbindet, wird das Leben ewig nimmer verlieren. Wer aber freiwillig seine Liebe von der göttlichen Urliebe trennt und gewisserart als ein selbständig herrschendes Wesen da sein will, entfernt sich von Gott und fällt dem Satan anheim, von wo es schwer sein wird zurückzukehren (GS.02_099,10-12+01+07-08).


12. „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Wer Gott wahrhaft über alles liebt und also durch die Liebe eins geworden ist mit Ihm, der wird auch seine Nebenmenschen als ihm ebenbürtige Kinder Gottes ebenso lieben, wie er sich selbst liebt (GEJ.07_028,05ff.; GS.02_048,20).

Die eigentliche Nächstenliebe besteht darin, dass man einem jeden Wesen seine Freiheit lassen muss und ihm allzeit mit Freuden geben das Seinige, d.h. wonach es vernünftigermaßen verlangt und dessen es braucht. Dennoch soll der Mensch mit reiner und in möglichst uneigennütziger Liebe sich gegen jeden Nebenmenschen also verhalten, wie er sich gegen sich selbst verhält und das tun, was er auch wollte, dass es ihm desgleichen täte, so er es benötigte und es in seinem Vermögen stünde (GEJ.03_053,05ff.; GEJ.07_198,03; GS.02_105,06).
Der Mensch muss auch ein rechtes Maß an Eigenliebe besitzen. Jedem steht das zu, was er zu seinem nötigen Bedarf braucht, aber ein jeder soll sich nicht mehr lieben als eben notwendig ist, dass er seine Existenz erhält und dafür sorgt, dass er eben ohne Not existieren kann. Jede Eigenliebe, die größer ist, jedes Streben nach Besitztum, was darüber hinaus geht, gehört schon zu einer Übertretung der göttlichen Ordnung (GS.02_103,02-04+18; GS.02_105,06).

Ein Verstoß gegen dieses Gebot ist es auch, wenn man den Bruder oder die Schwester über das gegebene Maß hinaus liebt und mit seinem Bruder oder seiner Schwester Abgötterei treibt und ihn in der Folge damit schlechter anstatt besser macht. Jedes Übermaß, sowohl der Eigen- wie auch der Nächstenliebe ist vor Gott ein Greuel. Den Nächsten sonach wie sich selbst lieben heißt, den Nächsten in der gegebenen göttlichen Ordnung lieben, also in jedem gerechten Maß, welches von Gott aus einem jeden Menschen von Urbeginn an zugeteilt ist (GS.02_103,04+12-13+18; Weiterführendes zur Frage, worin die eigentliche wahre Nächstenliebe besteht, s. Kap. GS.02_104).


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Durch die möglichst genaue Betrachtung dieser neuen Lehre wird der im Menschen anfänglich sehr gefesselte Geist freier und freier, wächst und durchdringt endlich den ganzen Menschen und zieht sogestaltig alles in sein Leben, das ein Leben Gottes ist und daher ewig dauern muss, und zwar in der möglich höchsten Seligkeit. Das ewig freie Leben in Gott oder die Wiedergeburt des Geistes kann also nur durch die genaue und aufrichtige Haltung dieser Lehre erreicht werden (GEJ.03_053,05ff.).


Erwecke nun dein Herz!
Tue alles, was du tust, aus dem wahren Lebensgrund!
Liebe Gott Seiner Selbst willen über alles und ebenso deinen Nächsten!
Tue das Gute des Guten willen aus deinem Lebensgrunde heraus, und frage nicht
ob deines Glaubens und ob deiner Tat nach der Erfüllung der Verheißung, ob sie
wohl kommen werde oder nicht! Denn die Erfüllung ist eine Folge dessen, dass du
lebendig im Herzen glaubst, fühlst und aus dem lebendigsten Liebesdrange heraus
tätig wirst. […] Alles muss der Mensch sich zum Herzen nehmen, in dem das Leben
weilt; was er ins Herz legt, wird aufgehen und die verheißenen Früchte tragen".

                                    GEJ.03_243,04ff


Weiterführendes s.a. Die Bergpredigt, in der die Gebote auch in ihrer Umsetzung behandelt sind.




Ausarbeitung 10/2012/ aktualisiert 11/2015



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