Christentum, das innere - Der Prophet Jakob Lorber und seine Verkündungen ... Jakob Lorber

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Christentum, das innere

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Je mehr der Mensch von heute mit seinem äußeren Leben und Sein vom Strudel des Weltgeschehens mitgerissen wird, desto mehr bedarf er der Kraft des inneren Lebens, um nicht seelisch-geistig zu veröden und in seinem Wesentlichen, seinem Menschsein, zu verkümmern. Dieses innere Leben kann seine Erfüllung beim inneren Christentum finden, wo es um das Wesentliche des Christentums, nämlich das Leben aus dem Geist der unmittelbaren Gotterfahrung geht. Frei von allen Schranken der äußeren Religion bzw. Konfession macht es uns bewusst, dass Christus heute wie einst lebendig gegen-wärtig ist – nicht in einem fernen Himmel, sondern uns ganz nahe – im innersten Grunde unseres Wesens.

„Ihr aber seid der Tempel des lebendigen Gottes.“ (2. Kor 6,16)

„… werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch […] Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“ (Jh 14,20+23)

„ein Gott und Vater unser aller, der da ist über euch allen und durch euch alle und in euch allen“  (Eph 4,6)

„Christus in euch“ (Kol 1,27)

So verlangt Jesus nicht nur Glaube und Bekenntnis, sondern tätige Nachfolge, zu der auch eine selbst-besinnende Einwärtswendung gehört, da wir letztendlich nur das Reich Gottes in uns finden können: „Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch“ (Lk 17,20-21). Aus diesem Grund spricht man auch von einem inneren Christentum, weil es uns nach innen weist und erfahren lässt, dass wir auf dem Weg nach innen in eine wachsende Helle hineinschreiten („Mache dich auf, werde licht!“ (Jes 60,1)) bis wir, im Zentrum unseres Wesens, selbst lauter Licht sind („Wenn nun dein Leib ganz licht ist“ (Lk 11,36)) und wissen, dass wir tief innerlich göttlichen Wesens sind, eins mit Christus und Träger der Fülle und Vollkommenheit Gottes. So führt das innere Christentum unmittelbar zum Einssein mit Gott („Jesus: … dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir“ (Jh 17,22)) und ebenfalls die Geburt Christus in uns („… bis dass Christus in euch eine Gestalt gewinne“ (Gal 4,19)), sodass wir dann mit Paulus ausrufen können: „Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20). Dann offenbart sich das Reich Gottes dem geistdurchdrungenen Menschen ganz konkret schon hier auf der Erde.

In der Heiligen Schrift selbst wird zwischen einem äußeren und einem inneren Menschen unterschieden: „Es wird gesät ein natürlicher Leib, und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Ist ein natürlicher Leib, so ist auch ein geistlicher Leib“ (1. Kor 15,44), und „Darum werden wir nicht müde; sondern, ob unser äußerlicher Mensch verdirbt, so wird doch der innerliche von Tag zu Tag erneuert“ (2. Kor 4,16). Der äußere Mensch wird mit den Sinnen wahrgenommen, wobei der innere Mensch als Träger der göttlichen Eigenschaften gekennzeichnet wird, dessen allerinnerster Kern göttlichen Wesens ist.

„So legt nun von euch ab nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, der durch Lüste im Irrtum sich verderbt. Erneuert euch aber im Geist eures Gemüts und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit“ (Eph 4,22-24).

Somit ist das Ziel unseres Lebens – und auch des inneren Christentums –, in diesem unseren inneren Menschen zu entflammen und mit ihm zu verschmelzen.

„Nachdem allerlei seiner göttlichen Kraft, was zum Leben und göttlichen Wandel dient, uns geschenkt ist durch die Erkenntnis des, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Tugend durch welche uns die teuren und allergrößten Verheißungen geschenkt sind, nämlich, dass ihr dadurch teilhaftig werdet der göttlichen Natur, so ihr fliehet die vergängliche Lust der Welt“ (2. Pt 1,3-4).

Ein jeder, der daran zweifelt, kann jedoch an sich selbst erfahren, dass er nicht nur ein materielles Wesen ist: Er braucht sich nur die Frage zu stellen „Wer bin ich?“ um bei der Nach-innen-Wendung zu entdecken, dass er tiefer und mehr ist als der äußerlich erkennbare Mensch. Er wird einen inwendigen Menschen in sich finden, der nicht wie der äußere von materiellen Dingen und Bedingungen abhängt, sondern einen Ausdruck seines Innenlebens, seiner Geistigkeit, darstellt, wodurch er zur Erkenntnis gelangen wird, dass auch die Welt von einer Geistigkeit durchdrungen ist, der Gottdurchwirktheit allen Lebens.

Wenn wir den Weg nach innen gehen und uns von Christus ergreifen und führen lassen, werden wir immer mehr erkennen, dass Gott und sein Reich nur in uns zu finden ist. So wird auch der Gott, der bloß geglaubt wird, nicht mehr statisch und daher als ein totes Bild wahrgenommen, sondern er wird zu einem lebendigen Gott, der innerlich als Wirklichkeit erfahren wird und dadurch dynamisch erscheint: Eine fließende Kraft, deren Lichtflut den von ihr Erfüllten durchflammt, durchgeistigt, von Grund auf erneuert und durch die Geburt Christus in ihm in einen neuen Menschen verwandelt.

„Denn der Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Nun aber spiegelt sich in uns allen des Herrn Klarheit mit aufgedecktem Angesicht, und wir werden verklärt in dasselbe Bild von einer Klarheit zu der andern, als vom Herrn, der der Geist ist“ (2. Kor 3,17-18).

„Da aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unseres Heilandes, nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes“ (Tit 3,5).

„Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ (Jh 3,3)

„Darum, ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden!“ (2. Kor 5,17).

Dies ist die wahre Kindschaft Gottes und Erbschaft Seines Reiches, deren daraus erwachsende Freiheit den Menschen den äußeren Dingen und Bedingungen überlegen macht und zugleich befähigt, diese von innen her zu meistern, damit das Reich Gottes wie innen so auch außen lebendige Wirklichkeit wird als ein Reich gottmenschlicher Brüderschaft und Liebe.

„Die ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“ (Jh 1,12)

„Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder […] Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi.“ (Rö 8,14+17)

Um dieses Ziel erreichen zu können müssen wir nach der Verinnerlichung und Vergeistigung unseres Wesens streben. Dieser Weg aus der Mannigfaltigkeit der Welt in die Einfältigkeit des Geistes, aus der die Erfahrung der Gegenwart Gottes erblüht, kann nur durch Meditation und inneres Beten, was die Einsenkung unseres Geistes in Gottes Geist bewirkt, erfolgen.


MC 05/2010





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